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Berlin ABC

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Wir fahren durch die Hauptstadt

Blankenburg

| 12 Lesermeinungen

Um sich atmosphärisch auf den S-Bahnhof Blankenburg einzugrooven, können Sie hier den Originalsound hören, zur auditiven Untermalung beim Lesen:

Es war nämlich so: Wieder einmal war ich mit meinen Kindern unterwegs. Es ist ja Brückentag und da hatten weder Kita noch Schule auf und die beiden mussten somit eben mitkommen, was sie aber sehr gerne tun, denn irgendwie finden sie es witzig, dass „Mamas Arbeit“ unter anderem darin besteht, einfach irgendwohin zu fahren, wo wir alle noch nie waren. Als wir mit der S8 in Blankenburg ankamen – übrigens hat mein Sohn die Station ausgewählt, ich vermute es liegt daran, dass in ihrem Namen das Wort „Burg“ enthalten ist – hatten beide einen riesigen Hunger. Ich fragte meine schlaue App, ob sie ein Restaurant zu empfehlen wüsste. Sie schlug vor: „Wirtshaus an der Panke“ – hatte aber geschlossen; „Zur Jägerklause“ – war fast einen Kilometer zu laufen; „Zum Eisernen Gustav“ – fast zwei Kilometer und das griechische Restaurant „Hercules“ – über zwei Kilometer. Kurz: Nüscht. Also blieben wir wo wir waren, denn direkt im S-Bahnhof, einem sehr hübschen denkmalgeschützten Gebäude, gebaut Anfang des 20. Jahrhunderts, gibt es einen Döner-Imbiss: „Prime Kebap“.

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Während wir aßen fiel mir erst auf, wie schrecklich laut es in Blankenburg war. Die Bahnhofstraße führt leider auf direktem Wege zur A114, entsprechend läuft der Hase hier. Es vergingen keine zehn Sekunden ohne einen vorbeifahrenden Lastwagen. Die Sonne schien, die Vögel sangen laut, denn sie sind es offenbar gewohnt, dass sie die lärmende Straße übertönen müssen und das Essen war lecker genug, um im Zweifel wiederzukommen, wenn es aus unerfindlichen Gründen sein muss. Aber entspannen?

Einen vegetarischen Döner, zwei Chicken Nuggets mit Pommes und drei Ayran später…

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Der Bauch war voll, wir fühlten uns bereit, die laute Bahnhofsstraße zu überqueren, um das zu erkunden, was laut Karte und auch unseren Augen zufolge seit Pankow-Heinersdorf hier in dieser Gegend am angesagtesten war: Kleingärten.

Es folgt ein kurzes Pro und Contra der Kleingärtnerei in Berlin:

Pro:

  • Natur!
  • Obst! Gemüse!
  • freilaufende Katze, die von den Nachbargärtnern mitgefüttert wird – im Winter muss sie halt schauen…
  • hoffen, dass die trägen, treulosen Tomaten von Freunden den langen Weg wenigstens einmal im Sommer auf sich nehmen und dann: GRILLEN!
  • die Kinder erfahren noch, was es heißt, subsistent zu sein (jaha! das Kind von heute denkt ja, Kühe seien lila!)
  • bei Ehestreit gibt es eine zweite Wohnung in der Gartenlaube

Contra:

