Reinheitsgebot

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Das Blog zum Bier

Der virtuelle Bier-Adventskalender

| 2 Lesermeinungen

Bier ist in der Winterzeit nicht nur ein dem Glühwein überlegener Herzwärmer, sondern wegen seines Farbreichtums auch noch dekorativ. Erste Folge unserer Advents-Empfehlungen von Experten aus dem Bierblog.

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1

Oliver Lemke

Brauerei Lemke, Berlin

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Jetzt ist natürlich die Zeit zum Genießen und entdecken, weniger zum Durst löschen. Entsprechend ist die Zeit für große Biere mit vielem von Allem, insbesondere Geschmack und Komplexität. Diese Biere brauchen keine Speisen, sie stehen gerne für sich alleine, es bietet sich maximal ein passender Käse an, wenn er denn standhalten kann.

Ich empfehle jeden Jahrgangsblend von Firestone Walker, zur Zeit ist Nr. 21 dran, in Deutschland nur schwer erhältlich, Nr. 16 gibt es bei uns noch im Ausschank, so lange der Vorrat reicht ;-), das ultimative Geschmackserlebnis, durch den blend diverser unterschiedlicher meist fassgelagerter Biere an Komplexität wohl kaum zu überbieten, dabei sehr harmonisch.

Außerdem das Gouden Carolus Indulgence 2016 – Cuvée Sauvage von Het Anker, auch dies ist ein blend, mit zwei bis drei Jahre alten Lambics. Das ist ein großes Bier mal anders, extrem fruchtig, leicht sauer, komplex und harmonisch.

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2

Jeff Maisel

Brauerei Gebr. Maisel, Bayreuth

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Ich empfehle Rest in Peace von Crew Republic. Dieser Barley Wine ist ein vollmundiges und cremiges Bier, das perfekt in die kalte Jahreszeit passt. Mit seinen 10,1 Prozent Alkohol ist es stark, mächtig und ideal für einen gemütlichen Winterabend. Die Aromen des Bieres erinnern an Pflaumen, getrocknete Früchte, Rosinen und Karamell. Damit passt das Bier wunderbar zu einer Vielzahl an Leckereien, die Genießer gerade in der Vorweihnachtszeit gerne naschen: Früchtebrot, Plätzchen, Zimtsterne, Bratäpfel, Lebkuchen oder Christstollen.

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3

Jaroslav Rudiš

Schriftsteller, Berlin, Jičín

Ich bin begeistert von dem Weihnachstbier aus der Brauerei Kaldi aus Island, das mir gerade ein guter Freund aus Reykjavík nach Berlin mitgebracht hat. Es ist ein wenig stärkeres, rundes, volles, halbdunkles, braunrotes Bier. Im Geschmack treffen sich auf wunderbare Weise die Töne von Karamell und Hopfen. Die Brauerei liegt im kleinen einsamen Ort Árskógssandur im Norden des Landes, wo im Winter die Nächte sehr lang und die Tage sehr kurz sind. Viel Zeit also, um sich etwas Feines auszudenken.

Der Braumeister stammt aus Tschechien, so auch das Malz und der meiste Hopfen. Die Verbindung mit dem isländischen Wasser lässt in der kleinen, aber inzwischen in Island recht erfolgreichen Brauerei wirklich etwas Besonderes entstehen. Die Brauerei fühlt sich der Tradition des böhmischen Bierbrauens verpflichtet, wie man auf der Internetseite nachlesen kann. Das Jahr 1842, als in Böhmen das erste Pils der Welt – Pilsner Urquell – entstanden ist, steht in Árskógssandur ganz groß angeschrieben. Das Bier kann man hier übrigens nicht nur verkosten und trinken, die Brauerei lädt seit dem Sommer auch ins Bierkurbad ein.

Zu dem böhmisch-isländischen Bier habe ich einen ungarischen Gulasch zubereitet, schön braun-rot, wie das Bier, mit viel Paprika. Ich koche Gulasch immer sehr lange, mindestens fünf Stunden. In der Zwischenzeit lese ich, höre Radio und vor-verkoste das Bier.

