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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Akademisierung als Hoffnung für die Pflege?

| 29 Lesermeinungen

An der Uni Lübeck können Studierende in vier Jahren einen dualen Bachelor in „Pflege“ absolvieren. Doch ist die Akademisierung eine Antwort auf den Fachkräftemangel der Branche?

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© Universität zu LübeckIn der Pflege fehlt es an Fachkräften – um diesem Problem entgegenzukommen, bieten immer mehr deutsche Hochschulen duale Bachelorstudiengänge an, wie hier an der Uni zu Lübeck.

Dem Pflegeberuf mangelt es an Nachwuchs und das, obwohl die Gesellschaft in Deutschland beschlossen hat, immer älter zu werden. Momentan kümmern sich um 3,3 Millionen Pflegebedürftige rund 1,1 Millionen Menschen – zu wenige, sagt das Bundesministerium für Gesundheit. Demnach müssten allein in der Altenpflege weitere 30.000 Stellen besetzt werden. Die deutschen Hochschulen versuchen einen Beitrag durch duale Pflegestudiengänge zu leisten; dem Pflegeberuf sollen nicht mehr nur Fachkräfte aus der beruflichen Ausbildung, sondern auch aus den Universitäten und Fachhochschulen zuteil werden. Das mündet in eine Verbindung von Theorie und Praxis, Bachelor und Berufsabschluss als Pflegekraft, die in nur wenigen Jahren absolviert werden soll. Eine Herausforderung. Ist das Konzept auch tragfähig?

An der Universität zu Lübeck dauert der “duale Bachelorstudiengang Pflege” vier Jahre, 2014 hatte er sein Debüt mit rund 30 Studierenden, von denen circa 20 in diesem Jahr ihren Abschluss machen. Eine der Absolventen ist Frederike Lüth. Die 23-Jährige wollte vor vier Jahren eigentlich in Kiel ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin beginnen, erfuhr dann aber noch während ihrer Bewerbung von dem Pflegestudiengang in Lübeck. “Ich hatte mich bereits über duale Studiengänge in der Pflege informiert”, erinnert sich Lüth, “aber das Konzept in Lübeck, nach dem man zwei Abschlüsse in vier Jahren macht, hat mir am besten gefallen.” Zuerst machen die Studenten nach drei Jahren in einer staatlichen Prüfung ihren beruflichen Abschluss, je nach Schwerpunkt in der Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege oder der Altenpflege. Nach einem weiteren Jahr Vollzeitstudium folgt der Bachelor. Die Praxiseinheiten – der praktische Ausbildungsteil im Studium –  sind an einen der zwölf Praxispartner gekoppelt, die sich auf ganz Schleswig-Holstein verteilen.

© Ulrike MühlhäuserBevor es an den Patienten geht, übt Frederike Lüth die Handgriffe an einer Puppe.

Der Praxispartner ist der Grundstein für die Aufnahme an die Universität. Erst wenn die Studenten über einen Ausbildungsvertrag verfügen, können sie sich für das Studium bewerben. Im Studium selbst folgt dann der stetige Wechsel, mal monatlich, mal innerhalb einer Woche zwischen Uni und Unternehmen. Das Wissen, das die Studenten in der Theorie erlernen, kann somit unmittelbar in der Praxis angewendet und überprüft werden. “Natürlich liegt der Fokus in der Theorie, aber auch in der Praxis auf dem wissenschaftlichen Arbeiten”, sagt Lüth – das heißt: Studien lesen und bewerten und sich mit Expertenstandards und Leitlinien auseinandersetzen. In Lüths Augen hilft gerade das wissenschaftliche Arbeiten in der Pflegepraxis. Welche Symptome zeigt der Patient? Welche Maßnahme wäre anhand der Symptome nötig? Was sagen die aktuellen Empfehlungen zu dieser Maßnahme? Und so weiter. Wenn die Studenten am Ende eines können, dann eine gute Literaturrecherche durchführen.

