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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Forschende Frauen: Auf diesen Zustand kann keiner stolz sein

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Frauen sind in den Naturwissenschaften stark unterrepräsentiert. Ein internationaler Workshop am ICTP in Triest will das ändern. Hier zeigt sich: Die Zustände in den Industrienationen sind nicht viel besser als in Entwicklungsländern.

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© ICTPMathematik-Studentin Alaa Elshorbagy im Gespräch mit dem Postdoktoranden Tarig Abdelgadir am International Center for Theoretical Physics (ICTP) in Triest

„Als ich meiner Familie sagte, dass ich Mathematik studieren möchte, erhielt ich statt Ermutigungen jede Menge Einwände. Ich bin in einer Bauernfamilie in Bayern aufgewachsen, wo Fleiß bei der Feldarbeit, schmackhaft kochen können und eine gute Frau und liebevolle Mutter zu sein die wesentlichen Attribute sind, auf die eine Frau stolz sein sollte“, sagt Katharina (ihren vollständigen Namen möchte sie nicht veröffentlichen), eine 33 Jahre alte Mathematikerin. „Schwierige, nutzlose mathematische Probleme zu lösen, die in der Zukunft keine gute Arbeit und ein hohes Gehalt garantieren können, sind immer noch sinnlos für meine Eltern.“

Als Katharina mir die Geschichte erzählt, fühle ich mich an die Figuren in Jane Austens Romanen aus dem 18. Jahrhundert erinnert. „Von all meinen Kommilitoninnen aus den Promotionskursen sind nur ich und eine andere Frau noch an der Universität. Alle andere haben sie verlassen, um einen Job in einem Unternehmen zu finden, als Buchhalter oder so. Das andere Mädchen hatte an der Mathematik-Olympiade teilgenommen und wurde wohl deshalb in der Fakultät sehr respektiert“, erzählt Katharina weiter.

Wissenschaftlerinnen brauchen mehr als nur Idole

Unabhängig davon, ob junge Frauen wie Katharina aus einem Industrieland oder einem Entwicklungsland kommen, begegnen ihnen ernsthafte Hindernisse in der männlich dominierten Welt der Wissenschaft, so empfinden es viele junge Frauen, insbesondere in der Mathematik und der Physik. Sie haben das Gefühl, nur mit herausragenden Leistungen eine Chance auf eine Karriere zu haben, in der sich ihnen nicht allzu große Hindernisse in den Weg stellen.

Der unerwartete Tod der Mathematikerin Maryam Mirzakhani, der einzigen Fieldsmedaillengewinnerin, löste abermals eine Diskussion über die Rolle der Frauen in der Wissenschaft aus. Maryam Mirzakhani, bekannt als „Meisterin der gewölbten Flächen“, steht dabei für die Einsicht, dass, obwohl die Zahl der Frauen in Mathematik und Physik weit hinter denen der Männer zurückliegt, ihre Fähigkeiten, schwierige wissenschaftliche Probleme zu lösen, keinesfalls zurückbleiben.

© dpaMaryam Mirzakhani

Mirzakhani wurde ein Vorbild für viele Mädchen und Frauen, die in Physik und Mathematik vorankommen möchten. Aber Wissenschaftlerinnen brauchen mehr als nur Idole, um ihre Präsenz in der globalen akademischen Welt zu erhöhen. Von den 171 Nobelpreisträgern in der Wissenschaft zwischen den Jahren 1996 und 2016 waren nur sieben Frauen, sechs davon kamen aus der Medizin; nur eine kam aus der Chemie.

Laut UNESCO liegt der Frauenanteil in der Forschung weltweit bei weniger als 30 Prozent. In Feldern wie der Mathematik und der Astronomie sind es sogar weniger als 16 Prozent.

In den obersten akademischen Positionen nimmt die geschlechtsspezifische Konzentration weiter zu, nur 11 Prozent werden von Frauen bekleidet. Die UNESCO-Statistik zeigt auch, dass zum Beispiel in Japan, in den genannten Fakultäten, weniger als 6 Prozent der Professorenstellen mit Frauen besetzt sind.

Das Potential ist immens

Die Gründe dafür werden oft in der Rolle der Frau in der Familie gesucht, oft wird die Kindererziehung genannt, vor allem aber kommt die große Imparität wohl aus einer sehr widerstandsfähigen Kultur des Patriarchates in der akademischen Welt.

