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Herr Dingsda und die Dilettanten

10.02.2011, 10:02 Uhr

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Gestern hätte ich beinahe das deutsche Bankensystem gesprengt. Zumindest den gelben Teil davon. Die gelbe Bank, Sie wissen schon. Also: Seit dieser Herr Dingsda, Lessing oder so, meine grüne Bank übernommen hat, sind meine Kontoauszüge gelb, und ich ärgere mich grün.

Sternstunden des Steinzeitbanking bescheren mir Herr Dingsda und seine Dilettanten. 1000 Euro wollte ich meiner Tochter überweisen; 1000 Euro von einem gelben Konto auf ein gelbes Konto in einer gelben Bank. Nichts leichter als das, oder? Weit gefehlt. Das ist vielmehr ein hochkomplexer Vorgang, denn mein gelbes Konto war einst grün, Ninas von Geburt an gelb. Deshalb vertragen sie sich nicht. “Die Systeme sind nicht kompatibel, Sie können ihrer Tochter nichts überweisen”, belehrt mich die Frau am Schalter und greift ins Fach für die Katastrophen, wo ich toxische Papiere und Lehman-Brüder vermutet hätte, nicht aber meine Kinder. Die Beraterin bittet um Geduld (die Schlange hinter uns wächst), und verfällt auf einen Trick: “Sie heben jetzt 1000 Euro von ihrem Konto ab. Und zahlen auf Ninas Konto ein.” Warum das? Muss ich demnächst mit der Postkutsche in die Zentralbank reiten, um die Scheine abzuholen? Aber gut, meinetwegen.

Doch halt! Darf ein ehemals grüner Kunde in einer urgelben Filiale 1000 Euro abheben, einfach so? “Nein, so läuft das nicht”, sagt die Betreuerin streng (das Murren hinter mir wird lauter) und wählt die Nummer einer Spezialeinheit. Ob ich die interne Organisationsnummer meiner ehemals grünen Filiale kenne, fragt der zugeschaltete Experte. Hat der sie noch alle? Die Bankleitzahl weiß ich, Ninas Schuhgröße habe ich parat, ätze ich, zur Not auch die Handynummer von Ben Bernanke. Die Stimmung wird frostig: Passkontrolle (die Schlange reicht inzwischen bis auf die Straße), dann aber flutscht`s: abheben, quittieren, einzahlen. Geht doch. In der Steinzeit war nicht alles schlecht.

 

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Jahrgang 1970, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.