„Eine gute Art von anspruchsvoll“

Über das wissenschaftliche Arbeiten hinaus hilft den Studenten die Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen und Fachbereichen, sowohl in Übungen und Seminaren mit den Medizin- oder Physiotherapiestudenten in der Uni als auch in der Praxis. “Wir waren während unserer Praxiseinheiten in der Chirurgie, der Gynäkologie und der Psychiatrie, aber auch in Reha- und Sozialeinrichtungen”, zählt Lüth auf und nennt dabei nur einen Bruchteil der Fachbereiche, welche die Studenten kennen lernen, um einen guten Rundumblick zu bekommen. Sechs Wochen verbringen sie im Durchschnitt auf einer Station oder Einrichtung,  bis sie sich im dritten Studienjahr auf einen Schwerpunkt konzentrieren. Für Lüth hieß das in der Gesundheits- und Krankenpflege, zwischen den Schwerpunkten Intermediate Care, einer Art niedrigschwelligen Intensivpflege, der Geriatrie, der Versorgung alter Menschen, und der Onkologie, also der Versorgung von Krebspatienten, zu wählen. Sie entschied sich für Letzteres und erkannte während ihrer Arbeit, wie wichtig die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit ist. “Die interprofessionelle Zusammenarbeit”, sagt Lüth, “erlaubt uns, Gespräche mit den anderen Professionen auf Augenhöhe zu führen und den Patienten aus einem anderen Blickwinkel heraus zu begegnen.” Seit ihrem Abschluss als Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet Lüth auf einer Schmerz- und Palliativstation, wo es sehr wichtig sei, auf die individuellen Symptome und Schmerzen der Patienten einzugehen. So arbeitet ein Team aus Ärzten, Pflegefachkräften, Physiotherapeuten, Psychologen sowie Musik- und Kunsttherapeuten gemeinsam für jeden Patienten ein eigenes Behandlungskonzept aus. Das macht den Beruf für Lüth so interessant. Es gibt eben kein Schema F, nach dem die Patienten in Fließbandarbeit abgefertigt werden können. Auch wenn das in der Alltagspraxis oft anders aussieht.

“Wir wollen, dass unsere Studenten so handeln, wie es dem Patienten am ehesten nützt”, sagt Katrin Balzer, Juniorprofessorin für Evidenzbasierte Pflege an der Uni Lübeck, die den dualen Pflegestudiengang maßgeblich mitentwickelt hat. Die Studenten sollen wissen, wo sie die richtigen Informationen finden, wie sie diese bewerten und, vor allem, am besten in ihr eigenes Handeln integrieren – alles immer mit Blick auf die Bedürfnisse des Patienten und von dessen Familie. Abgesehen davon sollen die Absolventen am Ende jedoch auch in der Lage sein, später Schlüsselstellen in ihrem Beruf belegen zu können. “Wir bilden die Studierenden nicht dezidiert für die Pflegeleitung aus”, sagt Balzer, die Absolventen seien genauso Berufsanfänger wie andere Pflegefachkräfte direkt nach der Ausbildung auch und müssten zuerst einmal Erfahrungen in der Patientenversorgung sammeln. Sie hätten allerdings beste Möglichkeiten, sich in die verschiedensten Richtungen weiterzuentwickeln, etwa in die Forschung zu gehen oder in der Praxis neue Strategien und Konzepte zur Unterstützung der Versorgungspflege zu entwickeln.

Lüth nennt diese wissenschaftlichen Arbeitsmethoden ihr “Handwerkzeug”. Es ist, neben der Interdisziplinarität und Interprofessionalität des Studiums, der Grund, aus dem sie die Akademisierung der Pflege für sinnvoll hält. “Das Studium ist anspruchsvoll, aber eine gute Art von anspruchsvoll”, sagt sie. Gerade in den Praxiseinheiten sei der Studiengang stark reglementiert. Hinzu kommt, dass in den ersten drei Jahren Anwesenheitspflicht besteht, da die Studenten einen Arbeitsvertrag mit ihrem Praxispartner haben und für ihr Lernen und Arbeiten bezahlt werden.

Hoffnung für die Pflege?

Grundsätzlich sind die Rückmeldungen zum Studiengang positiv. Auch die Praxispartner äußern sich zufrieden über ihre Studenten. “Sie fragen mehr, sie fragen anders, sie fragen kritischer”, sagt Balzer. Die meisten Pflegestudienplätze an der Uni Lübeck entfallen auf die Gesundheits- und Krankenpflege, an der auch die meisten Berufsbewerber interessiert sind. Der Bereich der Altenpflege muss hingegen unbedingt noch ausgebaut werden, sagt Katrin Balzer: “Ich würde mir noch mehr Studenten mit der Berufsrichtung Altenpflege wünschen, dafür müssen wir definitiv noch mehr junge Menschen durch Praktika und FSJ begeistern.”

