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Wilde Tiere im Büro

29.08.2012, 08:38 Uhr

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Hilfe, die Tiere kommen! Diese Woche hatte ich im Büro Besuch von einem Eichhörnchen. Es hüpfte durch die Terrassentür und blickte mich mit großen Özilaugen an. Wie süß, dachte ich im ersten Augenblick. Und dann: Nein, auf Dich fall ich nicht herein, Du kleines Monster!

Ich kenne die Tricks. Seine Krallen hätte das Vieh gegen mich ausgefahren, das Büro verwüstet, den Laptop entwendet. Das glauben Sie nicht? Dann haben Sie sich einlullen lassen von all den militanten Tierfreunden, die totschweigen, was derzeit passiert, überall in Deutschland. Ein Tiger zerfleischt eine Pflegerin, obwohl die beiden sich seit Jahren kannten. In Quickborn wurde eine Kuh auf frischer Tat als Einbrecherin gefasst, in Ostfriesland attackieren Feldhasen Autos (für den Blechschaden müssen die Fahrer natürlich selbst aufkommen), Schafe greifen Regionalzüge Richtung Stettin an, Enten besetzen unser Freibad und ein Otter vergreift sich an einer Hamburger Putzfrau. Das muss man sich mal vorstellen!

Bald werden die Krankenkassen Alarm schlagen: Denn der Krankheitsstand steigt, seit Mäusebussarde zuhauf harmlose Jogger anfallen. „Hitchcock ist nichts dagegen”, berichtet unser Freund, ein Unternehmensberater und Langstreckenläufer. Scheinbar gelangweilt beobachten sie von einem Baum aus, wie er antrabt, dann stoßen die Biester hinab auf seine lichte Kopfhaut. Wieder und wieder. Nun traut er sich kaum mehr aus dem Haus. Seine Work-Life-Balance wankt. Genau wie die der Filmproduzentin, die von Wildschweinen durch den Taunus gejagt wurde. Und es kommt schlimmer. Risikoaffine Zebrafische, so warnen Forscher, bereiten die Übernahme des Berliner Flughafens vor. Maulwürfe untergraben die Bundesbank und entwenden große Teile der Goldreserven. Und eine illegal eingereiste asiatische Tigermücke veröffentlicht im Herbst auf der Frankfurter Buchmesse ihr erstes Ebook: „Der Mensch schafft sich ab.” Ohne uns! Als erstes fällen wir jetzt die Nussstauden. Dann betonieren wir den Garten.  

 

 

 

 

 

 

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
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0 b.weiguny 30.08.2012, 08:48 Uhr

ein paar Ameisen werden den...

ein paar Ameisen werden den Maulwürfen schon helfen, und die leisten ja bekanntermaßen Schwerstarbeit wie wir sie uns kaum vorstellen können. Und ich möchte gar nicht wissen, wo Sie arbeiten - zwischen Spinnen und Mäusen...

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0 EgonOne 29.08.2012, 21:38 Uhr

Ach du liebe Guete, bin ich...

Ach du liebe Guete, bin ich erleichtert, werte Bettina Weiguny.
Als ich die Ueberschrift ihres "Balance Akt" las konnte ich mir nicht verkneifen zu murmeln: "Jetzt gehts wieder los ueber die wilden Maenner im Bureau". Diese Bestien, was? Zum Glueck handelt es sich um die Tierwelt. Gut so.
Ich hatte auch das Vergnuegen, mit Tauben und manchmal mit Moewen im Office zu kommunizieren, die vor dem Fenster herum wanderten. Dazu warfen Sie noch ihr "Zeug" ab von einer guten Hoehe, so dass so manches Auto da unten schnell eine neue Farbe bekam. Dem Boss sein schwarzer Merc war schnell grau. Nur Silber war ein gute Farbe, die nicht so schnell sich aenderte.
Auch Maeuse kamen ab und zu zu Besuch im Bureau, und die dazu folgende Jagd war immer koestlich, denn die Maeuse schafften es meist zu entkommen.
Irgendwie ging das Tierleben ganz gut, nur mit Insekten gab es Aerger. Besonders grosse Spinnen die von der Decke baumelten und dann so manchen Tee oder Kaffee versudelten. Geschweige wenn so eine in einem Hamburger starb oder sogar von hungrigen Bureauhengsten verzehrt wurde. Alles sehr spannend.
Ihre Bemerkung dass Maulwuerfe eine Bank wo moeglich noch untergraben um Goldreserven zu klauen, begeistert mich besonders. Gold ist sehr schwer, und die Banken haben meist 10-Ounce oder 100 oder 400-Ounce Barren, Das ist schon ein Gewicht.
Das muessen demnach verdammt starke oder grosse Maulwuerfe sein die sowas schaffen. Kennen sie den Namen fuer diese? Maulwurfus Giganticus? Oder aehnliches.
Kann man die zuechten und fuer nuetzliche Arbeit trainieren? Koennte ein neues Wunder sein: "The world's first Maulwurf Golddigger" -- nicht zu verwechseln mit dem Golddigger-Ausdruck der manchmal fuer die Bezeichnung von weiblichen Wesen benutzt wird.
Danke fuer die amuesante Geschichte.
Pax vobiscum

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Jahrgang 1970, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.