Berlin ABC

Berlin ABC

Wir fahren durch die Hauptstadt

Wuhletal

| 9 Lesermeinungen

Ist das zu glauben: Kurz, nachdem meine Freundin K. und ich einen kleinen, gemütlichen und wunderschönen Winterwunderlandausflug zum Bahnhof Wuhletal gemacht hatten, fing dort ein ganzer Zug an zu brennen! Ich versichere hiermit und hoch und heilig, dass wir nichts mit der Sache zu tun haben!

Wuhletal

Als wir am Mittwoch gegen kurz vor zwölf am Bahnhof ankommen, haben wir schon unterschiedliche Zufallsmechanismen hinter uns gelassen, die uns genau hier her führten:

  1. Wir wollten spazieren gehen, um ein wenig zu plaudern und unsere Neuigkeiten auszutauschen.
  2. Der Spaziergang sollte nicht in der Stadt, sondern möglichst etwas draußen, im Grünen stattfinden.
  3. Es sollte an einer S- oder U-Bahn-Station sein, da ich diese den geneigten Blogleserinnen und -lesern ja so gerne vorstelle.
  4. S-Bahn fiel flach, da diese an jenem Schneetag leider eine wirklich große Zahl an Ausfällen zu verzeichnen hatte. Wir dachten, dass die U-Bahn wohl zuverlässiger fahren würde. Und so stiegen wir in die U 5, die auf halbem Wege zwischen K. und mir verkehrt und wir beschlossen, einfach da auszusteigen, wo es nett aussah. Das war Wuhletal.

Wuhletal_02
Wir wurden nicht enttäuscht. Auch wenn es wirklich ganz schön dolle schneite und der Wind nicht wenig dabei pfiff – es war eine wunderschöne Schneelandschaft und wenn man nur ein kleines bisschen von der S- und U-Bahnhaltestelle entfernt war, erstaunte vor allem diese unglaubliche und so seltene Ruhe. Das Wuhletal (siehe oben) ist ein Tal, durch das ein kleiner Bach läuft. Er plätscherte auch an jenem Tag ruhig vor sich hin. Viele Menschen führten ihre Hunde hier spazieren, während wir aber den Weg in Richtung des kleinen Dörfchens einschlugen, das neben dem Tal liegt. Es gehört zum Ortsteil Kaulsdorf von Berlin.

Haeuschen
Ein beschaulicher Ort: Die Häuschen, die hier schon stehen, sehen sympathisch aus. Daneben wird fleißig neu und mancher alter Hof umgebaut. Wir gucken uns an und finden beide, dass man ja eigentlich auch hier wohnen könnte. Mit der U5 und der S5 zugleich ist man gar nicht übel angeschlossen (außer, wenn der Winter wieder einmal überraschend mit Schnee daherkommt! dann gibt es nur noch die U-Bahn). Hier könnte ich mit meinem Hund spazieren gehen, die Kinder würden mit den anderen Kindern auf der extrem wenig befahrenen Straße toben und im Wuhletal herumstromern… Es wäre auf jeden Fall eine Überlegung wert. Besonders der eine Hof, der um- und an dem angebaut wird, der würde uns sehr gut gefallen. K. wohnte dann unten und wir oben oder so.

Kirche
Das kleine Dorf hat auch eine eigene Kirche und einen Friedhof. Was wir leider nicht wissen ist, was hier sonst so für Menschen wohnen. Das ist in Berlin und Brandenburg nicht ganz unwichtig, denn ich möchte ungern Nachbarn haben, die bei der NPD ihr Kreuzchen machen oder Flüchtlingsheime anzünden als Notwehr begreifen. Hierzu bräuchte es definitiv noch ein wenig Recherche, aber die Leute, die wenigen, die wir hier auf der Straße sahen, wirkten freundlich und entspannt.

Haeusle
Entspannt können die auch sein, weil: Holla – die haben’s ja mal voll schön hier! Zumindest auf der Dorfstraße, die wir entlanglaufen. Im Ortskern am Heinrich-Grüber-Platz waren wir nicht, dazu war es dann doch bald etwas zu kalt. Aber es scheint so, als gäbe es da Apotheken, Ärzte, Cafés und Restaurants… wir können zu all dem nicht viel sagen und was den Einkauf von Grundnahrungsmitteln angeht, so würde man den wohl eher nach der Arbeit irgendwo in der Innenstadt zu erledigen gedenken, denn der „Netto“ ist ein wenig weit weg, um im Winter mal eben dort hin zu spazieren. Huch – schon klingt das alles nicht mehr so idyllisch und die wichtigste Frage ist noch nicht einmal gestellt: Wer würde einen schon in Wuhletal besuchen?

