Berlin ABC

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Wir fahren durch die Hauptstadt

Pankow-Heinersdorf

| 8 Lesermeinungen

S-Bahnhof
Auf dem Weg nach Blankenburg kamen die Kinder und ich an Pankow-Heinersdorf vorbei und sahen von der Bahn aus die Ruinen des Bahnbetriebswerks mit seinem Wasserturm und den Ringlokschuppen. Die Kinder waren sofort Feuer und Flamme und seitdem stand für uns auf dem Plan, einmal dort auszusteigen und durch die Ruinen zu streunen. Aber dann war erst einmal Sommer und wir zogen es vor, uns an den Seen Berlins zu verlustieren.

So sehen die Ruinen von der S-Bahn aus - einfach verlockend!So sehen die Ruinen von der S-Bahn aus – einfach verlockend!

JugendlicheJugendliche

Der Herbst war in diesem Jahr ein besonders freundlicher, die Blätter malte er bunt und die Sonne schien häufig so erfreulich hell, dass man erst recht Lust auf Entdeckungstouren durch wilde Gefilde bekam. Wir stiegen aus der Bahn und suchten uns den Weg in Richtung altes Bahnbetriebswerk; liefen über die Brücke (direkt an der Autobahn, was mich immer an den alten Witz mit der Frau erinnert, die gefragt wird, ob es ihr was ausmache, an der Autobahn zu wohnen, und sie antwortet mit der Stimme eines rasenden Motorrads: „NEEIIIIN, NEEEIIIIN, NEEEEEEIIIIIN!“ – war das Otto?); treppab, vorbei an Jungen um die 13, die gerade aus der Richtung kommen und vorbei an der kleinen Kleingartenkolonie mit dem schönen Namen „Feuchter Winkel“ und immer schön in Richtung Wasserturm laufen. Am Ende standen wir vor einem Zaun mit einem Tor, das unmissverständlich mit einer Kette versperrt war.
Feuchter_Winkel
Tor

Sagen wir es mal so: Als ich klein war, da kam das Schild „Betreten verboten, Eltern haften für ihre Kinder“ einer Aufforderung gleich…

Wir also auf dem Gelände. Überall sind Glasscherben. Überall Spraydosen und Müll und viel Gebüsch mit vielen bunten Blättern. Aber auch einiges Gestrauch mit Dornen und Disteln, an denen die Kinder laut quiekend hängen bleiben – no risk no fun! Es gibt sehr viele verschiedene Gebäude, die meisten sind von außen so mit Metallplatten verbarrikadiert, dass man eigentlich nicht rein kann. Gerade das größte Gebäude, das man von der S-Bahn aus sehen kann, scheint verschlossen, leider. Man kann durch ein kleines Loch in der Tür hineinlunzen.
Distel
5555

Der Blick durch's Schlüsselloch...Der Blick durch’s Schlüsselloch…

Aber dann findet sich doch ein Eingang…
reinklettern
drinnen

„Hier sieht es ja aus, wie bei den Olchies!“ ruft das Töchterchen, als es den großen Müllberg in einem der nächsten Gebäude sieht, zu dem wir uns Zutritt verschaffen konnten.
BeidenOlchies
Ich knippse und knipsse – es gibt so viel zu sehen, zu bestaunen und ehrführchtig nicht anzufassen.
(Es folgen Galerien – zum Anschauen bitte auf ein Bild klicken)

Wir streunen stundenlang herum. Alles ist so bunt, so kaputt, so verboten und schäbig und irgendwie auch gefährlich – was, wenn uns der ganze Scheiß einfach auf den Kopf fällt. In einer weiteren großen Halle werden wir von einem seltsam rhythmischen Klopfen empfangen, das von ganz hinten zu kommen scheint, aber wir können nicht sehen, von wo, der Raum führt um die Ecke und um die Ecke gucken kann man nicht. Wir halten uns fest an den Händen. Da ist jemand! Mein eigenes Herz beginnt schneller zu klopfen und ich habe sowas von keine Lust, hier jemanden zu treffen, sowas von keine Lust, hier drinnen zu bleiben, wir drehen uns um und gehen raus und umrunden das Gebäude bei Tageslich (so beruhigend!) vorsichtig, um dem Geräusch auf die Spur zu kommen.

Es war gar nicht IN dem Gebäude, es hallte darin nur wider, es kam von Schienenarbeitern, die an der Bahnstrecke etwas ausbesserten. Und wir waren sehr sehr erleichtert.

Nach mehr als zwei Stunden kam der Hunger und wir erinnerten uns an das Schild des „Feuchten Winkels“ – da stand doch was von Gaststätte! Schnell hingepilgert und geguckt – aber leider war das eine Finte. Alles zu, nüscht zu essen. Das ist übrigens auch der Grund, warum wir so schrecklich hungrig in Pankow ausgestiegen sind – aber die Geschichte kennen Sie ja bereits.

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8 Lesermeinungen

  1. Rundschuppen
    Ein schöner Bericht der mich an einen hebstlichen Gang über das Bahngelände am Gleisdreieck Ende der 70ern erinnert.
    Zu meiner Freude hörte ich bei meiner Fotopirsch einen Saxophonspieler der sich einen/den Rundschuppen für sein Spiel ausgesucht hat.
    Heute gehört der Ort zum Museum für Verkehr und Technik.

    Gute Zeit wünscht
    A.F.

  2. Olchi
    Mußte gleich mal Olchi gugeln, die kannte ich gar nicht, obwohl ich in Olching aufgewachsen bin!

  3. Ja, das war Otto
    „Frau Suurbier, sie wohnen jetzt seit sechs Jahren an der Autobahn. Gibt es irgendwelche Folgeschäden?“ – „Neiiin, neiiin, neiiin, neiiin, neiiin, …“
    https://youtu.be/fP_GLbJAB08

  4. Neugier
    Seit ich mit einer Berlinerin verheiratet bin (in Hamburg lebend) war ich beim Besuch ihrer Heimat neugierig, wie dieser Bau wohl von innen aussieht. Danke für den Bericht. Nun juckt es schon ein wenig, dort einmal die Kamera auszupacken …

  5. Gibt sogar ein Buch, was hier spielt
    Es gibt sogar einen Krimi, der auf diesem Bahngelände spielt: „Tod an der Grenze“ von Mathias Christiansen. Sehr spannend :o)

  6. Titel eingeben
    Urban Exploring heisst das passende Schlagwort! Da kann man in Berlin Jahre mit verbringen 😉

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