Akte Asien

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In der Welt der Wirtschaft verlagert sich das Gewicht nach Asien. Dreht sie sich deshalb schneller und runder, diese Welt? Oder gerät sie in Unwucht?

So gut wie Steiff: Zu Weihnachten Öko-Plüschtiere aus China

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Dass der Steiff-Teddy unseres Sohnes mehr als 40 Jahre alt ist und früher mir gehörte, können die Chinesen kaum glauben. „Solch eine Qualität gibt es bei uns nicht", sagen sie. Das stimmt nicht ganz. In Südchina stellt ein Familienunternehmen Öko-Kuscheltiere in Handarbeit her. Die sind nicht nur haltbar, sondern auch mordsoriginell.

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Von CHRISTIAN GEINITZ

Rührende Szene gestern beim Arzt in Peking. Um sich zu beruhigen, durfte Sohnemann seinen Steiff-Teddy mitnehmen. Der ist halb so groß wie er, aber siebenmal so alt. Vor Urzeiten habe ich ihn selbst von meinen Eltern zum Geburtstag bekommen. Trotzdem sieht er aus wie neu und ist deutlich weniger ergraut als sein ursprünglicher Besitzer.

Die Krankenschwestern fanden unseren Sohn sehr niedlich (Chinesen sind wahnsinnig kinderlieb, vor allem kleinen blonden Ausländern gegenüber), aber der Teddy schoss den Vogel ab. Dass er 42 Jahre alt sein soll, konnte zunächst niemand so recht glauben. Als wir sie dann doch überzeugt hatten, wollte ihn jeder auf den Arm nehmen – den  Teddy, nicht den Sohn. 

Die älteste Schwester setzte den Bären in einen Stuhl, rückte ihn vor dem Fenster ins rechte Licht und knipste eine Handvoll Fotos mit ihrem Mobiltelefon. „Der stammt ja noch aus Maos Zeiten“, wurde uns beim Nachrechnen klar. Das ungläubige Kopfschütteln nahm weiter zu, ebenso das Photo-Shooting.

Jetzt mussten Teddy und Schwester zusammen aufs Bild, auch eine junge Kollegin drängte dazu. „Der ist ja viel, viel älter als ich und existiert noch!“ sagte die und meine hoffentlich das Stofftier, nicht mich. Die junge Frau nahm die Brille ab, stellte sich in Positur, legte liebevoll den Arm um die Attraktion der Station. Klick, klick, klick.

Die Verwunderung blieb groß. In mehr als vier Jahrzehnten seien wirklich nur einmal die Knopfaugen ausgewechselt und die Pfoten gestopft worden? Ja, in der Tat, ähem, kurz vor meinem Abitur. Damals hatte ich eigentlich andere Kuschelinteressen als den Teddybären. Aber die Mutter einer Mitschülerin führte im Bremer Schnoor gleich hinter der Schule eine Puppenklinik, das passte also.

25 Jahre später sind sich die begeisterten Kittelträger in der Pekinger Klinik einig: „Solch eine Qualität gibt es in China nicht. Hier wäre der Bär nach einem Jahr kaputt.“

Doch da unterschätzen sich die Chinesen ziemlich (das gibt es noch). Ich kenne einen chinesischen Stofftierhersteller, der den Vergleich mit Steiff nicht zu scheuen braucht. Die Marke heißt „Organic Island“, www.hainanorganic.com, im Ausland auch „Chunki Chilli“ genannt, www.chunkichilli.com. Das Familienunternehmen wird von Sanya aus geführt, einer Stadt auf Chinas Tropeninsel Hainan ganz im Süden des Landes. Über die junge Chinesin, die diese toll verarbeiteten und liebevoll gestalteten Strickviecher in Heimarbeit fertigen lässt, habe ich vor einem Jahr mal geschrieben (Gestrickte Ökopandas aus China, http://www.faz.net/-gqi-6v04i). Das Thema hat dann die ARD aus der F.A.Z. aufgegriffen und einen Beitrag dazu gebracht.

