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Wir fahren durch die Hauptstadt

Alt-Tempelhof

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Ich hatte neulich ja mal noch das eine oder andere gute Restaurant und dergleichen, nur eine U-Bahnstation von Tempelhof entfernt, angekündigt.

alt_tempelhof_ubahnschild

Praktischerweise heißt die Station Alt-Tempelhof, so dass man sich nicht gleich einen komplett neuen Namen merken muss. Sie wird bedient von der U6 und liegt auf dem Tempelhofer Damm, einer der beliebten Rennstrecken dieser Stadt, bei der ich mich regelmäßig wundere, dass sie – südlich Alt-Tempelhof – nicht von Holzkreuzen gesäumt ist, wie eine brandenburgische Allee zwischen Kleinstadt und Großraumdisco.

alt_tempelhof_wegweiser

Alt Tempelhof ist auch der Name der ehemaligen Dorfstraße. In deren Mitte, gleich hinter einer Dönerbude, ein kleiner Parkstreifen beginnt, darin ein Springbrunnen. Ein Wegweiser an der Bude, der bestimmt anders gemeint ist, deutet an, was einen auf der Grünfläche erwartet: Wie es sich für Siffhausen an der Spree gehört, funktioniert der Springbrunnen nicht und der kleine, eigentlich hübsche, Park ist vollgemüllt, so dass man sich dort selbst dann nicht gerne aufhalten wollen würde, wenn nicht ständig Halbstarke in 15 Jahre alten BMWs mit Vollgas daran vorbeibrettern und versuchen würden, die letzten Radler umzunieten, die keine eigene Spur haben, obwohl die Straße mehr als breit genug wäre, und von den Taxi- und Busfahrern übrig gelassen wurden. Ich bin sicher: Der Bezirk hasst Fahrradfahrer nochmal wesentlich stärker, als der Senat dieser Stadt. Aber darum geht’s hier ja gar nicht.

alt_tempelhof_grünstreifen

Es geht um ordentliches Essen. Und davon gibt es rund um den Bahnhof Alt-Tempelhof reichlich. Mein Nachbar, der Türke S., sagt immer, er sei in all den Jahren, die er in Tempelhof wohne, noch nie zu einer der Dönerbuden gegangen, die dort herumstehen. Wenn ich von irgendwelchem Essen rede, sagt er außerdem, er kenne nur Döner. Das reicht mir, um seinem Rat zu folgen. Es gibt einen Laden, der „crispy chicken“ zu verkaufen behauptet. Ich habe ihn zweimal probiert und beide Male war zwar Huhn auf meinem Teller, aber es war das Gegenteil von knusprig. So könnte ich jetzt endlos weitermachen, aber ich will nicht Ihre Zeit verschwenden, indem ich aufzähle, wohin man nicht zu gehen braucht. Kurz: Ich bin von den Gastronomiebetrieben dort eher enttäuscht. Genauso enttäuscht bin ich über den Umstand, dass der Bioladen weg ist. Als ich mich vor sechs Jahren entschied, dort in die Gegend zu ziehen, war das Vorhandensein eines Bioladens auf Alt-Tempelhof ein gewichtiges Argument. Als ich dann dort wohnte und ein paar Monate später zum Bioladen wollte, fand ich ihn nicht. Ich habe die Suche auf umliegende Straßen ausgedehnt, denn immerhin hätte es sein können, dass ich mich in der Straße vertan hatte. Das passiert ja gelegentlich, wenn man fremde Gegenden nur flüchtig betrachtet. Zwei Jahre später erzählte dann eine Kollegin, die um die Ecke wohnt, dass es dort ja mal einen Bioladen gegeben hätte, der hätte aber geschlossen, weil dort niemand eigekauft hätte und darum sei da jetzt halt ein „nah und gut“ drin, der mir bisher hauptsächlich durch mehrfache, aberwitzige Unfreundlichkeit ausschließlich des weiblichen Personals aufgefallen ist. Die Männer waren immer nett zu mir. Normalerweise ist das andersrum. Aber immerhin ist er einigermaßen gut sortiert.

