Blogseminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Der Student mit dem Oscar

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Vor wenigen Monaten gewann der Münchner Regiestudent Alex Schaad die begehrte Trophäe. Führt er seitdem ein neues Leben in Saus und Braus? Wir haben nachgefragt – und zeigen Ausschnitte aus seinem Gewinnerfilm.

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Alex Schaad, winner of the gold medal in the foreign narrative film category for “Invention of Trust,” during the 43rd Annual Student Academy Awards® on Thursday, September 22, in Beverly Hills.© Academy of Motion Picture Arts and SciencesUngläubig: Alex Schaad bei der Verleihung der Studenten-Oscars im September in Beverly Hills.

F.A.Z.: Für deinen Film „Invention of Trust“ hast du im September den Studenten-Oscar gewonnen. Wie war es, mit diesem Preis ausgezeichnet zu werden?

Alex Schaad: Das Gefühl war überwältigend, weil ich eigentlich, bis ich den Preis in der Hand hielt, der festen Überzeugung war, dass irgendwann noch die Nachricht kommt: „Ach fuck, sorry, wir haben einen Fehler gemacht.“ Man liest die ganze Zeit diese Zahlen, zum Beispiel, dass man aus 1800 Filmen unter den letzten zwanzig gelandet ist – und schon das fühlt sich sehr unwirklich an. Mit jeder weiteren Runde denkt man sich dann „Ok, weiter geht es sowieso nicht“. Und dann hast du auf einmal Gold in der Hand. Diesen Preis zu gewinnen war eine unglaubliche Ehre, aber gleichzeitig auch sehr unwirklich.

Hast du dich durch den Preis verändert?

Das Interessante an solchen Dingen ist ja, dass sich für dich persönlich überhaupt gar nichts ändert. Es ist nicht so, dass ich größer, schlanker oder attraktiver geworden wäre. Das Einzige, was sich schlagartig ändert, ist das Bild, das andere Menschen von dir haben, weil du eben plötzlich der Oscar-Preisträger bist. Das ist das Irre, denn eigentlich bin ich immer noch Student, habe immer noch kein Geld, keine Jobs und dazu noch Zukunftsängste, aber gleichzeitig bin ich nun auch der Oscar-Preisträger. Etwas anderes war das mit meiner Arbeit. Direkt nach Los Angeles sind wir in den Dreh zu unserem neuen Film eingestiegen, und da wurde einem der Kontrast erst bewusst. Eigentlich ist es immer noch Studentendrehen: Du hast immer noch nicht genug Geld, um die Leute zu bezahlen oder Motive zu mieten. Aber plötzlich habe ich gemerkt: Die Leute freuen sich, wenn du da bist. Normalerweise ist die Suche nach Drehorten unglaublich anstrengend. Man muss die ganze Zeit betteln, damit einem irgendwer irgendwas gibt. Und plötzlich waren es Reaktionen wie „Ach, ihr braucht mein Haus für eine Woche, ja klar, kein Ding, ich freu‘ mich, wenn ihr hier umsonst dreht.“ Der Ruf hat für den nächsten Film auf jeden Fall extrem geholfen. Plötzlich ist man im Kopf der Leute wichtiger, als man es eigentlich ist. Ich habe jetzt einen kürzeren Draht zu Sendern oder Produktionsfirmen. Man muss aber immer noch für den Erfolg arbeiten, vielleicht sogar härter. Vielleicht schadet mir der vorauseilende Ruf ja auch – das werde ich bei meinem neuen Film jetzt sehen.

Lehrer Michael Gewa, gespielt von Alex‘ Bruder Dimitrij Schaad, erkennt, dass er von einem Internetunternehmen mit seinen eigenen Daten erpresst werden soll – Szene aus dem Oscar-Gewinnerfilm „Invention of Trust“

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Dein neuer Film? Worum geht es da?

Der Film trägt den Titel „Endling“ und es geht um die letzte aktive Kohlezeche im Ruhrgebiet. Diese Zeche schließt 2018 und der Film erzählt die Geschichte eines Bergmanns in seinen 50ern, der durch die Schließung dieser Zeche mit einem totalen Identitätsverlust konfrontiert wird.

Und dieser Film ist auch in deinem Studium entstanden?

Genau, es ist sozusagen mein Drittjahres-Film.

Ihr konzipiert und dreht also jedes Jahr einen Film?

