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Indien und Deutschland: Anshu Jain als Reiseleiter

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Schon auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hätte man von den Reiseplänen etwas merken können: Während die deutschen Journalisten dort mit Hintergrundgesprächen zur Lage der Deutschen Bank vorliebnehmen mussten, hatte der Inder Anshu Jain sehr wohl Lust und Zeit zu einem ausführlichen Interview mit einem indischen Kollegen des Senders „New Delhi Television“. Dort wurde der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank ausführlich zur wirtschaftlichen Lage in Indien befragt. Und für die Vorstandsvorsitzenden von BASF, Thyssen-Krupp und Daimler wäre das Gespräch eine gute Vorbereitung auf ihre Indienreise gewesen, die sie am vergangenen Wochenende gemeinsam mit Jain angetreten haben. Vielleicht hat Jain auch die Gelegenheit genutzt, sich selbst ein wenig in Stimmung zu bringen.

Heinrich Hiesinger (Thyssen), Dieter Zetsche (Daimler) und Kurt Bock (BASF) jedenfalls trafen sich nach Informationen dieser Zeitung auf Initiative von Jain am Sonntag und am Montag mit wichtigen Unternehmern und maßgeblichen Vertretern der indischen Regierung. Das Ziel: ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse ausländischer und in diesem Fall deutscher Investoren in Indien zu erlangen. Und Hiesinger, Zetsche und Bock sollten für die Inder interessante Gesprächspartner sein. Denn die Unternehmen, die sie vertreten, haben in Indien allesamt erhebliche Interessen. Sie wissen daher auch um die Schwierigkeiten, die das dringend notwendige Wachstum des Landes immer wieder hemmen.

Jain hatte das in seinem Interview in den Schweizer Bergen so auf den Punkt gebracht: „Indien muss jeden Monat eine Million Arbeitsplätze schaffen.“ Denn viele junge Menschen drängen auf den Arbeitsmarkt, zum anderen urbanisiert sich das Land. Um diese Entwicklungen sozialverträglich abzufedern, braucht Indien Arbeitsplätze – und ist in dieser Hinsicht mit China vergleichbar, dem für viele deutsche Unternehmen inzwischen wichtigsten Exportmarkt. „Der Anteil der produzierenden Industrie am Bruttoinlandsprodukt Indiens ist noch immer sehr gering“, sagte Jain. „Gerade in diesem Bereich gibt es Raum für Wachstum.“

Jain sparte im Vorfeld seiner Reise denn auch nicht mit Lob für die neue indische Regierung. Sie handele mit großer Klarheit. Allerdings wird auch deutlich, worum es der kleinen, aber feinen deutschen Delegation vor allem gehen wird: „Wenn es einen entsprechenden Index gäbe, würde ich zeigen, dass Indien eines der Länder ist, in denen es am schwersten ist, Geschäfte zu machen“, hatte Jain zu Protokoll gegeben. Wenn sich das nicht ändere, werde es für Indien sehr schwierig, eine große Exportnation wie zum Beispiel China zu werden.

In Gesprächen mit indischen Unternehmern wie dem Infosys-Vorstandsvorsitzenden Vishal Sikka (der die Deutschen aus seiner Zeit als Vorstandsmitglied des Softwarekonzerns SAP bestens kennt) und den indischen Ministern für Industriepolitik, für Energie und Finanzen sowie dem Ministerpräsidenten wird sich nun zeigen, ob der Subkontinent auf diesem Weg gemeinsam mit den Deutschen vorankommen kann. Jain hatte schon in Davos gesagt, seine Bank wolle ihre Netzwerk und ihr Geschäft in Indien ausbauen. Zetsche wiederum würde in Indien liebend gern mehr Lastwagen verkaufen. Daimler betreibt in der Stadt Oragadam ein Werk für Lastwagen der Marke Bharat-Benz. Kurt Bock von der BASF hat erst Anfang Dezember vergangenen Jahres mit dem Bau eines neuen „Innovation Campus“ in Neu-Mumbai begonnen. Damit ist eine Investition von 50 Millionen Euro verbunden. Die Einrichtung wird etwa 300 Wissenschaftlern Platz bieten, die in den Bereichen Pflanzenschutz, Prozessentwicklung und der Polymerforschung arbeiten werden. Der BASF Innovationscampus wird globale Forschungs- sowie regionale und lokale Entwicklungsaktivitäten umfassen.

Thyssen-Krupp hat in Indien ebenfalls eine lange Tradition – und beschäftigt dort knapp 6000 Menschen. Das Unternehmen ist ein wichtiger Lieferant von Produkten und Lösungen zum Aufbau der Infrastruktur in Indien, und das längst nicht nur mit Blick auf Fahrstühle und Rolltreppen in Bürogebäuden und Flughäfen. Jain und seine Begleiter müssen nun nur noch dafür sorgen, dass sie ihren Teil dazu beitragen können, dass diese Fahrstühle für Indien weiterhin nach oben fahren.

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3 Lesermeinungen

  1. Bewusste Inkompetenz
    Und das ist das schlimme. Indien bräuchte eine Kulturrevolution. Solange man lieber 1000 Taqelöhner für 10000 Rupien im Monat einstellt, als 100 einigemaßen ausgebildete Arbeiter für 50000 Rupien im Monat, und solange Bauarbeiter nicht einmal Schuhe tragen, wird sich nicht viel ändern. Leider wollen zu viele, auch ein Großteil der unteren Klassen, die Verhältnisse so lassen, wie sie sind. Namaskar aus Mumbai!

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 3. Februar 2015 | Die Börsenblogger

  3. Aber ja....
    „Jain und seine Begleiter müssen nun nur noch dafür sorgen, dass sie ihren Teil dazu beitragen können, dass diese Fahrstühle für Indien weiterhin nach oben fahren.“

    Aber ja doch… weiter oben steht noch ehrlicher, dass es in Indien wegen Korruption und Inkompetenz nahezu unmöglich ist Geschäfte zu machen.

    Viel Spass beim Investieren… wie sagt Pispers doch?
    „Solche Banker führen anderer Leute Geld gassi…“

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