Antike und Abendland

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Tagesaktualität, wie sie sich mit einem Blog verbindet, und Antike – das scheint nicht zusammenzugehen. Dennoch soll hier der Versuch gewagt

Ein irreguläres Augustus-Jahr

| 3 Lesermeinungen

Zuende geht ein irreguläres Augustusjahr, zustandegekommen durch das zufällige Erscheinen mehrerer Biographien des Begründers der stabilen Monarchie in Rom....

Zuende geht ein irreguläres Augustusjahr, zustandegekommen durch das zufällige Erscheinen mehrerer Biographien des Begründers der stabilen Monarchie in Rom. Vielleicht eine List der Vernunft. Denn das nächste ‘reguläre‘ Augustusjubiläum, der zweitausendste Todestag am 19. August 2014, wird wahrscheinlich von ‘Hundert Jahre Erster Weltkrieg“ völlig überlagert werden. Zum ungeraden Geburtstag des ersten Prinzeps daher eine kurze bibliographische Bilanz.

Augustus hat nach Büchern mit Caesar ungefähr gleichgezogen. 2009 erschien das für Historiker und Studierende unentbehrliche Referenzwerk von Dietmar Kienast als preiswerter Nachdruck mit einem neuen Vorwort von Frank Bernstein. Es war bei seinem ersten Erscheinen 1982 und dann noch viele Jahre lang die einzige breit angelegte Darstellung auf dem Stand der Forschung; zugleich hat es auch Wege gewiesen, indem etwa die Baupolitik oder die Entstehung einer Hofgesellschaft ausführlich erörtert werden. Weil die Geschichte des Augustus (63 v.Chr. – 14 n.Chr.) beinahe identisch ist mit der Geschichte Roms und des zusammenwachsenden Reiches in dieser Zeitspanne, hat Kienast ausdrücklich keine Biographie geschrieben; vielmehr konzentriert er sich auf das Wirken des Politikers und Gründers einer neuen Monarchie und sieht die historische Leistung des Prinzeps mit Blick auf die Zukunft darin, dem Kaisertum in Rom ein belastbares, auch Versagen aushaltendes Fundament gebaut zu haben.

Die späte Übersetzung eines unausgewogenen und längst überholten Werkes aus der Feder von Zvi Yavetz muß demgegenüber leider als Mißgriff angesehen werden. Wettgemacht hat der Verlag dies jedoch, indem er kürzlich die monumentale, 1998 erschienene Augustus-Biographie von Jochen Bleicken († 2005) als preiswertes Paperback wieder zugänglich gemacht hat

 

 

Dietmar Kienast, Augustus. Prinzeps und Monarch. 4., bibliographisch aktualisierte und um ein Vorwort ergänzte Auflage. Darmstadt: Primus-Verlag 2009, XI, 612 S., geb., € 19,90

Jochen Bleicken, Augustus. Eine Biographie. Mit einem Nachwort von Uwe Walter. Paperback-Ausg. Hamburg: Rowohlt 2010, 816 S., € 15,00

Werner Dahlheim, Augustus. Aufrührer – Herrscher – Heiland. Eine Biographie. C.H. Beck, München 2010, 448 S., geb., € 26,95.

Bild zu: Ein irreguläres Augustus-Jahr

 

 

Mit Caesar gleichgezogen: eine Synopse

 

Augustus

Caesar

Speicher der Gelehrsamkeit des 19. Jahrhunderts

Viktor Gardthausen, Augustus und seine Zeit. 2 Bände in 6 Teilbänden, 1891-1904 (2388 Seiten!)

Wilhelm Drumann, Geschichte Roms in seinem Übergang von der republikanischen zur monarchischen Verfassung oder Pompeius, Caesar, Cicero und ihre Zeitgenossen. 2. Auflage hg, von Paul Groebe, Bd. 3, 1906, 126-752

Gentleman-Historiker

John Buchan (Lord Tweedsmuir; 1875-1940), Augustus, 1937; Neuausg. der dt. Übers. mit e. Nachwort von Alfred Heuß 1979

Eberhard Horst, Caesar. Eine Biographie, 1980

Reihe „Persönlichkeit und Geschichte“ (Musterschmidt)

Friedrich Vittinghoff, Kaiser Augustus, 1959, 3. Aufl. 1991 (gewissenmaßen Vorgänger zu Eck)

Hans Oppermann, Caesar – Wegbereiter Europas, 1958

rororo-Monographien

Marion Giebel, Augustus, 1984 u.ö.

Hans Oppermann, Julius Caesar in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, 1968 u.ö.

