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Buy a Brain Cell statt Sylvesterraketen?

27.12.2008, 13:26 Uhr

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Gute Menschen üben sich schon lange in der „statt”-Investition: Schulen statt Panzer, Brot für die Welt statt Sylvester-Rakten, Gutes tun statt Schlechtes Fördern. Im Zeichen allgemeiner biopolitischer Gemeinsinnigkeit war es daher nur noch eine Frage der Zeit, bis auch hier die Möglichkeiten für ganz persönliche Entscheidungen geschaffen wurden. Man muss ja nicht ganz so weit gehen wie US-Sportler, die im Rahmen einer Initiative gleich ihr ganzes Hirn gespendet haben. Zumindest zu Lebzeiten sind eher milde Geldgaben zu empfehlen – die allerdings, jetzt erst recht!, auch in Zeiten allgemeiner Wirtschaftskrise, antizyklisch sozusagen. Aktienkurse fallen, Spendenaufkommen steigt – das wäre doch mal eine bemerkenswerte Meldung.

Zwar steht es natürlich auch in Deutschland jedem und jeder frei, Gelder für biopolitische und bioethische Zwecke zu spenden, aber es ist für Privatleute meist noch etwas schwierig, geeignete Adressaten für die “27-EUR-Spende statt Böllern” zu finden. Immerhin es geht: Beispielsweise hat die Neuro-Onkologie der Universitätsklinik Tübingen ein leicht für Überweisungen erreichbares Spendenkonto eingerichtet. Deutlich einfacher ist es, wenn man des Englischen kundig ist. Ein Klick auf „Goodgifts” und schon kann man auswählen: 15 Pfund für „Braincells”  oder doch lieber 35 Pfund für ein bißchen Genforschung? Designerkinder sind zwar schon erfunden, aber nocht nicht spendenfähig. Dafür können wir Deutschen das Geld nach bemühter Suche ein wenig kritischer weggeben oder gen-ethisch gemeinnützig spenden – das Biopolitk-Blog übrigens freut sich schon, wenn Sie ihm ein bißchen Meinung in Form von Kommentaren spenden…damit 2009 zumindest biopolitisch ein gut gelingendes Jahr wird…. (und von dem gesparten Geld können Sie sich dann auch doch wieder ein schönes Feuerwerk leisten).

 
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Oliver Tolmein, 1961 in Köln geboren, wollte Berufsoffizier werden, hat es dann zum Regieassistenten gebracht, konnte seinen Lebensunterhalt als Journalist verdienen und wollte schließlich doch noch Jura studieren. Seit 1980 sympathisiert er mit der Behindertenbewegung. In der Debatte um Gentechnik, Sterbehilfe und Menschenversuche ist er seit über zwanzig Jahren engagiert und hat zu bioethischen Themen mehrere Bücher verfasst und Filme gedreht. Jetzt arbeitet er überwiegend als Rechtsanwalt in der von ihm in Hamburg mitbegründeten Kanzlei Menschen und Rechte und ist auf Medizin- und Behindertenrecht spezialisiert. Er ist Vater von Zwillings-Jungs und einer kleinen Tochter. Für das Feuilleton der FAZ schreibt er seit 2001.