alt_tempelhof_mirabella

Und nebenan liegt ein ganz famoses italienisches Restaurant. Ich war dort zwar noch nicht so oft, wie in meiner Trattoria, aber bisher ist es mir nicht gelungen, an deren Essen etwas auszusetzen. Und ich habe eigentlich immer etwas auszusetzen. Darum sauge ich mir jetzt was aus den Fingern: Die Karte ist zu umfangreich. Ich hasse es, wenn ich eine Karte vor mir habe, von der ich gerne mindestens zehn Speisen haben wollen würde, weil das nämlich immer bedeutet, dass ich einerseits zu viel esse und mich „‚mal schnell ne Pizza“ andererseits dann gerne mal so viel kostet, als wären wir zu viert essen gegangen. Aber alleine die Desserts… heieiei!

Auf dem Tempelhofer Damm gibt es zwei Läden, die ich gerne besuche. Eigentlich drei, aber der eine ist ein Schuster. So ein richtiger, der seit 180 Jahren oder so dort sein Geschäft hat, bei dem ich mir gelegentlich Schuhe reparieren lasse und dem ich demnächst vermutlich auch ein Paar Budapester abkaufen werde. Die sind allerdings recht teuer, so dass ich hier erstmal noch ein paar Beiträge schreiben muss. Die anderen beiden Läden sind eine Eisdiele und ein asiatischer Imbiss. Ich finde, man sollte viel öfter das Wort „Eisdiele“ benutzen. Es kommt aus einer Zeit, in der solche Läden noch „San Remo“ oder „Lido“ hießen anstelle von vielleicht „SchwEISausbruch“ oder „EISenzahn“ und in der ein einfacher Erdbeerbecher irgendwie glücklicher gemacht hat, als eine Kugel Karamell-Beurre-Salé zum gleichen Preis. Obwohl Karamell-Beurre-Salé echt geil schmeckt. Muss ich zugeben.

Die Eisdiele ist ein Hennig, über den ich neulich schonmal schrieb, denn es gibt ihn häufiger in Berlin. Auch hier wird Spachteleis verkauft, das derart schnell wegschmilzt, wenn es erst einmal im Becher ist, dass ich davon ausgehe, darin keinerlei Stabilisatoren zu finden. Das ist einer der Tricks, an denen man gutes Eis erkennt. Er wurde mir von einem befreundeten sizilianischen Eismann aus Nordrhein-Westfalen mal verraten und ich würde einen Teufel tun, Francesco anzuzweifeln. Außerdem schmeckt es beim Hennig gut und die Eisleute dort sind immer irre gut gelaunt. Außerdem gibt es auch Waffeln.

Der Asiate heisst „Vū“ und bietet, wie fast alle Schnellchinesen – was ich nur geschrieben habe, weil ich das Wort so lustig finde – gleichzeitig vietnamesische und thailändische Gerichte an, obwohl wir Pfeifen den Unterschied vermutlich sowieso nicht erkennen würden, wenn es nicht drangeschrieben wäre. Sehr leckeres Essen für sehr wenig Geld wird dort verkauft. Ich verzichte dort also auf Fleischgerichte, aber gerade die asiatische Küche bietet diesbezüglich mehr als genug Auswahl.

Also: Mittag bei Vū, nachmittags zum Hennig und abends zum Italiener. Bloß ein ordentliches Frühstück habe ich direkt an Alt-Tempelhof noch nicht gefunden. Also eines jenseits der üblichen, langweiligen Backtriebmittel-Batzen aus der Taiwanesischen Teigfabrik.

Wenn man übrigens bereit ist, ein paar Minuten mehr zu laufen, gibt es in und um Alt-Tempelhof einiges zu entdecken. Doch davon später mehr (auch einer dieser Sätze…).

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8 Lesermeinungen

  1. City Chicken
    Direkt am Alt-Tempelhof gibts auch den „City Chicken“, der meiner Meinung nach echt leckeren Broiler anbietet. Er ist jedenfalls um Längen besser als der Crispy Chicken, etwas weiter nördlich.

