Berlin ABC

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Wir fahren durch die Hauptstadt

Schlachtensee

| 11 Lesermeinungen

Die Kiefern neigen sich leise
blau liegt und still der See,
wir lauschen der alten Kunde
von Wendenlust und Weh.

Wir sind wieder so früh los, wie es nur ging – diesmal wusste ich auch, was schlimmstenfalls am Schlachtensee auf mich wartet, ich sah das Drama an heißen Tagen mehrmals von der S1 aus im Vorbeifahren: MENSCHENMASSEN!

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Die Kinder wussten ja schon beim letzten Mal, dass es keinen schöneren See, als den Biesdorfer Baggersee geben kann und nach unserem Besuch am Schlachtensee hat sich diese Diagnose für sie erhärtet.

Es ist auch wirklich schrecklich hier: Es sind nur wenige Kinder da; es gibt nur eine sehr kleine Badestelle, die dem Begriff „Strand“ nahekommt, Schaufeln und Buddeln ist hier nicht; es gibt Fische im Wasser („die wollen mich beißen!!“) und das Wasser ist nicht brühwarm, sondern klar und frisch – fast wie im Gebirge! Es ist also ganz ganz schlimm. Noch dazu liegt am Boden ein toter Maulwurf. Er hat sich vielleicht auf der Liegewiese ein bisschen zu sehr verausgabt. Die Kinder bedecken ihn mit Blättern und nennen es „Beerdigung“ – ein trauriger Tag.

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Kalt ist es noch dazu: etwa 20 Grad im Schatten. „Das ist doch kein Wetter für den Badesee!“ denkt der gemeine Berliner. So ist die Liegewiese wenig bevölkert, um unsere Decke gibt es im Umkreis von mehr als drei Metern keine andere Decke.

Der Sohn, der letztes Mal den Baggersee durchschwamm (und wieder zurück), kommt nach drei Minuten wieder aus dem Wasser. Es ist ihm viel zu kalt. Mürrisch setzt er sich auf die Decke und starrt Löcher in die Luft. Das Töchterchen überwindet sich und überschwimmt die Fische im Wasser mit mir. Wir schwimmen und schwimmen und erst, als es etwas kalt zu werden beginnt, suchen wir wieder das rettende Ufer.

Entchen! Überall tippelten Entchen einfach so um uns herum - nur etwas kamerascheu waren sie. Dass allein die Entchen nicht den Baggersee ausgestochen haben, wundert mich eigentlich am meisten.Entchen! Überall tippelten Entchen einfach so um uns herum – nur etwas kamerascheu waren sie. Dass allein die Entchen nicht den Baggersee ausgestochen haben, wundert mich eigentlich am meisten.

Angeblich gibt es irgendwo auch ein Klo, aber wir konnten es leider nicht finden. Als wir frierend zurück zur Decke kommen, haben sich Jugendliche auf der Wiese eingefunden. Sie sind sehr laut und haben eine Art aufblasbare Insel dabei, die sie ins Wasser setzen. Andere sitzen rum und lassen mit lautem Knacken Bierdosen aufgehen – sie enthalten „Biermixgetränke“ und die Mädels, die sie trinken, sind alles, aber nicht volljährig. Etwas weiter läuft Rap-Musik. Ein älteres Pärchen rollt seine Decke zusammen und packt die Getränke ein. Sie haben keine Lust mehr, die Ruhe ist vorbei.

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Wieder einmal war es schön, bis die anderen kamen, wieder einmal stelle ich fest: Je früher man am See ist, desto mehr Genuss. Und: Je kühler der Tag, desto weniger Volk. Für mich sind 20 Grad im Schatten großartig und ich lege mich dann in guter irischer Manier im Bikini in die Sonne. Alles prima. Und ganz ehrlich: Die Kinder sollen ruhig motzen – es war herrlich im Schlachtensee, um Längen herrlicher, als im Baggersee, um längen schöner. Das ist wieder einer dieser Punkte, wo wir Eltern mit den Kleinen eben nicht einer Meinung sind. Es kann ja nicht immer sein, wie mit den Minions.

Ach: Die haben wir inzwischen übrigens im Kino gesehen und wie der Kinderfilmkritiker Rochus Wolff, würde auch ich sagen: 7 von 10 Punkten. Lustig schon, aber etwas fehlt. Etwas, das einen tiefer im Inneren berührt, wie die Mädchen aus dem Waisenhaus im ersten Teil von „Ich, einfach unverbesserlich“.

Man kann auch am Schlachtensee wohnen. Wobei "residieren" hier vielleicht besser passt. (Aus mir spricht der pure Neid)Man kann auch am Schlachtensee wohnen. Wobei „residieren“ hier vielleicht besser passt. (Aus mir spricht der pure Neid)

Am Ende unseres Besuches am Schlachtensee setzten wir uns für ein Mittagessen ins „Seestern“, wo man Schnitzel, Currywurst, Bratwurst, Backkartoffel, Kartoffel- und Nudelsalat und solche Sachen zu Mac-Donalds-Preisen erwerben kann. Die Sache ist durch und durch pragmatisch gehalten: Man bekommt, was man auch in Wildpark-Restaurants und anderen Etablissements erhält, die einen großen Besucherstrom in kurzer Zeit meistern können wollen. Das ist okay. Aber halt nicht geil.

