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Amerikanische Augenblicke

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Hillary Clintons demütigender Absturz, John McCains wundersame Auferstehung, Barack Obamas märchenhafter Aufstieg: Amerika erlebt den längsten und

Gekaufte Wahl?

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Wenn die Maschine 18 Stunden verspätet ist, hat man eine Menge Zeit, um ins Gespräch zu kommen. Jeff ist Ingenieur, etwa Ende 30, arbeitet für die Navy und...

Bild zu: Gekaufte Wahl?Wenn die Maschine 18 Stunden verspätet ist, hat man eine Menge Zeit, um ins Gespräch zu kommen. Jeff ist Ingenieur, etwa Ende 30, arbeitet für die Navy und fliegt gerade von einem Einsatz in Schweden zurück in die Staaten. Ob er sich schon für einen Kandidaten entschieden habe, frage ich, und schiebe hinterher, dass die Deutschen von Barack Obama so entzückt sind, dass sich viele gar nicht erklären können, warum überhaupt noch jemand für John McCain stimmen würde. Jeff ist von beiden nicht begeistert, aber vor allem nicht von Obama: „Der verspricht viel, aber er wird wenig davon halten können.“ Außerdem trägt Jeff dem Demokraten nach, dass der sich zunächst für die öffentliche Wahlkampffinanzierung ausgesprochen hat, dann aber doch aus dem System ausscherte, um die gesetzliche Höchstgrenze für Wahlkampfausgaben umgehen zu können – ein nicht unwesentlicher Punkt im teuersten Wahlkampf der amerikanischen Geschichte.

So richtig bewusst sind sich die meisten Amerikaner dagegen nicht, wer von den beiden Kandidaten mit öffentlichem Geld kämpft (McCain) und wer seine Spenden komplett selbst sammelt, dafür aber auch unlimitiert viel ausgeben kann (Obama). Fast zwei Drittel können das nicht zuordnen, fand das Institut Gallup in einer Umfrage heraus, und nur 30 Prozent wissen die korrekte Antwort. Eine große Mehrheit von 70 Prozent der Amerikaner findet aber, dass in diesem Wahlkampf schon zu viel Geld ausgegeben wurde. Das sagen nicht nur 84 Prozent der Anhänger von McCain, sondern auch 58 Prozent der Obama-Fans.

Die Umfrage wurde erstellt einen Tag bevor Obama seinen halbstündigen Werbefilm ausstrahlte, den sechs Sender gleichzeitig zur besten Sendezeit zeigten und den etwa 30 Millionen Menschen gesehen haben sollen. Schätzungen gehen davon aus, dass Obamas Kampagne dafür 3,5 bis 5 Millionen Dollar ausgab. Insgesamt hat Obama nach Angaben des Center for Responsive Politics schon 573 Millionen Dollar in den Wahlkampf gepumpt, McCain dagegen „nur“ 293 Millionen.

Kleine Anregung zum Nachdenken: Hätte George W. Bush in seiner Kampagne zur Wiederwahl so mit Geld um sich geworfen, hätte er fast doppelt so viel ausgegeben wie sein damaliger demokratischer Herausforderer John Kerry, hätte man ihm dann nicht (vor allem auch aus Deutschland) vorgeworfen, sich den Wahlsieg gekauft zu haben?

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6 Lesermeinungen

  1. <p>Die Antwort ist klar:...
    Die Antwort ist klar: Wer Geld hat, kann es ausgeben, für sich oder für anderes. Die Frage ist: woher kommt das Geld? UNd mit welcher Absicht wird es eingesetzt? Berlusconi hat sich in sein Amt ergekauft, ihm gehört die Medienlandschaft. Für die Amerikaner aber sieht das anders aus und Obama hat gut daran getan, es so zu machen, wie er es machte: denn die Bevölkerung beweist mit dem Spendengehabe, dass sie voll hinter ihm steht, und zwar ein jeder, egal, ob er 5$ oder 1 Millionen gespendet hat. Obama macht nicht mit Mafia-Geldern (hoffentlich!) Wahlkampf, sondern mit dem Geld der Menschen, die ihn ehrlich auch unterstützen. Und auf die Bevölkerung der USA verteilt, hat dann im Durchschnitt jeder Amerikaner 1 $ für Obama gespendet, wenn ihm 500 Millionen und mehr zur Verfügung stehen. Warum also soll nicht auch ein „demokratischer“ und aufrichtiger Mensch mit Hilfe des Kapitals das höchste Amt anstreben und auch erlangen?

  2. Eine halbe Milliarde Dollar...
    Eine halbe Milliarde Dollar für einen Wahlkampf, das so zu betrachten, ist ein interessanter Aspekt, und er kommt der Wahrheit nahe, wenn auch nur in Ansätzen. Die bürgerliche Demokratie eine gekaufte Demokratie, eine Konsumdemokratie, eine Demokratie für das große Geld, eine verkappte Autokratie und damit die absolute Ohnmacht für die Massen. Die Massen dürfen sich an dem Spektakel erfreuen, das andere so großzügig für sie organisieren und finanzieren. Dass sie es am Ende doch sein werden, die das wieder bezahlen, darauf kommt so leicht keiner. Oder ist es nicht so, dass die Sponsoren sich am Ende an ihrem Präsidenten gütlich halten werden. Einem Präsidenten, der diesen Firmen (und Personen) – zu Lasten des Steuerzahlers, zu Lasten der Wähler – fette Aufträge und politischen Einfluss zukommen lassen wird. Das ist die Erfahrung ganz besonders unter Bush Junior. Aber muss man nun vermuten, dass die Herrschenden das Pferd gewechselt haben? Ein bisschen wie an der Börse, man darf wetten. – Ach Ja: eine Zockerdemokratie.