  • das FAQ der Kleingartenkolonie Bielefeldt, denn:
  • „An wen muß ich mich wenden wenn meine Fäkaliengrube abgepumpt werden soll?“ – o_O Fäkaliengrube??!
  • „Wie werde ich einen Waschbären wieder los?“ – okay, der Waschbär gehört aber schon fast ins „Pro“
  • „Wasserschwund, Tropfgeld, Messdifferenz – Was ist das?“ – ich möchte das nicht wissen
  • „Darf ich das Schädlingsmittel „BI 58“ o.ä. im Garten anwenden? “ – zulässig??? Ihr habtse jawohl nich alle! Ick hab nen Jarten, um von die Scheißjifte inner Stadt endlich mal frei zu kommen!
  • Weitere Dinge, die einfach anstrengend sind: pflegt man den Garten nicht regelmäßig sieht er scheiße aus und die Spießer-Nachbarn halten einen für Assis.
  • überhaupt die Nachbarn! So eine Kleingartenkolonie ist ja wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man für Nachbarn kriegt. Manche kleben schon sehr eindeutige Sticker an ihre Gartenpforte und ich glaube, da möchte ich lieber zwischen all meinen linken und spinnerten Gutmenschensocken im Friedelhain bleiben, verdreckte Plätze und Parks hin, Grillabende her.
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    Apropos geil: Gleich zu Beginn des Weges, der in die Gartenkolonie führt, befindet sich ein Relikt aus alten Zeiten – also gefühlt zumindest, denn einen original „Condomat“ habe ich eeeeeewig nicht mehr gesehen. Er führt heute nicht mehr nur Kondome in vielfacher Ausführung (was sind das für Menschen, welche die Nachfrage nach Kondomen mit dem Aroma Banane aufrecht erhalten??? Könnt ihr bitte alle einmal Selfies auf Instagram stellen, Hashtag „#Banadom“? Ich will so gerne wissen, was ihr für welche seid!), sondern auch kleine Vibratoren und einen Vibrator-Penis-Ring. Bevor man also in den Rostsperlingweg einbiegt, übrigens eine „Spielstraße“, kann man sich noch einmal komplettausstatten. Denn Gartenlauben können, wie mir jetzt aufgeht, natürlich auf vielfältige Weise genutzt werden. Ich bin in die Jahre gekommen, denn ich denke bei mir „was es nicht alles gibt“, während ich das Sortiment des Automaten begutachte. Neben mir erhebt sich ein Kinderstimmchen: „Mama, was gibt es da?“

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    Ach ja – die sind ja auch noch da! Huch! Meinen Kindern fällt das zum Glück immer nicht auf, aber ich erröte und stammele (weil ich noch nie schlagfertig war): die Wahrheit. „Kondome“, womit sie sich stillschweigend zufrieden geben. Was das bedeutet wissen sie nicht. Glaube ich. Also latschen wir ein wenig hinein in das Grüne. Wenn Sie oben den Sound angeschaltet haben, hören Sie, was uns weiterhin die ganze Zeit begleitet. Erholsam? Hier? Ich weiß ja nicht. Klar: Nahezu jede Parzelle hat einen oder mehrere Fliedersträuche. Und es gibt Hunde hier. Doch ich sehe kein einziges Kind, obwohl das eine Spielstraße ist. Und insgesamt fürchte ich, dass meine Alterskohorte hier nicht, oder nur in der Minderheit anzutreffen sein wird.

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    Nee, lassen wir das.

    Aber eines möchte ich aus Blankenburg mitnehmen, und zwar am Liebsten zu jedem S- und U-Bahnhof der Stadt:

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    Die „Fahrradabstellanlage“ (FAA) in der Rudelsburgstraße! Es ist ein Paradies für Fahrräder: Überdacht, tolle Ständer – zum Festmachen der Rahmen bestens geeignet, richtig viel Platz! Ich war sofort Feuer und Flamme und furchtbar neidisch. Warum haben wir sowas nicht? Es würde sich am Ostkreuz doch wirklich dolle lohnen! Seufzend stehe ich vor der Anlage und träume davon, morgens mein geliebtes Rad an einer so schönen Stelle anzuschließen. Sie stehen glücklich und zufrieden nebeneinander, diese Räder. Artgerechte Fahrradhaltung. Bitte DB – mehr davon in der Innenstadt.

