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Beobachtete Beobachter – eine glänzende Analyse des Streits um Troia zwischen Fachdiskurs und FAZ-Feuilleton

25.05.2010, 09:55 Uhr

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Das Adjektiv „populärwissenschaftlich” ist nicht mehr so oft zu lesen wie früher. Dabei gibt die Bezeichnung „populärwissenschaftliches Buch” sehr viel besser wieder als etwa „Sachbuch”, daß es um eine Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Forschung und interessierter Öffentlichkeit geht. Das eher schlechte Image dieses Genres gerade unter Gelehrten dürfte sich aus der Machart solcher Bücher in früheren Zeiten ergeben: „Gesichertes Wissen” wurde als Ergebnis „der Wissenschaft” in leicht lesbarer, Effekte nicht verschmähender Weise „popularisiert”, meist von Nichtwissenschaftlern, die sich das Wichtigste mehr oder minder rasch angeeignet hatten. Cerams Götter, Gräber und Gelehrte dürfte wie kaum ein anderes Buch hierzulande nach dem 2. Weltkrieg Begeisterung für die Archäologie ausgelöst haben, aber die dadurch geweckte Inspiration trug manchen in ein Studium dieses Faches, das sich dann so ganz anders darstellen mußte als gedacht.

Gemeint sein kann aber auch der Versuch, die wissenschaftliche Arbeit als solche transparent und die Ergebnisse dadurch nachvollziehbar zu machen, nicht mehr als „gesicherte Erkenntnisse”, sondern als komplex generierte Produkte vieler Faktoren: der Fragen, des Materials, der herrschenden oder einander widersprechenden Paradigmen, der disziplinären Traditionen, aber auch der Erkenntnisinteressen und der Persönlichkeit der mit der Sache befaßten Forscher.

Die Wissenschaft wissenschaftlich zu beobachten ist seit langem Sache des Faches Wissenschaftsgeschichte. In Bielefeld gibt es dazu den Studiengang History, Philosophy, Sociology of Science (HPSS) am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT). Als Abschluß ihres Studiums in diesem Fach hat kürzlich Susann Wagenknecht eine hochinteressante, gut 100 Seiten umfassende Master-Arbeit vorgelegt: „Die Rolle des Feuilletons in wissenschaftlichen Kontroversen am Beispiel der Troia-Debatte”. Gemeint ist die hier schon öfter angesprochene ‘erste’ Troja-Debatte von 2001 bis etwa 2005. Wagenknecht konzentriert sich auf Feuilleton der F.A.Z. Sie kann zeigen, daß die maßgeblich an diesem Ort geführte Debatte nicht allein die Popularisierung eines innerwissenschaftlichen Streites war. Vielmehr gewann der in der Tat schon zuvor zwischen Frank Kolb und Manfred Korfmann geführte Disput um die Deutung der Grabungsbefunde am Hügel Hissarlık, nachdem die maßgeblich von Korfmann gestaltete Troia-Ausstellung in Stuttgart gestartet war und der Althistoriker Kolb seinen Tübinger Kollegen von der ur- und frühgeschichtlichen Archäologie im Sommer 2001 als „Däniken der Archäologie” bezeichnet hatte, eine ganz neue Dynamik und wirkte vor allem auch in die gelehrte Forschung zurück, wie mehrere Monographien und Sammelbände sowie zahlreiche Aufsätze zeigen. Wagenknecht kann eindruckvoll nachweisen, „welche Bedeutung der populärwissenschaftliche Diskurs für die Wissenschaft besitzen kann. Dabei überlassen die beforschten Wissenschaftler die geisteswissenschaftliche Reflexion der öffentlichen Kontroverse nicht gänzlich der Wissenschaftsforschung; diese Reflexion ist vielmehr Teil argumentativen Arsenals, das in der Kontroverse zum Einsatz kommt. Die Geisteswissenschaften nehmen für sich in Anspruch, sich selbst reflektieren zu können. Vielleicht sind sie deswegen in der Wissenschaftsforschung bisher ein eher randständiges Forschungsfeld.”

