Ad hoc

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Auf einen Espresso: Disconnected Drive

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Das Auto fährt bald autonom, und schon heute ist ein Modell modernerer Bauart über das Internet mit seinem Hersteller vernetzt. Das trifft jedenfalls dann zu, wenn man bereit ist, für einige Euro mehr ein System zu kaufen, das zum Beispiel bei BMW „Connected Drive“ heißt. Der Hersteller ist darauf stolz, denn es kann eine Menge. Es liefert dem Fahrer zum Beispiel Verkehrsinformationen in Echtzeit auf sein Navigationssystem.

Das funktioniert überraschend gut, dynamisch kann mancher Stau auf der Autobahn zeitsparend umfahren werden. Nur in wenigen Fällen offenbaren sich erhebliche Aussetzer: Oft gibt es dann den angezeigten Stau gar nicht, aber derartige Fehler sind eher Ausnahmen. Das System ist im Alltag in der Regel eine Hilfe für den Fahrer. Im Alltag. Und in der Regel. Hier beginnen die Schwierigkeiten, die zeigen, wie weit die Welt in der Wirklichkeit noch von den vollvernetzt-digitalen Zukunftsvisionen entfernt ist, die auch auf der Computermesse Cebit in der kommenden Woche wieder eine große Rolle spielen werden.

Denn ein solches Auto ist einerseits so modern, dass es an den Netzwerkrechner seines Herstellers meldet, es wolle in den Service. Deshalb schickt derselbe einen Brief mit einer Telefonnummer. Man möge sich melden. Achtung, bitte möglichst schnell: Schon eine Überschreitung der Laufleistung des Autos um weitere 10 Prozent könne zu erheblichen Schäden führen. So weit, so gut – doch von diesem Zeitpunkt an wird das digitale Paradies zur analogen Hölle.

Im Callcenter findet man es zunächst toll, dass man sich meldet. Dann gratuliert man zum Auto: Eine gute Wahl, findet die Stimme am anderen Ende der Leitung. Das wir das aus verschiedenen Gründen schon länger anders sehen, verschweigen wir lieber. Denn das hat mit dem Servicefall ja nichts zu tun. Das Anliegen („Service“) wird also vorgetragen. Doch, o weh, man ist an der falschen Adresse, obwohl man durchaus die richtige Nummer gewählt hatte. Aber kein Problem: „Wir verbinden Sie weiter zu Ihrem Händlerbetrieb. Pause. Wenn dort schon jemand ist.“ Zum Glück, es war jemand da. „Ich weiß auch schon alles“, sagte der Mann dort.

Indes: Er wusste eigentlich nichts. Das Auto war im System nicht eingepflegt. „Bestimmt ein Privatwagen?“, hieß es dann. Dass man zuvor vom sogenannten „Business Card Service“ weiterverbunden worden war und das Kennzeichen eindeutig auf ein Flottenfahrzeug hinwies – egal. „Also, Freitag, 10.30 Uhr, haben wir noch einen Termin frei.“ Freilich am anderen Ende der Stadt. Haben sie nicht einen Hol-und-Bring-Service? Das war doch die Voraussetzung, um den Wagen überhaupt kaufen zu können. Pause am anderen Ende der Leitung. „Ja, den haben wir auch. Dann holen wir den Wagen am Freitag. 8 Uhr.“ Um 8 Uhr war natürlich niemand da. Eine knappe halbe Stunde später ein Anruf: „Ist Ihr Wagen schon an Ort und Stelle?“ Schon?! Und wo sind sie? Ach so, Sie fahren jetzt erst los.

Als der Wagen zurückkam, meldete sich beim ersten Anlassen die Anzeige für den nächsten Service: „6000 Kilometer“ stand dort, obwohl der Wagen gerade erst aus der Werkstatt gekommen war. Was das denn solle, fragten wir nach. „Alles ganz normal“, hieß es dann. Bei „Full-Service“-Leasingfahrzeugen sei ein Service heutzutage nicht mehr unbedingt ein Service, in dessen Rahmen gleich alles erledigt werde. Man müsse nur im Bordcomputer nachschauen, dann sehe man schon, welche Flüssigkeit als Nächstes nachgefüllt werden müsse.

Im Bordcomputer schauten wir am nächsten Tag nach und staunten: Alle Haken standen auf Grün. Doch jetzt, nach nur einer Woche, will der Wagen schon nach 4000 Kilometern in die Werkstatt zurück. Bestimmt alles ganz normal so. Genauso wie der Verbrauch, der um gut 40Prozent über den angegebenen Werten liegt. Auch das, so hören wir, sei derzeit üblich. Wir sehnen uns zum Vorgängerfahrzeug zurück, von einem Hersteller mit schlechtem Ruf und einer kleinen Werkstatt gleich um die Ecke. Dort kennt der Bordcomputer das Fahrverhalten zwar nicht so gut. Aber der Meister kennt meinen Namen. Auch nicht schlecht.

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