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Ingenieurmangel? Stellen Sie doch Chinesen ein!

26.04.2012, 10:05 Uhr  ·  Die deutsche Industrie klagt über Ingenieurmangel. Angeblich sind 100.000 Stellen unbesetzt. Gilt das auch für Ihr Unternehmen? Dann stellen Sie doch einfach Chinesen ein! Die Volksrepublik bildet jedes Jahr mehr als 900.000 Ingenieure aus, das sollte reichen. Porsche jedenfalls heißt die Asiaten willkommen, wie uns sein Chef Matthias Müller auf der Pekinger Automesse sagte.

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Von CHRISTIAN GEINITZ

Die deutsche Industrie klagt über Nachwuchsmangel bei Ingenieuren. Einer neuen Studie von VDI und IW zufolge sind 100.000 Stellen unbesetzt. Dadurch entgehe der Wirtschaft eine Wertschöpfung von rund 8 Milliarden Euro im Jahr, heißt es. Außerdem schwinde die Innovationsfähigkeit. Das könnte heikel werden, denn der Erfindungsreichtum ist einer der wichtigsten Trümpfe im internationalen Wettbewerb – zum Beispiel gegen die Asiaten. Leidet Ihr Unternehmen auch darunter? Der Weg aus der Sackgasse ist ganz einfach: Stellen Sie einfach selbst Chinesen ein. In der Volksrepublik verlassen jedes Jahr mehr als 900.000 Ingenieure die Hochschulen, das sollte reichen. Auf der Messe Auto China 2012, die gerade in Peking stattfindet, hatte ich Gelegenheit, mit dem Vorstandsvorsitzenden der Porsche AG, Matthias Müller, über diese und andere Themen zu sprechen. Er würde gern mehr Asiaten einstellen.

Bild zu: Ingenieurmangel? Stellen Sie doch Chinesen ein! Porsche-Chef Matthias Müller (Foto: Porsche AG)

„Wir freuen uns auf chinesische Ingenieure”

Porsche-Chef Matthias Müller über die Verschmelzung mit VW, den Spyder 918 und ein mögliches Werk in Fernost

Herr Müller, erstmals tritt Porsche auf der Automesse in Peking wie eine Konzernmarke von Volkswagen auf. Dabei ist die Integration noch gar nicht vollzogen, und es knirscht ja wohl gewaltig…

MÜLLER: Das sehe ich anders. Die Porsche AG hat die Kurve in Richtung Integration in den vergangenen 18 Monaten sehr elegant und souverän genommen. Es gibt eine Vielzahl gemeinsamer Projekte, die jetzt schon völlig reibungslos laufen. Die formale Integration ist noch ein letzter logischer Schritt.

Also kein Sand im Getriebe?

MÜLLER: Was Sie meinen, ist ein Stück Vergangenheitsbewältigung. Gegen die Holding, die Porsche SE, gibt es Klagen, unter anderem gegen frühere Manager. Aber unser operatives Geschäft hat unter dem Thema nie gelitten. Wir konzentrieren uns auf die Zukunft, und die sieht rosig aus.

Vor allem hier in China, wo Porsche 2011 rund 65 Prozent mehr Autos abgesetzt hat. Stimmt es, dass die Chinesen sogar den Supersportwagen 918 Spyder jetzt schon kaufen? Dabei kommt er erst 2014 und dürfte in China 1,6 Millionen Euro kosten.

MÜLLER: Ja, sowohl bei den Interessenten als auch bei den abgeschlossen Kaufverträgen ist unsere chinesische Handelsorganisation sehr gut dabei. Es wird in der ganzen Welt nur 918 Stück des Fahrzeugs geben, die Nachfrage ist jetzt schon dreimal so hoch.

Der Porsche-Absatz in China lag 2011 nur 6000 Einheiten hinter Amerika zurück. Wird China 2012 erstmals der wichtigste Markt für Ihr Unternehmen?

MÜLLER: Das könnte sein, die beiden Länder werden sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Ein Wachstum wie 2011 wird es in China nicht geben, aber mehr als 10 Prozent sicher. Wir eröffnen hier bis zum Jahresende weitere 15 Händler. Statt 40 wie bisher wollen wir 2015 rund 100 Händler haben. Das zeigt die Dynamik.

Wenn China bald Ihr wichtigster Markt wird, wäre es da nicht konsequent, auch hier zu produzieren?

MÜLLER: Ja und nein. Porsche ist etwas Exklusives und soll es bleiben. Die Käufer in den aufstrebenden Märkten wie China schätzen es, dass die Fahrzeuge in Deutschland entwickelt und hergestellt werden. Auf der anderen Seite betragen die Zölle und Steuern für Importfahrzeuge in China jetzt schon 100 Prozent. Wenn die übertreiben, müssen wir uns Alternativen überlegen.

Welcher Art?

MÜLLER: Audi hat das sehr erfolgreich vorgemacht: Es kommt dann nur ein Gemeinschaftsunternehmen mit Montage in Frage. Aber im Moment ist das überhaupt kein Thema.

Die deutsche Industrie klagt über den Mangel an Ingenieuren. China bildet jedes Jahr Zehntausende aus. Können Sie sich vorstellen, in Ihrem Entwicklungszentrum in Weissach Chinesen einzustellen?

MÜLLER: Selbstverständlich, uns ist jeder gute Chinese recht! In Zuffenhausen haben wir schon 55 Nationalitäten. Uns geht es nicht um die Herkunft, sondern ob die Qualität und Motivation der Mitarbeiter.

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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0 Carberg 09.07.2012, 14:47 Uhr

...dass die Käufer der...

...dass die Käufer der Luxusschlitten ihren Reichtum selten persönlich erworben haben. Sie haben das Geld durch sklavische Ausbeutung, enorme Korruption und einem Funktionär-Belohnungssysten erhalten, das den Kern der KpCh als Machtfaktor erhält. Jemand muss die Opposition schließlich auspionieren, in die Kerker schicken und sie ggf. umbringen. Es ist billig zu sagen, nehmen sie einen chin. Ingenieur. Die wenigsten Absolventen haben einen Beruf. Ihr Studienplatz beruht auf dem Einfluss der Eltern. Ob sie mit Arbeit Karriere machen, ist fraglich. Ob es knapp 1 Million sind, auch. Manager wollen sie ganz sicher werden, als Fortschreibung der Beziehungen der Eltern. Ob sie hart arbeiten wollen, ist zu bezweifeln. Die Jobvergabe ist dort reine Korruptionssache.

Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.