Bluemchen

Es bleibt die ewig unaufgelöste Zwickmühle: Stadt oder Land? Ruhe oder soziale Kontakte? Natur oder Kultur? Garten oder Bio-Markt? Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Ich glaube es war Konrad Lorenz – jaja, den darf man nicht zitieren (der ist Nazi und überhaupt!), aber das ist mir bei vielen Leuten egal, wenn das Kluge, was sie so gesagt haben, oder zumindest das Nachdenkenswürdige sonst eben keiner gesagt hat oder sie die ersten waren – der dieses Dilemma einmal gut festhielt. Wohnt man dort draußen, wird man sich wieder freuen, wenn es einmal unverhofft klingelt, man wird nicht grummeln, weil man der Menschen so überdrüssig ist. Aber man geht eben vielleicht auch ein bisschen ein. Bis man eines Tages auf dem schönen Friedhof landet und die Nachkömmlinge alle paar Wochen zur Grabpflege vorbeischauen.

Friedhof_02

Schön ist es schon. Aber der Hunger meldet sich und wir beschließen, dass wir zum Stillen desselben zurück ins schöne Friedrichshain fahren und uns beim veganen Inder was nettes auf den Teller packen lassen – der ist wirklich super lecker! Gesagt getan, doch als wir bei Goura Pakora vor der Tür stehen – Sie werden es nicht glauben! – da müssen wir draußen bleiben und bekommen nichts, denn hier hat es: gebrannt o_O

5

9 Lesermeinungen

  1. Winteridylle
    Sehr schön beschrieben, die Winteridylle.
    Die Speisenvorstellungen Ihres Blog-Mitstreiters gefallen allerdings besser.

    Was die Zündler betrifft, so können die ja auch nette Nachbarn sein.
    Man weiß ja von den schlimmsten Massenmördern, daß sie zuhause sehr liebevoll waren.

  2. Schöner Text, der Lust auf Kaulsdorf macht
    Was den Berliner Innenstadtbewohner auszeichnet – und ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob Sie diese Weltsicht hier äußerst raffiniert vorführen oder doch schlicht teilen -: die Randgebiete Berlins, also die 1920 eingemeindeten ehemaligen preußischen Dörfer für die schlechthinnige Verkörperung DES DORFS zu halten.
    Erzählen Sie mal dem Bewohner eines uckermärkischen oder hunsrückischen Dorfs, bei dem dreimal am Tag ein Bus vorbeikommt, dass Sie die Nachteile des Landlebens kennen, weil Sie in Kaulsdorf waren. Wir Berliner sollten zugeben: Die meisten Deutschen würden den Berliner Stadtrand
    als ein strahlendes Beispiel dafür erkennen, dass sich „die ewig unaufgelöste Zwickmühle: Stadt oder Land?“ doch auflösen lässt.

    Für Ihre Frage nach den Wahlergebnissen empfehle ich
    https://www.wahlen-berlin.de/wahlen/BU2013/ErgebWahllokale/wahlbezirke1.asp?sel1=2155&sel2=0800
    3,3 Prozent Kaulsdorfer wählten NPD, mehr als im Berliner Schnitt – aber weniger a

  3. Schöner Beitrag
    Ihr Beitrag hat mir richtig gut gefallen.
    Freundliche Grüße Ursula D.

  4. Nun kein Geheimtipp mehr...
    Auch im Sommer ist das sehr schön entlang zu laufen.
    Bei einem ausgedehnten Spaziergang kann man auch die 3 „Berge“ da besteigen, Biesdorfer Höhe, Kienberg (geht jetzt wohl nicht mehr, da es für die Gärten der Welt IGA 2017 umgebaut wird), und Ahrensfelder Höhen.
    … Es gibt einige nette grüne Inseln im „tiefen Osten“. Da gibt es nicht nur Plattenbausiedlungen….
    U5 Hönow im Norden gibt es auch ein Naturschutzgebiet. Oder das Erpetal, was allerdings nicht direkt vor einer Station liegt. (S Friedrichshagen ist noch am nächsten dran)

  5. Titel eingeben
    Danke für den Tipp!
    Ich werde heute mal da raus fahren, wird sicher ’ne matschige
    Angelegenheit, aber das macht ja nichts!
    Das erste Bild habe ich für eine (private!) Geburtstagskarte benutzt; ist das OK? Die Bildunterschrift ‚Wuhletal‘ habe ich im Blau des Geländers eingesetzt, sieht gedruckt sehr schön aus!
    Auf Foto 5 gefallen mir die Poportionen besonders gut.

