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Ninas zauberhafter Füller

06.02.2013, 09:14 Uhr

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Wonach bemisst sich der Wert eines Füllers? Das hängt, wie bei allen Dingen, stark vom Betrachter ab. Gehört mir der Füller und ich soll ihn verkaufen, setze ich einen höheren Preis an als die potentiellen Käufer. Warum? Weil es den Menschen schwerfällt, so lehrt die Verhaltensökonomie, sich von Gegenständen zu trennen, sie hängen an ihren Besitztümern. Wer einmal das Haus der Eltern verkaufen musste, weiß wovon hier die Rede ist.

Nun scheint der Wert einer Sache ins Unendliche zu steigen, sobald man ihn verliert. So wie Ninas Füller. 12 Euro hat er gekostet, nicht mehr. Weihnachten hat sie ihn bei der Oma vergessen. Plötzlich gab es, trotz Ferien, nichts Wichtigeres als diesen Füller. Die Oma hat ihn also brav zur Post gebracht, 4,10 Euro Porto bezahlt, seither ist das gute Stück verschwunden – und sein Wert steigt von Tag zu Tag.

Ihre gesamte Spardose (inklusive aller Einnahmen als Zauberkünstlerin) würde Nina mittlerweile opfern, um ihn zurückzubekommen. Sie akzeptiert weder Jules alten Füller („Der schreibt nicht.”) noch einen neuen („Meiner war besser.”).

Der Post ist das Einerlei. Hätte die Oma den Füller als Paket aufgegeben, dann ließe sich jetzt nachvollziehen, wo er sich befindet beziehungsweise wo er verschwunden ist. Aber als Päckchen? „Da kann man nichts machen”, sagt die Schalterbeamtin, zuckt die Schultern und fixiert die Schlange der Wartenden hinter uns. Diese Pose hat sie in diversen Schulungen zum Umgang mit unzufriedenen Kunden trainiert, da bin ich mir sicher. Nicht mal die Tränen der Grundschülerin rühren sie. Auch die Oma blitzt bei der Post ab. Klar, es gehen jeden Tag etliche Briefe verloren (wie viele, will die Post nicht sagen) und versichert sind eben nur Pakete. Außerdem: Ein bisschen ist Nina selbst schuld. Wir trichtern den Kindern stets ein: Passt auf Eure Sachen auf! Trotzdem verschwindet ständig etwas – Jacken, Brotdosen, Bälle, Handys. Auch Bücher. Ganz ohne Einwirken der Post.

 

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
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0 EgonOne 08.02.2013, 00:52 Uhr

I feel your pain....! Sehr...

I feel your pain....! Sehr schmerzhaft so einen zauberhaften Fueller zu verlieren. Das verstehe ich sehr gut. Ich erlebte auch einen unendlichen und sehr schmerzhaften Verlust von irgendetwas als junger Bursche, nur kann ich mich nicht mehr so richtig erinnern, was es war. Ich glaub es war ein Segelflieger-Modell, das ich muehsam zusammen geklebt hatte. Aber es tat weh. Ich hoffe, dass Nina's verschwundener Fueller eventuell doch noch auftaucht. Es ist nicht unbekannt, dass so manche Post-Sendung mit Verspaetung ankommt -- und so den Verlust vergesslich macht.
Inzwischen hoffe ich dass sie werte Bettina Weiguny, sehr diskret ihre anderen Familienmitglieder, Oma und Opa, Tanten und Onkels von der Idee begeistern, der Kleinen einen neuen zauberhaften Fueller, von bester Marke, zu schenken. Ich weiss, es kostet etwas mehr als der Verlorene. Wenn moeglich wuerde ich einen Mont Blanc empfehlen, je nachdem wie gross die Geldsammlung der Sponsoren ist -- denn ein Fueller ist wichtig fuer eine junge Person, die anscheinend sehr viel schreiben will. So was sollte man foerdern, denke ich, besonders heutzutage wo viele nur noch "texten" und anscheinend dazu nur limitierte Sprachkenntnisse brauchen.
Mit Verlaub werte Frau Weiguny: Schreiben ist gut -- und wer weiss sogar noch besser und literarisch mit einem Klasse-Fueller. Good luck.
Pax vobiscum

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Jahrgang 1970, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.