Die Hoffnung, durch duale Studiengänge in der Pflege das Problem des fehlenden Nachwuchses zu lösen, teilt Balzer nur begrenzt: “Duale Pflegestudiengänge gibt es seit 2004. Bisher machen Absolventen solcher Studiengänge aber erst 1 Prozent der Pflegenden in der direkten Patientenversorgung aus.” Nicht nur die Quantität der Ausbildungs- und späteren Arbeitsplätze müsse sich verbessern, sondern vor allem auch die Qualität. “Ohne Wende bei den Arbeitsbedingungen in der Pflege haben wir in zehn Jahren noch genau das gleiche Problem wie heute”, sagt sie. Bestehende Konzepte in der Pflegeversorgung müssten verbessert oder vielleicht sogar durch vollkommen neue Ideen und Konzepte abgelöst werden. Hier kommt das wissenschaftliche Arbeiten ins Spiel. Hinterfragen und strukturiertes, systematisches Denken hilft den Studenten, die richtigen Akzente in ihrem Beruf zu setzen, sei es in der Pflegeversorgung selbst, in Führungspositionen, in der Forschung oder gar der Politik.

Frederike Lüth blickt optimistisch in die Zukunft. Sie kann sich vorstellen, praktische Tätigkeiten auf der Station mit solchen in der Pflegeforschung zu kombinieren, um die Pflege selbst weiterzuentwickeln. Außerdem zieht sie einen Master in Erwägung. “Auf jeden Fall bleibe ich erst einmal in Kiel wohnen, werde hier arbeiten und noch weitere Erfahrungen in der Pflege sammeln”, sagt sie. Den Anschluss zu verlieren, kommt für sie nicht in Frage, dafür sei der Beruf viel zu spannend.


29 Lesermeinungen

  1. Für Akademisierung
    Ich bin seit 42 Jahren in der Pflege und habe die negative Entwicklung miterlebt. So lange die Gesellschaft und wir selber uns nur als: empathische, dem Patienten zugewandte Essensanreicher/ Schutzhosenwechsler/Körperpfleger/Entlaufene Suchen und Findende sehen – benötigen wir tatsächlich keine Akademisierung – denn Pflegen kann ja angeblich Jeder.
    Hat hier jemand Ahnung von unseren notwendigen Ausbildungsinhalten?
    Volle Anatomie und Physiologie – wer nicht weiß was sich im Körper befindet und keine Ahnung hat, wie diese Organe funktionieren, welche Auswirkung die spezielle Dysfunktion hat, kann auch nicht pflegerisch helfen. Es ist eben nicht egal wie ein Mensch im Bett liegt, bewegt wird, mobilisiert wird. Da kann viel geschädigt oder eben geholfen werden.
    Die Beobachtung der Haut(Veränderun), Atmung, Bewegung, Körperhaltung, Körpergeruch, Beurteilung der Ausscheidungen ist in der Krankenpflege auch wichtiger und diffizieler als im normalen Leben. Um dies evidenzbasiert erforschen, lehren und lernen zu können, benötigen wir die akademisierte Ausbildung – mit der anschließenden Arbeit am Patientenbett! Nicht mit allen Tätigkeiten wie bisher, aber weiter am Bett, wie in den anderen Staaten auch.
    Aber akademisierte Pflege ist natürlich teurer als bisher.
    Kaum Jemand ist bereit dieses Geld auszugeben – bis er im Gesundheitssystem D/Altenpflegesystem D als Betroffener landet – viel Spass!