Detailliert wird zunächst der Verlauf der Kontroverse in den Medien nachgezeichnet, streng sachlich, nur mit einer kleinen Sottise: „Die Debatte zeigt ab 2002 eine Tendenz zur Versachlichung. Das mediale Interesse erlahmt deutlich; lediglich die FAZ führt die Debatte bis zum Tod Korfmanns [scil. 2005] fort.”

Die Sache selbst wird ebenfalls klar umrissen: Korfmann und seine Unterstützer behaupten, Troia sei in der Spätbronzezeit eine wohlhabende Residenzstadt und ein überregionales Handelszentrum gewesen. Als Beleg für diese Annahme glaubt man, in den zeitlich relevanten Siedlungsschichten eine dicht bebaute, ummauerte Unterstadt nachweisen zu können. Korfmanns Kritiker halten die spätbronzezeitliche Siedlung für sehr viel kleiner und damit weitaus weniger bedeutsam, als Korfmann es darstellt. Sie erkennen außerdem nicht genügend Indizien dafür, Troia als Handelsstadt zu bezeichnen. Damit vermengt sich die Frage nach der Historizität des in der Ilias Geschilderten: Der mit Korfmann verbündete Philologe Joachim Latacz behauptet, daß wesentliche Inhalte der Ilias aus der Spätbronzezeit stammen – also aus jener Epoche, in welcher auf dem heutigen Hügel Hissarlık eine bedeutende Stadt gestanden haben könnte. Zudem verortet Latacz den Schauplatz der Ilias in einer historischen Realität, die sich seiner Ansicht nach auf Basis spätbronzezeitlicher Quellen unabhängig von der Ilias rekonstruieren läßt. Die Historizität des von Homer geschilderten Krieges wird hingegen nicht ausdrücklich behauptet, ihr Erweis aber als Ziel und Ergebnis weiterer Forschungen suggeriert. Seine Kritiker hingegen halten weder die Gleichsetzung von ‘Troia’/’Ilios’ mit ‘Wilusa’ und ‘Taruwisa’ noch weitere lautliche Gleichsetzungen für plausibel, mit denen Latacz die Ilias an andere, v.a. hethitische Quellen anzuschließen sucht. Daneben zweifeln die Kritiker daran, daß sich in der homerischen Fassung der Ilias bemerkenswerte Erinnerungen an die Spätbronzezeit (12. Jh. v.Chr.) erhalten hätten. Die Argumentation von Korfmann, Latacz und ihren Anhängern zeichnet sich dadurch aus, daß sie diese beiden Themenkomplexe – den archäologischen und den philologischen – verknüpft.” Den Kritikern jedoch gilt die interdisziplinäre Gesamtschau als Spekulation, ihre Ergebnisse als Fiktion.

„Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die Community der Althistoriker den Standpunkt der Korfmann-Seite mehrheitlich ablehnt. Für die Archäologie ist eine ähnlich eindeutige Tendenz nicht auszumachen. Das Meinungsbild unter den Philologen – insbesondere unter den Hethitologen – ist gänzlich uneinheitlich. Im Unterschied zur Fachwissenschaft jedoch dominiert in der Populärwissenschaft augenscheinlich auch nach der öffentlichen Kontroverse ein Troia-Bild, wie Korfmann und Latacz es zeichnen.” Diese Asymmetrie erklärt Wagenknecht präzise und pointiert: „Die Korfmann-Kritiker haben keinen eigenen positiven Entwurf, der neben dem spektakulären Diorama bestehen könnte, das die Korfmann-Seite aufspannt, und sogar mit kulturpolitischer Bedeutung auflädt: Das mächtige Troia sei Beweis dafür, dass Anatolien als Wiege der europäischen Zivilisation gelten könne. Dass Troia eine unbedeutende Siedlung ist, deren Herrscherclique von Wegzöllen lebt, ist weder eine interessante neue wissenschaftliche Hypothese noch ein publikumswirksames Szenario. Salopp formuliert, für die Erforschung eines Piratendorfes würden die Daimler-Stiftung und andere Drittmittelgeber sich wohl kaum mit größeren Summen engagieren. Wer in Hissarlik kontinuierlich graben will, braucht umfangreiche Forschungsgelder. Weder die Daimler-Stiftung noch die Deutsche Forschungsgemeinschaft dürften ein Vorhaben intensiv fördern, das sich nicht einen substantiellen Erkenntnisgewinn zum Ziel gesetzt hat.”

