Berlin ABC

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Wir fahren durch die Hauptstadt

Die Big-Gastro-Verschwörung

| 9 Lesermeinungen

Ich bin da einer RIE-SEN-SACHE auf der Spur!

Das Ostkreuz (Friedrichshain)

Passt auf: Die Menschen haben Hunger und bekommen davon schlechte Laune. Also betreten sie Gaststätten, in der Hoffnung auf anständigen Service und anständiges Essen. Was sie aber tatsächlich bekommen, ist schlechter Service und schlechtes Essen. Eigentlich ist es ja Sinn der Gastronomie, die Menschen satt und glücklich zu machen, aber tatsächlich sorgen die Gastronomen dafür, dass man immer ein wenig Hunger und ein wenig schlechte Laune hat, so dass man gezwungen ist, die nächste Gaststätte aufzusuchen, um seine Laune verbessern und das Loch im Bauch verkleinern zu lassen – was dann wiederum nicht zufriedenstellend funktioniert, weshalb man gezwungen ist, die nächste Gaststätte aufzusuchen undsoweiterundsofort.

Das Ganze ist eine Verschwörung, vermutlich derselben Leute, die gleichzeitig versuchen, uns mit Schemmträils dumm zu halten, damit wir nicht merken, wie wir an Big Gastro verraten und verkauft werden. Ich meide mittlerweile die Schulgastronomie. Stattdessen gehe ich nur noch in Alternativgaststätten. Die sind zwar fünfmal so teuer, aber dafür bin ich nicht mehr Spielball der geheimen Mächte, die auch die tellurischen Ströme kontrollieren (hab ich mal gehört). Ich habe hinterher zwar meistens immer noch Hunger und schlechte Laune, aber das ist bloß die Anfangsverschlimmerung. Man muss sich halt auch drauf einlassen, sonst wirkt es nicht. Diese Zusammenhänge sind den wenigsten Menschen klar, denn die meisten schlafen wie die Schafe vor sich hin, denn sie werden mittels Schämmträils aus Puderzucker auf einem hohen Insulinspiegel gehalten.

Ich bin glücklicherweise aufgewacht. Und das kam so: Wenn man am Ostkreuz aussteigt, läuft man die Sonntagstraße entlang. Auf der sind – je nach Wetterlage – Tag und Nacht sehr viele Menschen unterwegs und machen sogenanntes Nightlife. Auf der Sonntagstraße und ihren Seitenstraßen gibt es jede Menge Gaststätten und in fast jeder, in die man geht, wartet man entweder ewig auf den Service – selbst, wenn der Laden leer ist – oder bekommt Speisen serviert, wie sie langweiliger kaum sein können oder halt beides. Früher war das anders und man bekam überwiegend gutes Essen und anständigen Service. Einmal ist Zufall, zweimal ist ein Trend, ab dreimal ist es ein System – und ich habe das System durchschaut! Mich legt ihr nicht mehr rein!

Die beste Frau von allen ist zwar der Meinung, das läge daran, dass Gastronomen aufhören, sich auch nur ein Quentchen Mühe zu geben, sobald sie feststellen, dass die Gäste sowieso kommen, weil davon mehr rumlaufen, als es Plätze in den lokalen Lokalen gibt, aber bei ihr bin ich mir sowieso nicht sicher, ob sie nicht auch bloß eine Agentin der NGO (Neue Gastronomie Ordnung) ist, die auf mich angesetzt wurde, um meine Erkenntnisse zu diskreditieren.

Übrigens: Gute Pizza gibt’s bei Caminetto – aber nur am Straßenschalter, die Burger bei „Burgers Berlin“ sind nicht überragend, aber wirklich gut genug und der neue Araber, der, wo man rechts im Laden auf dem Boden sitzt und dessen Namen ich immer vergesse (Zufall?!?) ist sogar sehr gut. Aber auch das könnten alles Ablenkungsmanöver sein.

Wacht auf!

Denkt selbst!

(Aber bitte denkt ausschließlich Gedanken, von denen ich euch sage, dass ihr sie denken sollt.)


9 Lesermeinungen

  1. Hm
    Scheint mir alles logisch zu sein, da in Berlin.
    Aber heißt es nicht Kemmträils?

  2. ich zitiere aus dem schönen Text:
    „Früher war das anders …“
    🙂

    • Ich hatte mal einen Jingle, in dem die Oma unseres Producers gesagt hat: „früher war alles eher“ 😀

  3. "Schemmtrails"
    Ich las „Schlemmtrails“. Passt besser.

    • Großartig, danke! 😀 Wäre der Begriff „Schlemmen“ in meinem aktiven Wortschatz, wäre ich vielleicht sogar selbst auf diesen herrlichen Witz gekommen. (frustriert ab…)

  4. Die beste
    Die beste Frau von allen

    Was für ein schönes Lob !

  5. schmakofatz
    Manchmal muss man die Dinge einfach etwas entspannt sehen. Ich glaube, dass wir in Berlin so eine riesengrosse Auswahl an Gastronomie haben, dass man selbst über Verbleib oder Verschwinden von Restaurants entscheidet: Ich gehe hin, weil ich es mag – z.B. der Italiener in der Arminius-Markthalle in Moabit- oder ich geh‘ nicht mehr hin-z.B. in das Brel am Savignyplatz( war richtig schön: Lecker Essen, lecker Wein, guter Service, im Sommer tolle Outdoorlocation-alles futsch-nur noch Abzocke-geht man einfach nicht mehr hin und gut is‘! Dann geh ‚ ich halt woanders hin!!! Das ist doch kein Problem! Manchmal trauert man dann noch ein bisschen den „Alten Zeiten“ hinterher, aber Leben heisst eben auch Veränderung – und wenn es sich dann nur um dieses nette Problem geht, wo ich es mir besonders gut ergehen lassen kann, ja dann bin ich auch mal gerne erfinderisch und probiere einfach mal was Neues aus! Wer sich über schlechte Lokale ärgert: Ganz schnell abhaken und das Leben woanders genies

    • am Ostkreuz ist schlicht das Problem: Durch den enormen Touristenandrang laufen hier täglich Leute lang, die zum ersten Mal da sind und vielleicht nie wieder kommen werden. Und ich bin überzeugt, dass die Qualität der Restaurants und die Frage, wie viel Mühe die sich geben, direkt mit diesem Fakt zusammenhängt. Da hat man als Einheimischer eigentlich kaum was zu melden. Kohle wird hier mit dem Touri-Verkehr gemacht.

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