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Biopolitik

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Ein Geschlecht mit X – Australien macht’s möglich

| 4 Lesermeinungen

In  Australien gibt es künftig etwas mehr Diversity auch in den Reisepässen: Künftig kann hier außer „Frau" und „Mann" auch „X" für...

In  Australien gibt es künftig etwas mehr Diversity auch in den Reisepässen: Künftig kann hier außer „Frau“ und „Mann“ auch „X“ für „unspecified“ oder auch „3. Geschlecht“ eintragen lassen. Das „X“ können dabei nicht nur intersexuelle Menschen für sich eintragen lassen, sonder auch Menschen aus dem weiten und vielfältigen Bereich des Transgender. Die australische Senatorin Louise Pratt von der  „Australian Labor Party“ hat sich in einem Interview sehr positiv über das neue Paßgesetz, das mehr bewirken wird, als nur ein etwas anderes Aussehen der Pässe, geäußert: „Es gab in der Vergangenheit viele Fälle, in denen Leute enorme Schwierigkeiten im Ausland hatten und sogar festgenommen wurden, nur weil ihr Pass etwas anderes behauptete, als die Kontrolleure zu sehen meinten. Das belastet Menschen, ist in hohem Maße unangenehm und kann sogar gefährlich werden.“

Das klingt gut und kenntnisreich, was nicht überrascht, denn Louise Pratt hat auch selbst eine recht ungewöhnlich Geschichte, die über den Geschlechterdualismus hinausweist. Sie selbst hat ihre ersten politischen Schritte als Sprecherin der Schwulen und Leseben-Bürgerrechtsgruppe „Gay and Lesbian Equality“ begonnen, ist bekennende Bisexuelle und seit mehreren Jahren mit dem Transgender-Aktivisten und Transmann Aram Hosie ein Paar.

Die neuen Regelungen, die von mehreren Bürgerrechts- und Gendergruppen mit der Regierung verhandelt worden sind, wollen in erster Linie das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen stärken, damit diese von den Behörden an der Grenze in ihrer Verschiedenheit wahrgenommen werden können. Der australische  Außenminister Kevin Rudd sieht die neue Regelung deswegen auch als Ausdruck der Antidiskriminierungs-Bemühungen Australiens.

Eine ausführliche Richtline für „Sex and Gender Diverse Passport Applicants“ regelt genau, wer unter welchen Bedigungen das neue „X“ erhalten oder auch das im Pass ausgewiesene Geschlecht ändern kann. In dem online gestellten Dokument werden auch allerlei Szenarien erörtert: „Ich bin verheiratet und hatte eine geschlechtsangleichende Operation, aber ich kann keine neue Geburtsurkunde bekommen. Kann ich trotzdem einen Pass für mein neues Geschlecht erhalten?“, „Ich habe keine geschlechtsangleichende Operation hinter mir und habe kein Attest meines Arztes – was kann ich machen?“

Warum soll angesichts der vielfältigen Möglichkeiten nun aber überhaupt noch das Geschlecht im Pass erfasst werden? Das ist ausweislich der neuen australischen Richtlinie vor allem ein Ergebnis der Reisefreiheit. Die Internationale Flugorganisation IACO verlangt die Angabe des Geschlechts als eine von vier zwingenden Angaben. Aber das könnte sich angesichts der allgemeinen Veränderungsbereitschaft auch noch ändern…..

PS.: In Indien und Pakistan sind Pässe, die einen dritten Eintrag erlauben ebenfalls seit 2011 zugelassen.

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4 Lesermeinungen

  1. Ich sehne die Phase der...
    Ich sehne die Phase der Menschheit herbei, in der Wir einander bei jeder Zeugung beglückwünschen; in der jeder Zeugung die uneingeschränkte Lebendigkeit garantiert ist und alles dazu Nötige unbegrenzt zur Verfügung gestellt ist; in der Wir einander unbedrängt friedlich begegnen und JEDES gezeugte Lebewesen die freie Wahl hat, das zu er-leben, was Es sie-leben möchte, solange Es ALLEN Anderen Lebewesen ebenfalls die freie Wahl offen hält.

    Dass das alleine schon vom Potential der vorhandenen Energie möglich ist, zeigen die Erkenntnisse der Wissenschaften und belegen zwei Zahlen: Die Sonne strahlt pro Jahr 60.000 mal mehr Energie auf die Erde ab (> 1 Mrd. Terawatt), als Wir bisher in einem Jahr verbrauchen, der Wind bewegt die Blätter an einem Tag in D mit mehr Energie, als Wir in einem Monat in der EU verbrauchen.

    Wir könnten Uns also die Frage stellen: Warum beschränken Wir einander in fast allen Bereichen noch so grob, so egoistisch und vor allem so unnötig?
    Ich schaue bei dem Vor-Satz über D und Au hinaus, z.B. auch nach Indien, Pakistan, Burma, Ukraine, Russland … aber auch Hier in D, Au, USA sind die Beschränkungen, vor einer friedlichen und gelassenen Entfaltung noch sehr gross. Aktuell und öffentlich, denke ich da an die (Miss-)Behandlung der „Abweichler“ durch die Mehrheit, um die Abstimmung zum €-Rettungsschirm in den Fraktionen des Bundestages.

    Wir tun das ALLE!, einander beschränken (bis auf wirklich sehr wenige Ausnahmen), also ist es ein natürliches Verhalten, somit auch von JEDEM Vorwurf befreit.
    Die Natur beweist aber ebenfalls sekündlich, dass dieses natürliche Verhalten jederzeit änderbar ist. Wir können auch anders.
    Ja klar, Wir sind längst in diese Richtung unterwegs, aber geht es nicht etwas schneller!?
    Danke für Ihre Offenheit Herr Tolmein.

  2. Die von Hüssner (siehe Link)...
    Die von Hüssner (siehe Link) beschrieben Sekten wissen es ja besser als die Biologie, da können Sie mal im Material von 06/2000 von Düsseldorfer Anwälten kramen.
    Die Fälle mit verweigerter Krebtstherapie aus religiösem Starrsinn, die fraktion ist das.

  3. Y <- männlich
    X <- weiblich...

    Y <- männlich
    X <- weiblich (draufsicht / vorne wie hinten)

  4. In diesem Staat ignoriert man...
    In diesem Staat ignoriert man Menschen, die nicht in das Zweigeschlechterkonstrukt passen, mit wird ihnen wird bis zum heutigen Tag nicht offiziell gesprochen.Weil nicht sein darf, was man nicht sehen will. Menschen werden Genitalien medikamentös und per Skalpell manipuliert, Kinder werden gesunde hormonproduzierende Organe entnommen, allgemeiner Schutz des Grundgesetzes wird ihnen verwehrt. Jeden Tag wird ein Kind in Deutschland dem Personenstand m/w geopfert. Niemanden interessiert das… Ein X im Pass, das anerkennt, JA, es gibt anderes, wäre auch hier eine Lösung. Intersexuelle Menschen erleiden irreversible Schäden an Leib und Seele weil sie anders geboren sie als Lebensvarianz nicht anerkannt werden. Es ist ein Armutszeugnis für diesen Staat, dass sie nicht menschenwürdig regeln kann. Wie unaufgeregt die Meldung in unserer Gesellschaft registiert wurde zeigt, wie tolerant man mit anderem umgehen kann… Den Zwittern in unserem Land und in Europa bleibt nur weiter zu kämpfen. Schade…

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