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Der Besuchermagnet Code-N verlässt die Cebit

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Die Computermesse Cebit in Hannover verliert im kommenden Jahr ihr größtes Aushängeschild: Die Innovationsplattform Code-N wird nicht auf der Cebit zu finden sein. In der entsprechenden Halle inmitten des Messegeländes waren in diesem Jahr allein 86 000 Besucher gezählt worden. Das Bild von den orangen Kuka-Robotern, die in der Code-N-Halle fleißig Kunstoffblöcke zu individuellen Kunstwerken zerschnitten, ging um die ganze Welt. Aber Ulrich Dietz, der Code-N-Erfinder und Hauptfinanzier, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender des Stuttgarter Softwarehauses GFT, hat sich entschieden, Hannover den Rücken zu kehren, und will Code-N im Herbst des kommenden Jahres in einem eigenständigen Format fortführen.
„Stattfinden wird Code-N in einer Stadt in Baden-Württemberg“, sagt Dietz. Die Verhandlungen liefen noch, sicher sei aber, dass in der betreffenden Stadt während der Code-N-Tage nicht nur in einer einzigen Halle etwas los sei, sondern an mehreren Orten gleichzeitig.

Warten auf den Ansturm: Code-N-Halle im Jahr 2014© Carsten KnopWarten auf den Ansturm: Code-N-Halle im Jahr 2014

Die Deutsche Messe AG als Veranstalter der Cebit hat auf die Nachricht dem Vernehmen nach zunächst erschrocken reagiert, nun aber den Plan gefasst, den eigenen „Scale11“-Gründerwettbewerb so zu stärken, dass die von Code-N hinterlassene Lücke nicht zu groß wird. Der Bereich soll nach Informationen dieser Zeitung zusammen mit dem Bundesverband Deutsche Startups und dem Bundeswirtschaftsministerium im kommenden Jahr deutlich ausgebaut werden. Dietz jedenfalls ist davon überzeugt, der Messe durch die erst seit 2011 etablierten Code-N-Wettbewerbe neue Impulse gegeben zu haben: „Unsere Stände haben den Veranstaltern gezeigt, wie Messen der Zukunft aussehen, wie man alte Formate weiterentwickeln kann“, sagt Dietz.
„Als Code-N im Jahr 2012 ins Leben gerufen wurde, war von vornherein vorgesehen, dass es nur ein zeitlich begrenztes Engagement auf der Cebit sein würde“, sagt dazu Oliver Frese, das bei der Deutschen Messe für die Cebit zuständige Vorstandsmitglied. „Ziel damals war auch, dass Code-N neue Wege in der Veranstaltungsumsetzung aufzeigt“, räumt Frese sein. Jetzt aber finde sich „die DNA von Code-N“ auf der gesamten Cebit wieder, ist der Messemanager überzeugt – ein Beispiel dafür sei das völlig neu gestaltete Konferenzformat „Global Conferences“, das zuletzt in der Tat in einem sehr viel unkonventionelleren Format stattgefunden hat.

Die vierte – und auf der Cebit nun letzte – Ausgabe des Code-N-Wettbewerbs stand unter dem Motto „Into the Internet of Things“ und suchte nach jungen Unternehmen mit Geschäftsmodellen rund um das Internet der Dinge. Mehr als 450 Startups aus dem In- und Ausland hatten sich dafür beworben. Die besten 50 Bewerber erhielten eine kostenlose Ausstellungsfläche in der Code-N-Halle. Als Gewinner wurde 2015 das Berliner Start-up Relayr für sein Produkt Wunderbar ausgezeichnet. Bei dem Wettbewerb, der von dieser Zeitung als Medienpartner unterstützt wurde, sollte es aber nie bleiben. Schon seit September gibt es die Online-Plattform „Code-N Connect“, die Start-ups mit etablierten Unternehmen vernetzt, die an ähnlichen Entwicklungsthemen arbeiten. Zudem gibt es inzwischen unter dem Namen „Code-N“-Spaces in Stuttgart einen Innovationcampus, auf dem junge und erfahrene Unternehmen gemeinsam an digitalen Zukunftsthemen arbeiten. „Und künftig soll Code-N auch etablierten Unternehmen bessere Möglichkeiten bieten, mit der Gründerszene in Kontakt zu treten“, sagt Dietz. Das Ziel ist klar: Auf der einen Seite erweitert sich damit die Zielgruppe der künftig eigenständigen Veranstaltung, auf der anderen gibt es neue Möglichkeiten, Sponsoren für Code-N zu gewinnen.

Die Cebit hatten in diesem Jahr insgesamt 221 000 Menschen besucht. Damit war die Zahl der Gäste erstmals seit fünf Jahren wieder gestiegen; allerdings hatte es mit China auch ein sehr attraktives Partnerland gegeben. Im Jahr zuvor waren rund 208 000 Besucher auf das Messegelände gekommen. Das Problem der Cebit ist, dass ausgehend von ihrem traditionellen Themengebiet der Informationstechnologie inzwischen zahlreiche weitere Messen entstanden sind, die mit großem Erfolg Spezialthemen abdecken, die dadurch in Hannover keine große Rolle mehr spielen.

In Amerika wird die Consumer Electronics Show in Las Vegas immer wichtiger, in Deutschland ist die digitale Unterhaltungselektronik auf der IFA in Berlin zu finden. Computerspiele werden auf der Gamescom in Köln gezeigt. Und besonders wichtig: Das große Thema Mobilfunk hat seine Heimat auf der entsprechenden Messe in Barcelona gefunden, die kurz vor der Cebit stattfindet und sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Hinzu kommt seit einiger Zeit die Schwierigkeit, dass die Cebit mit der Hannover Messe Konkurrenz aus dem eigenen Haus bekommt. Denn die Digitalisierung der Industrie unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ ist für die Cebit ebenso wichtig wie für die Industriemesse.

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