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Bagdad Briefing

Bagdad Briefing

Über den neuen Krieg gegen den Terror – und jene, die sich Krieg und Terror entgegenstellen. Von Bagdad bis Benghasi, von Doha bis Damaskus.

Ein Hashtag für die Menschenrechte

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Seit Monaten vergeht kein Treffen mit dem Führer der Islamischen Armee, in dem er nicht auf Razan Zeitouneh angesprochen wird. Diplomaten machen ihm die Hölle heiß, heißt es, weil er sich beharrlich weigere, das Versteck der Menschenrechtsaktivistin preis zu geben, – wenn sie denn überhaupt noch lebt. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, fordert ihre Freilassung.

Die syrische Gründerin des Violation Documentation Centre (VDC) wurde am Abend des 9. Dezember 2013 entführt – in einem Gebiet, das die Miliz Zahran Alloushs kontrolliert. Weil die Kidnapper auch den Computer von Zeitouneh mitnahmen und ihn zum Skypen benutzten, konnten ihre Gesinnungsgenossen die Täter identifizieren und orten.

„Deshalb wissen wir heute sehr genau, wo sie sich befinden und mit wem wir es zu tun haben“, sagt Rami Nakhle. Über Wochen versuchte der syrische Dissident mit stiller Diplomatie die Freilassung von Zeitouneh, ihres Ehemanns Wael Hamada sowie der Oppositionellen Samira al Khalil und Nazem Hammadi zu erreichen. „Da das alles nichts genutzt hat, werden wir nun alles offenlegen, was wir wissen“, sagt Nakhle. Dazu zählten auch Todesdrohungen in den Tagen vor der Entführung, die der Militärsprecher der Islamischen Armee versandt habe. Auf FAZ.NET äußert sich ihre Mutter erstmals öffentlich.

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54 Menschenrechtsorganisationen unterstützen den Aufruf der Angehörigen der Entführten, darunter Amnesty International, Adopt A Revolution, Front Line Defenders und Human Rights Watch . „Freedom for #Douma4“ heißt die Kampagne, mit der der Druck auf den mächtigen Milizenchef Alloush und seine ausländischen Unterstützer erhöht werden soll.

Qatar und die Türkei hatten die Islamische Armee Ahloushs gefördert; im September 2013 schloss sich die Gruppe der von Saudi-Arabien gebildeten Islamischen Front an, eines Zusammenschlusses islamistischer Milizen rund um Damaskus. Die Gründung war eine Reaktion auf die Weigerung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, das Regime Baschar al Assads für den Giftgasangriff auf die Ost-Ghouta militärisch zu bestrafen.

In die in der Ost-Ghouta gelegene Stadt Duma hatte sich 2012 auch Razan Zeitouneh geflüchtet. Das von der Freien Syrischen Armee (FSA) gehaltene Gebiet galt ihr als sicher – zumindest von den Schergen des Regimes. Doch die Weigerung Amerikas und anderer westlicher Staaten, die gemäßigte Opposition mit ausreichend Waffen auszustatten, führte zum Aufstieg der Dschihadisten. In ihrem brutalen Vorgehen gegen kritische Stimmen stehen sie sich in nichts nach.

Deshalb fürchtet Nakhle, dass Zeitouneh und ihr Team bereits getötet worden sein konnten. Verstrickt in ihre eigenen Lügen hätten sich die Kidnapper – und könnten nun nicht mehr aus diesem religiös verbrämten Netz heraus: So soll einer der Täter während der Verhandlungen auf den Koran geschworen haben, dass er nicht wisse, wo sich Zeitouneh befinde. Zuzugeben, dass er es doch gewusst habe, würde einen Gesichtsverlust bedeuten, der seinem Glauben nach schwerer wiege als die Freilassung. Auch das zeigt, wie zeitlos die Forderung der Kampagne nach Rechenschaftspflicht für die Täter ist.

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