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England schafft Register für Kinder von Samenspendern

27.05.2010, 22:45 Uhr

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Die Reproduktionsmedizin verändert die Verwandtschaftsverhältnisse. Menschen, die ihre Existenz Samen- oder Eizellspenden verdanken, haben eine Familie in der sie leben, sie sind aber auch Angehörige einer weiteren, einer genetischen Gemeinschaft, in der sie ihren leiblichen Vater, den Samenspender,  mit dutzenden von anderen Kindern, ihren meist unbekannten Halbgeschwistern, teilen oder, in selteneren Fällen, auch eine gemeinsame Eizellspenderin als Mutter haben, die sie in der Regel nicht kennen.

Die genetische Gemeinschaft zu der die Kinder gehören, die aus diesen sehr speziellen biologisch-sozialen Dreiecksverhältnissen stammen, eint vor allem, dass sie im Schatten bleibt: Die Menschen, die so irgendwie zusammengehören, meist ohne sich überhaupt zu kennen, finden nicht zueinander. Es bleiben Nicht-Beziehungen, was nach Auffassung von Psychologen eher die schlechte Variante ist.

Jetzt hat die für Reproduktionsmedizin zuständige britische Human Fertility and Embryology Authority (HFEA) ein Register geschaffen mit dessen Hilfe über 18jährige Kinder von Samen- oder Eizellspenderinnen Kontakt zu ihren genetischen Verwandten suchen können. Die HFEA geht anufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen davon aus, dass die Kinder von Samenspendern weitaus mehr an ihren Halbgeschwisternn interessiert sind, als an ihrem Erzeuger.

Das Donor-Sibling-Link ist möglich, weil bei den IVF-Behandlungen, die nur in lizensierten Kliniken durchgeführt werden dürfen, alle wichtigen Daten, auch der Name des Spenders, an die HFEA übermittelt werden. Zusammen mit Informationen über die Gebärende und Informationen, die Teilnehmer an dem neuen Projekt ausfüllen müssen, ermöglichen diese Angaben der HFEA zuverlässige Zuzsammenführungen von allen genetisch irgendwie Beteiligten. Der Kreis der Betroffenen ist groß. Die HFEA vermeldet, dass sei ihrer Gründung 1991 mittlerweile 36.000 Kinder in Großbritannien unter Verwendung von Samenspenden gezeugt wurden.

 

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Oliver Tolmein, 1961 in Köln geboren, wollte Berufsoffizier werden, hat es dann zum Regieassistenten gebracht, konnte seinen Lebensunterhalt als Journalist verdienen und wollte schließlich doch noch Jura studieren. Seit 1980 sympathisiert er mit der Behindertenbewegung. In der Debatte um Gentechnik, Sterbehilfe und Menschenversuche ist er seit über zwanzig Jahren engagiert und hat zu bioethischen Themen mehrere Bücher verfasst und Filme gedreht. Jetzt arbeitet er überwiegend als Rechtsanwalt in der von ihm in Hamburg mitbegründeten Kanzlei Menschen und Rechte und ist auf Medizin- und Behindertenrecht spezialisiert. Er ist Vater von Zwillings-Jungs und einer kleinen Tochter. Für das Feuilleton der FAZ schreibt er seit 2001.