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Berlin ABC

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Wir fahren durch die Hauptstadt

Mühlenbeck-Mönchmühle

| 8 Lesermeinungen

Das Tarifgebiet dieses Blogs erstreckt sich ein Stück weit hinein nach Brandenburg, denn im Grunde ist Berlin ja auch bloß die größte brandenburgische Stadt. Und so habe ich mich vor ein paar Wochen (es war noch kalt und die Sonne ging früh unter) in die S8 gesetzt und bin zu einem Bahnhof gefahren, der dermaßen irrelevant zu sein scheint, dass er nichtmal einen Wikipedia-Eintrag hat.

Moench_Bahnhof

Der Name Mönchmühle kommt von einer alten Wassermühle, die im 13. Jahrhundert von Zisterziensermönchen erbaut wurde und seit ein paar Jahren ein wenig Strom aus der Kraft des Tegeler Fließes erzeugt, was mich immer irgendwie romanisch werden lässt, denn ich halte die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen ja für einen der größten Irrwege, die der Mensch je eingeschlagen hat.

Moench_Strasse

„Na, hier biste schnell wieder weg, Freundchen! Bloß doof, dass die Bahnen so selten fahren…“, dachte ich mir, als ich die trostloseste mir bekannte Rampe vom Bahnsteig runtergegangen bin (von der Mühle wusste ich da noch nichts). Als Bestätigung meiner Erwartung, noch ein Stück weiter runtergezogen zu werden, wenn ich erstmal unten stünde, verhieß die Ortsdurchfahrt auch nicht wirklich Bemerkenswertes. Also mal Schilder kucken…

Moench_Schilder

Nach links, Richtung Zentrum, wollte ich nicht. In Summt hat mal ein Freund gewohnt, aber der ist weggezogen. Also ab nach rechts. Vermutlich auch, weil „Historische Mönchmühle“ und „Labyrinth des Lebens“ insgesamt schon irgendwie attraktiver klangen. Hier habe ich zum ersten Mal von der Mühle gelesen, von der ich aber eigentlich gar nicht erzählen wollte, denn ich habe es gar nicht erst bis dahin geschafft.

Vorher kam nämlich, nach ein paar hundert Metern linkerhand, das angezeigte Labyrinth. Es hatte geschlossen, denn es sieht im Winter ähnlich trostlos aus, wie die Straße, die dorthin führt (s.o.), weshalb mir auch verboten wurde, Fotos zu machen und zu veröffentlichen, solange nicht die Pflanzen blühen. Das Labyrinth ist nicht wirklich ein Labyrinth, sondern macht auf den ersten Blick den Eindruck eines weitläufigen Kräutergartens, in dem irgendwelche Gegenstände herumstehen, die irgendjemand irgendwann mal zusammengesammelt hat und jetzt nicht mehr wegwerfen kann. Man kennt sowas.

Moench_Lab_02

Im Garten war eine Dame bei der Gartenarbeit und weil ich schonmal dort war, hab ich sie einfach angequatscht und gefragt, ob sie ein paar Minuten Zeit hätte, mir zu erzählen, was das denn für ein Garten sei. Aus den paar Minuten wurde über eine halbe Stunde, in der sie mich einmal durch den kompletten Garten geführt hat. Zufälligerweise habe ich nämlich die Erbauerin des Labyrinths getroffen.

Moench_Lab_03

Es ist wie eine kleine Wanderung über die Stationen des Lebens, von Geburt bis zum Tod, die durch verschiedene Untergründe, Pflanzen und Requisiten dargestellt werden. Überall gibt es Sitzgelegenheiten und manche Sachen machen sogar Geräusche. Ich glaube, hier will man mal mit Kindern hin, denn es gibt dermaßen viel zu entdecken, dass Eltern sich locker mal ein Stündchen ausruhen und einen Kaffee trinken können (Kuchen bekommt man auch, wenn ich das richtig verstanden habe).

