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IBM: Neuer Geschäftsbereich für Gesundheit wird mit Großübernahme gestärkt

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Die Zukunft der Gesundheitsvorsorge ist, nicht nur nach der Meinung des amerikanischen Computerkonzerns IBM, zum einen digital, zum anderen hoch personalisiert. Mit digitalen Fitness-Begleitern, aber auch mit telemedizinischen Lösungen und Sensoren könne heute jederzeit der individuelle Gesundheitszustand gemessen und kontrolliert werden, glaubt IBM – jedenfalls dann, wenn die entsprechenden Geräte beim Nutzer oder Patienten vorhanden sind.

Dabei entstehen große Datenmengen: Ein Mensch generiert nach Angaben der Amerikaner in seinem Leben durchschnittlich mehr als eine Million Gigabyte an gesundheitsrelevanten Daten, das entspreche dem Inhalt von mehr als 300 Millionen Büchern. Diese wachsenden Datenberge liefern in der Hoffnung von Ärzten und Informatikern wertvolle Informationen, um die allgemeine und persönliche Gesundheitsvorsorge sowie therapeutische Maßnahmen weiter zu verbessern. Und natürlich kann man daraus auch ein gutes Geschäft machen.

Schon im April dieses Jahres hat IBM deshalb einen neuen Geschäftsbereich gegründet. Die Sparte mit Sitz in Boston hat einen klangvollen Namen: Sie heißt „IBM Watson Health“. Watson ist ein Computerprogramm, das von IBM entwickelt wurde, um Antworten auf Fragen zu geben, die in natürlicher Sprache eingegeben werden. Benannt ist es nach Thomas J. Watson, einem der ersten Präsidenten von IBM. Zur Demonstration seiner Leistungsfähigkeit konkurrierte das Programm 2011 in der Quizsendung „Jeopardy“ mit zwei menschlichen Gegnern, die in der Show zuvor Rekordsummen gewonnen hatten. Das System aber gewann das Spiel. Inzwischen bietet IBM seinen Kunden die Nutzung der entsprechenden Software über die digitale Datenwolke Cloud an. Die technische Basis für das neue Gesundheitsgeschäft ist folgerichtig die „Watson Health Cloud“ als die, so formuliert es IBM, „offene und sichere“ Plattform für den Austausch zwischen Medizinern, Versicherern und weiteren Akteuren des Gesundheitssektors.

Zur Gründung des Geschäftsbereichs kündigte IBM zudem an, Partnerschaften mit Apple, Johnson & Johnson und Medtronic intensivieren zu wollen. Berichtet wurde auch von zwei Übernahmen. Mit den Unternehmen Explorys und Phytel will IBM seine analytischen Fähigkeiten in diesem Bereich verbessern. Der Preis für diese Käufe wurde damals nicht veröffentlicht, es dürften aus der Sicht von IBM aber kleinere Übernahmen gewesen sein. Später kam noch eine Partnerschaft mit der amerikanischen Drogeriemarktkette CVS Health hinzu.

Erst vor wenigen Tagen hat IBM den neuen Bereich nun weiter ausgebaut und dafür insgesamt 1 Milliarde Dollar einschließlich Schulden bezahlt. Gekauft wurde das amerikanische Unternehmen Merge Healthcare, das für Pharmakonzerne, Forschungseinrichtungen und Gesundheitsplattformen medizinische Bilddaten zur Verfügung stellt. Bilddaten seien der größte Datenschatz im Gesundheitswesen überhaupt, stünden sie doch für 90 Prozent aller derzeit verfügbaren medizinischen Daten. Watson jedenfalls sei inzwischen in der Lage, auch Bilder und entsprechende Abweichungen auf ihnen im wahrsten Sinne des Wortes zu erkennen. Merge wiederum bietet ein Produkt zur Sammlung, Archivierung, Anzeige, Freigabe und zum Austausch von Bildern aller Art an.

Das ist ein durchaus profitables Geschäft: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres erwirtschaftete Merge Healthcare einen Gewinn von 19,7 Millionen Dollar aus einem Umsatz von 120 Millionen Dollar.

IBM hofft nun, auf seiner Plattform die Bilddaten mit anderen Gesundheitsdaten der jeweiligen Patienten zusammenführen zu können und den Ärzten damit neue Diagnosemöglichkeiten zu eröffnen. Das entspricht auch dem Geist der Partnerschaften mit Apple, Johnson & Johnson sowie Medtronic. Stets geht es darum, Daten auf neuen Wegen zusammenzuführen: IBM und Apple zum Beispiel wollen den Nutzern über die Cloud eine sichere Plattform-Lösung für die Apple-Programme „Health Kit“ und „Research Kit“ anbieten und Forschern den Zugriff auf die notwendigen Analysewerkzeuge geben. Apple-Nutzer können mit „Health Kit“ ihre Gesundheitsdaten sammeln und verknüpfen. Dort werden Daten aus verschiedenen Apps zusammengeführt, die zum Beispiel Schritte oder Kalorien zählen, aber auch auf Wunsch Zugriff auf externe Hardware wie Blutzuckermessgeräte haben. „Research Kit“ gibt Wissenschaftlern wiederum die Möglichkeit, anonymisierte Informationen für Forschungszwecke bereitzustellen.

Johnson & Johnson wird gemeinsam mit IBM Trainingssysteme für die pre- und post-operative medizinische Patientenversorgung und Wirbelsäulenoperationen entwickeln. Johnson & Johnson plant darüber hinaus, neue Gesundheits-Apps für chronisch Kranke auf den Markt zu bringen, für deren Behandlung nach Angaben der Unternehmen auf der ganzen Welt etwa 80 Prozent der Gesundheitsausgaben in Höhe von rund 7 Billionen Dollar aufgewendet werden müssen. Medtronic wird die Watson Health Cloud nutzen, um personalisierte Therapieangebote für Diabetiker zu entwickeln. Dazu werden Daten aus den unterschiedlichen Geräten des Medizinherstellers, wie Insulinpumpen und Glukose-Überwachungsgeräte, übermittelt und analysiert. Auf dieser Basis soll dann die Entwicklung dynamischer, personalisierter Diabetiker-Therapien erfolgen.

Der Medizinsektor in den Vereinigten Staaten gehört nach Angaben von IBM zu den Pionieren beim Einsatz kognitiver Watson-Technologie.

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2 Lesermeinungen

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 12. August 2015 | Die Börsenblogger

  2. Sachlich gesehen
    ein Unsinn.
    Aber mit dem richtigen Marketing kann es ein geschäftlicher Erfolg sein.

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