    • Kompetenz und Professionalität
      Den oben getroffenen Aussagen ist zuzustimmen.
      Jedem, der sich gerne etwas „theoretischer“ mit der Problematik auseinander setzen möchte, sei einmal das Stufenmodell der Kompetenzentwicklung nach Patricia Benner ans Herz gelegt. Hier geht es um eine Entwicklung, die sowohl aktive Erfahrung als auch qualitativ hochwertiges theoretisches Wissen erfordert, um schliesslich in den Bereich des „Pflegeexperten“ zu gelangen. Gerade um den zweiten Teil hochwertig erforschen, praxisnah ausformulieren und fachlich verteidigen zu können, sind akademische Pflegefachkräfte unabdingbar. „Evidence-based nursing“ eben und weg vom teilweise recht skurrilen, tradierten „Wissen“ a la „Das haben wir schon immer so gemacht!“.
      Natürlich darf man auch nicht verhehlen, dass „die Pflege“ als Berufsgruppe in vielen Teilen eine fasst schon masochistische Freude daran empfindet, den eigenen akademischen Nachwuchs zu verbeissen. Aussagen wie „Was bist du denn dann MEHR als ich!?“ oder „Zum Waschen seit ihr euch dann wohl zu fein!“ zeigen, dass selbst im eigenen Umfeld noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss – hier sind Schulen und Berufsverbände gefragt.
      Denn wenn es schon in der Berufsgruppe hakt, darf man auch von der Bevölkerung und den Politikern keine Erkenntnissprünge erwarten.
      Ich empfehle meinen Kolleg*innen jedenfalls dringend, im Zuge einer besseren Aussenwirkung, Selbstbehauptung und Aufklärung, die Lektüre des Buches „Der Pflege eine Stimme geben“ („From Silence to Voice“) von Zegelin/Büscher bzw. Buresh/Gordon (eng. Original).
      Ein Augenöffner.

  2. Akademisierung
    Die Arbeit als engagierte und verantwortungsbewusste Pfegekraft ist sicher wichtig. Es ist ein Beruf den man gewissenhaft ausüben sollte hat aber mit einer akademischen Ausbildung nichts zu tun. Die sogenannte Akademisierung wird von bestimmten Gruppen letztendlich nur benutzt um eine Gehaltssteigerung zu erreichen. Ähnliche Stategien findet man im Kindergartenbereich. Wir sollten endlich Schluss machen mit diesen sogenannten Scheinakademisierungen und ein gewisses intelektuelles Niveau an den Hochschulen anstreben. Gerade die klassische Berufsausbildung ist in Deutschland ein wichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg, der in den letzten Jahren von der Politik sträflich vernachlässigt wurde.

    • Unverschämt
      „Es ist ein Beruf den man gewissenhaft ausüben sollte hat aber mit einer akademischen Ausbildung nichts zu tun.“
      Gebetsmühlenmodus an:
      Doch, unser Berufsstand hat sehr wohl etwas mit akademischer Ausbildung zu tun – jedenfalls in fast allen anderen Industrieländern. Blick über den Tellerrand und so…
      „Wir sollten endlich Schluss machen mit diesen sogenannten Scheinakademisierungen und ein gewisses intelektuelles Niveau an den Hochschulen anstreben.“
      Einen solch unverschämten Ton gegenüber akademisierten Pflegekräften und meiner Berufsgruppe verbitte ich mir!! „Scheinakademisierung“, eine Frechheit! Ich habe schon Vorträge von Pflegewissenschaftlern wie z. B. Prof. Bienstein gehört, da wäre ich mir jetzt nicht sicher, ob IHR intellektuelles Niveau zum Verständnis langen würde!

    • Gehalt
      Hm, hört sich für mich so an, als würden Sie Kindergärtnerinnen und Pflegekräften kein vernünftiges Gehalt gönnen.

