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Zocken am Frühstückstisch

05.03.2011, 12:55 Uhr

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Die Zockerei ist schlimm, höchst verwerflich, ich weiß. Aber ein klitzekleines bisschen Glücksspiel, das reizt mich doch, auch wenn es Ärger gibt – so wie neulich, als ich mit den Kindern Pizzaessen war in einer Kneipe, in der ich früher gerne mal geküsst habe. Da steht also tatsächlich der Spielautomat von damals, und der alte Trick funktioniert noch immer: Tritt, Bumm und das Spiel ist umsonst. Die Kleinen finden das sensationell. Eine ältere Dame weniger. „Kinder und Glücksspiel. Schämen Sie sich!”, keift sie. Irgendwas von kriminell ruft sie noch hinterher.

Wie viel harmloser ist da meine jüngste Leidenschaft: Häuserlotto im Internet. Ein Ferienhaus in Kärnten, das wäre doch was. 95 Euro kostet das Los. 15.000 Stück davon werden nur ausgegeben. Auch ohne Taschenrechner heißt das: Die Gewinnchance ist deutlich höher als beim echten Lotto. Das Haus ist eine Augenweide: innen Echtholz, außen Wald, nur Wald und ein irrer Blick. Und ein Allrad-Auto gibt`s obendrauf. „Aber Kärnten”, schimpft mein Mann. „spinnst du?”

Die Finca auf Mallorca wäre ihm genehm, der Einsatz mit 135 Euro auch noch akzeptabel, nur geht da die Glücksquote gegen Null. Schade. Vielleicht sollten wir mit dem Gewinnspiel auf einer einfachen Müsli-Schachtel beginnen. Hauptpreis: 66 000 Nostalgie-Dosen, eine seriöse Sache also. Außer Verbraucherschützern hat dagegen sicherlich niemand etwas einzuwenden. Auch ernährungspsychologisch sind die Cornflakes okay: 1,5 Prozent Fett, wenig Zucker, Weizengluten und entfettete Weizenkerne. Nur das Spiel auf der Packung ist eine Frechheit, die Cornflakes-Bäcker offensichtlich nicht ganz dicht, wie ihre Spielanleitung beweist: „1. QR-Code Reader aus dem Internet auf das Smartphone herunterladen. 2. Mit dem Reader scannen. 3. Link öffnen.” Wer das kapiert, dem drohen „für die mobile Nutzung des Internets Kosten in unbekannter Höhe”, so warnen die Müsli-Heinis. Früher reichte für solch Schabernack eine frankierte Postkarte.

 

 

 

 

 

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Jahrgang 1970, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.