Richtig. Im Endeffekt sind dafür die Semesterferien im Sommer vorgesehen. So haben wir ein Jahr Zeit, unseren Film zu schreiben, das Team zu finden und alles zu organisieren. Was bei den Erst- und Zweitjahresfilmen noch klappt, wird ab dem Drittjahresfilm aber so viel größer, dass man mehr von allem braucht, und alles nicht mehr so ganz hinhaut.

Bei den Dreharbeiten für "Invention of Trust"Bei den Dreharbeiten für „Invention of Trust“

Wie muss man sich denn so ein Filmregie-Studium vorstellen?

Es ist ein extrem praktisches Studium. Die Uni ist in verschiedene Abteilungen aufgeteilt, aber extrem übersichtlich. Pro Jahr werden 50 Studenten aufgenommen und die gliedern sich dann in szenische Regisseure, Dokumentarfilmer, Kameraleute, Produzenten und Drehbuchautoren. Die ersten beiden Jahre sind vor allem von Gruppenunterricht und Grundlagenvermittlung geprägt: Filmgeschichte, technische Aspekte, produktionstechnische Aspekte. Für mich war das eine extrem aufregende Zeit, weil sich in diesen zwei Jahren die ersten Teams bilden, die einem dann beim Erstjahres-Film helfen und meistens auch danach zusammenarbeiten, oft auch neben der Uni.

Generell dreht und arbeitet man sehr viel und hat auch die Möglichkeit, sehr viele Filme zu sehen und sich darüber zu unterhalten. Eigentlich war ich die ersten beiden Jahre kaum zu Hause, sondern eigentlich rund um die Uhr in der Uni und habe alles mitgenommen, was ging. Mit der Zeit wird man aber immer mehr freigelassen. Ab dem dritten Jahr konzentriert man sich vor allem auf sich selbst und die eigene Arbeitsweise. Ab da ist es dir sehr freigestellt, in welche Richtung du gehen möchtest.

Wie bist du Regisseur geworden? War das der lang gehegte Kindheitswunsch oder hat sich das später eher so ergeben?

Eigentlich überhaupt nicht – ich wünschte, ich könnte solch großartige Geschichten erzählen, zum Beispiel, dass ich schon als kleiner Junge davon geträumt habe, aber es würde nicht stimmen. Irgendwas muss man aus seinem Leben machen – und ich war immer schon interessiert an Filmen. Seit ich denken kann, war ich leidenschaftlicher Gucker und habe meine kompletten Jugendjahre damit verschwendet, entweder Filme zu drehen und zu schneiden oder Skateboard zu fahren.

Die digitale Schlinge der Datenkrake zieht sich immer mehr zu. Michael Gewa (Dimitrij Schaad) wird angst und bange.

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Das ist doch keine Verschwendung …

Wie man es halt nimmt. Wäre aus mir ein professioneller Skateboarder geworden, wäre es keine Verschwendung gewesen, aber so hat man sich halt die Bänder gerissen und viel Geld ausgegeben. Fakt ist: Durch das Filmegucken und das leidenschaftliche „Zuschauer sein“ hatte ich irgendwie eine Faszination für den Film. Als Dimitrij, mein älterer Bruder, dann an die Schauspielschule nach München gegangen ist, habe ich über ihn viele Leute kennengelernt, die mir gezeigt haben, dass Filmemachen nicht nur eine Leidenschaft und ein Hobby, sondern auch ein Beruf sein kann. Regisseur ist eigentlich ein viel traditionellerer Beruf, als manche meinen.

Wann kam dann die endgültige Entscheidung, Regisseur zu werden?

Ich habe anfangs nicht einmal gewusst, wer eigentlich Filme macht. In einem Schulpraktikum habe ich dann eine Regisseurin, Steffi Kammermeier, erlebt und das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Ich habe gesehen, dass es auf Filmsets jemanden gibt, der das zwar alles überblickt, aber nichts macht, was man konkret benennen könnte. Ich war wahnsinnig von dieser Frau und ihrer Arbeit fasziniert. Danach war das mein Ziel. Die letzten Schuljahre waren eigentlich nur darauf getrimmt, dass ich Filmregie studieren will. Ich habe dann meine kompletten Abiturjahre damit verbracht, am Tag fünf Filme zu sehen und die Schule zu vernachlässigen, weil ich es ja eh nicht brauchen würde. Zum Glück ist der Plan aufgegangen. Meine Eltern waren auch sehr tolerant. Ihre Einstellung war: „Wenn du es machen willst, bitte. Aber dann sieh zu, dass du gut darin bist.“ Und das war super. Ich rechne das meinen Eltern heute noch ganz hoch an.

