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Antike und Abendland

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Tagesaktualität, wie sie sich mit einem Blog verbindet, und Antike – das scheint nicht zusammenzugehen. Dennoch soll hier der Versuch gewagt

Ein Vorläufer Sarrazins? Otto Seeck und die „Ausrottung der Besten“

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Die Sarrazin-Debatte der vergangenen Wochen treibt mich natürlich auch um; den zahlreichen Kommentaren, Exorzismen und Versuchen, Ordnung zu stiften, muß hier...

Die Sarrazin-Debatte der vergangenen Wochen treibt mich natürlich auch um; den zahlreichen Kommentaren, Exorzismen und Versuchen, Ordnung zu stiften, muß hier indes kein weiterer hinzugefügt werden. Einer der Töpfe, in denen gerührt wurde, trägt die Aufschriften „Biologismus“ und „Vulgär-Darwin“. Dazu kann hier ein Beitrag geleistet werden. Denn schon einmal, vor etwa einhundert Jahren, wurde ein altes Großproblem der Geschichtsforschung und des Geschichtsdenkens in derartigen Kategorien diskutiert, und wie heute lohnt es sich, genauer hinzusehen, bevor man schreit.

Edward Gibbon hatte sich auf die Frage, warum das Römische Reich unterging, insofern nicht eingelassen, als es ihm viel eher um die kleinen und großen Metamorphosen dieser Reiches und seiner Lebensformen ging und er sein Werk folgerichtig bis zur Eroberung von Konstantinopel 1453 führte. Gleichwohl bot er für die augenfällig geringe Selbstbehauptungsfähigkeit des Reiches gegenüber den inneren und äußeren Herausforderungen seit dem ausgehenden 4. Jahrhundert und für dessen Zusammenbruch im Westen eine sogleich vieldiskutierte Erklärung: Roms Niedergang sei – neben dem Verfall der Moral, dem Machtmißbrauch der herrschenden Schicht und den Barbarenstürmen – v. a. dem Christentum zuzurechnen, das durch aggressive Intoleranz und das Ideal der Weltflucht den Staat gelähmt und von innen her zersetzt habe. Gerade die ‘Leistungsträger‘ in den Eliten hätten sich von ihren Pflichten gegenüber der Gemeinschaft abgewendet oder ihre Energien in innerkirchlichen Kämpfen erschöpft.

Nur wenige der zahlreichen Erklärungen für den „Fall Roms“ – der Titel von Alexander Demandts umfassendem Inventar – suchten ihre Überzeugungskraft als Leitthese in einem großen narrativen Gesamtentwurf von Gibbon’schen Format. Einen solchen bot Otto Seeck (1850-1921). Der in Riga geborene Seeck studierte zunächst Chemie, dann bei Mommsen in Berlin Geschichte, wurde 1881 Professor in Greifswald und wechselte 1907 nach Münster. Die ganz große Karriere (über Göttingen nach Berlin) blieb ihm also verwehrt. Die Liste seiner Publikationen ist lang; sie enthält u.a. eine Arbeit über Augustus (1902) und den RE-Artikel über diesen, den Seeck für einen im Weltkrieg gefallenen Forscher vollendete, in annalistischer Form, Jahr für Jahr einzeln behandelnd – ein kurioser, wohl ziemlich einmaliger Versuch der Objektivierung.

