Berlin ABC

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Wir fahren durch die Hauptstadt

Prinzenstraße

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Ich musste zur Prinzenstraße. Das ist ein Bahnhof an der U-Bahnlinie 1. Wenn man ihn verlässt und dann die Gitschiner Straße hinunterläuft, dann hat man ernsthaft das Gefühl an einer Stelle ausgestiegen zu sein, die mit dem Wort „Prinz“ nur so viel zu tun hat, als dass hier jemand darauf wartet, wach und schön geküsst zu werden. Denn die Gitschiner Straße ist hässlich und laut. Hier rasen viele Leute durch die Stadt, die diese gerne verlassen wollen. Schnell auf die A100 – aber die ist noch ein Stück hin.

Prinzenstrasse

Was an der Prinzenstraße beeindruckt ist das Bahnhofsgebäude. Will man nämlich wieder in Richtung Warschauer Straße fahren, so muss man durch ein kleines Labyrinth aus Treppen und Rolltreppen, das von rosa Geländern gesäumt ist – ganz oben stehen Puppen und ich glaube, das ist schon Kunst.

Bahnhof

In der Gitschiner Straße gibt es einen Laden, der riesige Kronleuchter und Lüster verkauft – wobei Kronleuchter und Lüster glaube ich Synonyme sind, aber „Lüster“ klingt so witzig. Der Laden beleuchtet die unschöne Straße Tag und Nacht, wodurch sie ein bisschen besser wird. Schon erstaunlich, was so ein Lüster für einen unmittelbaren Verschönerungseffekt auf seine Umgebung hat.

Will man noch mehr Schönes sehen, dann sollte man lieber in Richtung Süden in die Prinzenstraße einbiegen. Hier findet sich das „Sommerbad Kreuzberg„, aber alle kennen es nur als „Prinzenbad“. Ich war einmal dort drin. Es war voll und laut und bunt und chaotisch, wie Freibäder im Allgemeinen ab einer bestimmten Uhrzeit im Sommer so sind. Mein Drang, den Besuch zu wiederholen, ist sehr gering. Ich mag es lieber ruhig und ich mag lieber Seen.

Aber den Film „Prinzessinnenbad“ lege ich Ihnen wärmstens ans Herz. Er ist einer der besten Filme über Berliner Jugendliche, die ich kenne. Oder war. Denn der Film ist aus dem Jahr 2007 und wir alle erinnern uns, dass gerade erst in diesem Jahr das iPhone eingeführt wurde und somit die Geschichte des Smartphones erst ihren Anfang nahm. Kann man sich heute eine realistische Dokumentation über Berliner Jugendliche vorstellen, in der diese nicht ständig mit Smartphones nesteln und tatschen? Eben. Doch vielleicht haben sich die Sorgen von Heranwachsenden auch trotz Smartphone nicht einfach in Luft aufgelöst, vielleicht bleiben Schulprobleme, Eltern, die nicht erwachsen werden, die Verlockung von Drogen und Exzess ja weiterhin Themen.

Prinzenbad

Wenn man nicht im Prinzenbad ins Wasser hüpfen will, dann setzt man sich etwas weiter die Straße runter an den Landwehrkanal. Am Straßenrand wartet schon das Hello-Kitty-Mobil darauf, einem dafür ein Eis und ein kühles Bier in die Hand zu drücken. Ein sehr netter geschäftstüchtiger Mann hat diese Grundversorgung in die Hand genommen.

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Am Kanal kann man Schwäne füttern, grillen, mit der besten Freundin Probleme des Lebens wälzen, man kann sich sonnen, man kann schöne Fotos machen und romantisch sein. Es ist einer der schönsten Orte in Berlins Sommer. Denn er pulsiert vor Leben und gleichzeitig überplätschert das Wasser allen Lärm freundlich. Sitzt man weit genug von den Gitarrenjungs weg und der Wind steht günstig, dann kann man nicht einmal hören, dass sie gern Gitarre spielen würden, wie Bob Dylan.

Gitarre

Aber eigentlich spielen sie ganz schön. Für die Romantik kann man sich ruhig ein bisschen daneben setzen und aufs Wasser starren, auf die Schwäne, auf die andere Seite, Löcher in die Luft.

Was die Romantik etwas stört, ist der Lärm, der von den Jugendlichen kommt, die im Statthaus am Böcklerpark ihre Skateboards die Halfpipe entlangsausen lassen. Dann schweben sie kurz in der Luft. Und dann landen sie wieder mit beiden Füßen auf dem Board. Sie sausen sie hin und her, als gäbe es nicht Leichteres, als das. Wenn Brett und Reiter wieder auf der Pipe landen und zurück auf die andere Seite fahren, macht es „RAPP“ und das Geräusch ertönt so regelmäßig wie das klacken eines Kugelstoßpendels.

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Wenn es am Kanal dunkel wird, dann überkommt mich immer der Drang, nach Hause zu gehen. Die letzten Schlucke des Biers zu trinken und auf geht’s. Der Sonnenuntergang aber war wie immer wunderschön.

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6 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    „Aber den Film „Prinzessinnenbad“ lege ich Ihnen wärmstens ans Herz.“

    Dieses Bad ist auch im Film HERR LEHMANN zu sehen (und im Buch beschrieben).

    Übrigens: Früher war auf dem Gelände eine Gasanstalt. Auf meinem Stadtplan von 1929 sind da noch runde Bauten eingezeichnet: Gasometer.

  2. Berliner Romantik
    Bei Landwehrkanal muss ich immer an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht denken. Und dann ist die Romantik weg. Die kommt mich bei dieser meist ziemlich übelriechenden Bundeswasserstraße allerdings sowieso nur selten an. Und das Prinzenbad? Was ist das Gegenteil von Romantik? Das jedenfalls ist, vielleicht mal abgesehen vom ganz, ganz frühen Morgen oder publikumsfreien Wintertagen, für mich das Prinzenbad. Eine der vielen, oft gar nicht so kleinen Berliner Höllen.

    Um die Ecke „floss“ ja mal der Luisenstädtische Kanal in den Landwehrkanal. Oder umgekehrt. Das war dann auch schon eins der Probleme. Stehende Kloake. Der Luisenstädtische war eine klassische Berliner Angelegenheit. Von ABM gebaut, nie richtig funktioniert und von ABM zugeschüttet. Inklusive blutiger Arbeitskämpfe.

    Nun ja und die „romantische“ Admiralsbrücke, die da dichtbei den Kanal quert ist ganz sicher nochmal ein anderes Thema.

    • so schlimm?

    • Eigentlich sogar an manchen Tagen noch schlimmer.
      Schon mal die Kronkorken auf der Admiralsbrücke gezählt? Hielte ich für ein wichtiges Thema:Woher kommt nur das Berliner(?) Bedürfnis die eigene Stadt immer wieder so sehr zu vermüllen? Akustisch, visuell,…

      Ein Schweizer hat dazu mal was sehr Schönes gesagt:Wir mögen unser Land einfach. Und deswegen vermüllen wir es nicht. Sehr bedenkenswert, wie ich finde.

    • das stimmt auf jeden Fall. Vermutlich bin ich mit dem Ostkreuz und dem Asimirl-Bauer-Platz so schlimmes gewohnt, dass ich das Ufer am Landwehrkanal quasi als Erholungsgebiet empfinde…

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