Wie die Debatte in der F.A.Z. ablief, war zunächst kontingenten Faktoren geschuldet. Der damals für Archäologie zuständige Redakteur Michael Siebler, selbst promovierter Archäologie, stand ganz im Bann von Korfmanns Troia-Bild. Unter der Überschrift „Kolbs Krieg” kritisierte er Ende Juli 2001 dessen scharfe Attacke gegen Korfmann seinerseits scharf. Dagegen verfaßten mehrere prominente Gelehrte, meist Althistoriker, ihrerseits einen Protestartikel, den die F.A.Z. jedoch nicht abdruckte. Man wird nicht sagen können, daß so die Eröffnung eines bewußten Agenda-Setting aussieht, wie es dem Feuilleton später zu vielen anderen Themen gelang – mustergültig etwa durch Raoul Schrott, der Ende 2007 mit einem vier Seiten (!) umfassenden Artikel die zweite Troia-Debatte lostrat. Für 2001 aber gilt: „Die Debatte kommt in der FAZ anfangs nur zögernd in Gang.” Erst später, dann aber reichlich gab man, in verschiedenen Formaten, Vertretern beider Positionen und einigen abseitsstehenden Experten Raum. Nochmals Wagenknecht: „Die Troia-Debatte gibt dem Feuilleton die Möglichkeit, sich selbst zum Ereignis zu stilisieren. Sie wird dem Leser als Kontroverse präsentiert, die – sozusagen live - in der Zeitung stattfindet. Die strittigen Positionen werden in feuilletonistischer Manier zugespitzt. Das vermittelnd-berichtende Moment der Wissenschaftspopularisierung tritt dabei in den Hintergrund. Angesichts dessen ist die Troia-Kontroverse im Zeitungsfeuilleton sicher kein Beispiel für jenen Wissenschaftsjournalismus, der in den Printmedien üblich und in der Regel in naturwissenschaftlich-technischen Beilagen zu finden ist. Das Feuilleton ist eine Nische. Es ist eine massenmediale Kommunikationsplattform, die ihren Autoren einen hohen Grad an publizistischer Autonomie gewähren kann. Wohl nur das Feuilleton erlaubt es Wissenschaftlern systematisch, ganze Beiträge in Eigenregie zu verfassen und im Rhythmus der Tagespresse publizieren zu können.” Insgesamt schätzt Wagenknecht den (neudeutsch gesprochen) ‘impact’ derartiger Debatten ziemlich hoch ein: „Das Feuilleton kommt einer ökologischen Nische gleich, die eine unübliche Form der Populärwissenschaft ermöglicht. Das Feuilleton erlaubt es, komplizierte fachwissenschaftliche Argumente pointiert anzureißen und in einen weiteren Kontext zu setzen. Die empirische Analyse hält vor Augen, wie sich die ursprüngliche, fachwissenschaftliche Frage nach einem adäquaten Troia-Bild in der öffentlichen Diskussion inhaltlich ausweitet. Im Feuilleton kommt es zu einer verdichtenden Verknüpfung verschiedener thematischer Aspekte. (Dabei) verallgemeinert sich der Konflikt zu einem Disput darüber, was als ‘wissenschaftlich’ gilt.”