Sein Hauptarbeitsgebiet wurde aber die Spätantike. Seeck gab in den Monumenta das spätrömische Amtsverzeichnis (Notitia Dignitatum) und die Schriften des Aurelius Symmachus heraus, später die „Regesten der Kaiser und Päpste für die Jahre 311 bis 476″; außerdem verfaßte er zahlreiche Personenartikel für die RE. Zugleich war er auch ein wacher Zeitgenosse. Die wirtschaftlich, demographisch und ‘lebensweltlich‘ so ungeheuer dynamische wilhelminische Ära in Deutschland war ja u.a. gekennzeichnet durch das Neben- und Ineinander eines starken Fortschritts- und Selbstbewußtseins einerseits und quecksilbriger Krisen- und Bedrohungsphantasien andererseits. Joachim Radkau hat das auf die glänzende Formel „Zeitalter der Nervosität“ gebracht. Halt in der reißenden, bisweilen verstörenden Vorwärtsbewegung suchte man, wo man ihn fand, nicht zuletzt in der Geschichte, dann aber eben nicht in einer Erzählung, die das Unberechenbare, Kontingente und Überraschende beschrieb und zu bändigen suchte, sondern in einer Geschichte, die Sicherheit zu bieten schien, indem sie im Auf und Ab der Dinge Gesetzmäßigkeiten und durch Daten ‘objektiv‘ belegte Regelhaftigkeiten dingfest machte, die dann – bei aller Einmaligkeit der historischen Phänomene – Bedeutung auch für Gegenwart und Zukunft beanspruchen konnten. Geschichte, in einem Wort, als nomologische Disziplin. Auch in der Althistorie war dieser Trend zu bemerken, bei den systematischen Wissenschaften Anleihen zu machen, aber zugleich die Deutungshoheit zu bewahren bzw. sie durch Modernität neu zu befestigen. Julius Beloch etwa schrieb 1886 ein Buch zur Bevölkerungsgeschichte des Altertums und war auch sonst von Zahlen und Daten fasziniert. Von Seeck gibt es u.a. einen Aufsatz „Die Statistik in der alten Geschichte“. Schematisierungen und Parallelisierungen waren en vogue, etwa für aufeinanderfolgende Stufen der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die sechsbändige Geschichte des Untergangs der antiken Welt (1895-1901, letzte, vermehrte Auflage 1920-1923) kann mit Gewinn vor diesem – hier grob vereinfacht skizzierten – Hintergrund gelesen werden, erhob sie doch den Anspruch, „den Gebildeten in die Gesetze des historischen Werdens und Vergehens einzuführen“. Es ist dies jedoch zunächst einmal ein grundgelehrtes Buch, detailbesessen, aufruhend auf einer umfassenden Kenntnis der (überwiegend literarischen) Quellen und ganz selbständig aus diesen aufgebaut. Seeck kehrte die „Nähte des Gelehrtenrocks“ (Mommsen) indes nicht nach außen. Sein Werk sollte für alle Interessierten lesbar und verständlich sein und setzte „bei dem Leser kein grösseres Wissen voraus, als jede Mittelschule zu gewähren pflegt“, keine „Kenntnisse, die über den Kreis der allgemeinen Bildung hinausgehen“. Der wissenschaftliche Apparat war in gesondert zu beziehende Anhangbände verbannt. (Das Verhältnis von Geschichtsforschung und Geschichtsdarstellung im Zuge der Professionalisierung eines Faches, dessen Anführer zugleich politisch und pädagogisch wirken wollten, ist ein spannendes Thema, für das sicher auch Otto Seecks Werk einen reizvollen Ansatzpunkt bietet.)

Seeck wollte jedoch nicht lediglich eine Geschichte des spätrömischen Reiches von 284 bis 476 bieten, sondern griff, wie der Titel bezeugt, viel weiter aus. Schon im ersten Band werden potentielle Faktoren des Untergangs erörtert; die Unterkapitel sind überschrieben: Germanen; Das römische Heer; Die Ausrottung der Besten; Sklaven und Klienten; Die Entvölkerung des Reiches; Die Barbaren in Reich.

Die „Ausrottung der Besten“ sollte zum Schlagwort werden, nicht ohne Seecks Zutun, hatte er Überlegungen unter diesem Titel doch bereits 1891 in der Deutschen Rundschau und 1892 in den Zeitphrasen publiziert, einer für die Epoche nicht untypischen Essaysammlung zu Fragen der Zeit und der Bildenden Kunst, zu „Epigonentum“ und Museen – der Geschichtsprofessor als allkompetenter Sinndeuter und -stifter. Im Lichte der Sarrazin-Thesen lohnt eine erneute Lektüre der knapp vierzig Seiten. Sie lehrt auch, daß es sich lohnt, genau hinzusehen – nicht jede Adaption darwinistischer Gedanken führte geradewegs zum Nationalsozialismus.