  3. <p>Wie wäre es denn ganz ohne...
    Wie wäre es denn ganz ohne Geld? Studiengebühren, damit man studieren kann, oder Kapital, damit man für ein öffentliches Amt kandidieren kann: beides ist grundfalsch, weil es Grundrechte eines jeden beschneidet und den Vermögenden eine bessere Ausgangsposition verschafft. Wahlwerbespots könnten mit festen, von der Regierung bezahlten Budgets hergestellt werden. Damit verhindert man nicht, dass Milliardäre professionellere Spots schalten können – aber man erreicht, dass auch Nicht-Milliardäre im TV die gleiche Sendezeit bekommen, wenn sie fürs gleiche Amt kandidieren. „Gekaufte Wahl?“ – eine unsinnige Frage (beinahe) am Ende des Wahlkampfs. Es ist ein grundsätzliches, hausgemachtes Problem.

  4. "Obama macht nicht mit...
    „Obama macht nicht mit Mafia-Geldern (hoffentlich!) Wahlkampf, sondern mit dem Geld der Menschen, die ihn ehrlich auch unterstützen. “
    Ja, ehrliche Menschen mit Namen wie „Good Will“, “ Hbkjb jkbkj“ „Adolfe (sic) Hitler“ oder „Saddam Hussein“. Das ist natürlich nicht der echte Saddam Hussein – dafür ist er zu tot – sondern ein unbekannter Amerikaner oder Nicht-Amerikaner, der für Obama spendet:
    http://corner.nationalreview.com/post/?q=OGU2YzkzZGY5NDczOGFhY2Y3N2I5OGUyYmQxYzMxMDU
    http://corner.nationalreview.com/post/?q=NGNjYmQ4MzViZjk2NmJiZDc1MjBiMGZiNjE1MWFjNTI=
    Der entscheidende Punkt ist nicht einmal, daß auf diese Art gigantische Geldmengen illegal als Spenden verbucht werden, die nur auffallen, wenn dem Eingebenden zu langweilig ist, hundert mal „John Doe“ zahlen zu lassen; der entscheidende Punkt ist: Derartige Kreditkartenzahlungen werden von den recht fortschrittlichen Softwarelösungen standardmäßig wegen offensichtlich falscher Angaben aussortiert (bei McCain sind derartige Zahlungen nicht möglich); es sei denn, jemand setzt die Schutzmechanismen absichtlich außer Kraft, weil er kein Interesse daran hat, betrügerische Eingaben zu verhindern.
    Preisfrage: Warum hat Obama diese Mechanismen außer Kraft gesetzt?
    Natürlich spenden auch echte Menschen, wie Mary T. Biskup aus Manschester im Bundesstaat Missouri. Nur zwei Schönheitsfehler: Zum einen summieren sich „Mary T. Biskups“ Dutzende von Kleinspenden zu 174.800 US-Dollar, was dem 76-fachen des legalen Limits entspricht; zum anderen wurde Mary T. Biskup mal kontaktiert, nachdem dies auffiel (übrigens nicht etwa von den großen Zeitungen, die in den USA – ganz wie in Deutschland – alles tun oder eben auch unterlassen, um Obama als Sieger über die Ziellinie zu schleifen). Und siehe da: Frau Biskup fiel aus allen Wolken – sie hatte nämlich keine einzige Spende veranlaßt…
    http://corner.nationalreview.com/post/?q=Zjg2YTM4Y2FlZTE5NTg3YzdjNDc5ODU5YWVkNTBjMzk=
    Eine ganz gute Zusammenfassung dieser unfaßbaren Vorgänge findet sich hier:
    http://atlasshrugs2000.typepad.com/atlas_shrugs/obamas_foreign_contributions/
    Was derzeit zugunsten von Obama passiert ist schlichtweg kriminell. Wie die Mainstream-Medien dies weichspülen, bagatellisieren oder schlicht ignorieren ist unglaublich und ein moralischer Bankrott sondergleichen.
    – DHH

  5. <p>Leider habe ich einen...
    Leider habe ich einen solchen Beitrag in den deutschen und anderen europäischen Medien noch nicht gefunden. … Die vorgehenden Kommentare zu diesem Artikel zeigen es doch klar: Berluskoni und Maffia müssen herhalten, um jeden Andersdenkenden zum Schweigen zu bringen. Und es gibt nur wenige, die es in seinen Kreisen wagen was anderes zu sagen. Die Voreingenommenheit für Obama ist in unserem Lande unermesslich geworden. Was hat der Mann gemacht für unser Land, dass er so hochgejubelt wird?

  6. <p>In den letzten zwei Jahren...
    In den letzten zwei Jahren wurden $5,3 Milliarden fuer die Wahlkaempfe ausgegeben inklusive Praesident, 35 Senatoren, und 435 House seats. In dem letzten Jahr – also in der Haelfte der Zeit – haben Amerikaner mehr als $6,3 Milliarden fuer Kartoffelchips ausgegeben.

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