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Bei Milliardärs zuhause

15.03.2013, 10:21 Uhr  ·  Die reichste Familie Australiens sitzt auf Milliarden Dollar. Glücklich ist sie nicht. Denn ganz wie im richtigen Leben kämpfen alle um Geld und Einfluss. Und das mit allen Mitteln

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Nächste Runde im Krieg um das Familienvermögen der reichsten Frau Australiens: Vor Gericht in Sydney zeigt sich nun, dass der Sohn von Bodenschatz-Milliardärin Gina Rinehart seiner Mutter eine millionenschwere Geheimabsprache anbot. Die Familie liegt seit Jahren im Streit darum, wer das Sagen bei der Stiftung hat, die Milliarden verwaltet.

Mit seiner stille Offerte allerdings stand Rinehart-Sohn John Hancock nicht alleine da: Zeitgleich kam heraus, dass Gina Rinehart ihrerseits ihrer Tochter Hope Welker – die bislang an der Seite ihres Bruders gegen die Mutter kämpfte – ebenfalls eine riesige Summe geboten hatte, damit sie sich aus der Auseinandersetzung zurückzog. John Hancock forderte von der Mutter eine „Entschuldigungssumme für die Behandlung in den vergangenen 15 Jahren“ in Höhe von 15 Millionen Dollar sowie 3 Millionen Dollar jährlich. Erst dann werde er bereit sein, den näher rückenden Rechtsstreit in letzter Minute abzusagen. Damit könnte die Mutter die gut 4 Milliarden Dollar schwere Familien-Stiftung dann weiter unangefochten leiten. Die Email erreichte seine Mutter 24 Stunden vor Beginn des Prozesses um die Stiftungsführung. Ihren Statuten nach hätte die Stiftung 2011 eine große Auszahlung an die Kinder vornehmen müssen. Erz-Milliardärin Rinehart wollte das Datum auf 2068 verschieben.

Hancock hatte die Email geschrieben, ohne seine beiden – an seiner Seite um den Rückzug der Mutter kämpfenden – erwachsenen Schwestern zu informieren. Über sie schrieb Hancock, er zweifele, sie besäßen „die intellektuelle Kapazität“, die komplizierten Prozesse zu verstehen. Er müsse sie ihnen „in Baby-Sprache“ erklären. Wenn er sich da mal nicht getäuscht hat: Denn Hope Welker scheint zeitgleich mit der Mutter nicht über lausige 15 Millionen Dollar, sondern über einen dreistelligen Millionen-Betrag verhandelt zu haben. Vergangenen Dienstag zog sie sich überraschend aus dem Prozess zurück. Praktisch zeitgleich wurde die Offerte der Mutter veröffentlicht, ihr 300 Millionen Dollar zu überweisen, wenn sie Ruhe gäbe. Zuvor hatte Hope Welker ihre jüngere Schwester Ginia – das einzige Kind, das auf Seiten der Mutter steht – um Unterstützung gebeten: Sie sei aufgrund ihrer finanziellen Not nicht in der Lage, 2011 ihre Rechnungen zu zahlen, können Schulgebühren und Miete nicht begleichen. Zugleich drohte sie, sich an die Medien zu wenden, wenn die Mutter ihr nicht Geld überweise. „Aprils Vorschulgebühren betragen allein 20000 Dollar“, schreibt der jüngeren Schwester. „Ich kann die Rechnungen nicht zahlen, wenn ich mich nicht an die verdammten Medien verkaufe.“

„Warum zum Teufel nimmst Du dann nicht einfach die 300 Millionen Dollar, die Dir Mutter immer wieder angeboten hat, und gibst Ruhe“, fragte ihre Schwester Ginia sie daraufhin per elektronischer Post. „Nicht, dass Du auch nur einen Penny verdientest, weil Du nie in Deinem Leben auch nur eine Stunde gearbeitet hast – aber wenn Du mit 300 Millionen Dollar für komplettes Nichtstun nicht leben kannst, dann kotzt Du mich einfach nur an“, geht die kleine Schwester dann in die Offensive. „Wie kannst Du es wagen? Wie abstoßend bist Du, mir mit dem Auspacken billiger Geschichten in den Medien zu drohen. Ich dachte nicht, dass Du tiefer hättest sinken können, aber – voilá – es ging. Wenn Du so dringend Geld brauchst, dann sag die Geburtstagsparty in der Karibik ab und zahle die Schulgebühren Deiner Töchter.“

Ihr großer Bruder John Hancock warb derweil augenscheinlich nichtsahnend für sich, indem er seine Schwestern als völlig unfähig darstellte. „Stell Dir die Schadenfreude vor, mit der der Rest der Welt sich bemühen würde, sie auszuboten, wenn Du vom sprichwörtlichen Bus erfasst werden solltest. Sei doch froh, wenigstens einen Nachkommen zu haben, der mit solchen Sachen umgehen kann“, schrieb er mit Blick auf die Verwaltung der Milliarden an die Frau Mama. Kurz bevor die Entscheidungsfrist nahte, setzte er nach: Von nun an werde er jede Stunde seine Forderung um 25000 Dollar heraufschrauben, willige sie nicht ein. Wenig später forderte er dann schon eine Million Dollar je Stunde.

 

 
 

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.