Die Spätantike insgesamt, so Seeck, sei durch eine „entsetzliche Trägheit des Geistes“ auf fast allen Gebieten gekennzeichnet. Lediglich auf dem Gebiet der Religion sei es noch zu schöpferischen Leistungen gekommen – durch das „semitische Volkstum“. Dieses uralte Volk widerlege auch die mechanistische Ansicht, daß Völker wie Individuen alterten. Auch habe der Luxus die Römer nicht entnervt. Vielmehr zieht Seeck zahlreiche disparate Lesefrüchte und Beobachtungen heran, um zu seiner Prämisse zu führen: Sowohl körperliche als auch geistige und moralische Eigenschaften werden an die Nachkommen weiter­gegeben. Seeck gehört also zu den Renegaten Darwins, die an die Möglichkeit der Vererbung erworbener Eigenschaften glauben. Nimmt man diese Voraussetzung einmal an, werden die Folgerungen schlüssig. Die Qualität einer Gesellschaft und damit ihre Überlebensfähigkeit zeigten sich in erster Linie darin, in welchem Umfang es ihr gelingt, den besten Menschen die besten Fortpflan­zungschancen zu bieten. Hier jedoch habe die Antike versagt – und zwar schon Jahrhunderte vor ihrem Ende. Die Muti­gen hatten keine Kinder, die Menschen wurden so zu immer größerer Feigheit heruntergezüchtet, wobei die „angeerbte Feigheit“ nicht nur das Kriegswesen meint, sondern generell den Mangel an Mut, sich intellektuell neue Themen zu erschlie­ßen. Schon in der römischen Republik hätten die Bürgerkriege die Entschlossensten vernichtet; die Kaiser richteten die Fähigsten zugrunde, da diese ihnen hätten gefährlich werden können, und förderten Jasager. In den Provinzen kamen die Tapfersten entweder im Kampf gegen Rom ums Leben oder wur­den in den Senatorenstand aufgenommen, um an dessen Niedergang teilzuneh­men. Und nicht zu vergessen die ‘Modernisierung‘ des Gibbon-Paradigmas: Askese und Glaubenseifer hätten dazu geführt, daß entschlossene Menschen zu Mönchen oder Klerikern wurden, sich also nicht fortpflanzten, nachdem schon vorher die Überlebenden der Christenverfolgungen, mithin die Tüchtigsten, sich aus der Welt zurückgezogen und allein ihrem Glauben gelebt hatten. „Bürgerkriege und Monarchenwillkür, Beamtenkorruption und Söldnerwesen, Askese und Glaubenseifer, sie alle wirkten zusammen, um jeden hochstrebenden Geist auszutilgen und ein Geschlecht von Feiglingen großzuziehn.“

Seecks Darwinismus war nicht mit dem damals aufkommenden Sozialdarwinismus identisch. Nicht der Kampf ums Dasein, nicht die Selekti­on des Stärksten ist das, was ihm vorschwebt; aus den Vorstellungen Darwins ein „Recht des Stärkeren“ abzuleiten lehnt er ausdrücklich ab. Vielmehr sei entscheidend, daß die einzelnen Arten sich ihren Le­bensbedingungen optimal anpaßten, und der spezifische Weg des Menschen sei die Vergesellschaftung (hier schlagen wohl die sophistische Theorie vom Menschen als Mängelwesen und Aristoteles‘ zoon politikon durch). Je mehr sich Menschen an dieser ihrer Natur orientierten, um so wahrscheinlicher sei ihr Überleben. Daher sei es wichtig, daß die Menschheit in Hinblick auf soziale Tugenden vorankäme. Seeck gehörte dezidiert nicht zu den Kulturpessimisten seiner Zeit; in den Zeitphrasen polemisiert er gegen Julius Langbehn. Gerade wer aus den Fehlern der antiken Eliten lerne, so sein Credo, könne mutig in die Zukunft schreiten: „Wer an Darwin glaubt, kann also niemals zugeben, dass eine Nation unternormalen Verhältnissen in Verfall geraten kann“, dekretierte er 1898 (s.u.).