Du sprachst gerade von deinem Bruder. Er ist im Ensemble des Gorki-Theaters in Berlin und hat in „Invention of Trust“ die Hauptrolle gespielt – wie war es, mit ihm zusammenzuarbeiten?

Ich muss ihm sehr hoch anrechnen, dass er ein absoluter Profi ist – sobald es um die Berufsaufteilung geht, hören wir auf, Brüder zu sein. Beim Dreh gliedert er sich in diese Hierarchie komplett ein und ich hatte nie das Gefühl, dass er anders ist als andere Schauspieler. Er respektiert mich auf dieselbe Weise, wie es andere Schauspieler tun und ich respektiere ihn auf dieselbe Weise, wie ich andere Schauspieler respektiere. Offenbar muss ich das bisher nicht ganz verkehrt gemacht haben, weil er immer wieder mitspielt.

In einem beeindruckenden Schlussmonolog schwört Michael Gewa (Dimitrij Schaad), mit aller Kraft gegen den digitalen Kontrollverlust anzukämpfen.

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„Invention of Trust“ ist ja ein Social-Media-Thriller. Wie kam der Film eigentlich zustande? Woher hattest du die Idee?

Ich bin Jahrgang 90 und erinnere mich sehr gut an meine Jugend ohne Handys und Internet. Für mich ist diese Zeit auch noch gar nicht lange her. Wenn ich jetzt aber 14- oder 15-Jährige anschaue und realisiere, wie anderes deren Leben aussieht, eine Generation, die von Anfang an damit aufgewachsen ist, das ist etwas, das mich schon seit Längerem beschäftigt hat – wie sehr sich die Jugend verändert hat und wie sehr wir uns als Gesellschaft insgesamt durch das Internet verändert haben. Das auslösende Ereignis war, dass mein Bruder einen Artikel gelesen hat, in dem es hieß, dass jetzt eine Milliarde Menschen bei Facebook sind. Das war krass für uns, weil wir diese Summen, diese globale Vernetzung, unterschätzt hatten. Und wir haben uns dann gefragt: Was, wenn von heute auf morgen alle Informationen, die so generiert werden, öffentlich zugänglich wären? Wie schnell würde das unsere Gesellschaft, unser Miteinander und unser Bewusstsein für Vertrauen verändern? Gäbe es dann überhaupt noch Vertrauen? Das waren die Fragen, die wir uns gestellt haben. Innerhalb von einem Wochenende ist aus diesem Gedankenexperiment dann das Drehbuch entstanden.

Grob zusammengefasst, was ist die Handlung deines Films?

Es geht um einen Lehrer, Michael Gewa, der von einem Internetunternehmen mit der öffentlichen Freigabe seiner Daten erpresst wird. Und er weigert sich, die monatlichen Zahlungen zu leisten, die von ihm verlangt werden und sagt: „Ich will mich nicht erpressen lassen, das juckt doch keinen Menschen, was ihr über mich wisst“. Er muss dann jedoch realisieren, dass dies nicht stimmt und aufgrund der Informationen, die über ihn verfügbar werden, eine Art Flächenbrand entsteht, der sein ganzes bisheriges Leben in Gefahr bringt.

Was war die größte Herausforderung während des Drehs?

Eigentlich der Mangel an Geld. Wir haben den Film in vier Tagen für 2000 Euro gedreht und für 30 Minuten war das eigentlich ein Selbstmord. Es hat zeitlich und finanziell an allen Ecken und Enden nicht gereicht. Aber irgendwie hat es dann funktioniert.

Vielleicht war es ja gerade die Beschränktheit der Mittel, die euch am Ende den Oscar gebracht hat …

Alex Schaad, winner of the gold medal in the foreign narrative film category for “Invention of Trust,” during the 43rd Annual Student Academy Awards® on Thursday, September 22, in Beverly Hills.© Academy of Motion Picture Arts and SciencesSeit 1981 werden bei den Studenten-Oscars drei Medaillen auch in der Kategorie „Ausländischer Film“ verliehen – Alex Schaad gewann Gold, sein Kommilitone Felix Ahrens Silber.

Es hilft tatsächlich extrem. Ich liebe Limitierung, weil ich dann anfangen muss, kreativ zu sein.

