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Von Bauern und PR-Mäuschen

30.01.2013, 10:50 Uhr

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„Mama, was ist ein PR-Mäuschen”, fragt mich unsere Achtklässlerin, die sich derzeit eifrig um ein Schulpraktikum bemüht. Und da Mama und Papa auf gar keinen Fall ihre Beziehungen spielen lassen sollen (so der Lehrer), klickt sie sich durch diverse Internetseiten.

Leider sprechen die Erfahrungsberichte anderer Schüler dort vehement gegen einen Erstkontakt mit der Arbeitswelt. Glaubt man den Teenies, so werden die Armen einfach nur ausgenutzt – als bessere Putzen, Koffer-Kulis oder eben als PR-Mäuschen. Absolut unzumutbar! Und sexistisch allemal.

Wo die jungen Menschen später arbeiten wollen, ist mir ein Rätsel. Natürlich will niemand von ihnen etwas mit Bankern zu tun haben, diesem Pack von Zockern und Spekulanten. Der Berufstand ist inakzeptabel, Schluss, aus. Die schreibende Zunft, für die ich bei der Tochter werbe, ist ebenfalls verpönt („Wer will schon lesen, was Du schreibst”), Lehrer rangieren knapp vor den Budenverkäufern auf dem Jahrmarkt. Anwälte und Ärzte sind Gierhälse, denen es nur ums Geld, nie um den Menschen geht, Erzieherinnen werden viel zu schlecht bezahlt. Ein Job als Handwerker scheidet generell aus („die Hände kriegst du nie wieder sauber”). Beamte sind verpönt als faule Säcke, Unternehmer sind Ausbeuter, Politiker sowieso Verbrecher. Bäcker und Metzger? Kennen sie nicht. Und was Bauern so treiben, will die Jugend von heute lieber gar nicht wissen. Hausfrau geht auch nicht (ein reicher Mann allerdings wäre nicht verkehrt).

Wovon träumen sie dann bloß, die Jungs und Mädels? Ein Leben als Umwelt-Blogger könnten sich viele vorstellen, haben Recherchen im Freundeskreis ergeben. Als Energiesparer, Tierschützer, Fußball-Profi, der nächste Steve Jobs oder überhaupt als Star.

Jule träumt vom Theater. Ein Praktikum bekommt sie da nicht – ohne Vitamin-B läuft nichts hinter der Bühne. Immerhin aber hatte die Konfirmandin schon ihre erste Rolle, im Krippenspiel.

 

 

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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1 EgonOne 30.01.2013, 22:06 Uhr

Wie gut ich ihr Dilemma,...

Wie gut ich ihr Dilemma, werte Bettina Weiguny, ueber die Zukunft ihrer Jule in der Arbeitswelt von Morgen verstehe.
Es ist nicht einfach einen Pfad zu einer erfolgreichen, gluecklichen, zufriedenstellenden Karriere zu finden. Ich weiss.
Ich hoffe, die Traeume der Jungen sind flexibel genug --- denn ich sehe die Zukunft, und die gefaellt mir kaum noch.
Die Zeiten eines einigermassen stabilen Arbeitslebens scheinen vorbei zu sein. Zum Glueck sind die Jungen anpassungsfaehig, und kennen das Wort "Multi-tasking" um zu erkennnen, dass man oft mehrere Karrieren im Leben braucht, um sich bis zu den "Goldenen Jahren" durchzuschaffen.
Nach meiner Sicht ist ein Fling auf der Buehne gut -- there's no business like show business etc. Dabei aber bitte nicht vergessen, dass man sich zugleich wo anders mit beschaeftigt.
Die schreibende Zunft, mag Spass machen, ist aber leider fuer viele eine kaum bezahlte Plage. Mit Glueck schafft mancher einen Bestseller. Nicht einfach.
Arzt, Bauer, Banker, Boersenzocker sind auch OK so lange die Kohle rollt, finde ich.
Da ist natuerlich die Sache mit dem "Geld-Adel". Wer da einsteigt mag wohl materiell gesichert sein, aber auch die Geld-Fuersten schafften es manchmal ihren Hort, ihr Geld, ihren Schatz zu verschwenden -- und was bleibt dann uebrig?
Ergo und summa summarum, werte Bettina, empfehle ich das "Multi Tasking" im Auge zu halten.
Spielt auf der Buehne, ihr lustigen Jungen. Schreibt eure Poesie, macht eure Musik. Spekuliert wenns passt, wettet auf die Pferde, und tut sonst, was Spass macht -- aber bitte nicht den Hauptjob, der die Kohle bringt, aufgeben -- egal was er ist.
You can always "upgrade" to something better, when the opportunity arises.
Good Luck all -- PR Maeuschen, Bauern, Finanzhelden und sonstige.
Ich gebe diesen unverlangten Rat, da ich das selbst so gemacht habe, um einigermassen unversehrt in die Goldenen Jahre zu kommmen. It worked for me.
Pax vobiscum

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Jahrgang 1970, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.