Rassenanthropologische Vorstellungen, wie sie sich gerne mit dem Sozial­darwinismus verbanden und wie sie auch in der heillos verwirrten Sarrazin-Diskussion zutage treten, teilte Seeck ebenfalls nicht. Alle menschlichen Rassen waren für ihn prinzipiell gleich; befinden sich lediglich auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen, die geschichtlich und geographisch bedingt und daher variabel sind. Gegen zwei zeitgenössische Rassenanthropologen polemisiert er: „Sie fassen die höhere Begabung nicht als persönliche Eigenschaft …, sondern als Abzeichen einer besonderen Rasse, der blonden und langschädeligen Arier.“ Dagegen betont Seeck die Bedeutung der äußeren Lebensbedingungen. Rassenmischung sei in der Regel sogar vorteilhaft. Der „jüdische Stamm“ habe sich „bis auf den heutigen Tag in ungebrochener Kraft erhalten und der Weltkultur Dienste gelei­stet, deren Grösse ausser allem Verhältnis zu seiner geringen Menschenzahl“ stehe. Die Katastrophen, welche die Juden im Laufe ihrer Geschichte erlebten, seien von einer Art gewesen, daß die Besten sie überlebt hätten; sie seien immer wieder „durch die grause Zuchtwahl des Völkermordes verdelt worden; mit welchem Erfolge, das zeigt die Neuzeit, in der sie von dem neuverliehenen Rechte, an der geistigen Arbeit der Nationen unbeschränkten Gebrauch zu nehmen, in glänzender Weise Gebrauch machen.“ Die Emanzipationsgeschichte der Juden seit der Aufklärung wird also sehr positiv gewertet. Aber die Sprache, in der dieser Fortschrittsgedanke ausgedrückt wird, schockiert natürlich.

Die Katastrophenauslese dieser Art wirke auch sonst in der Weltgeschichte, und Seeck verstieg sich zu kruden Verallgemeinerungen, die auch als Beitrag zu Ideen(vor)geschichte des Ersten Weltkriegs zu lesen sind: „Grosse Verheerungen scheinen also in demselben Maasse, wie sie die Kopfzahl eines Volkes zeitweilig herabsetzen, sein geistiges Niveau auf die Dauer zu heben, und unerklärlich wäre dies nicht. Massenmorde, die mit Auswahl über die führen­den Geister verhängt werden, wie dies in Griechen­land und Rom geschah, müssen ein Volk zur Feigheit und Erbärmlichkeit züchten; doch rast der Würgengel scheinbar wahllos über die ganze Menge dahin, so darf man das entgegengesetzte Resultat erwarten. Denn wer Klugheit und Kraft mit kaltem Blute ver­bindet, hat am meisten Aussicht, dem allgemeinen Blutbade zu entrinnen.“

Seecks Werk stellt auch so etwas wie ein frühe Karikatur von Interdisziplinarität dar: Ohne einen präzisen Austausch mit Forschern anderer Disziplinen diesen lediglich bestimmte Axiome und Argumente zu entnehmen, ohne deren eigene Logik und Geschichte kritisch zu reflektieren, und dann auch noch – kaum anders machbar bei einem Einmann-Unternehmen – das Material selektiv heranzuziehen, führt zwar vielleicht zu konsistenten, aber selten zu überzeugenden Resultaten. Dann verfallen selbst große Gelehrte auf sagen wir: unterkomplexe Argumentationen. In dieser Hinsicht lesenswert ist auch die als „Elemente der Anthropologie“ firmierende Geschichts‘philosophie‘ in Eduard Meyers Geschichte des Altertums, die in die gleiche Zeit wie Seecks Untergang gehört.

Seecks Geschichte des Untergangs der antiken Welt ist mehrfach von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft nachgedruckt worden, zuletzt mit einer höchst instruktiven Einleitung von Stefan Rebenich.