„Es gibt eine Menge Psychologiestudien, die zeigen, welch große Rolle die kulturelle Voreingenommenheit in unserem Denken spielt. Sie macht uns glauben, dass Frauen etwa in der Mathematik weniger gut seien als Männer“, sagt Elizabeth Simmons, Dekanin des Lyman Briggs College und Professorin für Physik an der Michigan State University. Die einzige Physikerin, die das Problem der ungleichen Geschlechterverteilung in ihrer Disziplin aktiv angeht, erklärt weiter: „Dieses Vorurteil ist das größte Problem. Wenn es zum Beispiel darum geht, eine Kandidatin für eine Promotion oder einen Dozentenjob zu bewerten, neigen die Entscheider nach unserer Einschätzung dazu, die Bewerbungsunterlagen mit anderen Augen zu lesen, als wenn sie von einem Mann wären, obwohl sie wirklich fair sein wollen.“

© ICTPElizabeth Simmons beim ICTP-Workshop „Women in Physics“

„Ein anderes Beispiel sind Empfehlungsschreiben: Die Ausdrucksweise, die Professoren verwenden, um Frauen zu beschreiben, unterscheidet sich sehr von der Ausdrucksweise, die sie für Männer verwenden“, so Simmons weiter, „bei der Bewertung der Frauen werden ihre akademischen Talente letztendlich nicht wirklich geschätzt“.

Laut Boston Consulting Group würde eine Geschlechtsparität zu zusätzlichen 300.000 Doktorandeninnen jährlich führen. In einem Jahrzehnt wären dies mehr als 3 Millionen Forscherinnen, die das Tempo des weltweiten technologischen Fortschritts immens erhöhen könnten.

Ein weiteres Hindernis für Naturwissenschaftlerinnen ist der Mangel an starken Netzwerken. Aufgrund ihrer geringen Zahl haben sie weniger Möglichkeiten, ihre Erfahrungen zu teilen und Ratschläge von anderen zu bekommen.

Darauf kann niemand stolz sein

Probleme wie diese haben Elizabeth Simmons veranlasst, zusammen mit der Physikerin Sobhana Narasimhan, Dekanin der Akademischen Angelegenheiten am Jawaharlal Nehru Zentrum für fortgeschrittene wissenschaftliche Forschung in Bangalore, ein Netzwerk unter Physikerinnen aufzubauen und einen zweijährigen Workshop ins Leben zu rufen. Man sollte glauben, dass es eine größere Zahl solcher Veranstaltungen gibt, aber so ist es nicht.

Ich kenne Physikerinnen aus Entwicklungsländern“, erzählt Simmons, „die die einzige Frau in der ganzen Universität oder sogar in der Provinz sind. Oft ist es sehr einsam dort.“ Diese Frauen brauchen besondere Unterstützung.

Den idealen Ort für ihren Workshop fanden Simmons und Narasimhan, wie sie sagen, in Triest, der kleinen italienische Stadt an der nördlichen Adria, unter Mathematikern und Physikern wegen des 1964 von Abdus Salam, dem erstem muslimischem Nobelpreisträger für Physik, gegründeten International Center for Theoretical Physics (ICTP) bekannt. Alle Nobelpreisträger beider Disziplinen haben es mindestens einmal besucht. Salams Ziel war es, ein Bindeglied für Forscher aus Entwicklungsländern und Industrieländern zu schaffen.

© ICTPFernando Quevedo, Direktor des ICTP, im Gespräch mit Elizabeth Simmons (ganz links) und Shobhana Narasimhan (rechts)

„Die Aufgabe des ICTP ist es, Wissenschaftlern mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu helfen“, sagt Fernando Quevedo, Direktor des ICTP, im Gespräch. „So versuchen wir auch, die Beteiligung von Frauen an unseren Aktivitäten zu erhöhen. Im Durchschnitt sind nur 25 Prozent unserer Besucher Frauen. Niemand kann darauf stolz sein! Wir wollen nicht nur eine Frau unter vier Teilnehmern in den Konferenzen, Arbeitskreisen und Seminaren oder auch  Diplom- und Promotionsprogrammen haben, sondern wir wollen zwei davon haben. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber wir haben gezeigt, dass es möglich ist. Vor sieben Jahren war keiner unserer ständigen wissenschaftlichen Mitarbeiter eine Frau, heute sind es immerhin 10 Prozent“. Der Nacholbedarf im ICTP war groß.

Zu den vom ICTP unterstützten und finanzierten Programmen für Forscherinnen gehört auch der „Career Development Workshop for Women in Physics“ von Elizabeth Simmons und Shobhana Narasimhan. Der erste  fand im Oktober 2013 statt, der dritte beginnt im Oktober 2017.