Die Populärwissenschaft gewinnt in dieser Arbeit ein schärferes Profil: „Dass die Feuilleton-Debatte der Kritik am Korfmann’schen Troia-Bild zu einer wissenschaftlichen Aufmerksamkeit verhelfen kann, die ihr vor Kolbs polemischen Däniken-Vorwurf nicht vergönnt gewesen ist, geht nicht nur auf die lautstarke Allgegenwart der Massenmedien zurück – sondern auch auf die Spezifika des populärwissenschaftlichen Genres. (…) Das ursprüngliche Problem gewinnt durch seine generalisierende Re-Formulierung (scil. zentriert um den Status wissenschaftlich/nichtwissenschaftlich) eine Bedeutung, die in der fachwissenschaftlichen Diskussion – so sie denn stattgefunden hat – nicht ersichtlich war. Diese neue Relevanz ruft ein gesteigertes Engagement der wissenschaftlichen Gemeinschaft hervor. Kurz, die inhaltlich-argumentativen Spezifika des populärwissenschaftlichen Genres haben einen mobilisierenden Effekt: Wissenschaftler schalten sich in die Debatte ein; Allianzen werden festgezurrt. Der zuvor bereits latent vorhandene epistemische Konflikt ‘übersetzt sich’ in die öffentliche Auseinandersetzung zweier sozialer Bündnisse.” Dabei spielen natürlich auch disziplinäre Grenzen und Formierungen eine Rolle; „vor allem die Korfmann-Seite sieht es als vorteilhaft an, die Troia-Kontroverse als zwischen-disziplinären Konflikt (scil. zwischen Archäologie und Althistorie) zu verhandeln. Kritik an der eigenen Position lässt sich auf diese Weise als ‘fachfremd’ banalisieren.”

Wagenknechts Studie – eine Zierde für die ansonsten mit Recht gescholtenen neuen Studiengänge und Abschlüsse – verdient Leser und Nachahmer.

Bild zu: Beobachtete Beobachter – eine glänzende Analyse des Streits um Troia zwischen Fachdiskurs und FAZ-Feuilleton

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (3)
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0 franket 25.05.2010, 15:50 Uhr

Zunächst möchte ich daran...

Zunächst möchte ich daran erinnern, dass die Kolb-Debatte *nicht* die erste "Schlacht um Troja" war. Nur wenige Jahre zuvor tobte um Troja der Atlantis-Streit, der es sogar zu einem SPIEGEL-Titel brachte, in dem sich Eberhard Zangger und Korfmann gegenüberstanden (s. Link). Zangger deutete die Atlantiserzählung als eine verzerrte Überlieferung des trojanischen Krieges, Korfmann konterte: Atlantis suchen ist wie Liliput suchen. Zangger arbeitete danach nicht mehr als Archäologe (warum?) und verfolgte die Kolb-Debatte mit einigem Amusement. 2008 habe ich ihn auf der Atlantiskonferenz in Athen gesehen - er war dort nicht als Vortragender, sondern als Zuschauer. . Das Feuilleton als populärwissenschaftlich zu bezeichnen, halte ich für gewagt. Populärwissenschaft liegt dann vor, wenn Wissenschaft, auch unter Einschluss innerwissenschaftlicher Debatten, dargestellt wird. Die Kunst der Populärwissenschaft ist es, zu vereinfachen ohne zu verfälschen. Wenn aber aktiv in die Debatte eingegriffen wird, dann ist das keine Populärwissenschaft mehr, sondern eben Feuilleton. . Im Gegensatz zu Naturwissenschaften gibt es in den Geisteswissenschaften, auch der Archäologie, nun einmal keine "harten" Beweise, sondern immer eine Gemengelage von Indizien mit mehr oder weniger Gewicht und Wahrscheinlichkeit, sowie Deutungstraditionen, die nicht so leicht durch neue Paradigmen zu ersetzen sind. Die Deutung der Geschichte ist ohnehin immer politisch relevant. Etwas anderes als solche "Schlachten" um Deutungshoheit ist also gar nicht zu erwarten, auch wenn es bedauerlich ist. . Widersprechen muss ich noch der Auffassung, dass Schrott eine neue Troja-Debatte provoziert hätte. Das ist schlicht unzutreffend. Redet da jemand über Troja? Es ist doch ganz offensichtlich eine Schrott-Debatte, keine Troja-Debatte! Das kann man sogar quantifizieren. An dem Abend, an dem ich Schrott in Frankfurt am Main live erleben musste - schrecklich ist die Erinnerung! - da wurde zusammengenommen vielleicht 10 min über Troja gesprochen, aber das eigentliche Thema des Abends war Schrott-Propaganda: Dass der Unterschied zwischen Ost und West völlig konstruiert sei, dass nur ewiggestrige Betonköpfe gegen den Beitritt der Türkei zur EU sein könnten usw. usf. - Und was man quantifizieren kann, darüber kann man *nicht* diskutieren. Die Schrott-Debatte ist keine Troja-Debatte. Das kann man *beweisen*.