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    Das war also Blankenburg. Ich hoffe, dass ich in meinem kleinen Bericht nicht ausversehen irgendwo ein „Blankenfelde“ reingeschummelt habe, denn diese beiden Stationen kann ich einfach nicht auseinanderhalten. Wenn Sie mögen, dann können Sie ja noch ein bisschen den meditativen Klängen vorbeirasender Motoren lauschen. Ich gehe jetzt ins Bett und hoffe von anderen Dingen zu träumen, als von mit Bananenkondomen  verstopften Fäkaliengruben.
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12 Lesermeinungen

  1. Spielstraße
    Interessant, daß auch junge Leute wie Sie immer noch den Begriff Spielstraße verwenden, obwohl es schon seit Jahrzehnten ‚verkehrsberuhigte Zone‘ heißt. Aber Spielstraße klingt um sovielmal sympathischer.

    • einerseits. und andererseits steht dort noch ein Schild: „Spielstraße“ 🙂

    • Spielstraßen...
      …gibt es durchaus. Sie unterscheiden sich aber deutlich von verkehrsberuhigten Bereichen. Wikipedia erklärt im gleichlautenden Artikel im letzten Absatz die Unterschiede.

  2. Titel eingeben
    Natürlich sind dort keine Kinder anzutreffen. Die Kondome zeigen ihre Wirkung.

  3. Blankenburg
    Hat Ihr Blankenburg eigentlich irgend etwas mit Blankenburg (Harz) zu tun?

    • ich zitiere aus der Wikipedia:

      „Das Dorf Blankenburg wurde um 1230 auf dem Barnim von niederdeutschen Siedlern gegründet, offenbar vom nordöstlichen Harzrand, worauf der Ortsname hindeutet: eine Namensübertragung von Blankenburg. „

    • Titel eingeben
      In der Burgwallstraße wurde die Reste einer slawischen Burganlage entdeckt, also die Blankenburg. Mehr dazu auf http://dorfanger-blankenburg.de/cms/.

  4. Titel eingeben
    Erstens noch eine Bemerkung zu den Fäkaliengruben. Blankenburg ist einer der wenigen Berliner Ortsteile, in der es noch keine flächendeckende Kanalisation gibt. Nicht nur in den Kleingartenanlagen, sondern auch in etlichen Straßen muss das Abwasser noch immer abgefahren werden. Dementsprechend schwebt zuweilen eine herzhafte Duftwolke über der dörflichen Idylle.
    Zweitens: Die Bahnhofstraße ist kein Autobahnzubringer, sondern sie unterquert selbige lediglich unweit des Bahnhofs. Sie ist allerdings eine wichtige Tangentiale im Nordosten und demzufolge stark befahren.

    • ah – auf der Karte sah die Straße wie ein Zubringer aus. danke für die Korrektur

  5. EINE Station weiter
    und ihr wärt in Karow gewesen, da fällt man quasi vom Bahnhof aus direkt in die Natur, Karower Teiche mit freilaufenden Rindern als Landschasftsgestaltern und der Döner am Bahnhof ist auch besser

    • es gibt noch viel zu tun im Bereich ABC 😀
      die Station vorher wurde auch schon für einen Ausflug auserkoren. wir werden mal schauen.

  6. 1x Blankenburg und 2x Blankenfelde
    Bei Blankenburg und -felde muss ich auch immer erst nachschauen. Es ist nämlich noch viel komplizierter. Das von Ihnen besuchte Blankenburg ist ein Ortsteil von Pankow. Die S-Bahn-Station Blankenfelde liegt südlich von Berlin – also sehr weit von Blankenburg entfernt – nämlich auf dem Territorium der brandenburgischen Gemeinde Blankenfelde-Mahlow (die aus fünf Gemeinden zusammengesetzt wurde, deren eine Blankenfelde hieß). Jetzt aber: Außerdem gibt es aber noch den Pankower Ortsteil Blankenfelde, der nur wenige Kilometer von Blankenburg entfernt liegt und der bei meinem letzten Besuch unglaublich friedlich resepektive verschlafen wirkte. Dass dies der dünnstbesiedelte Ortsteil ganz Berlins sein soll, glaubt man sofort. Dieses Berlin-Blankenfelde besitzt keinen S-Bahnhof, aber einen Bahnhof der Heidekrautbahn, der bis 1983 bedient wurde und irgendwann wieder in Betrieb genommen werden soll.

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