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Ja, auch ich habe es getan

15.02.2010, 07:44 Uhr

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Es ist Zeit für eine Beichte. Eine Art Selbstanzeige, wie sie schwer in Mode ist in diesen Tagen. Zunächst danke ich der Jung-Schriftstellerin Helene Hegemann für die Anregung zu diesen Zeilen. Ohne die Debatte, ob das Mädel ihren Debütroman nun abgeschrieben hat oder nicht, hätte ich kaum den Mut für dieses Geständnis: Ja, auch ich habe abgekupfert. Ich bekenne mich schuldig des fortgesetzten Plagiatsvergehens sowie der Hehlerei.

An einem Strand in Afrika habe ich Textilien der Marken Lacoste, Adidas und Levis erworben, und zwar in minderwertiger Transformation. Ich schmücke mich mit den Marken, obwohl Preis, Ort und der gehetzte Blick des Verkäufers mir verrieten, dass es sich um Diebesgut, sogenannte Produkt-Piraterie, handelte. Zwei der Hosen habe ich zudem an Freunde weiterverkauft.

Dies war unrecht! Der Kauf von Kopien schadet, wie wir alle wissen, den Herstellern. Immerhin vertickt die anschwellende Zunft von Fälschern und Raubkopierern bereits ein Zehntel des gesamten Welthandels. Sie nimmt mehr ein als alle Drogenhändler der Welt zusammen, nämlich 600 Milliarden Dollar. Das kostet 70.000 ehrlichen deutschen Wertarbeitern im Jahr den Job (auch diese Zahlen sind irgendwo geklaut).

Reuevoll habe ich nun unser Imitat vom „Clack”-Eierköpfer vernichtet, unseren Billig-V3-Gemüsehobel und die unechte rote Gießkanne „Elise”. Ich habe mich vom „Carrycruiser”, der vermutlich ein Remix der Firma Reisenthel ist, getrennt und spende unsere Sofa-Insel, an der ich interkonzeptionelle Verweise auf Dedons „Orbit” erkenne, einer Schweizer Großbank.

Bewusst distanziere ich mich auch vom geistigen Raubbau, habe mithilfe eines Eispickels frühe Plagiate in Nachbars Teich versenkt. Von jetzt an gilt brutalstmögliche Offenheit: Geklaut sind alle künftigen Anfänge und Schlusssätze der Kolumne, die Idee an sich sowie einzelne Episoden.

Und wo ich gerade dabei bin: Auch das Piratenreferat meiner Tochter haben wir derart verfasst:  Copy, shake and paste. So, jetzt ist es raus! Um mit Wilhelm Busch oder Bertolt Brecht zu schließen (die Urheberschaft ist ungeklärt): Ist der Ruf erst ruiniert, schreibt es sich ganz ungeniert.

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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0 Marvinrunning 19.02.2010, 08:06 Uhr

Klasse, dass hier mal jemand...

Klasse, dass hier mal jemand so richtig authentisch, so intim mit der Wahrheit, ist und das in Worte fasst ;-) Ein wirklich schönes Plädoyer dafür aus Sinnlosigkeit gequirlte Sinnlosigkeit zu machen.

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Jahrgang 1970, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.