Akte Asien

Akte Asien

In der Welt der Wirtschaft verlagert sich das Gewicht nach Asien. Dreht sie sich deshalb schneller und runder, diese Welt? Oder gerät sie in Unwucht?

Ganz ohne Quote: Die mächtigste Frau der Autoindustrie ist eine Chinesin

Auf der Automesse in Schanghai spricht Wang Fengying, die Geschäftsführerin des privaten chinesischen Autobauers Great Wall, über die Frauenquote, die Einsamkeit eines Managers und die Schwierigkeiten mit dem Werk in Bulgarien. Dennoch sagt sie: "Wir wollen weiter nach Europa!" Wangs Traum ist es, so gute Autos wie BMW oder Mercedes zu bauen. Kein Wunder, dass ihre Entwickler vor allem deutsche Autos unter die Lupe nehmen.

Das Unternehmen: Der Konzern Chang Cheng, der sich international Great Wall nennt und als Marke auch den Namen Haval führt, ist Chinas erfolgreichster Autokonzern in Privatbesitz. 2012 verkaufte er 621.000 Fahrzeuge, vor allem Gelände- und Pritschenwagen in allen Varianten, 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz nahm um 45 Prozent auf 41 Milliarden Yuan zu (5 Milliarden Euro), der Nettogewinn kletterte sogar um 66 Prozent auf 5,7 Milliarden Yuan (700 Millionen Euro). Damit ist der Überschuss viel höher als bei den im Westen eher bekannten Konkurrenten Geely oder BYD.

© itz.Weng Fengying und der Markenname Haval

Die Chefin: Wang Fengying sitzt als Geschäftsführerin (General Manager) im Vorstand des Unternehmens, das in Baoding südlich von Peking ansässig ist. Die Stadt ist ihr Geburtsort, Wang arbeitet seit 22 Jahren für Great Wall. Heute ist die Zweiundvierzigjährige für die Geschäfts- und Managementstrategie zuständig. Der in Hongkong börsennotierte Konzern, der 1976 als Lkw-Bauer begann, beschäftigt 22.000 Mitarbeiter. In der Hafen- und Industriestadt Tianjin studierte Wang bis 1999 Wirtschaftswissenschaften.

FRAGE: Frau Wang, in Deutschland wird über eine Frauenquote gestritten. Neben Mary Barra von GM sind Sie wahrscheinlich die einzige Frau in einer derart hohen Position bei einem großen Autohersteller. Ist eine Quote eine gute Idee?

WANG: Das kann schon sinnvoll sein, in China gibt es etwas Ähnliches…

 …weil Mao gesagt hat, dass Frauen die Hälfte des Himmels tragen…

WANG (lacht): Wenn das wahr wäre, brauchten wir ja keine Quote! Es gibt einige einflussreiche chinesische Frauen, aber auch China ist eine Männerwelt. Man sollte die Frauen deshalb ruhig fördern, ich achte bei Great Wall jedenfalls darauf.

Sind Sie so an die Spitze gelangt?

WANG: Nein, ich bin seit 20 Jahren bei Great Wall und in meinen Positionen ähnlich gewachsen wie die chinesische Autoindustrie in dieser Zeit. Meine Eltern waren beide Grundschullehrer und hatten kein Auto. Ich würde den Weg wieder gehen, aber er war hart.

Inwiefern?

WANG: Als Frau nur unter Männern hat man es nicht leicht. Man muss sich besonderen Respekt verdienen. Es braucht zum Beispiel einige Zeit, bis die Herren akzeptieren, dass man keinen Alkohol trinkt (lacht wieder). Aber selbst wenn ich nur Frauen um mich hätte, bliebe immer die Doppelbelastung von Beruf und Familie.

Haben das Männer nicht?

WANG: Vielleicht fehlt es ihnen nicht so, wenn der Beruf auf Kosten der Familie geht, und das tut er! Meine große Tochter studiert in Großbritannien, meine Kleine ist erst acht Jahre alt. Ich konnte beide immer viel zu wenig sehen. Für Hobbys oder Ausgehen bleibt erst recht keine Zeit, ich habe praktisch keine Freunde. Jede Frau sollte sich gut überlegen, ob sie so leben will.

Und Ihr Mann?

WANG: Der leitet eines unserer Werke. Das ist für ihn auch nicht leicht, denn er muss ja auf mich hören. Aber zuhause sind wir gleichberechtigt.

Great Wall ist der erfolgreichste rein chinesische Autobauer. Warum?

WANG: Weil wir privat sind! Die staatlichen Konzerne folgen der Regierung, wir folgen dem Markt. Außerdem haben wir keine Joint-Venture-Partner, müssen also alles selbst entwickeln. Das fordert uns viel ab, macht uns aber so wettbewerbsfähig.

Was halten Sie von deutschen Autos?

WANG: Ich liebe und bewundere sie. Es ist unser größter Traum, in 20 oder 30 Jahren so gut zu sein wie BMW oder Mercedes.

Fahren Sie ein deutsches Modell?

WANG: Ich selbst nicht, aber die Hälfte aller Autos, mit denen unsere Entwickler arbeiten, sind deutsch.

Sie haben als erster chinesischer Autokonzern ein Montagewerk in der EU errichtet. Im ersten Jahr, 2012, wollten Sie in Bulgarien 8000 Einheiten herstellen und dort, in Rumänien und in der Türkei verkaufen. Hat das geklappt?

WANG: Leider nein, die Produktion ist noch nicht richtig angelaufen. Der schwache europäische Markt und der schwache Euro haben das verhindert. Wir konnten bisher nicht so viel kostengünstiger produzieren, wie das nötig gewesen wäre, um wettbewerbsfähig zu sein. Aber 2013 wollen wir in Europa 20.000 Autos verkaufen, mehr als die Hälfte davon aus dem neuen Werk.

In zwei Jahren wollten Sie sich von Bulgarien aus auch nach Schweden, Norwegen und Großbritannien trauen. Steht der Plan noch?

WANG: Es verzögert sich alles, aber wir behalten Europa weiter im Blick!

Weiterlesen zu China:

Deutsche Autobauer setzen zu sehr auf China http://blogs.faz.net/asien/2013/04/17/deutsche-autobauer-verlassen-sich-zu-sehr-auf-china-376/

Chinas Kampf gegen’s Prassen drückt das Wachstum http://blogs.faz.net/asien/2013/04/15/chinas-kampf-gegens-prassen-druckt-das-wachstum-371/

 

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