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0 AGottwald 27.05.2010, 19:25 Uhr

An die Debatte...

An die Debatte Korfmann/Zangger kann ich mich auch gut erinnern, franket, und war gleichfalls höchst amüsiert, daß Korfmann plötzlich die gleichen Thesen vertrat, für die er Zangger kurz davor in den Boden gestampft hatte. Nun, Wissenschaftler sind auch nur Menschen und neben dem Wissenschaftsethos auch weniger wertvollen menschlichen Leidenschaften unterworfen. Zangger machte eben den Fehler aus den Ergebnissen der geomagnetischen Prospektion viel zu weitgehende Schlüsse zu ziehen. Spätestens mit dem Schlagwort „Atlantis“ feierten dann allenthalben ira und studio fröhliche Urständ. Den Wert von Feuilleton-Debatten würde ich als Leser trotzdem hoch veranschlagen. Es gibt dem interessierten Laien Einblicke in die Wissenschaftsdiskussion, die sonst nur mit viel Mühe zu erlangen wären. Insofern kommt auch Raoul Schrott das Verdienst zu, die Fachwissenschaft zur Selbstreflexion und Standortbestimmung veranlaßt zu haben. Allzu leicht nimmt man bestimmte Sachverhalte unkritisch als gegeben hin. Nach meiner Erfahrung ist für einen selbst nichts so aufschlußreich als jemand anderem (einem Auszubildenden, einem Studenten, wem auch immer) zu erklären, was man eigentlich tut und warum. In der Korfmann/Kolb-Debatte, die ja eigentlich eine Latacz/Kolb-Debatte war, stießen mir allerdings die unterschwelligen persönlichen Animositäten der Protagonisten auf. Zusammen mit den Extrempositionen, die beide Seiten einnahmen hatte das etwas von Sandkastenspielen unter Dreijährigen oder nahm sich eben aus wie „die öffentliche Auseinandersetzung zweier sozialer Bündnisse“. Man kann der Fachwissenschaft nur ins Stammbuch schreiben, daß dergleichen kontraproduktiv ist und von den Lesern höchst ungnädig vermerkt wird. Für solche Grabenkämpfe gibt es doch wohl andere Gremien und die Öffentlichkeit muß damit nicht belästigt werden. Ansonsten kann ich die Fachwissenschaft nur ermuntern, sich öfter auf den Feuilleton-Parcours zu wagen, gern auch mit steilen Thesen. Es lohnt sich.

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0 franket 28.05.2010, 09:52 Uhr

Amüsant auch die...

Amüsant auch die Verschränkung der Zangger/Korfmann- mit der Kolb/Korfmann-Kontroverse. Es war nicht Kolb sondern vielmehr Korfmann, der als erster zur "Däniken"-Keule griff, nämlich um damit Zangger und dessen Atlantisthese abzuwatschen (siehe der oben verlinkte Artikel). Was es also heißt, wenn Kolb dann seinerseits Korfmann einen "Däniken" nennt, versteht man erst richtig, wenn man die vorangegangene Atlantis-Debatte kennt. Kolb hat mit dieser Wortwahl doppelt "zugelangt", weil er Korfmann damit auf eine Stufe mit seinem vorigen Kontrahenten stellte, den er nur für verspottenswert hielt. . Für die Trojaforschung hat die Zangger-Debatte nicht so viel gebracht wie die Kolb-Debatte, die am Ende sehr fachlich wurde und sich von Kolb und Korfmann löste. Die wahre Bedeutung der Zangger-Debatte liegt vielmehr im Bereich der Atlantisforschung: Zangger hat einen Maßstab für eine realistische Atlantisthese gesetzt, und damit einen wichtigen Beitrag geleistet, eine teils sehr pseudowissenschaftlich abgehandelte Fragestellung wieder ein gutes Stück näher an die Wissenschaft heranzuführen. . Was ich mich die ganze Zeit frage: Ob Terra-X als Feuilleton gelten kann? :-)

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FAZ Redaktion