    • Gezielte Akademisierung
      Der Kampfbegriff der „Scheinakademisierung“  in Bezug auf die professionelle Pflege kommt in der Regel aus zwei Richtungen: Arbeitgeberverbändem und den Ärztekammern.
      Erstere arbeiten schon seit Jahren aktiv an einer weiteren Deprofessionalisierung, Senkung der Einstiegsqualifikationen und Spaltung der Berufsgruppe. Des weiteren ist klar, dass man potentiellen   Mitarbeitern, die gelernt haben, Systeme kritisch zu hinterfragen und über exzellente Wechselchancen verfügen nicht mit Drohungen, haltlosen Versprechungen und einem eher unterdurchschnittlichen Gehalt begegnen kann.
      Für letztere wächst quasi im Vorgarten ein Konkurrenzprodukt heran, das man in Diskussionen nicht mehr einfach mit der Aussage „Ich habe studiert und Sie nicht! abkanzeln kann. Dass Pflegewissenschaftler und Advanced Nurse Practitioner zudem noch über eine deutlich fundierte Ausbildung im wissenschaftlichen Arbeiten verfügen und gerade letztgenannte sehr praxisorientiert und eigenständig arbeiten ein zusätzlicher Aspekt.
      Natürlich ist das mittelfristige Ziel keine Vollakademisierung der beruflichen Pflege – allerdings sollte   im Sinne einer weiteren Professionalisierung, Aufbau internationaler Netzwerke, fundierter Pflege- und Vorsorgungsforschung sowie erweiterter interprofessioneller Zusammenarbeit eine Akademisierungsquote von 25% angestrebt werden.
      Gleichzeitig muss die Berufsausbildung deutlich verbessert und in Zielsetzung, Ausgestaltung und weiterführender Qualifizierung erneut umgestaltet werden.
      Die derzeitigen Strategien weisen jedoch leider in eine andere Richtung und der Verweis auf den „wirtschaftlichen Erfolg“ der „klassischen Berusausbildung“ im Bezug auf die berufliche Pflege verkennt leider die aktuellen Realitäten.

  3. wir brauchen nicht noch mehr Akademisierung
    sondern Menschen, die Alte und Kranke pflegen. Die zunehmende Akademisierung macht schon in den Betrieben viel kaputt. Da haben wir dann Bachelorabsolventen, die von Praxis keine Ahnung haben und auf der anderen Seite fehlen uns Auszubildende und Fachkräfte. Wäre doch gelacht, wenn unsere Politiker das im Pflegebereich nicht auch hinbekommen.

    • Das ist ja wohl Humbug
      In welcher Form macht denn die Akademisierung die Betriebe kaputt? Wenn ich mich in der Praxis so umhöre, wird den „akademisierten“ Pflegekräften vor allem das kritische Hinterfragen und nicht ständige abnicken oder „alles beim alten“ belassen, sehr geschätzt. Die Betriebe werden durch Hierarchischen Standesdünkeln kaputt gemacht. Aber nicht durch akademisierte Pflegekräfte.

    • Pflegeproblem
      Das aktuelle Problem liegt hierbei nicht in dem verschwindend geringen Anteil bereits akademisch ausgebildeter bzw. bei den sich momentan in Ausbildung befindlichen Jungakademikern und deren vermeintlicher Praxisferne!
      Vielmehr ist ein deutlicher Trend aus dem Berufsbild per se bzw. in die langfristig zur Altersarmut führenden Teilzeitfalle zu erkennen. Letzteres gerne auch als Zweitverdienerin.
      Der Versuch der Regierung, unter fragwürdiger Beratung durch primär renditeorientierten Gruppen auch wirklich jeden in den Pflegeberuf zu stecken, der nicht bei „Drei!“ auf den Bäumen ist, wirkt hierbei eher wie hilfloser Aktionismus bzw. soll bereits im Verfall befindliche Strukturen und Finanzmodelle bestenfalls stabilisieren und möglichst lukrativ halten – nicht umsonst kämpfen Verbände wie der BpA für eine Reduktion der Fachkraftquote um Bettensperrungen z.B. im Altenpflegebereich zu vermeiden. Sieht man zusätzlich noch den Drang von Investorengruppen in diesen Markt…ein Schelm, wer Arges dabei denkt.
      Beispiele für den o.g, wenig an der Professionalisierung und Attraktivitätssteigerung orientierten politischen Weg wären z.B. das Pilotprojekt in Hessen, das Menschen ohne Schulabschluss zu selbigem inklusive einer Berusausbildung als Hilskräfte in der Altenpflege verhelfen soll. Alternativ dazu auch der Vorstoss der Linken, Arbeitslose priorisiert zu Pflege(hilfs)kräften umzuschulen („Aus Arbeitslosen sollen Pflegekräfte werden“, 19.08.18, dpa) oder die Idee der Grünen „Wer Pfleger wird, soll in Deutschland bleiben dürfen“ (28.04.18, Zeit online). Alles natürlich auf möglichst niedrigem fachlichen Niveau – gerne als „Einstieg in den Aufstieg“ angepriesen. Was im Rahmen des ALG II schon trefflich in anderen Branchen den Markt für prekäre Arbeitsverhältnisse gefüllt hat, wird doch wohl auch in der Pflege wirken!
      Hierzu kommt noch die Anwerbung von Pflegekräfte aus Ländern, die sich in der Regel weder durch hohe Arbeitnehmerstandards noch besonders hochwertige Ausbildungskonzepte auszeichnen.
      All den vorab genannten Gruppen ist gemein, dass sie sich – höflich gesprochen – in einer gavierenden Zwangslage befinden und – so berufspolitische und gewerkschaftliche Optionen zur Interessensdurchsetzung überhaupt bekannt sind – wenig Willens sind, diesen wahrzunehmen und wirklich jede Kröte schlucken werden, um nicht in den alten Zustand zurück zu fallen.
      Professionalisierung und Attraktivitätsgewinn Fehlanzeige – dazu müssten ganz anderen Summen bewegt werden!
      Abschliessend ein passender Witz:
      Was müssten Pflegekräfte tun, um effektive Hilfe von der Bundesregierung zu bekommen?
      Dieselfahrzeuge produzieren!