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11 Lesermeinungen

  1. Willy Brandt hat ziemlich da auch gewohnt, "Marinesteig 14" - wobei speziell diese Strasse
    im März 1939 ihren Namen erhalten haben soll, lt. Wiki. Interessanterweise gibt es in Google Earth auch Fotos von der Villa, allerdings noch vor der anscheind kürzlich erfolgten Renovierung. Sogar vom gegenüberliegenden Seeufer aus „Schlachtensee, schmalste Stelle mit Stadtvilla“ bezeichnet.

    Häuser machen auch Arbeit. Sind die Kinder erst einmal groß, wünscht man sie sich manchmal auch schon wieder kleiner. Auch wenn es eh kein ganz so großes Haus war. Aber das Grundstück bleibt.

    Ob die Kinder im Kindergarten wohl Bilder malen würden vom toten Maulwurf? Die nachträgliche Malerei ja, wie bekannt, oft eine gute Sache, und mit den schon mal interessantesten Ergebnissen, auch für uns Eltern.

    Und auch oder gerade als Eltern wünschte man sich, dass der Sommer in unseren Breiten nicht so verdammt kurz wäre, was wären schon vier oder fünf evtl. sechs Wochenenden Hochsommer im Vergleich zu 46 Wochen Rest? Die paar Sonderglücksjahre, so lange die Kinder noch klein sind,

    • im Sommer ist es wirklich so: man genießt jeden Tag mit den Kindern und versucht, ihn in sein Herz zu speichern

  2. Danke - schade, dass die Überschrift so fett gesperrt da oben steht - laut war es ja keinesfalls ge
    meint. Immerhin soll es nächste Woche ja auch noch wieder schön werden. Und gescheit Bergwandern/spazierengehen auf „Panorama-Höhenwegen“ o.ä. kann man halt auch nur um diese Jahreszeit – es ist wie verhext.

    (ohne allzu weit abzuschweifen – waren mit unseren mal – und bald gegen deren ersten willen – sommers im ötzttal, weils da 14=11 kombinierbar mit 30% frühbucherrabatt gab für eine große fewo mit meheren zimmern, hotel mit kids eher nicht so das unsere.

    und hatten sogar einen besten freund mit, gern geschehen. & waren irgendwann – die wochendauerkarte für alles des verbundes pflicht, sonst gehts mit kids zu sehr in die kosten, so hat man das meiste frei, inkl. alle busse – spätabends ins schwimmbad über die dämmerung in die nacht hinein, man kann da ganz oben unter freiem himmel rücklings im wasser liegen, ringsum total schwarz die berge, und darüber bläulich-sternig himmel.

    erst waren sie dagegen, heute ists coole erinnerung; evtl. „aquadome“ im netz.

    • einen
      gleichaltrigen besten freund der kinder, daher ein kind mehr als sonst, vier kids also.

  3. Evtl. der Link
    ans Wasser – und nicht teuer zur rechten Zeit. http://tinyurl.com/o3rlw4z

    Irgendwo in Zwieselstein war es wohl; ins normale und Kinder-praktische „Aparthotel“ kamen traditionell immer auch viele kluge und nette Holländer und Belgier, wunderbar wenns im Urlaub in den Bergen nicht nur deutsch zugeht.

  4. Der Schlachtensee(len)wert.
    Wer den Oasen-Wert der Erde für Menschen und Enten nicht von
    Kind auf sehen und gestaltend erleben lernt, der gestaltet erlebend
    als Erwachsener eine Messie-Party-Welt?
    Wettbewerb…Wetten das…die nächste Party noch greller, lauter…
    bis die Erde ein friedengeiler? Messie-Friedhof ist…geil…ge(h)eil(t)?
    Ist Oasen-Geist gestaltende Bildungserziehung möglich?

    Fragender Gruß,
    W.H.

  5. Den Zauber, der von solchen Plätzen ausgeht...
    wissen jüngere Kinder nicht immer zu schätzen. Macht nichts. Wenn sie älter werden, kommen die Erinnerungen daran und die Kindheit bekommt in der Erinnerung etwas „Magisches“.

    Dann schliesst sich der Kreis mit den eigenen Kindern…

  6. Badebucht
    Ich würde Ihnen wirklich sehr die Lieper Bucht an’s Herz legen. Allerdings muss man an warmen Tagen wirklich sehr früh dort sein.
    Das ist noch originale West-Berliner Naherholung aus meinen Kindertagen.

  7. Haltestelle
    Aber ja: Lindwerder.
    Dann ein paar Schritte nach Norden.

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