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4

Mareike Hasenbeck

Biersommelière, Bierblog „Feiner Hopfen“

Ich empfehle „Slyrs 2017“ von Hoppebräu, ein Bier, das nichts für Zartbesaitete ist. Dieses Imperial Stout aus dem bayerischen Waakirchen besitzt satte 11,5 Prozent Alkohol. Markus Hoppe, einer der erfolgreichsten Craft-Brauer in Bayern, legte das nachtschwarze Bier monatelang in ein Whiskyfass der Tegernseer Kultbrennerei Slyrs und zaubert damit eine wahre Aromawucht an den Genießergaumen. Fast schon cremig breitet sich das Hammer-Stout mit kräftigen Noten von Zartbitterschokolade, Espresso, Karamell und Marzipan aus. Typische Fassaromen wie Vanille und Holz runden den Charakter des Bieres ab. Dieser kraftvolle Sud sollte unbedingt bei rund 12 Grad genossen werden, damit sich das volle Geschmacksspektrum entfaltet. „Slyrs 2017“ überrascht, verwöhnt und wärmt – daher zählt es für mich zu den besten Winterbieren überhaupt.

Passt gut als Absacker am Kaminfeuer, als wohliger Schlaftrunk, aber auch zu Schokoladentarte und weihnachtlichem Nussgebäck.

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5

Sebastian Priller-Riegele

Brauerei Riegele, Augsburg

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Ich empfehle das Baltic Dubbel von der Rügener Insel-Brauerei. Es erfreut das Auge mit einem warmen kastanienbraunen Ton, mit roten Reflexen und creme-beiger Schaumkrone. Die Abteihefe ergibt im Verbund mit dem Roggen-, Weizen- und Röstmalz ein komplexes Duftspiel von dunklen Trockenfrüchten: Pflaume, Dattel, Rumrosine und ein Hauch von Haselnuss. Der Trunk ist trocken, elegant und hinterlässt einen weinähnlichen Eindruck. Der Alkoholgehalt von 8,5 Vol.-% ist genussvoll eingebunden.

Das Baltic Dubbel ist der perfekte Begleiter für einen würzigen Käse, für Wild- und Pilzgerichte oder für die weihnachtliche Ente.

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6

Michael Schnitzler

Obergärige Hausbrauerei Uerige, Düsseldorf

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Ich empfehle das Hainfelder Weihnachstbier, aus der Brauerei Hainfeld, Österreich – ein Weihnachtsbier, das wahrlich festlich daher kommt. Nicht nur der hohe Stammwürze- (16,3°P) und damit verbundenen Alkoholgehalt, sondern gerade dieser in Verbindung mit einer kräftigen Hopfung gibt ihm eine Sonderstellung unter den meist wenig kreativen Weihnachtsbieren. Aromenstark aber dennoch ein fast schlanker Körper, hat es eine angenehme drinkability, gerade richtig für die besinnliche Zeit.

Das Bier passt gut zu Ente und Gans, sehr schön auch mit gereiftem Bergkäse oder zu hellem Weihnachtsgebäck wie Vanillekipferln

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7

Sebastian Sauer

Freigeist Bierkultur, Köln

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Mein Kandidat wäre das Harveys Imperial Extra Double Stout. Das Bier ist ein englischer Klassiker und hat ein sehr öliges, stark röstmalziges Auftreten mit unzähligen Schichten und Dimensionen. Die Komplexität ist wirklich enorm und wird gepaart mit alkoholischer Wärme und einer angenehmen Würzigkeit.

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8

Rüdiger Ruoss

Kommunikations- und Medienberater für die Bierbranche

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Mein Favorit für den Winter ist das Trappistenbier Westvleteren 12 mit seinem Geschmack nach geröstetem Malz, Feigen und Rosinen. Dazu nehme ich gerne einen kräftig-würzigen Appenzeller Käse oder den Weichkäse Vacherin Mont-d’Or aus dem Waadtländer Jura – und, je nach Stimmung, eine zweites Fläschchen Westvleteren 12.

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9

Malte Tack

Vulkan Brauerei , Mendig

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Zur Weihnachtszeit empfehle ich das Bier „Von Mühlen“ aus der Brauerei Zur Malzmühle in Köln, die sonst für Ihr Mühlenkölsch bekannt ist. Das Edelbier „Von Mühlen“ wurde mit einer Champagnerhefe vergoren und präsentiert sich passend hierzu in einer entsprechenden Flasche. Getrunken wird es aus klassischen Champagnerflöten und prickelt dabei vergleichbar kräftig. Das Bier selbst ist herrlich spritzig und bringt Aromen von süßen Früchten und eine feine Säure zusammen. Für mich passt dieses besondere Bier vor allem zu festlichen Anlässen und daher auch gut zur Weihnachtszeit. Jetzt gibt es genügend Momente zum Anstoßen, und hier empfehle ich in diesem Jahr auch mal auf Sekt und Champagner zu verzichten und zur „Von Mühlen“-Flasche zu greifen.

