Ad hoc

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Der Weihnachtsmann ist im Maschinenbau Dauergast

Die deutschen Maschinenbauer beenden das Jahr 2014 in bester Stimmung. Gute Geschäfte in anderen Ländern lassen die Krise in der Ukraine und in Russland in den Hintergrund treten. Entsprechend selbstbewusst traten die Vertreter der Branche auf ihrer Jahrespressekonferenz in Frankfurt auf: „Russland hat nicht die Kraft, den deutschen Maschinenbau umzuwerfen. Dafür ist der russische Markt nicht groß genug“, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Reinhold Festge. Weihnachten kann also kommen, auch in den nächsten Jahren. Denn allein der Produktivitätsfortschritt durch die Digitalisierung der Industrie, das sogenannte Internet der Dinge und die „Industrie 4.0“ werde in den nächsten zehn Jahren in Deutschland rund 80 Milliarden Euro erreichen, glaubt der VDMA.In diesem Jahr ist die Produktion vor allem dank Zuwächsen in den Vereinigten Staaten und China in den ersten zehn Monaten des zu Ende gehenden Jahres um 1 Prozent gestiegen. „Auch der heimische Markt ist auf Wachstumskurs“, sagte Festge: In den ersten zehn Monaten des Jahres habe der Inlandsumsatz das Vorjahresniveau um 3 Prozent übertroffen. Diese Einflüsse entwickeln sich entsprechend positiv auf die Beschäftigungssituation aus. Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren beschäftigen die Betriebe der Branche mehr als eine Million Mitarbeiter.

Unter dem Strich können wir 2014 sowohl beim Umsatz mit 212 Milliarden Euro als auch in der Produktion mit 199 Milliarden Euro die bisherigen Rekordmarken von 2008 übertreffen“, sagte Festge. Im kommenden Jahr wolle die Branche, zu der neben zahlreichen Mittelständlern börsennotierte Konzerne wie Thyssen-Krupp, DMG Mori Seiki und Gea gehören, weiter zulegen, kündigte der Maschinenbaupräsident an. Er bekräftigte die Prognose, wonach die Produktion 2015 um 2 Prozent wachsen soll.
Ursprünglich hatten die Hersteller in diesem Jahr allerdings noch mehr angepeilt. Die Ukraine-Krise und schwache Märkte wie Brasilien machten ihnen einen Strich durch die Rechnung – schon im Juli hatte der VDMA seine Produktionsprognose von plus 3 auf plus 1 Prozent zurückgenommen. Jetzt gehöre Russland zu den Risikofaktoren, sagte Festge: „Hier müssen wir uns auf weitere Rückgänge einstellen, sowohl im direkten Handel mit Russland und der Ukraine als auch in deren Umfeld.“

In den ersten neun Monaten sind die Exporte in die Ukraine um ein Drittel und die nach Russland um 16 Prozent gesunken. In der Rangliste der Absatzländer rutschte Russland für die Anlagenbauer mit Exporten von knapp 5 Milliarden Euro damit um einen Rang auf Platz fünf nach unten. Auf Russland entfielen zwar nur rund 4 Prozent der gesamten Exporte, erläuterte Festge. „Aber wir haben Spätwirkungen. Durch dieses Embargo laden wir Konkurrenten aus anderen Regionen indirekt ein, in Russland Geschäftskontakte zu entwickeln.“ Diese würden sich nach der Krise nicht freiwillig aus Russland zurückziehen. „Russland ist für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau ein sehr wichtiger Markt, dessen Risiken, die sich aus der aktuellen Situation für das kommende Jahr ergeben, zurzeit stündlich wachsen“, sagte der Außenwirtschaftschef des Verbands, Ulrich Ackermann.

Aber auch das Geschäft in der ebenfalls von einer Währungschwäche heimgesuchten Türkei ließ um gut 15 Prozent nach. Wichtigste Auslandsmärkte der Maschinenbauer sind jedoch China, die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien. Und hier konnten die Unternehmen mit Ausnahme Frankreichs zulegen. Nach China zogen die Exporte um 2 Prozent an, in die Vereinigte Staaten sogar um 6 Prozent. In Amerika kurbelt die Reindustrialisierung in Folge des Fracking-Gas-Booms die Nachfrage an.

Als schmerzhaft stufen die Maschinenbauer in der deutschen Wirtschaftspolitik vor allem die Rente mit 63 Jahren ein. Eine Umfrage des VDMA habe gezeigt, dass von den Personen, die ihre Unternehmen wegen dieser Regelung verließen, zu 74 Prozent der Gruppe der Facharbeiter und Meister zuzurechnen sei. „Wir laufen in einem Herzstück der Produktion auf eine schwierige Situation zu. Das tut uns richtig weh, wir werden jahrelang unsere Wunden lecken müssen“, sagte Festge.

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