Weil wir es gerade schon vom Studenten-Oscar hatten – ein richtiger Oscar wäre schon einmal dein Ziel, oder? Kann man so etwas zumindest ein wenig auch planen, oder hoffst du eher darauf, dass es irgendwann einmal passiert und machst ansonsten dein Ding?

Ach, ich glaube, man kann es in gewisser Weise schon beeinflussen, aber auf keinen Fall planen. Man weiß nie, welche anonyme Masse den Film bewertet. Es gibt natürlich bestimmte Dinge, die ein verträglicheres Zuschauen gewährleisten und von Zuschauern lieber gesehen werden. Am Ende des Tages könnte ich aber so nicht arbeiten. Mir macht es mehr Spaß, das zu tun, wonach mir gerade ist und was ich – als quasi erster Zuschauer des Films – gerne sehen würde. Ganz unabhängig davon, ob dann tolle Preise herumkommen, ist mein Hauptziel, Filme zu machen, die mir selbst gefallen.

Die Oscars stehen jetzt gerade wieder vor der Tür, Maren Ade hat mit „Toni Erdmann“ auch eine Nominierung für den besten fremdsprachigen Film erhalten und natürlich fragen sich alle, wer in der Kategorie „Bester Film“ gewinnt. Was ist dein Geheimtipp? 

Also zuerst einmal freue ich mich wahnsinnig für Maren. Ich fand „Toni Erdmann“ einfach großartig. Ansonsten hatte ich aber das Gefühl, dass es für den Film insgesamt ein relativ langweiliges Jahr war. Ich habe kaum Filme gesehen, von denen ich denke: „Die müssen unbedingt ausgezeichnet werden, weil sie sich etwas Neues getraut haben“ – abgesehen von „La La Land“ natürlich: wundervoll, einfach nur ein toller Film. Damien Chazelle hat sich nicht darauf ausgeruht, möglichst viele gewinnbringende Elemente zu nehmen und in einen Topf zu stecken, sondern hat sie auch noch ganz wunderbar verkocht. Davor kann man nur den Hut ziehen und ich hoffe, dass er seine Kreativität genauso weiter ausleben kann, wie bisher.

Welche Tipps würdest du Regiestudenten oder jenen, die es werden wollen, geben?

So sehr mich die Frage ehrt, eigentlich ist es für mich fast vermessen, Tipps zu geben, weil ich ja selbst nichts weiß. Ich hatte einfach nur Glück. Ohne das als Tipp aussprechen zu wollen: Was mir geholfen hat, war: niemals daran zu denken, was Leuten gefallen könnte. Wenn bei mir eine Idee zündet, aber bei zehn anderen nicht, dann ist es immer noch legitim, den Film zu machen. Im Endeffekt geht es darum, dass ich etwas mache, wohinter ich zu 100 Prozent stehen kann. Ob das dann anschließend zehn Leuten, 100 Leuten oder der Academy gefällt, das kannst du sowieso nicht kontrollieren. Das Einzige, was du kontrollieren kannst, ist, so lange und so hart zu arbeiten, bis du etwas hast, worüber du froh bist, es gemacht zu haben. Nicht auf Erfolg zielen, sondern auf ein Üben zu zielen, das ist mir wichtig. Jeder Film, den ich mache, dient eigentlich nur dem nächsten. Die Fehler, die ich in diesem Film mache, mache ich im nächsten Film dann hoffentlich nicht mehr und so weiter.

HANDOUT - Alex Schaad von der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF, undatierte Aufnahme). Wie die Oscar-Akademie in Beverly Hills am 30.08.2016 mitteilte, steht sein Film «Invention of Trust» neben zwei weiteren deutschen Beiträgen im Finale der Studenten-Oscars. Die Trophäen in insgesamt sieben Kategorien werden am 22. September in Kalifornien verliehen. Foto: HFF München/Schaad/dpa (zu dpa "Oscars für Nachwuchsregisseure - Drei deutsche Filme unter den Gewinnern" - ACHTUNG: Verwendung nur für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studenten-Oscars 2016 und nur bei Urheber-Nennung Foto: HFF München/Schaad/dpa) +++(c) dpa - Bildfunk+++ |© dpaDeutschlands derzeit jüngster Oscar-Preisträger wurde 1990 in Kasachstan geboren: Alex Schaad

Eine Frage zum Ende: Was steht als nächstes für dich an? Was sind deine Pläne in den nächsten Monaten und Jahren?

