Berlin ABC

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Wir fahren durch die Hauptstadt

Wurstnachtrag (Ostkreuz)

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Ich hatte kürzlich ja schon beschrieben, was eine Ketwurst ist, woher sie kommt und, dass ich eine persönliche, in meiner Kindheit liegende  Beziehung zu ihr habe. Das Wurstland ist nicht die einzige, mir bekannte Ketwurstbude in Berlin, es gibt (oder gab? Ich bin nicht sicher) noch eine an der Friedrichstraße. Dort bin ich oft vorbeigelaufen und habe mich an früher, an den großen Supermarkt in der Kreisstadt, erinnert, aber nie eine Wurst gekauft, denn ich versuche, ausschließlich Fleisch zu essen, über dessen unfragwürdige Herkunft ich Bescheid weiß, und das ist bei Wurstbuden nur selten der Fall (ich werde demnächst von einer der seltenen berichten).

Was ich nämlich eigentlich sagen wollte, ist dass ich mich geopfert und, aus Recherchegründen, eine Ketwurst zu zweifuffzich am Wurstland gegessen habe. Es handelt sich, wie Sie auf dem Bild nicht erkennen, aber mir glauben können, tatsächlich um die erwartete, ketchuparmierte Brühwurst in innenbetoasteter Weißbrotstange mit geschlossenem, unterem Ende. Sie sieht zwar vielleicht nicht so aus, ist aber reichlich schmackhaft.

Currywurst und deren Ableitungen leben praktisch ausschließlich von der Geschmacksqualität des verwendeten Ketchups, denn wenn man Ketchup auf eine Speise gibt, schmeckt sie nach kaum etwas anderem mehr. Darum ist es eigentlich sogar egal, was genau die gebadete Speise sein mag, so dass es gut sein kann, dass wir alle schon mehrmals vegetarische Currywurst gegessen haben, deren Hauptbestandteil Sägemehl war, von der wir aber dachten, sie bestünde, wie es sich gehört, aus Brät. Hier tut sich möglicherweise gerade eine Marktlücke zur schnellen Verköstigung mobiler, umweltbewusster Menschen auf.

Was ich aber eigentlich sagen wollte, ist dass sich das Gefühl meiner Kindheit zwar nicht einstellen wollte (zumal damals, im Westen, ohnehin eine Bratwurst und nur spärlich Ketchup verwendet wurde), die Ketwurst am Wurstland mir aber wesentlich besser schmeckt, als die – meines Erachtens ohnehin schon immer leicht überbewerteten – Bratstangen der Trendwurstbuden „Curry 36“ oder „Konopke“, so dass ich demnächst lieber zum Wurstland fahren werde, wenn ich mal wieder fies essen möchte. Außer nachts um drei, da sind die Schlagbäume zum Wurstland geschlossen und Curry 36 ist so schlecht nun auch wieder nicht.

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4 Lesermeinungen

  1. Dachte im ersten Augenblick,
    „Wurstnachtrag“ sei der Name eines mir noch unbekannten Berliner U- oder S-Bahnhofs. Wäre dies so, hätte ich einen guten Titel für ein Reisebuch: „Von Wurstnachtrag nach Mürzzuschlag“.

  2. Titel eingeben
    So etwa zwischen Linz und Graz und es ist wirklich schön da.

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