  2. Schlecht geschrieben, mit Verlaub
    Als Eingeborene muss ich anmerken: Es heißt nicht ‚an‘ Alt-Tempelhof. Man sagt schlicht’…gibt es Alt-Tempelhof nicht‘. Sagen Sie denn sonst ‚..gibt es an Kochstraße nicht‘ (oder wo auch immer)?

    Im Ganzen finde ich den Artikel übrigens patzig und von wenig Wissen und Einfühlungsvermögen zeugend. Ich kenne dort jeden Millimeter, von eigenem Ansehen u. alten Berichten, aber ich habe die Szenerie, die mir da ausgebreitet wurde, nicht wiedererkannt.

    War der ‚verschwundende Bioladen‘ übrigens das Mikleysche Reformhaus? Die gute Frau Mikley, zu der ich mir hier nähere Beschreibungen nur mühsam verkneife, ist eben zu alt gewesen und hat die Bude dichtgemacht.

    Alt-Tempelhof ist das Herz der alten Templerkomturei. Schräg gegenüber des heutigen Woolworth (eben der Ex-Komturei) stand das historische Gasthaus Kreideweiß. Hätte man gut hinzuschreiben können. Aber dazu müsste man erst etwas wissen von Tempelrittern, von historischen Dorfgasthäusern der Region und vor alle

    • Die Leserschaft weiß garantiert mehr als wir jemals wissen können. Ich verrate mal den geheimen Plan: die Hoffnung ist, dass diejenigen, die mehr wissen, wie Sie beispielsweise, entsprechende Kommentare hinterlassen und wir auf diese Weise solches Wissen in diesem Blog bündeln können. Ich bin geradezu vernarrt in Kommentare, die das Wissen um ein Thema immer weiter vergrößern 🙂

    • Achso: der Bioladen war ein alnatura, glaube ich.

  3. Anfügung:
    Eines noch: Ja, Hennigs Eis ist das Alllerbeste. Das Allerallerbeste. Punkt.

  4. Erinnerung
    Ich bin in Tempelhof aufgewachsen und schon Ende der 50er Jahre gab es den Eisladen Hennig auf dem Tempelhofer Damm (die U-Bahn gab es noch nicht). Es gab aber in der Nähe des Askanischen Gymnasiums (Aska) auch einen Eisladen, in dem es manchmal zum Preis von zwei Kugeln drei gab, vermutlich Reste kurz vor der Schmelze. Die offenen öffentlichen Toiletten hat ja (ausgerechnet!) der Tempelhofer Wowereit abgeschafft. Dort hatte man als Jugendlicher herrliche Erlebnisse. O tempora . . .

  5. Alt, aber kein Tempel
    Vorweg danke für den Artikel.

    Als kurzjährigeR AnwohnerIn, aber immer noch WahltempelhoferIn finde ich dort kulinarisch mal jarnischt interessant.

    Das Mirabella ist kein Lichtblick, es ist nur eines der nicht dunklen Flecken der kulinarischen Landschaft. Das Essen ist gut, die Preise auch und die Bedienung auch. Nur das Ambiente ist ein bisschen ALT-Tempelhof.

    Danaben stand ein paar wenige Jahre eine Bio Kumpanei, die jetzt ein Nah und Gut ist.

    Die Döner-Bude mit angeschlossenem Asia-Imbiss (wäre doch mal ne geile Idee, einen Asia-Dönerladen zu machen) ist Fraß. Der einzige halbwegs brauchbare Imbiss in der Nähe ist ein Araber auf dem T-Damm neben Lidl.

    Sonst ist die Gegend kulinarische Einöde, wie so viel in Tempelhof. Das nächste Restaurant, das wirklich gut ist, ist das Tonsai in der Kaiserin-Augusta-Str. und als Café das Pausini nahe dem U-Bahnhof Kaiserin-Augista-Str.

    Bei Eis, nehm ich lieber die luxus Hipster von Vanille und Marille in der Friedrich-Wi

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