Im Moment wird erst einmal mein neuer Film „Endling“ fertiggestellt. Das dauert jetzt noch eine knappe Woche, und danach starten wir damit in eine neue Festivalsaison. Ansonsten fängt jetzt so langsam das Berufsleben an. Das Studium spielt eine immer kleinere Rolle im Alltag und jetzt muss ich schauen, wie ich von diesem Job leben kann. So banal und unromantisch das auch klingt, es ist jetzt einfach der Alltag, der auf mich zukommen wird. Der nächste große Schritt wird dann der Debütfilm, also der erste Kinofilm, sein. Im Moment habe ich viele Baustellen und es geht nun darum, zu arbeiten, weiterzumachen, so lange es geht und die Füße tragen.

Macht dir die Aussicht auf den Arbeitsalltag Sorgen? Filmregie ist in finanzieller Hinsicht ja nicht unbedingt der sicherste Beruf.

Ehrlich gesagt, theoretisch ja, aber wir leben in Deutschland und was kann dir in Deutschland schon passieren? Das Schlimmste, was mir hier passieren kann, ist das ich von einer Dreizimmerwohnung in eine Einzimmerwohnung ziehen muss. Ich werde niemals auf der Straße sitzen oder Hunger leiden müssen. Wir sind in einem Land, das eigentlich toll ist, um Kunst machen zu können, weil wir nichts zu befürchten haben. Klar, macht es einem ein bisschen Sorgen, weil man ja gerne gut leben können möchte. Im Endeffekt habe ich aber keine Angst, weil irgendwas schon klappen wird. Ich glaube, ich bin als Mensch talentiert genug, dass ich immer irgendetwas finden werde – und wenn es nicht Film ist, mein Gott, dann wird es eben etwas anderes sein.

Die Fragen stellte Felix Simon.

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2 Lesermeinungen

  1. Nur zu, Alex
    Durch Leidenschaft, Imagination und harte, aufopferungsvolle Arbeit zum Ziel, das diesmal erfolgsgekrönt war. Verschiedene Dinge gehören wohl zu Alex‘ Erfolgskonzept. Eine gewisse angstfreie Besessenheit gehört wohl dazu, die Lust, fast Wut zu schauen. Sol bildete sich ein Sehmensch. Aber auch jemand, der dieses Sehen umsetzen wollte in kreatives Schaffen. Dann Tribut an eine Frau: die Regisseurin Steffi Kammermeier, die für ihn ein Schlüsselerlebnis wurde. Aber neben solcher Inspiration scheint Alex auch das Handwerkliche und Professionelle zu schätzen. Und er ist, was sein Budget anbelangt, erfindungsreich, wenn ihn der Mangel an Geld und Mitteln zum Improvisieren antreibt und zu neuen Lösungen zwingt. Er lässt sich nicht leicht unterkriegen. Der Mann mit der Kamera, der auf Überblick aus ist, der Regisseur als künstlerischer Leiter und Projektretter. Ihm ist zu seinem Oscar-Erfolg zu gratulieren. Die drei Ausschnitte des preisgekrönten Films, die dem Interview beigegeben sind, haben mich nicht umgeworfen, besonders die Zertrümmerung des Laptops fand ich zu dramatisch und die Schlussansprache zur deklamatorisch, obwohl das natürlich ein sehr brisantes Thema ist, wie das Internet zu einer Gefahr und Falle und Tötungsmascshine für den Einzelnen werden kann. Dann also doch ein packender Film mit dem schauspielerisch sehr guten Bruder von Alex, Dimitrij Schaad, der auf coole Art ausdrucksstark und überzeugend wirkt.
    Nur weiter so, Alex. Viel Glück für die Zukunft als Regisseur!

    • Den Kritikpunkt von Peter Beicken finde ich interessant und es ist glaube ich etwas dran: der Monolog ist wirklich sehr pathetisch. Umso erstaunlicher, dass Dimitrij Schaad, der ja am Drehbuch mitgeschrieben hat, ihn sich quasi selbst vorgelegt hat. Das Erstaunlichste aber ist, was er draus macht. Wirkt für mich wie ein Experiment, das zeigen soll, wie viel Theorie und Abstraktheit man durch Intensität transportieren kann, wenn man es sich traut. Und die Kamerafahrt dabei ist natürlich eine Sache für sich.

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