Moench_Lab_01

Der ganze Garten hat starke christliche Bezüge, denn die Betreiberin ist Religionspädagogin und zieht aus ihrem Glauben die Kraft, ein solches Projekt überhaupt am Leben zu halten. Wenn ich mir vorstelle, wie alleine schon die Requisiten im Winter leiden dürften, kommt mir das nicht wie eine keine kleine Aufgabe vor – von all den Pflanzen ganz zu schweigen. Aber ich habe eh keinen grünen Daumen und bin immer ganz fasziniert von Menschen, die Blumen am Leben halten können.

Jetzt habe ich eigentlich mit so Religionsklimbim nicht das Geringste am Hut – aber hier wird nichtmal ansatzweise der Versuch unternommen, Menschen zu missionieren oder gar zu indoktrinieren. Stattdessen wird man zum Verweilen, Ausruhen und zum Nachdenken eingeladen. Das gelingt ganz gut und wenn am Ende nicht irgendein Gott sondern irgendein Kant steht, ist man trotzdem willkommen gewesen.

 

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8 Lesermeinungen

  1. Dass Sie
    angesichts einer Mühle aus dem 13. Jahrhundert „irgendwie romanisch“ werden, ist – ob nun beabsichtigt oder nicht – einfach großartig.

    • Labyrinthfan
      Lieber Tarifkenner,
      könnte es nicht sein, dass sich der Blogautor einfach vertippt hat und romantisch schreiben wollte? Vermutlich hat sogar so ein schlaues Rechtschreibprogramm im Hintergrund das hingezaubert.
      Und ist das eigentlich kommentarwürdig? Sich an einem einzigen kleinen Rechtschreibfehler aus zu toben?
      Gehen Sie doch auf den Inhalt ein und geben Sie dazu Ihre Meinung kund. Dann hätten alle etwas davon. Nix für ungut, sagt man bei uns.

    • Hat er 😀

    • Lieber Erwin,
      ich war mir bewusst, dass romanisch ein Tippfehler für romantisch sein konnte und versuchte, dies mit der Parenthese auszudrücken. Es ging mir keineswegs darum, mich an einem Fehler auszutoben, sondern ganz ohne Ironie darum, auf die poetische Schönheit dieser Abweichung vom Erwarteten hinzuweisen. Ich bin nicht zuletzt deshalb hoffnungsfroh, dass andere Leser unter diesem Gesichtspunkt meinen Kommentar als bereichernd empfanden, weil diesem Blog das Thematisieren von Tippfehlern, die einen höheren Sinn ergeben, durchaus nicht fremd ist (vgl. etwa die ersten Kommentare zu „Karls Erdbeer-Imperium“).

    • Also, ich fand den Kommentar bereichernd 🙂

  2. Liebe zum Detail
    Hallo holgi. Ich als wrint Hörer und Mühlenbecker bin der Überzeugung dass dir die Mühle sicher auch zugesagt hätte, nicht dass ich denke deine Vorlieben zu kennen, jedoch wurde sie von uns dorfis mit viel Liebe aufgebaut… Und von RBB in der 96 Stunden Aktion.
    Wenn du mal nen Interview für was auch immer mit dem Vereinsvorsitzenden (der da mit jeder Zellen und aller Energie drinne hängt) von der ältesten Wassermühle Brandenburgs machen willst, sag bescheid.

  3. Nachtrag
    Jedenfalls hab ich vergessen zu erwähnen dass es was für dich wäre weil man da einfach mal gut entspannen kann. Ein recht schöner Garten mit Bänken am Mühlenrad laden dazu ein.

    Ansonsten hast du in dem Kaff echt nichts verpasst… Außer vieleicht mir nen Autogramm zu geben, beim Kaffee im Garten und schönen Radstrecken fürs Mountainbike 😉

  4. Titel eingeben
    An dieser Stelle, stelle man sich Holgis Kopf auf einer Kirche aus dem 13. Jahrhundert vor, um die Romanisierung des Holger Kleins zu symbolisieren.

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