„Das Programm besteht aus zwei Teilen, der eine betrifft das wissenschaftliche, der andere das gesellschaftliche Leben“, erzählt Erika Coppola, Physikerin und Veranstalterin des Workshops im ICTP. „Wir laden berühmte Physikerinnen ein, ihre Erfahrungen mit Kolleginnen aus Entwicklungsländern zu teilen. Es hilft zu wissen, wie andere Wissenschaftlerinnen es geschafft haben, Hindernisse in ihrer Karriere zu überwinden.“

„Im zweiten Teil erklären Sprecherinnen wie Elizabeth und Sobhana jungen Forscherinnen, wie sie einen guten Lebenslauf vorbereiten oder wie sie mit ihren männlichen Chefs oder Kollegen umgehen sollen. Wenn es zum Beispiel um Verhandlungen geht“, fügt Elizabeth Simmons hinzu, „sind Männer üblicherweise sehr standfest in der Durchsetzung ihrer angestrebten Forderungen. Viele Frauen aber können nicht wirklich gleichwertig verhandeln. Deswegen fangen sie mit weniger Gehalt, befristeten Verträgen oder schlechteren Konditionen an. Wir bringen den Teilnehmerinnen bei, wie sie ihre Situation verbessern können.“

Die Erwartungen der Gesellschaft

Viele politische Bewegungen haben sich inzwischen die gender-balance zur Aufgabe gemacht. Zuweilen werden sie dafür von Wissenschaftlern kritisiert. Sie meinen, der einzige Auswahlfaktor sollte die Qualifikation sein. Fernando Quevedo sagt: „Wir wissen – in der ganzen Geschichte waren wir sehr unfair gegenüber den Wissenschaftlerinnen, doch wir haben eine Lösung für solche Kritik gefunden: wir gründen neue Positionen, nur für Frauen, in verschiedenen Fachgebieten. Die jeweiligen Sektoren nominieren dann ihre besten Kandidatinnen. So bekommen wir exzellente Fachkräfte in den verschiedenen Fachbereichen. Wir haben vor allem auch die nächsten Generationen im Auge. Wir ermutigen Mädchen, sich für unsere Diplom- und Promotionsprogramme zu bewerben. Einige Male ist es uns bereits gelungen, das Maximum von 50 Prozent zu erreichen.“

„Ich habe viel Glück gehabt, eine phantastische Mathematiklehrerin in der Schule zu haben“, sagt Stefanella Boatto, Außerordentliche Professorin für Mathematik an der Bundesuniversität Rio de Janeiro. „Ich denke, es ist sehr wichtig, Kinder, wenn sie noch jung sind, für Mathematik vorzubereiten. In den Vereinigten Staaten und auch in anderen Industrieländern wie Großbritannien oder den skandinavischen sind Mädchen nicht im Focus der Universitäten für Fächer wie Mathematik oder Physik, während in den romanischen Ländern wie Italien mehr für Mathematik geworben wird. Die Erwartungen, die eine Gesellschaft an junge Mädchen richtet, spielen bei ihren zukünftigen Entscheidungen eine große Rolle. Dieser Trend kann nur umgekehrt werden, wenn wir an und mit der jüngeren Generationen arbeiten – und nicht nur mit den Professoren, die vielleicht schon zu alt für Veränderung sind.“

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20 Lesermeinungen

  1. Mehr Selbstbewusstsein für Männer!
    Der Artikel beleuchtet ein großes Problem unserer Gesellschaft. Das würde ich jetzt nicht nur an dem Verhalten der Männer festmachen. Sicher, viele von denen wollen ihre Frauen hinter dem Herd sehen. Aber grade hier in der Gegend, in der ich lebe, gibt es mindestens ebenso viele Frauen, die auf dem traditionellen Weltbild beharren. Ich finde das eine ganz schreckliche Einstellung. Jeder Mensch hat andere Talente. Mathe und Physik sind definitiv nicht meine Talente. Das liegt sicher nicht daran, dass ich eine Frau und somit zu dumm für diese Sachen bin. Es liegt mir nur einfach nicht. Aber Handwerk gefällt mir. Ich wüsste zum Beispiel nicht, warum das nur Männern vorbehalten sein sollte. Aber es gibt so viele Frauen, die sich von vorne herein für zu dumm und ungeschickt für Werkzeug halten, ohne es je versucht zu haben. Weil sie so erzogen worden sind. Und von wem? Von ihrer Mutter. Die Frauen tun sich ihr Leid schon selbst an. Die Männer halten ihnen den Schuh hin und die Frauen ziehen ihn sich an. Das Umdenken muss auf dieser Ebene schon anfangen. Und dann würden auch irgendwann die Männer damit klarkommen, dass Frauen in sogenannten „Männerdomänen“ erfolgreich sind. Die Männer müssen ebenfalls selbstbewusster werden. Denn wenn sie ihre Männlichkeit an der Abhängigkeit der Frau festmachen und ihr Ego einen Knacks bekommt, nur weil eine Frau ihnen was vorrechnet oder weiß, wie man mit einem Hammer umgeht, dann ist das das größte Problem von allen.
    Also: Weniger Mach-Gehabe und mehr echtes Selbstbewusstsein für Männer, dann klappt’s mit mehr Frauen im Handwerk und in den Naturwissenschaften von ganz allein!