Foodpairing-Tipp: klassische Canapés mit Lachs & Co.

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10

Matthias Neidhart

B.United International Inc.

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Ich empfehle das Bier Formula Moderna von Birrificio Del Ducato’s (Italien). Dieses Bier schmeckt wie sonst nichts, was man kennt. Es ist ein hoch komplexes, sehr intensives Brauprodukt, das in einer 180ml-Flasche angeboten wird und als Apertif oder Digestif genossen werden kann. Oder als sein eigener, ganz spezieller Cocktail, oder aber als Teil eines noch berauschenderen Cocktails wie zum Beispiel des Winterwärmers „Old Fashion“, mit Bourbon, Orangenschale & Amarena-Kirschen, den man am Feuer genießt.

Giovanni Campari, der Braumeister und Gründer von Birrificio Del Ducato, hat sich bei diesem Bier vom Geschmack des „Vermouth di Torino“ inspirieren lassen, hat verschiedene Biere aus Holfässern gemischt und typische Vermouth-Gewürze eingesetzt.

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11

Markus Fohr

Lahnsteiner Brauerei

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Ich empfehle die 2016er Edition „Wacholder“ von Kiesbyes Waldbier. Das ist ein tolles Dessertbier und ein schönes Weihnachtsgeschenk. Dazu passt eine Weihnachtsgans, am besten mit dunkler Starkbiersauce und Wacholder.

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12

Hans Wächtler

Bierbegeisterung, Bamberg

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Ich empfehle den Winter-Bock, einen Doppelbock aus dem Einbecker Brauhaus, der Wiege des „Einböckisch“ Bier. Er hat ein warmes Rortbraun, das an einen schönen Spaziergang durch den winterlichen Wald erinnert, und dunkelrote, kastanienfarbene Reflexe, die einem warm werden lassen. Der Schaum ist fest, haftet lange im Glas und lässt Kräftigkeit erahnen.

Der Geruch erinnert an winterliches, getrocknetes Obst: Aprikose, Pflaume. Sherry-Noten, die aus dem Malz kommen, ziehen durch die Nase. Nuss und Karamell mit einem Hauch von Amaretto runden das Geruchserlebnis ab. Der Antrunk ist angenehm prickelnd, was in ein breites warmes Mundgefühl übergeht. Leichte röstige Noten gehen in ein Nuss-Nougat-Karamell-Empfinden über. Samtige weiche und wärmende Noten runden dieses wunderbare Bockbier ab und machen es zu einem Erlebnis. Spätestens jetzt weiß man, warum Einbeck die Wiege des Bockbieres ist.

Dazu empfehle ich eine rosa gebratene Entenbrust mit einer leichten Orangen-Maroni Soße mit Rösti. Oder besser: Zum Nachtisch einen lauwarmen Mandel-Schoko-Kuchen, der mit Vanilleis und einem Schluck Bier überzogen wird.

Es ist ein Gaumenerlebnis der Extraklasse, wenn das Bier mit einem Cognac-Schwenker bei Raumtemperatur serviert wird.

 

Teil Zwei des Bier-Kalenders folgt am 13. Dezember.

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2 Lesermeinungen

  1. Pikantus
    Servus, es halt nichts über einen Pikantus.
    Gruß aus Zapfendorf

  2. Warum so exotisch
    Zugegebenerweise gibt es inzwischen viel gute Kraft-Biere, aber wo bekomme ich die in bester Qualität, ohne nach Irland, England oder sonstwo hinzureisen? Ich bin auch dafür, dass diese Biere besser angenommen werden, nur wie?
    Westvleteren ist ein geniales Bier, das kriegt man auch in Deutschland, obwohl die Brauerei der Trappisten nur einen sehr übersichtlichen Produktionskapazität haben, eigentlich dürfte man die Biere ausserhalb der kleinen Stadt nirgendwo kriegen, weil es kontingentiert ist. Und ich bezahle in Köln für eine Flasche fast 15 Euro. Dann kann ich nur sagen, Chimay, Rochefort, Duvel, Orval oder Val Dieu. Auch ohne den überkandidelten Weihnachtsbudenzauber jederzeit für eine bessere Sicht auf meine Umwelt gut. Im Frühling in Ostbelgien in einer Landkneipe draußen trinken, das ist Stil.

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