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Akte Asien

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In der Welt der Wirtschaft verlagert sich das Gewicht nach Asien. Dreht sie sich deshalb schneller und runder, diese Welt? Oder gerät sie in Unwucht?

Tintenfisch aus Fukushima

Seit der Havarie der Atomreaktoren in Dai ichi an der Küste der Präfektur Fukushima haben die Fischer der Region nichts mehr verkaufen können. Jetzt gibt es...

Seit der Havarie der Atomreaktoren in Dai ichi an der Küste der Präfektur Fukushima haben die Fischer der Region nichts mehr verkaufen können. Jetzt gibt es wieder Tintenfisch, eine Delikatesse der Region. Und die Händler feiern die Rückkehr mit Höchstpreisen.

„Tintenfische aus Soma sind wirklich lecker.” Süß im Geschmack seien die Tiere, meint ein Händler in der Auktionshalle auf Japans größtem Fischmarkt im Stadtteil Tsukiji in Tokio an diesem Morgen begeistert. Soma ist ein Küstenort in der Präfektur Fukushima. Seit mehr als einem Jahr gab es die Delikatessen aus der Region hier nicht mehr. Die Händler freuen sich. Endlich seien die wegen ihrer Qualität und ihres Geschmacks beliebten Tintenfische aus Fukushima wieder auf dem Mark, sagen siet  Seit dem März 2011, als im Atomkraftwerk Fukushima Dai ichi die Reaktorkerne schmolzen und radioaktiv belastetes Wasser in den Pazifik geleitet wurde, haben die Fischer aus Fukushima ihre Waren in Japan nicht mehr verkaufen können. Jetzt feiern offizielle Stellen, Fischer und Händler für jeden sichtbar die Wende. Erstmals seit mehr als einem Jahr wurden in den Hallen in Tsukiji dieser Tage wieder Produkte aus den Küstengewässern vor Fukushima angeboten.

Doch nicht jeder stimmt in den Jubel der Händler ein. Viele Japaner reagieren nach wie vor skeptisch, wenn Nahrungsmittel aus Fukushima angeboten werden. „Hmm”, meinte auch Yuki Nakayama, als sie am Rande einer Veranstaltung ihres Unternehmens gefragt wurde, ob sie ihrer Familie Tintenfische aus Soma auftischen würde. „Ich wäre da vorsichtig.” Die Skepsis vieler Verbraucher in Japan ist groß, ob Lebensmittel aus Fukushima und den umliegenden Präfekturen allen offiziellen Bekundungen zum Trotz nicht doch radioaktiv belastet sind. Vor allem Mütter von Kindern vertrauen den offiziellen Verlautbarungen nicht mehr, nachdem in den vergangenen Monaten zu oft verschleiert und vertuscht worden ist. “Die wollen doch nur verkaufen”, sagt eine junge Mutter.

Die Händler in Tsukiji teilen diese Sorgen nicht. Die erste Lieferung aus Soma in die Hauptstadt war schnell ausverkauft. 1500 Yen (15,61 Euro) erzielten die Fischer pro Kilogramm. Das sind fast 30 Prozent mehr als die Händler für Tintenfische aus anderen Regionen Japans zahlten. „Es ist eine Erleichterung, dass wir die Ware zu einem so guten Preis abgesetzt haben”, erklärte ein Großhändler zufrieden, Das Radio berichtete im Frühprogramm in großer Aufmachung. Damit zeigten die Menschen in Tokio ihre Unterstützung für den Wiederaufbau in Fukushima, erklärte die Sprecherin. “Ganbaru” – der japanische Schlachtruf, mit dem man sich hierzulande Mut macht, ist vielleicht nicht stärker, aber auf jeden Fall lauter als die Bedenken von Menschen wie Frau Nakayama.

Doch wie sicher sind die leckeren Tintenfische wirklich, die vor der Atomkatastrophe landesweit als Delikatesse galten? Die Tintenfische werden wöchentlich getestet, erklärte der zuständige Sachbearbeiter der Präfektur. Bereits im Juni haben Fischer die ersten Tintenfische für Tests gefangen. Am 22. Juni seien dann zum ersten Mal seit der Atomkatastrophe wieder Tintenfische in Soma angelandet worden. Nachdem die Fischereigenossenschaften die Tiere auf radioaktive Belastung getestet hätten, seien sie in Soma noch einmal gründlich untersucht worden. „Zuerst haben wir sie nur in Fukushima verkauft”, erklärte der zuständige Beamte der Präfektur. Belastungen seien nicht festgestellt worden. Tintenfische bauten radioaktives Cäsium viel schneller ab als Fische. „Deswegen hat die Präfektur Fukushima entschieden, den Tintenfisch aus der Region wieder in großen Städten, einschließlich dem Fischmarkt in Tsukiji anzubieten.”

Der Erfolg wirtschaftliche Erfolg gibt ihm recht. Feinschmecker, die die Tiere aus Soma – die getestet, dann abgekocht und dann erneut getestet werden – vermisst haben, zahlen den höheren Preis gerne. Kritische Verbraucher wie Frau Nakayama allerdings vertrauen Watanabes Beteuerungen, der Tintenfisch sei nicht radioaktiv belastet, nicht unbedingt. Spannend wird die Frage, ob die Tintenfische aus Soma in den Regalen der Supermärkte oder in den Restaurants der Hauptstadt auch so eine große Nachfrage haben wie in Tsukiji. 

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