  2. Titel eingeben
    Nach all den Kommentaren, die vielfach getrieben sind von Befindlichkeiten und Ängsten männlicher Forscher/Unimitarbeiter sehe ich die Notwendigkeit für die akademische Weiblichkeit eine Lanze brechen zu müssen.
    Es ist ein Fakt, dass der Anteil von Frauen in Forschung und Lehre deutlich geringer ist als der von ihren männlichen Kollegen. Wenn sich Frauen Gedanken machen wie sich das ändern lässt so ist das legitim. Es wird sich in der Praxis zeigen, welche Wege opportun sind. Ein offener Dialog, wie von der Autorin aufgezeigt, ist hier sicher zielführend.

    • Nein Herr Klecker -die Sache ist genau andersrum
      es beginnt mit den Befindlichkeiten derjenigen, die den geringen Frauenanteil, obwohl in der heutigen Zeit Frauen alle Wege offenstehen, ein Problem sehen und meinen, daraus klar männerdiskriminierende Maßnahmen ableiten zu können. Letzteres ist dann eben keine Befindlichkeit mehr, sondern klar nachweisbar. Konkret: Quoten oder Stellen die nur von Frauen besetzt werden dürfen, wie im Artikel zu lesen. Es geht eben um weitaus mehr als einen offenen Dialog, gegen den in der Tat niemand was einzuwenden hätte. Das dann als „Angst“ abzutun ist dann ein nice try die Kritik daran zu ersticken, aber zu offenkundig verharmlosend.

  3. Problematische Diskussion
    Ich finde der Artikel zeigt eine interessante Perspektive auf, wohingegen viele der Diskussionsbeiträge nicht zielführend sind.
    Sicher wollen die meisten Deutschen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt eine berufliche Karriere verfolgen können. Dennoch besteht eine strukturelle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, die sich durch geringere Löhne, weniger Frauen in Führungspositionen oder eben in der Wissenschaft äußert. Sicher haben manche davon abweichende Erfahrungen gemacht, doch daraus darf nicht der falsche Schluss gezogen werden, dass eine strukturelle Ungleichheit nicht existieren würde (nur weil ein Raucher keinen Lungenkrebs bekommt, bedeutet es ja auch nicht, dass Zigaretten nicht schädlich seien).
    Wieso diese Ungleichheit also nicht durch Quoten oder ähnliche Maßnahmen vermindern? Ganz einfach: letztlich bedeutet jede Förderung von Frauen zwangsläufig ein Karrierehemmnis für Männer. Aus diesem Grund werden viele der Diskussionen zu dem Thema nicht auf einer sachlichen, sondern fast immer auf einer emotionalen Ebene („wieder so ein Jammerartikel“) diskutiert. Daher sollten wir uns klar machen, dass unsere Positionen in dieser Thematik nicht unbedingt auf rationalen Argumenten beruhen, sondern allzu oft durch egoistische Motive geprägt sind.
    Zwar können Quotenregelungen und Maßnahmen zur Frauenförderung manchen Frauen helfen, jedoch resultieren sie allzu oft in dem Vorwurf der „Quotenfrau“. Langfristig gesehen müssen Maßnahmen zur Frauenförderung viel früher ansetzen. Oft wird Mädchen in der Schule oder im Elternhaus vermittelt, Mathe sei eine Jungen-Domäne und sie wären deshalb nicht so gut in dem Fach. Diese Selbst-erfüllende-Prophezeiung hat bereits Generationen von Männern und Frauen geprägt und solange nichts dagegen unternommen wird, kann die Qualifikation nicht einziges Kriterium bei der Bewerberauswahl sein, sondern das Geschlecht muss miteinbezogen werden.

