Antike und Abendland

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Tagesaktualität, wie sie sich mit einem Blog verbindet, und Antike – das scheint nicht zusammenzugehen. Dennoch soll hier der Versuch gewagt

Odyssee im Retrolook

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Zu den neuesten Erwerbungen der Verlagsgruppe Wissenschaftliche Buchgesellschaft/Primus gehört der Leipziger Reprint-Verlag. Zum Start der neuen Zugehörigkeit...

Zu den neuesten Erwerbungen der Verlagsgruppe Wissenschaftliche Buchgesellschaft/Primus gehört der Leipziger Reprint-Verlag. Zum Start der neuen Zugehörigkeit ist jetzt der großformatige (29,5 x 23 cm) Nachdruck eines Werkes erschienen, das man vor drei Generationen wohl als ‘Hausbuch für die reifere Jugend‘ bezeichnet hätte: Homers Odyssee in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß, illustriert von Friedrich Preller.

Bild zu: Odyssee im Retrolook

Friedrich Preller, geb. am 25. April 1804 in Eisenach, gest. am 23. April 1878 in Weimar, besuchte mehrere Jahre das Gymnasium in Weimar, bildete sich auf einer freien Zeichenschule fort, kopierte 1821-1823 auf der Dresdener Galerie und besuchte auf Goethes Empfehlung seit 1824 mit einem Stipendium des Großherzogs Karl August die Kunstakademie in Antwerpen. 1826 ging er auf die Akademie nach Mailand und 1828 nach Rom, wo er sich der heroisch-historischen Landschaft zuwandte. Ein typischer akademischer Maler also. 1831 nach Weimar zurückgekehrt, übernahm er die Leitung der Zeichenschule; für die Großherzogin Maria Paulowna malte er unter anderm sechs große Bilder, thüringische Landschaften mit historischer Staffage, in Öl und schmückte das Wieland-Zimmer im Residenzschloß mit Landschafts- und Figurenbildern aus dem Oberon in tempera sowie 1833-1836 einen Saal im Härtelschen Haus zu Leipzig mit sieben Kompositionen aus der Odyssee. Dem homerischen Epos begegnete er also recht früh. „Dem Zuge seiner vorwiegend auf das Erhabene und Großartige gerichteten Individualität folgend,“ so heißt es in Meyers Konversationslexikon von 1906, „unternahm er seitdem fast alljährlich Reisen nach Gebirgs- und Küstengegenden Deutschlands, der Niederlande und Norwegens (1840) und sammelte Vorwürfe zu einer Reihe von See-, Strand- und Gebirgsbildern, die er meist auf Bestellung von Kunstfreunden ausführte.“ Von 1856 an wandte er sich wieder der Odyssee zu und erweiterte den Zyklus auf vierzehn Kompositionen, in Kohle gezeichnet. Landschaften, v.a. Gebirgslandschaften mit steilen Klippen und Bäumen prägen auch den Odyssee-Zyklus. Diesen stellte er 1858 in München aus und erhielt vom Großherzog von Sachsen-Weimar den Auftrag, sie als Wandbilder in der Loggia des neuen Museums in Weimar auszuführen. Die Odyssee wurde zum Lebensthema Prellers. Zu neuen Studien erhielt er ein weiteres Reisestipendium für einen längeren Aufenthalt in Italien (1859-1861) bewilligt. Er arbeitete die Kompositionen nochmals auf 16 Kartons um und führte dann ab 1863 die Gemälde für das Weimarer Museum in Wachsfarben auf Zementkalktafeln in Eisenrahmen aus, die in die Wand eingelassen wurden. Durchweg handelt es sich um detailreiche Totalen, in denen die Figuren von der heroisch-erhabenen Landschaft fast überwältigt werden. Individuelles Profil gewinnen sie nicht, lediglich Odysseus ist durch Gardemaß und athletische Gestalt von seinen Gefährten abgehoben. Stilistisch kann man den Zyklus dem klassizistischen Konturenstil Flaxmans zuordnen.

Weite Verbreitung fanden Prellers Bilder durch ihre Umsetzung in Illustrationen, ausgeführt in Holzschnitt (für das nun nachgedruckte Werk, das immerhin vier Auflage erreichte) oder in farbigem Steindruck (Leipzig 1875). Der Odyssee-Zyklus war zu seiner Zeit sehr prominent und wurde in Monographien behandelt (hier der ausführliche ADB-Artikel). Doch verweht: In Kindlers Malereilexikon hat Preller keinen eigenen Eintrag mehr, wird nur noch unter die Deutschrömer subsumiert, als ein Maler, „der die sonnenüberglühte römische Campagna zur Welt Homers umdeutet“.

Bild zu: Odyssee im Retrolook

Leider verzichtet die neue Ausgabe (326 S., 39,90 €) auf jede vertiefende Erläuterung. Man hätte, um den originalnahen Charakter des Nachdrucks nicht zu stören, ein kleines Heft mit den wichtigsten Informationen und einer Einschätzung aus heutiger Sicht beilegen können.

 

Abb. aus dem besprochenen Buch

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1 Lesermeinung

  1. Vielen Dank für den Hinweis...
    Vielen Dank für den Hinweis auf diese ‚Neuerscheinung‘, Herr Walter. Auf welche Weise ist denn der sogenannte Deppen-Apostroph in den Titel geraten, Voß selbst kam noch prima ohne ihn aus? Hatte man zur damaligen Jahrhundertwende auch schon den Drang, sich englisch zu geben?
    Das große Format schreckt doch ein bißchen ab. Interessant immerhin, daß R. Schrott und J. H. Voß im selben Verlag erscheinen.
    Viele Grüße K

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