Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Was ein iPhone so macht

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Na, gestern eines der ersten verfügbaren iPhone-X-Modelle bestellt, damit es mit der Lieferung vor Weihnachten auch auf jeden Fall noch klappt? Deutlich mehr als 1000 Euro für ein Telefon ausgeben? Für viele Menschen ist es kein Problem mehr. Apple hat eine Schallmauer durchbrochen. Der Weg zu weiteren Höhen ist frei. Das Smartphone ist für die Menschen zur Steuerungszentrale des privaten und beruflichen Lebens geworden. Tatsächlich gilt das inzwischen in dieser Reihenfolge. Es ist das Schweizer Taschenmesser der Moderne. Laut Apple-Chef Tim Cook ist es vollgestopft mit Technologien für die nächsten Jahre, was wahrscheinlich sogar stimmt. Und doch werden viele der Käufer von heute schon im neuen Jahr das Nachfolgemodell erwerben. Weil es geht. Nicht etwa, weil es nötig ist.    

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es ist gut, dass sich so viele Menschen so teure technische Geräte leisten können. Und die Erfindung des Smartphones selbst ist ebenfalls mehr Segen als Fluch, aber eben doch beides. Natürlich ermöglichen die preiswerteren Geräte ihrer Art es zum Beispiel Jugendlichen in Afrika, jederzeit mitzubekommen, wie die schöne Warenwelt des Westens aussieht. Sie sorgen so aber auch dafür, etablierte Traditionen und Werte in Frage zu stellen – und animieren vielleicht zur Flucht in die Ungewissheit. Aber die Geräte können auch dafür sorgen, dass Menschen in Afrika ein Bankkonto bekommen und Teil einer Wertschöpfungskette werden, die hilft, das eigene Land in die richtige Richtung zu entwickeln. So schafft das Smartphone Wohlstand. Es schafft Arbeitsplätze. Es wird aber auch allzu häufig zu Bedingungen gefertigt, die westlichen Standards nicht standhalten. Und die Steuern, welche die Hersteller auf ihre exorbitanten Gewinne aus dem Verkauf zahlen, sind in den allermeisten Fällen nicht gerecht über die Welt verteilt. Selbst Apple-Chef Cook weiß das. Und doch fällt es den Ländern sehr schwer, daran etwas zu ändern.    

Es sind Entwicklungen wie diese Steuerohnmacht, die dem Thema noch eine tiefere Dimension verleihen, weil sie die Menschen misstrauisch macht gegenüber Politikern und Managern, auch gegenüber Medien. Oder, wie es der britische Politiker Michael Gove formuliert hat: „Die Menschen haben keine Lust mehr, Experten zuzuhören.“ Nun gut, aber wem dann? 

Ausgerechnet im Smartphone findet sich Ersatz, zu jeder Zeit, an jedem Ort, für jeden nach seinem Geschmack. Und in dieser Welt kennen die Menschen immer seltener den Unterschied zwischen einer reinen Veröffentlichungs-Plattform wie etwa Youtube und der Arbeitsweise zum Beispiel einer Zeitungsredaktion – was zu unfassbaren Missverständnissen führen kann, die jahrzehntelange Traditionen in Frage stellen. „Selbst wenn von euch korrekte Meldungen geliefert werden, kann es nur für diejenigen stimmig sein, die eben nicht engstirnig auf die Bestätigungen ihrer eigenen Meinung warten“, schrieb jüngst ein Freund. Genau das aber gelingt immer weniger Menschen.    

Richtig schwierig werde es, wenn selbst offizielle Polizeimeldungen als Fake News herhalten müssten (was nach den Vorgängen in der Silvesternacht 2016 in Köln regelmäßig passiert). Und doch lautete seine Schlussfolgerung aus allen Überlegungen: „Ich brauche niemanden, der für mich denkt und Informationen filtert.“ Aber ist es denn wirklich möglich, alles, was wichtig ist, auf dem Smartphone im Griff zu behalten – so ganz ohne professionelle Begleitung des Geschehens, mit einer Meinung hier und einer Nachricht dort?

Für (zu) viele Menschen lautet die Antwort ja. Denn sie vertrauen ihrem persönlichen Umfeld stärker als Einflüsterern von außen. Und wenn das Umfeld (oder ein „Influencer“) den Kauf des neuen iPhones empfiehlt, wird es eben begeistert gekauft. Und wenn die Art, wie der Hersteller Steuern zahlt, dort verurteilt wird, wird er eben auch verurteilt. Das eine hat aber keine Rückwirkung auf das andere mehr. Die einzelnen Punkte werden nicht miteinander verbunden. Denn dabei hilft nur der Kopf, nicht die Technik. In jedem Fall aber viel Spaß mit dem neuen Gerät, wenn es denn noch vor Weihnachten geliefert wird. Denn wie bei allem ist ja auch hier eigentlich nur die Frage, was man daraus macht.

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4 Lesermeinungen

  1. Tja, Herr Knop, kann es nicht auch sein, daß viele Ihrer Kollegen
    die Differenzierung „mit einer Meinung hier und einer Nachricht dort“ im Gegensatz zu den Lesern als nicht mehr zeitgemäß betrachten ? Ich persönlich bin da für Fakten und nicht für selektive Fakten-Häppchen, dazu noch ideologisch aufbereitet. Ein Journalist darf gern seine Meinung sagen/schreiben, aber bitte nicht als Berichterstattung. Andernfalls macht man sich lächerlich und mutiert vom Sturmgeschütz zur Konfettikanone der Demokratie.

    • Hmmm, völlig OK. Aber wir sind uns schon darüber einig, dass der Text, den Sie kommentiert haben, ein Meinungsbeitrag ist, OK? Dann ist alles in Ordnung.

  2. Schizophrenie
    Es gehört sicherlich zu den absurderen Dingen im Leben, sich über ein Smartphone von Apple zu freuen aber wegen der anstößigen Steuermoral der Firma Apple diese als „evil“ zu bezeichnen. Aber offensichtlich interessieren gegenwärtig auch schon weniger komplexe Zusammenhänge immer weniger Menschen.

    Daß man dennoch seine Meinung zu den Weltproblemen hat, davon zeugen Blogrolls, welche in Schriftgröße 8 ausgedruckt und aneinandergelegt sicherlich schon mehrfach die Erde umkreist hätten.

    Aber zurück zu dem iphone: Den meisten Interessenten geht es nur sekundär um die Funktionalitäten, welche das neue Gerät gegenüber der alten Generation aufweist. Apple hat es vielmehr verstanden, das inhärente Bedürfnis vieler Menschen nach einem Geltungskonsum mit einem Produkt zu befriedigen, was man unter Normalbedingungen als einfachen Gebrauchsgegenstand einstufen würde.

    Steve Jobs war unter den Gründern der Firma nicht der „Techniker“-Typ sondern eher ein genialer Verkaufsstratege mit geradezu visionärem Anspruch. Hierzu gibt es Bibliotheken von Literatur…

    Spannend dürfte aber sein, wie sich die Firma in Zukunft ausrichten wird. Das „Erbe“ verwalten dürfte nicht ausreichen.

  3. Das Vernunftmaß zu finden...
    ist wohl die schwierigste Humanaufgabe…Extreme zeigen uns unseren
    Ver(nunft)stand…Vernunftbildungsgrad?

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