Ad hoc

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Albig, Tuchel und wir selbst: Im Fegefeuer der Eitelkeiten

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Es ist furchtbar, wenn das Fegefeuer der Eitelkeiten zuschlägt. Wenn man zum Beispiel das Gefühl hat, eine bestimmte Person begegne einem selbst nicht oder nicht mehr „auf Augenhöhe“. Dann sollte man sich überlegen, ob das eigene Koordinatensystem noch stimmt. Vielleicht hat man abgehoben oder steht kurz davor. Und möglicherweise wird sogar umgekehrt ein Schuh daraus – ganz eventuell ist man selbst gar nicht in die Höhe gestiegen, sondern moralisch auf ein niedrigeres Niveau gesunken, während man nun vermeintlich in höheren Sphären schwebt und der andere einfach er selbst geblieben ist.

Die Zeit, über solche Dinge etwas länger nachzudenken, hat auf jeden Fall der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein mit dem Namen Torsten Albig von der SPD. In einem Interview hat Albig frei von der Leber über das Ende der Beziehung zu seiner Exfrau gesprochen. Sein Leben habe sich schneller entwickelt als ihres, sagte Albig. Sie hätten sich nur noch in wenigen Momenten „auf Augenhöhe“ ausgetauscht. Nun gut, so etwas soll es in diversen Managerkreisen oder in ganz normalen Familien auch schon gegeben haben. Und manchmal entwickeln sich Menschen eben in andere Richtungen. Aber deshalb muss man ja nicht gleich in einer anderen Flughöhe unterwegs sein. Und schon gar nicht obendrein eine eitle Homestory daraus machen. Den selbstverliebten eigenen neuen Glanz könnten andere nämlich als abstoßende Patina empfinden. Nicht wenigen Wählerinnen ist es am vergangenen Sonntag mit Blick auf Albig so gegangen.

Eitelkeit ist zwar höchst menschlich, aber ganz besonders öffentlichen Personen fällt sie immer wieder auf die Füße, wenn sie dieses Gefühl nicht im Griff haben. Legendär: Gerhard Schröder (SPD) in der Diskussionsrunde nach der verlorenen Wahl gegen Angela Merkel – viel zu selbstverliebt. Donald Trump? Ohne Worte. Aber erfolgreich. Jedenfalls noch. Daran zu glauben, dass seine Präsidentschaft auf dem eingeschlagenen Weg zum Erfolg wird, vermag man allerdings auch nicht. Angela Merkel (CDU) übrigens würde man in der Aufzählung ihrer Eigenschaften als Letztes eine besondere Eitelkeit zuschreiben. Ob das eines ihrer Erfolgsgeheimnisse ist, auf welche die gegen sie antretenden männlichen Alphatiere keine Antwort finden? Es mag sein.

Aus der Managerwelt fallen uns auch noch ein paar Namen ein, bei denen es Wahrnehmungsprobleme in Sachen Augenhöhe gab. Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn zum Beispiel, der Mann, der mit Vornamen eigentlich Professor hieß. Frank Asbeck, der Sonnenkönig von Solarworld vielleicht auch: Insolvent ist sein Laden jetzt trotz aller Subventionen. Die Herren Josef Ackermann und Clemens Börsig, einst von der Deutschen Bank? Wohl auch zu eitel, um vernünftig die jeweilige Amtszeit zu beenden. Unter den Folgen leidet ihr ehemaliger Arbeitgeber bis heute. Der aktuelle Chef John Cryan übrigens ist gänzlich uneitel. Wie wohltuend.

Und im Sport? Ah, da gibt es den jeweiligen Fifa-Präsidenten, der stets als Paradebeispiel für einen von Eitelkeit und Machthunger zerfressenen Manager gelten könnte. Das wurde erst in dieser Woche wieder bewiesen: Ethik und Eitelkeit? Nein, das passt nicht zusammen. Uli Hoeneß, nun ja, der ist auch nicht frei von Eitelkeit. Steuerhinterziehung, war da was? Und wie sieht es bei Borussia Dortmund aus, immerhin Deutschlands einzigem börsennotierten Fußballklub? Da passen Trainer Thomas Tuchel und Vereinsboss Hans-Joachim Watzke nicht so richtig gut zusammen. Aus welchen Gründen das so ist, wissen wir nicht genau. Aber wir können zumindest nicht ausschließen, dass auch gegenseitige Eitelkeiten eine Rolle spielen.

Fassen wir uns also alle zum Wochenende an die eigene Nase und fragen uns, wann wir das letzte Mal eine Blamage hingelegt haben, darüber herzlich lachen konnten – und gemerkt haben, dass man selbst vielleicht gar nicht so toll ist, wie man manchmal denkt. Dabei hilft es, wenn man Kinder hat. Die sagen einem solche Wahrheiten jeden Tag. Man muss ihnen nur zuhören, viel Spaß dabei.

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