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Halbzeitbilanz: Dax-Konzerne trotzen einer großen Unsicherheit

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Zeit für eine Halbjahresbilanz: Ungünstige Währungseffekte und eine schwache Weltkonjunktur bescherten den 30 Dax-Konzernen im zweiten Quartal einen leichten Umsatzrückgang und kräftige Gewinneinbußen. Der Gesamtumsatz der entsprechenden Unternehmen sank um 1,1 Prozent auf 326 Milliarden Euro, der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) schrumpfte um 6,6 Prozent auf 29,8 Milliarden Euro.

Vor allem im Außenhandel ist die Wechselkurssituation herausfordernd geworden. Im Vergleich zur selben Zeitspanne des Vorjahres hat der Euro zum britischen Pfund und dem chinesischen Renminbi fast 10 Prozent zugelegt – gegenüber dem Schweizer Franken 5 Prozent und gegenüber dem Dollar 2 Prozent. Der gestiegene Eurokurs lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung schrumpfen – worunter vor allem stark internationalisierte Unternehmen leiden, die erhebliche Umsätze außerhalb des Euroraums erwirtschaften. Insgesamt mussten die Dax-Konzerne Umsatzeinbußen von mindestens 7 Milliarden Euro hinnehmen. So entgingen etwa dem Autokonzern Daimler wegen des gestiegenen Eurokurses im zweiten Quartal knapp 800 Millionen Euro an Umsatz, bei BASF und Siemens waren es jeweils rund 570 Millionen Euro, bei der Allianz lagen die währungsbedingten Einbußen bei gut 480 Millionen Euro.

Ebenfalls belastend wirken das extrem niedrige Zinsniveau, das sich für Banken und Versicherungen zunehmend zu einem existentiellen Problem entwickelt, sowie der niedrige Ölpreis, der Ausrüstungsinvestitionen bremst und damit einigen Industriekonzernen ein Auftragsminus beschert. In diesem Umfeld haben sich die Dax-Unternehmen aber dennoch passabel geschlagen. So konnte die Mehrheit der Unternehmen beim Umsatz zulegen, auch wenn dreizehn Konzerne einen Umsatzrückgang auswiesen, wobei bei dieser Betrachtung die Banken unberücksichtigt bleiben. Den stärksten Umsatzanstieg meldete der Pharmakonzern Merck aus Darmstadt, dessen Umsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal um 18 Prozent zulegten. Den höchsten Umsatz erzielte hingegen das krisengeschüttelte Unternehmen Volkswagen: Der Autokonzern erwirtschaftet einen Umsatz von knapp 57 Milliarden Euro, 2 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Spitzenreiter beim Gewinn waren im zweiten Quartal Daimler (mit 3,3 Milliarden Euro) und BMW (2,7 Milliarden Euro), gefolgt vom Münchner Versicherungskonzern Allianz, der einen operativen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro erwirtschaftete. 19 Unternehmen verzeichneten einen Gewinnanstieg; bei elf Unternehmen war der Gewinn rückläufig. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf Basis der Quartalsberichte der im Aktienindex Dax gelisteten Unternehmen. „Die Dax-Konzerne haben sich im zweiten Quartal wacker geschlagen – trotz des konjunkturellen Gegenwinds in vielen Märkten und trotz ungünstiger Währungseffekte lag der Umsatz nur geringfügig unter dem Vorjahresniveau“, stellt Mathieu Meyer, Mitglied der EY-Geschäftsführung, dazu fest.

„Vor allem dank der wirtschaftlichen Erholung in Europa, wo der Umsatz um knapp 2 Prozent stieg, und der anhaltend guten Marktlage in Nordamerika entwickeln sich die meisten Unternehmen im operativen Geschäft gut. Und die extrem niedrigen Zinsen dürften auch in den kommenden Monaten für eine hohe Konsumbereitschaft der Verbraucher und damit für eine starke Binnennachfrage sorgen.“ Die zunehmenden Schwankungen von Absatzmärkten, Währungen und Rohstoffpreisen sowie die rasante technologische Entwicklung veranlassten etliche Dax-Konzerne derzeit aber zu massiven Umbauten: „Viele deutsche Konzerne stecken mitten in einer tiefgreifenden Neuausrichtung ihres Geschäfts – sie spalten radikal ganze Bereiche ab oder tätigen Milliardenzukäufe.“ Der Umbau der Konzernstrukturen und Geschäftsmodelle sei noch lange nicht abgeschlossen: „Der Trend geht eindeutig weg vom Mischkonzern, hin zu fokussierten Geschäftsmodellen: Neue Wettbewerber und ein rasanter Wandel durch neue Technologien und regulatorische Vorgaben zwingen die Unternehmen dazu, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen und sich neu zu formen. Um diese Ziele zu erreichen, sind die Unternehmen auch bereit und in der Lage, hohe Summen für Zukäufe auszugeben“.

Denn die Dax-Konzerne verfügen nach wie vor über üppige Finanzpolster – zum Ende des zweiten Quartals blickten sie auf flüssige Mittel von insgesamt knapp 92 Milliarden Euro, 8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.


3 Lesermeinungen

  1. Pingback: Blogoscope August 2016 « LGT Finanzblog

  2. Strotzen und trotzen...
    Selbstüberschätzendes Strotz-handeln ist die Quelle der Stürme denen
    dann heldenhaft getrotzt wird?
    Der Mensch, heldenhafter Siegfried und hinterlistiger Hagen in eins?
    Er trotzt heldenhaft seiner strotzigen Maßlos-Selbstbemühung sich
    von hinten selber durch die Brust ins Auge(-selbst) zu stechen?
    Den Selbstzerstörungsstürmen erfolgreich getrotzt trotz strotzen?
    Blind vor Heldeneifer im selbstentfachten Unsicherheitgeschehen?
    Als außerhalb…des Sandkastens?…Stehender reibe ich mir meine
    Augen vor Verwunderung über die Selbstbewunderungen der
    Sandkasten- und Spielspezies Mensch…erwachsen scheinen,
    aber in Wirklichkeit im Sandkastenalter…Jesus: Sie sind wie Kinder…
    Ich: Aber mit Atomwaffen und mehr…s. Gegenwartgeschehen…
    Leben kostende und Leben gefährdende „Sandkastenkinderspiele“.

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