(Das Werk aus der Feder desselben, zutiefst NS-kompromittierten Autors ist in der 19. Aufl. immer noch lieferbar – sicher keine böse Absicht, aber ein Ärgernis!)

Reihe „Beck Wissen“ (Beck)

Werner Eck, Augustus und seine Zeit, 1998, 5. Aufl. 2009

Martin Jehne, Caesar, 1997, 4. Aufl. 2007

Reihe „Gestalten der Antike“ (Primus)

Klaus Bringmann, Augustus, 2007 (301 S.)

Wolfgang Will, Caesar, 2009 (240 S.)

Wissenschaftliche Referenzwerke

Kienast (s.o.)

Matthias Gelzer, Caesar. Der Politiker und Staatsmann, 1921, letzte Auflage 1960, Neuausg. 1998/2005

Helga Gesche, Caesar. Erträge der Forschung, 1976

Wegweisende Entwürfe

Bleicken (w.o.)

Christian Meier, Caesar, 1982, TB mit zusätzlichem Nachwort 1986 u.ö.

 

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3 Lesermeinungen

  1. Zitat:
    "Das Werk aus der Feder...

    Zitat:
    „Das Werk aus der Feder desselben, zutiefst NS-kompromittierten Autors
    ist in der 19. Aufl. immer noch lieferbar – sicher keine böse Absicht,
    aber ein Ärgernis!)“
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    Sind Sie für Zensur? Das ist doch völlig von gestern! In unseren Tagen stehen Bücher out-of-print auch im Internet oder sind im Internet antiquarisch erhältlich, und das ist gut so. Oppermann ist auch in Google Buchsuche zu finden, allerdings noch nicht freigeschaltet, da Oppermann 1982 starb, +70 Jahre = 2052 ist dann sein Werk frei zugänglich. Bis dahin sollte es im Print bleiben, man will ja schließlich wissen, ob der Mann zurecht verfemt wird.
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    Außerdem könnte Oppermann trotz übler Ansichten irgendeine wissenschaftlich wertvolle Erkenntnis generiert haben. Auch deshalb muss er im Print bleiben.
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    Besser wäre es, eine gute Kommentierung heutiger Ausgaben zu fordern. Mit Hitlers Mein Kampf bereitet man das auch gerade vor. Aber Zensur ist Quark.

  2. Es gibt nicht nur Alt-Nazis,...
    Es gibt nicht nur Alt-Nazis, sondern auch heutige Altertumswissenschaftler, die sich ohne mit der Wimper zu zucken in den Dienst der herrschenden Ideologie stellen. Man muss die einen anprangern, ohne die anderen zu schonen.
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    Es ist geradezu eine Seuche unter heutigen Altertumswissenschaftlern, den Islam und die orientalische Welt einseitig schön zu reden – und die USA und den Westen im Gegenzug ungerecht zu verdammen.
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    Dann gibt es Altertumswissenschaftler, die Geist und Kern der Aufklärung dekonstruieren wollen, indem sie die Verbindung von Athen und Moderne zu kappen versuchen. Athen als Sklavenhaltergesellschaft alter weißer Männer. Man kennt das.
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    Und dann gibt es noch ein paar ganz spezielle Freunde, die den Untergang Roms, die Zeit der Völkerwanderung und dergleichen als multikulturelle Bereicherung feiern.
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    Für alle diese Werke der übelsten ideologischen Niedertracht wird es in 50 Jahren hoffentlich kommentierte Ausgaben geben. Sofern in 50 Jahren nicht ohnehin Latein und Griechisch durch Arabisch ersetzt worden sein wird. Dann wird Oppermann vielleicht wieder verstärkt gelesen werden – so wie „Mein Kampf“ in der orientalischen Welt heute schon.
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    Aber dann ohne kritischen Kommentar.

  3. Es wäre zu überlegen, ob das...
    Es wäre zu überlegen, ob das morbide Interesse an den Gestalten der Diktatur, Caesar und Augustus, nicht darauf hinweist, dass auch bei uns die Demokratie zu Ende geht. Richtig demokratisch geht es ja nicht wirklich zu bei uns. Die Medien verschweigen vieles und politische Entscheidungen fallen auf Ebenen, die keiner direkt gewählt hat.
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    Warum interessiert sich niemand in vergleichbarer Weise für die Gestalten der Republik? Für Cato sen. und jun., die Scipionen, Cicero, Brutus usw. usf.?
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    Wieviele Caesar-Filme gibt es? Und wieviele Cicero-Filme?
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    Bei Griechenland dasselbe. Themistokles, Perikles, Kleisthenes etc. pp. sind völlig out. In sind dagegen Alexander der Große oder die 300.

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