  6. Nachbarn...
    „Das ist in Berlin und Brandenburg nicht ganz unwichtig, denn ich möchte ungern Nachbarn haben, die bei der NPD ihr Kreuzchen machen…“ – Wenn Sie neben ein Flüchtlingsheim ziehen, brauchen Sie sich darüber ganz bestimmt keine Sorgen zu machen.

  7. Wunderschöne Heiratsannonce hat sie da aufgegeben, und auch gleich gezeigt, welche
    Art von Doppelhaushälfte fürs erste, für den nächsten Lebensabschnitt oder für immer in Frage käme, je nach beurteilungsfähiger Qualität des Bewerbers, gerne auch als Mann für immer mit weiteren, gemeinsamen, eigenen Kindern, nicht nur „als ein weiterer Kindsvater“?

    Und die von und durch ihn als Qualifizierungsmaßnahmen zu lösenden Zielkonflikt, die frau sähe, hätte gleich mit dazu: Wo einkaufen, wie einkaufen, wie den Weg zur Arbeit und zurückbewältigen, wie ein nahes, glückliches, ausgleichend vielfältiges Umfeldglück haben? (In der Tat, gute Bewerber brächten doch ein irgendwie kleines, großes, sparsames, bezahlten, warmes, leicht zu heizendes, keinen Aufwand im Vergleich zu ihr – erforderndes, hüstel, Auto mit, welches keine Last wäre, sondern am besten )

    In der Tat, es kam alles vor, auch die „Ernährungsbesserfrage“, die einen gleichgesinnten Partner bevorzöge. Esssen zwei in aller Regel ähnlich, machte das auch ihre Partnerschaft einfacher, sie beru

  8. Wunderbar also, wie die FAZ die Aussicht auf junge Heiratsannoncen förderte, grad so
    als wäre sie selbst eine/die Höhere Macht und nicht der schiere Zufall.

    Wobei das alles natürlich auch tief blicken ließe, zumal auf Sein & Zeit in diesem Deutschland heute? Zumal bzl. all der Looser, die (mit sauberen Fingern, nicht-klebrigen Händen) „irgendwas mit Medien“ machen wollten, anstatt zu arbeiten, weil sie eben „arbeiten“ auch nicht so gut könnten.

    Daher auch der Name „rausholen“, denn wer mit sauberen Fingern rausholte, steckte nicht soviele, häßlich abgerissene Hautstückchen rein, wie z.B. die rumänischen Arbeiterinnen um die Ecke in der Akkordfabrik.

    Und ja, der passende Bewerber bevorzugt dann die Entscheidung für eindeutig einen Ort, als den richtigen. Eben den, den sie im Grunde auch gewählt hätte, wenn sie nicht so klug gewesen wäre, ihm aus Liebe den Vortritt bei der Wahl zu lassen, aber seine Liebe ziegt sich durch die richtige Wahl & ihre dadurch, dass sie toll findet, was er wählt, weil er es ist der wählt, & sie sich anpas

  9. Wörfe also ein bezeichendes Licht auch mit auf die Dekadenz in dieser Zeit mit? Nahezu alles
    äußere wäre nämlich für frau vorfindlich & eine überraschung und so neu? bahndämme, züge, durchgänge, unterführungen, wanderwege, s-u-bahnen, häuser, bürgersteige, felder, wiesen – welche überraschung das da draußen auf einmal soviel von so sachen zu finden wären? wie unerklärlich die denn nun auf einmal vom himmel gefallen wären? ob die häuser evtl. sogar keller haben könnten, zumal frau die von außen gar nicht sähe? ja, es gibt auch ein draußen, welche überraschung. & der mensch hat auch beine, fast schon zum selber hinlaufen ins draußen, „nicht nur um auf dem sofa zu sitzen, gut auszusehen dank der schönen neuen schuhe am fuß? also am weiblichen solchen?“

    die rumän. arbeiterinnen, „was mit medien“ täten die klug auslachen, mind. heimlich, denn die gehen jede nacht 10h, 5-6 tage die woche, manchen eigene kohle, mindestlohn & haben klare ziele: einen mann, der auch so arbeitet, in 2-3 jahren das erste eigene haus in echt anzahlen dann in län

Kommentare sind deaktiviert.