Vgl. ferner: Hartmut Leppin, Ein „Spätling der Aufklärung“: Otto Seeck und der Untergang der antiken Welt, in: Imperium Romanum. Studien zu Geschichte und Rezeption. Festschrift für Karl Christ zum 75. Geburtstag. Herausgegeben von Peter Kneissl und Volker Losemann. Stuttgart 1998, 472-491.

Von den Römern lernen: aus Seecks Zeitphrasen (O. S., Die Entwicklung der Geschichtsschreibung und andere populäre Schriften, Berlin 1898, 259ff.)

Bild zu: Ein Vorläufer Sarrazins? Otto Seeck und die „Ausrottung der Besten“

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3 Lesermeinungen

  1. Seeck hat nicht Recht. Stalin...
    Seeck hat nicht Recht. Stalin hat auch die Besten ausrotten lassen und viele Kriecher verschont. Zu den Besten, die seinen Säuberungen zum Opfer fielen, gehörten besonders viele Offiziere der Roten Armee, die als Kämpfer in Revolution und Bürgerkrieg militärische Erfahrung gesammelt hatten. Im Kampf gegen Hitler-Deutschland machte sich ihr Fehlen bitter bemerkbar. Trotzdem siegte die Sowjetunion, weil ihre Bevölkerung damals noch nicht von Dekadenz durch Luxus und Geburtenrückgang angekränkelt war, was man jedoch von den Römern der Völkerwanderungszeit sagen muss.

  2. Ihre sehr fundierte Analyse...
    Ihre sehr fundierte Analyse scheint andernorts nicht mit Wohlwollen aufgenommen zu werden http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1704412/#1705088

  3. Es gibt ja nicht nur eine...
    Es gibt ja nicht nur eine genetische Vererbung, sondern auch eine kulturelle über die Erziehung durch die Eltern. Soweit ich es sehe, wird nicht ganz klar, ob und inwieweit Seeck eher genetisch oder eher kulturell argumentiert. Das wäre das erste, was zu sagen ist.
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    Zweitens sehe ich nicht, wo jetzt Seeck so grottenfalsch liegt. Sicher würde man manches heute anders formulieren oder bewerten und vor allem etwas konkreter belegt sehen wollen, aber dass der Verlust der Elite ein Volk ökonomisch und kulturell zurückwirft und Erhohlung danach nur langsam erfolgt, dürfte wohl außer Frage stehen. Zumal Seeck sich wohltuend von Rassisten abgrenzt, da müsste man schon ein Robbespierre sein, um ihm nicht eine Chance zu geben und wohlwollend zu lesen.
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    Noch interessanter fände ich aber eine Diskussion über den Menschenzuchtgedanken bei Platon, der sich dann in die sozialistischen Utopien eingeschlichen hat. Ich lese gerade von Fleischhauer „Unter Linken“, dort findet man S. 76 f., dass die Linken dieser Welt bis anno 1945 von Züchtungsgedanken sozialistischer Persönlichkeiten recht angetan waren. Was auch nicht verwundert, wenn man sich in der Ideengeschichte auskennt. Hitler war ja auch in vielem ein Linker.
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    Ich erinnere an Sloterdijks Rede „Regeln für den Menschenpark“, die einen großen Skandal auslöste. Sloterdijk hatte Platons Menschenzuchtgedanken aufgegriffen (aber nicht so, wie Kritiker es ihm vorwarfen, wie immer dasselbe Spielchen).
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    Aber noch etwas anderes: Wer einen ganz anderen Autor zum Thema von Sarrazin lesen möchte: Der Wirtschaftsweise Hans-Werner Sinn hat einige Zeit vor Sarrazin auch ein Buch geschrieben: „Ist Deutschland noch zu retten?“ – Darin gibt es auch ein Kapitel „Wir brauchen eine aktive Bevölkerungspolitik“ (sieh an) und ein Kapitel mit dem Tenor, das Migration die demographische Lücke niemals schließen kann (sieh an). Vielleicht eine sinnvolle Ergänzung zu Sarrazins Buch?
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    Ach … Sarrazin geht am Anfang seines Buches auch auf das alte Ägypten und das Römische Reich ein … die Lektüre lohnt … in jedem Fall.

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