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Die bunten Knuddelpuppen von Organic Island sind wirklich herzallerliebst: Nilpferde in bunten Schürzen, Affen in Strickpullis, Elefanten in Badehosen, Esel mit Schwimmwesten, Piratenhasen mit Augenklappen. Rechtzeitig zum Winter gibt es auch Pinguine mit dicken Schals und Eisbären. Verarbeitet werden nur biologisch angebaute Baumwolle und ebensolche Farben. Dafür bürgen, jedenfalls dem Papier nach, die Gütesiegel internationaler Zertifizierer wie OCIA und GOTS; die Füllung hat Oeko-Tex geprüft.

Wenn Sie also noch ein originelles Weihnachtsgeschenk suchen, gucken Sie sich diese im Wohnzimmer der Gründerin gedrehten Werbevideos an: https://vimeo.com/51734775, https://vimeo.com/52203914, https://vimeo.com/51583200. Vielleicht kommen Ihnen da einige Ideen. Noch gibt es leider keinen Händler in Deutschland, aber www.Amazon.co.uk  und www.Notonthehighstreet.co.uk  liefern Chunki Chilli nach ganz Europa.

Garantieren kann ich natürlich nicht, dass der flauschige Zoo ebenfalls 40 Jahre hält. Aber das eine Jahr Zerfallszeit, das die Krankenschwester in China für normal hält, haben die Tiere bei unseren Kindern ohne jede Blessur längst hinter sich gebracht.

Steiff übrigens hat zwischenzeitlich auch mal in China produziert, das Land dann aber bald wieder verlassen – aus Qualitätsgründen.

Wenn ich das richtig sehe, bietet der deutsche Traditionsbetrieb meinen Teddy bis heute an. Er heißt „EAN: 4001505000669″ oder auch „Classic 1920″ (so alt bin ich ja nun auch wieder nicht…). Allerdings gibt es nur noch den kleineren, 35 Zentimeter kurzen Bruder unseres Bären zu kaufen, schon der kostet stolze 155.- Euro (http://www.steiff.com/de/classic-1920-teddybaer-4001505000669).

Die blonden Zotteln sind aus „feinstem Mohair“, heißt es in der Beschreibung, wo auch folgender schöner Satz steht: „Achtung! Dieses Produkt ist kein Spielzeug. Der Artikel ist ausschließlich für erwachsene Sammler bestimmt.“ Ich glaube, ich gebe diese Information bei nächster Gelegenheit an die netten Krankenschwestern weiter.

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Foto: itz.

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2 Lesermeinungen

  1. Was den - zunächst amüsanten...
    Was den – zunächst amüsanten – Hinweis auf die erwachsenen Sammler angeht, ist dieser möglicherweise der Wirklichkeit näher als man zunächst vermuten könnte: Ob Spielzeugeisenbahnen oder Blechautos: Im kinderarmen Deutschland überwiegen die Erwachsenen als Nutzer. Bei Käufer des Teddy-Bären liegt dies ebenfalls nahe.
    Beim Baby-Nahrung-Hersteller Hipp essen, je nach Geschmacksorte, bis zu 40 % der Erwachsenen die Früchtepürees selbst.
    Gerade in diesen Tagen wird der Teddy-Bär zu einem Lehrstück für Globalisierung.
    Dem Kostendruck kann auch eine Premium-Marke wie Steiff nicht ausweichen. Die Strategie in Europa zu produzieren hat sich nicht bewährt. Der Fertigungsstandort in Portugal als Alternative zu China hat sich, wenig überraschend, als zu teuer erwiesen.
    Nun soll der Standort Oleiros, 200 km nördlich von Lissabon, geschlossen werden.
    Die personalintensive Produktion wird nach Tunesien verlagert.
    Wolfgang Hummel, Berlin

  2. War es nicht Steiff selbst,...
    War es nicht Steiff selbst, die vor wenigen Jahren als erste erklärt haben, dass die Produktion in größeren Schritten wieder zurück nach Deutschland geholt werden soll? Im Endeffekt ist es mit den chinesischen Produktionsanlagen wie überall: Billig wird doppelt teuer, nachhaltig ist eine nach China outgesourc’te Produktion schon lange nicht – denn nur Qualität wird sich langfristig immer durchsetzen, und wer wenig zahlt, bekommt eben das – you get what you pay for

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