    • Titel eingeben
      Lieber Gast,
      ich bin die Dame, die die Antwort mit dem Begriff „Jammerartikel“ geschrieben hat. Nett, dass Sie mir unterstellen, auf emotionaler Ebene zu argumentieren, das passiert nicht so oft.

      Sie stellen eine rhetorische Frage: Warum Ungleichheit nicht mit Quoten vermindern?
      Es stellt sich erstmal die Frage, woraus „Ungleichheit“ entstanden ist (Wer beurteilt übrigens „Ungleichheit“?): Gibt es eine zu schwache Nachfrage von Frauen für entsprechende Karriereangebote (wen mache ich dafür verantwortlich?), ist die Arbeitssituation zu unbequem (könnte für Frauen mit Kindern so sein), ist die Konkurrenz zu gross, ist die Kandidatin nicht gut genug (auch das kann es geben, dass Eigenbild und Fremdbild nicht übereinstimmen); das ist nur eine ganz kleine Auswahl an Möglichkeiten. Analysieren und situativ reagieren, wäre der Ansatz, nicht pauschale geschlechterbezogene Bevorzugung oder Benachteiligung. Das unschöne Wort „Quotenfrau“ kommt auch (nicht nur, einverstanden) daher, dass nicht nach transparenten Prinzipien verfahren wird. Die beförderte Frau kann dann darunter leiden, bis hin zu massiven psychischen Problemen.

      Vermittlung des Frauenbildes in der Familie: Wir haben inzwischen, anders als bei uns in den 70ern, viel viel mehr Lehrerinnen. Man sollte doch annehmen, dass diese bemerken, wenn im Elternhaus ein antiquiertes Frauenbild gepflegt wird und entsprechend Einfluss bei den Eltern für das Mädchen nehmen – wie Sie sagen „etwas dagegen unternehmen“ oder „das Übel an der Wurzel packen“ (Lassen Sie uns radikal sein, aber ganz am Anfang, noch bevor der Schaden passiert ist). Wenn Lehrerinnen nicht merken und nicht unterstützen und (logisches „und“) die Mädchen nicht aus sich heraus (intrinsisch motiviert und mit Resilienz gesegnet) sich ihren Platz erkämpfen (aka: den Hintern hochbekommen und sich wehren), dann werden Sie solche Mädchen vermutlich mit weniger hoher Wahrscheinlichkeit an der Uni finden. Für solche armen Hascherl können Sie und ich dann leider nichts tun.
      Die Frauen, die an der Uni sind, was spricht dagegen, dass diese sich ihren Platz erkämpfen, wie jeder andere auch? Warum sollte ich einen guten, begabten und engagierten Mann zugunsten einer mittelmässigen, aber mit hohem Ego ausgestatteten Frau zurückstellen. Sollten beide gleich gut sein, dann kann ich mich auch gleich um beide kümmern, das sollte uns unser Nachwuchs schon wert sein (ich „klopfe“ nicht nur Sprüche, ich war und bin Trainerin und Mentorin und befolge genau diese Linie).

      Egoistische Motive: Glauben Sie ernsthaft, dass nur Männer zu egoistischen Motiven fähig sind? Sie mögen mich wieder emotional nennen, aber ich habe in meinen über 30 Berufsjahren Egoismen von Frauen erlebt, die ich mir nicht so leicht von Männern vorstellen kann.

    • Erklärungen
      eine strukturelle Ungleichheit bedeutet nicht automatisch eine Ungerechtigkeit, die haben Sie auch bei Lehrern/innen und Müllmännern. Das müssen Sie schon trennen. Das ist der Denkfehler bei „affirmative actions“ – nur wenn eine Diskriminierung nachgewiesen wäre, könnte man über „Ausgleichsmaßnamen“ nachdenken. Und selbst hier wäre die Frage, warum dann junge männliche Wissenschaftler Opfer dieser Maßnamen sein sollten – sie haben für den status quo keinerlei Verantwortung. Und sich dagegen zu wehren ist durchaus rational – welcher Gruppe würde man denn sonst verweigern, sich gegen Diskriminierung zu wehren? Dass Berufsoptionen in jungen Jahren aufgezeigt werden sollen – d`accord, ist aber längst usus und eben was ganz anders als Diskriminierung bei Stellenbesetzungen.

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