  4. Titel eingeben
    Eine Akademinisierung der Pflege ist wichtig. Es muss wie z.B. in den USA unterteilt werden. Wir können nicht alle zwingen die in den Bereichen der Pflege arbeiten wollen, Abitur und anschließend ein Studium zu machen. Die Pflege muss in verschiedenen Segmenten unterteilt werden. Pflegeberufe mit Hochschulabschluss und jene Pflegeberufe mit Ausbildung. In den USA gibt es Berufe von Pflegeassistens bis hin zu Pflegemedizinern. Jeder Beruf ist in Ihren Fachbereichen aufgeteilt und jeder findet seinen Platz. Die Berufe sind entsprechend gut vergütet und diese Pflegefachkräfte haben eine unglaublich starke Lobby, die den Ärzten auf Augenhöhe stehen. Die Weiterbildung werden dort oft von Pharmafirmen oder Firmen die Medizintechnik oder auch vom Krankenhäusern selber organisiert. Traurig, dass unser Land diese Gelegenheit verschlägt, obwohl wir soviel Potential haben, versagen unsere Politiker.
    Krankenpfleger

    • Akademisierung
      Eine Akademinisierung der Pflege ist wichtig. Es muss wie z.B. in den USA unterteilt werden. Diesen Gedankengang finde ich sehr gut. Auch Fortbildungen und Spezialisierungen für die „normale“ Gesundheits und Krankenpflegerin sollte ausreichend honoriert werden. In der Realität sieht es doch so aus, daß die Fortbildungen (außer Anästhesie und Intensiv) in der Regel nicht monitär honoriert werden. Praxisanleiterinnen, Palliativ-Hygiene etc. Kräfte , bekommen außer der Mehrarbeit , nichts was einen Anreiz bieten würde sich zu qualifizieren. Überall wird gespart, in den OP`s werden OTA`s eingesetzt, die kosten weniger. Auf so einigen Intensivstationen kann man die Mitarbeiter die eine ITS Ausbildung haben, an einer Hand abzählen. Stationsleitungen leiten Jahrelang ohne die dafür nötige Ausbildung. All das wird hingenommen, weil kostensparend. Wer nicht „Weiss“, kann auch nicht auf Augenhöhe mit den Ärzten komunizieren,der wird sich unterordnen und sich zum Erfüllungsgehilfen der Ärzte degradieren lassen. Die „Wissenden“, werden oft von ihren Kollegen*innen ausgebremst, weil sie ein bequemes System unterwandern. Solange die Pflege sich nicht miteinander solidarisiert, gewerkschaftlich Organisiert, wird sich auch nicht viel ändern. Irgendwann wird ein gutes Herz und sanfte Hände ausreichend sein um zu Pflegen.

  5. Akademisierung
    Also mehr Bachelor lösen ni macht das Problem. Heutzutage will sich halt keiner mehr die Finger schmutzig machen. 3 Schichtsystem an 365 Tagen im Jahr für das popelige Geld?
    Ohne Zulagen wäre es noch beschissener. Das Verhältnis zwischen dem was man an Geld bekommt und dem was man zahlen muss (Lebenshaltung) ist halt nicht mehr ausgeglichen.

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