Reinheitsgebot

Reinheitsgebot

Das Blog zum Bier

Der Biermechaniker

| 7 Lesermeinungen

Um mehr über Bier zu lernen, geht man in Frankfurt zu einer Autowerkstatt. An der Montagebühne von Dietmar Flucke werden auch Gläser gehoben und Hopfenblumen analysiert. Kamerabesuch bei einem Bierenthusiasten.

***

Inmitten des lebendigen Familien- und Studentenviertels Bockenheim öffnet sich hinter einer dunklen Durchfahrt ein lichter Hinterhof. Dort hat Dietmar Flucke vor zehn Jahren eine Autowerkstatt eröffnet. Er wollte, wie er sagt, bewusst nicht auf die grüne Wiese oder in die Außenbezirke der Stadt, wo die Mieten günstiger wären und mehr Raum zur Vergrößerung. Ihm ist die Nähe zu den Kunden wichtig, sagt er, er will ihr Vertrauen gewinnen und gründliche Beratung anbieten.

Dass er nach dem Abitur eine Lehre als Automechaniker begann, war mehr eine Laune. Flucke machte das Reparieren Spaß – und das wollte er zweieinhalb Jahre lang ausleben. Anschließend begann er ein Politikstudium. Doch als er sich nach dem Abschluss mit seinem Professor über den Entwurf seiner Dissertation zerstritt, besann er sich auf seine handwerklichen Fähigkeiten und ging in die Selbstständigkeit.

© F.A.Z., Andreas BrandDietmar Flucke

Als es Dietmar Flucke in seiner Werkstatt zu einsam wurde, fragte er einen Freund, ob sie nicht in seinen Werkstatträumen etwas gemeinsam auf die Beine stellen wollten. Als gemeinsamen Nenner fanden sie die Leidenschaft für Bier. Von ihren Ausflügen mit dem Transporter brachten sie fränkische und belgische Biere nach Bockenheim und befestigten in der Werkstatt ein langes Regal, in dem sie ihre Geschmacksentdeckungen zum Kauf anboten. Inzwischen bietet Flucke dort mehr als hundert Sorten Bier an, aus aller Welt. Und so oft sein Terminkalender es erlaubt, baut er nach Ladenschluss seine Hebebühne zu einem spezialangefertigten Tisch um und gibt sein Wissen, das er sich in den letzten Jahren angeeignet hat, in gut besuchten Bierproben weiter. Wo tagsüber Autos hochgehievt werden, wird nun Bier verkostet und analysiert.

Dietmar Flucke bezeichnet sich als Bierenthusiasten und will den Menschen die Welt von Gerste, Malz und Hopfen näher bringen. Deren Vielfalt soll für Überraschungen sorgen. An seinem Biergeschäft verdient er kaum etwas, und will es eigentlich auch nicht. Eine anständige Beratung könne durch den relativ niedrigen Flaschenpreis kaum aufgewogen werden, sagt er, den neuerdings überall aus dem Boden sprießenden Bier-Läden räumt er auf lange Sicht kaum eine Chance ein. Für ihn ist der Austausch über Bier mehr ein Hobby, eine Werkstatt ohne dieses soziale Schmiermittel kann er sich nicht mehr vorstellen.

4

7 Lesermeinungen

  1. Besser geht's nicht!
    Wie schön ist das denn? Unter dem Tag an bedürftigen Karren schrauben, später dann edles Bräu kredenzen? Sehr schön!

  2. Schlechters Bier
    Ja , besonders das dünne Bier in Schweden . Erlich schmeckt furchtbar und macht Magenschmerzen.
    Nach zwei Jahren in Schweden, ist das deutsche Bier, wie flüssiges Gold.

    Prost

    • Was für Bier?
      Keiner hat ihnen gesagt sie sollen dort das billigste Tankstellenbier trinken? Wahrscheinlich ist das nicht mal schwedisches, sondern dänisch oder holländisch. Bei uns hier im Süden importieren wir schwedisches Bier Omnipollo, Stibergets, Brewski, Dugges usw. sind top Biere, leider auch im Preis.

    • Skandinavien
      Nach zehn Jahren in Schweden kann ich versichern, dass es hier auch großartiges Bier gibt. Man muss nur ein bisschen im Systembolaget (dem staatlichen Monopolgeschäft) suchen. Oppigårds in Dalarna, Stigbergets in Göteborg, Nynäshamns Ångbryggeri und Adelsö Bryggeri im Stockholmer Raum, Brekeriet in Schonen sollten als Beispiele für gute Brauereien reichen. In Norwegen siehts ähnlich gut aus. Auch wenn die Preise für Biers mitunter Schmerzen verursachen.;-)

  3. Is guut
    „Es gibt sehr schlechtes Craft Beer“, hat mir am meisten gefallen ;-). Da ist endlich mal ein ehrlicher Deutscher, der wenigstens zugibt, dass wir „Deutschen“ zu sehr glauben wir hätten „Bier“ gepachtet und seien das Bierland schlechthin. Wegen irgendeinem Reinfallgebot, ein paar Masssaufenden Bayern usw. Was er vergisst zu erwähnen ist aber Nordfrankreich, das Elsass, Belgien, vielleicht ein bisschen Holland und Dänemark und Skandinavien, aber vor allem auch Tschechien ganz grosse Biertraditionsländer sind. Abgesehen von Ländern auf anderen Kontinenten. Entwicklungsland sind wir weniger, nur eher traditionell konservativ und trinken nichts Fremdes, sondern fast nur Monokultur-ell. Der Kölner trinkt nur sein Kölsch, der Düsseldorfer sein Alt und der Bayer bayrisches oder der Franke nur fränkisches, was etwas schade ist.

    • denk kleiner...
      … in bockenheem geht es nicht darum äpfel mit birnen zu vergleichen. komplett egal.
      bei dietmar gibt es bier und zwar verdammt gutes – oft selbst im bully aus franken an den main-oberlauf gekarrt.
      reicht. prost. 😉

    • so hab ichs nicht gemeint
      Fränkisches Bier ist sehr gut, ich hab auch nichts gegen bayrisches. Ich find nur, wenn man nur das trinkt und meint das sei das Beste ist es langweilig. Und wenn man zusätzlich behauptet im Ausland gäbs nichts besseres, ist das proletarischer stumpf Patridiotismus. Das beim Dietmar bodenständiges Bier verkostet wird find ich sehr positiv. Und wenns nicht vom anderen Ende der Welt stammt ist es nachhaltiger und schadet der Umwelt weniger.

Kommentare sind deaktiviert.