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Die besten Technologie-Pioniere kommen nicht aus Europa

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Wenn die Organisatoren des World Economic Forum (WEF) auf die Welt blicken und die innovativsten jungen Unternehmen suchen, werden sie vor allem in den Vereinigten Staaten fündig. Auf der Liste der entsprechenden „Technology Pioneers“ finden sich nur wenige europäische Neugründungen – und nicht ein einziges entsprechendes Unternehmen kommt aus Deutschland.

Dabei beschäftigen sich diejenigen, die es geschafft haben, für den Jahrgang 2016 ausgewählt worden zu sein, mit Innovationen, die auch in der wachsenden deutschen Start-up-Szene durchaus stark beachtet und bearbeitet werden: Vom 3D-Druck über das Internet der Dinge bis hin zu Drohnen ist alles dabei. Eingesetzt werden diese Technologien in Branchen, die ebenfalls stark im europäischen Fokus stehen, nämlich in der Gesundheitswirtschaft, Landwirtschaft, im Bereich der Finanzdienstleistungen und der Industrie. Geholfen hat das aus der Sicht der Fachleute, welche die Liste für das WEF zusammengestellt haben, aber nichts.

Dort stehen in diesem Jahr namhafte Tech-Start-ups wie zum Beispiel die in Luxemburg ansässigen Fin-Tech-Anbieter Blockchain oder Quid, ein Anbieter von Visualisierungswerkzeugen für Markttrends und Slack, der Erfinder einer App zur Verbesserung der Zusammenarbeit in Teams. „Die Klasse der Technologie-Pioniere dieses Jahres zeigt, wie Unternehmen auf das Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien reagieren können“, wird Fulvia Montresor, die Leiterin der Technologie-Pioniere beim World Economic Forum, in der entsprechenden Pressemitteilung zitiert: „Sie zeigt, wie schnell sich neue Technologien entwickeln und wie Innvoationen von heute beginnen, Lösungen für weltumspannende Herausforderungen zu werden.“

Unternehmen wie Voxel8 aus den Vereinigten Staaten, der Verkäufer eines 3D-Druckers für Elektronik, Farmers Rand, ein kanadischer Anbieter von Daten für die Präzisionslandwirtschaft, und Cylance, ein Softwarehaus, das sich in Amerika auf einen vorausschauenden Schutz vor Cybergefahren durch künstliche Intelligenz spezialisiert hat, zählen ebenfalls zu diesen aus der Sicht des WEF für die Zukunft spannenden Anbietern. Weitere Namen auf der diesjährigen Liste heißen Magic Leap (virtuelle Retina-Displays für Mixed-Reality-Anwendungen); Kensho (Echtzeitanalysen für die Finanzindustrie durch künstliche Intelligenz) und Wrightspeed (Hybrid-Elektro-Antriebe für schwere Lastwagen).

Zum Technology Pioneer zu werden ist durchaus eine Auszeichnung, denn die Auserwählten treten in die Fußstapfen von Unternehmen wie Google (im Jahr 2001 auf der Liste vertreten), Wikimedia (2007), Kickstarter (2011), Dropbox (2011) und Transfer Wise (2015). Viele der Preisträger nehmen an der Jahrestagung der „New Champions“ des World Economic Forum in China in dieser Woche teil, aber auch an der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums im kommenden Jahr in Davos.

Die aus europäischer Sicht ernüchternde Bilanz ist aber, dass einundzwanzig von 30 Technologie-Pionieren dieses Jahres aus den Vereinigten Staaten kommen, womit sich eine Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzt. Nur sechs der Unternehmen wurden in Europa gegründet. Als Gründe für diese Entwicklung nennt das WEF die Größe des amerikanischen Binnenmarkts, den verbesserten Zugang zu Finanzmitteln und eine Umgebung, die das Gründen insgesamt begünstige. Ausgewählt werden die Pioniere aus Hunderten Bewerbungen von 68 Wissenschaftlern, Risikokapitalgebern und Führungskräften.

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