Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Deutschlands Aktiengesellschaften haben Rekordjahr fest im Blick

Deutschlands größte Unternehmen steuern auf ein Rekordjahr zu: Der Gesamtumsatz der hundert umsatzstärksten börsennotierten Konzerne kletterte in den ersten drei Quartalen im Vergleich zur selben Zeitspanne des Vorjahres um knapp sieben Prozent auf 1,25 Billionen Euro. Der Gewinn stieg sogar deutlich überproportional: um 21 Prozent auf knapp 109 Milliarden Euro. Dementsprechend legte auch die Profitabilität zu: Die durchschnittliche Marge stieg von 7,7 auf 8,7 Prozent. Die deutschen Unternehmen arbeiten also viel rentabler.

Sowohl das Umsatz- als auch das Gewinnranking werden angeführt von Autokonzernen: Volkswagen, Daimler und BMW sind die umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen Deutschlands – beim Gewinn sind Daimler und Volkswagen führend, vor der Deutschen Telekom und BMW. Die höchsten Margen fahren aber kleinere Unternehmen ein: Der Flughafenbetreiber Fraport schaffte in den ersten neun Monaten eine Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 24 Prozent, die Pharmakonzerne Bayer und Merck kamen ebenso wie die Bayer-Abspaltung Covestro auf eine Marge von 20 Prozent.

Mehr als die Hälfte der 100 größten börsennotierten Unternehmen kommen aus Nordrhein-Westfalen und Bayern; dort haben 30 beziehungsweise 25 Konzerne ihren Hauptsitz. Stark vertreten unter den „Top 100“ ist außerdem Baden-Württemberg mit 15 Unternehmen; aus Hessen kommen acht Konzerne. Die Umsatzentwicklung der Unternehmen aus den größeren Bundesländern war dabei in diesem Jahr ähnlich gut: Die Unternehmen zwischen Rhein und Weser schafften ebenso wie die bayerischen und niedersächsischen Konzerne ein Umsatzplus von sechs Prozent, die baden-württembergischen Unternehmen legten um sieben Prozent zu, die hessischen Unternehmen sogar um 13 Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Entwicklung der 100 umsatzstärksten, börsennotierten Unternehmen Deutschlands im Zeitraum Januar bis September 2017 durch die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Banken und Versicherungen wurden nicht mit einbezogen.

„2017 war ein gutes Jahr für die deutsche Wirtschaft – von den 100 umsatzstärksten Unternehmen schafften 76 einen Gewinnanstieg, sogar 84 konnten ihren Umsatz erhöhen“, wird Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY in einer entsprechenden Mitteilung: „Bemerkenswert ist die branchenübergreifend positive Entwicklung – alle Sektoren können derzeit am Aufschwung partizipieren.“

Auch für das kommende Jahr ist Meyer optimistisch: „Die Konjunktur hat sich in diesem Jahr überraschend positiv entwickelt und in ganz Europa an Tiefe und Breite gewonnen. Davon profitiert gerade die exportorientierte deutsche Industrie – endlich kommen wieder Wachstumsimpulse aus Märkten wie Frankreich, Spanien und Italien, was zudem die schwache Entwicklung der britischen Wirtschaft mehr als ausgleichen kann. Viele deutsche Unternehmen arbeiten heute am Rande ihrer Kapazitäten – und mindestens bis zur Jahresmitte dürfte es auf diesem hohen Auslastungsniveau noch weitergehen.“

Das stärkste organische – also nicht aus Zukäufen resultierende – Umsatzwachstum unter den Top 100 konnte der bayerische Bau- und Maschinenbaukonzern Bauer AG erzielen, der um 24 Prozent zulegte.

Bedeutung traditioneller Industriebranchen weiter gestiegen

Mehr denn je wird das Ranking der umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands von Unternehmen der „Old Economy“ dominiert: Insgesamt 57 der 100 Unternehmen stammen aus klassischen Industriebranchen wie Maschinen- und Automobilbau sowie Bergbau, Chemie und Energieversorgung – vor einem Jahr lag ihre Zahl noch bei 55. Die IT-Branche ist hingegen wie im Vorjahr gerade einmal mit fünf Unternehmen im Ranking vertreten, die Zahl der Medienunternehmen im Ranking sinkt sogar von vier auf drei, während die Zahl der Telekommunikationsunternehmen von zwei auf drei steigt.

Zum Vergleich: In den Vereinigen Staaten sind unter den 100 umsatzstärksten Unternehmen gleich 20 Technologie- und Medienunternehmen – also fast doppelt so viele wie in Deutschland. Und die Zahl der Unternehmen aus klassischen Industriebranchen liegt mit ebenfalls 20 erheblich niedriger als in Deutschland.

„Traditionelle Industriebranchen bilden nach wie vor das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – und sind derzeit auch noch sehr erfolgreich. Allerdings stehen diese Branchen vor enormen Umwälzungen: Ihre Geschäftsmodelle werden sich grundlegend verändern. Angetrieben wird dieser Wandel vor allem von der Digitalisierung, die alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche erfasst. Die entscheidenden Treiber dieses rasanten technologischen Wandels sind aber keine europäischen Unternehmen, sondern IT-Konzerne aus den Vereinigten Staaten und China.“

Für Deutschland stehe viel auf dem Spiel, warnt Meyer: „Wir dürfen uns nicht auf den aktuellen Erfolg traditioneller Industriebranchen verlassen, sonst könnte der aktuelle Boom schnell vorbei sein. Wichtig ist vor allem, dass der Hochtechnologie- und Innovationsstandort gestärkt wird – denn daran entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands.“

Beschäftigung in den führenden deutschen Unternehmen steigt

Die Mehrzahl der 100 umsatzstärksten, börsennotierten deutschen Unternehmen – 71 Prozent – stockte im bisherigen Jahresverlauf die Belegschaft auf: Insgesamt beschäftigten sie zum 30. September 2017 weltweit knapp 4,9 Millionen Menschen – das waren 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die gute Konjunkturentwicklung führt auch zu einem kräftigen Beschäftigungsplus bei den deutschen Top-Unternehmen. Sowohl Beschäftigung als auch Umsatz und Gewinn liegen damit derzeit auf Rekordniveau – und viel spricht dafür, dass sich diese gute Entwicklung im kommenden Jahr fortsetzen wird“, erwartet Meyer.

Das Unternehmen mit den meisten Mitarbeitern ist nach wie vor Volkswagen: Bei dem Wolfsburger Autokonzern waren zum 30. September 2017 insgesamt gut 610 000 Menschen beschäftigt – zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auf den Rängen zwei und drei folgen die Deutsche Post mit etwa 465 000 und Siemens mit 372 000 Beschäftigten. Das stärkste organische Beschäftigungswachstum verzeichnete der Online-Händler Zalando, der die Zahl der Mitarbeiter um 26 Prozent erhöhte.