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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Geisteswissenschaftler an die Macht

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Bertelsmann bildet neuerdings gezielt Geisteswissenschaftler zu Führungskräften aus.  Geschieht das aus Überzeugung – oder mangels Alternativen? Wir haben mit dem Entwickler des Programms gesprochen.

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rose© privatDr. Nico Rose ist Diplom-Psychologe und wurde an der EBS Business School (Wiesbaden) in BWL promoviert. Seit 2015 ist er Head of Corporate Employer Branding, University Relations & Recruiting Programs

F.A.Z.: Herr Rose, im neuen „Creative Management Program“ sollen Geisteswissenschaftler in einer 20-monatigen Trainee-Ausbildung auf Führungsaufgaben vorbereitet werden. Welche Menschen hat Bertelsmann da als „Geisteswissenschaftler“ vor Augen?

Nico Rose: Die Ausgangsfrage ist, warum sich jemand für ein bestimmtes Studium entscheidet und was das über den Menschen und darüber aussagt, wie er Entscheidungen trifft. Ein Stichwort, das in unseren Überlegungen immer fiel: Leidenschaft für kreative Inhalte. Ich weiß, jetzt verfällt man schnell in Schablonenaussagen, weil es natürlich auch kreative BWLer und Juristen gibt. Anders als in solchen tendenziell karriereorientierten Fächern halten wir das intrinsische Interesse an Kreativität bei Geisteswissenschaftlern aber für höher. Und das ist bei uns, die wir als Medienkonzern nicht Autos, sondern im Kern Geschichten verkaufen, ganz wertvoll.

Heißt konkret, Geisteswissenschaftler bringen eine überdurchschnittliche Leidenschaft mit und genau die wird bei Bertelsmann gebraucht?

Manche Menschen haben zu Studienbeginn einen späteren Karriereverlauf vor Augen. Geisteswissenschaftler meist weniger. Stattdessen sind sie vor allem durch die Begeisterung für Inhalte, durch Interesse am Fach getrieben. Zum anderen steht bei Geisteswissenschaftlern die Beschäftigung mit Text und Sprache im Vordergrund. Somit gibt es eine direkte Verbindung mit unserem Kernprodukt bei Bertelsmann, wo es um die Liebe zur Sprache, die Fähigkeit, Sprache zu analysieren und zu verstehen, natürlich auch Texte zu produzieren, geht. Diese Ausrichtung vermuten wir beim gemeinen BWLer – auch wenn ich da leider nicht umhinkomme, zu verallgemeinern – einfach weniger.

… auch beim gemeinen Informatiker oder gemeinen Physiker?

Ja, ich würde sagen, dass die sich im Zweifel eher auf Zahlen und Formeln stürzen. Informatiker brauchen wir natürlich an vielen Stellen, Physiker oder Ingenieure bei Bertelsmann hingegen weniger. Wir unterscheiden grob zwischen den „Business-Menschen“, meist mit BWL-Hintergrund, und unseren „Spezialisten“, die Inhalte im Fernsehen, in Zeitschriften, in Büchern oder der Musik produzieren. Das sind ja seit jeher überwiegend Geisteswissenschaftler.

25-11© Screenshot Bertelsmann-HomepageZieht das Geisteswissenschaftler oder einfach nur Management-Talente an?

Und das einzige Kriterium für die Trainee-Bewerbung lautet, Geisteswissenschaftler zu sein? Kann ich also auch als Experte rätoromanischer Liebeslyrik Manager bei Bertelsmann werden?

Ein paar konkrete Anforderungen gibt es schon in der Ausschreibung. Da wir es dezidiert als „Management-Programm“ bezeichnen, erwarten wir, dass die Leute nach der Ausbildung recht schnell in eine eher generalistische Rolle hineinwachsen. Ob man danach strebt, ist deshalb entscheidend – nicht, ob man Altgriechisch, Soziologie oder Journalistik studiert hat. Heißt, vereinfacht gesagt: Wir suchen mit dem Programm nicht den nächsten GEO-Chefredakteur, sondern den potentiellen Verlagsgeschäftsführer. Also Leute, die auf lange Frist eher kaufmännisch als klassisch inhaltlich, das heißt nah an ihrem Studienfach, arbeiten wollen. Und dafür müssen Bewerber natürlich einige Erfahrung aus Praktika oder Nebenjobs in einem gewinnorientierten Betrieb mitbringen, wo die Dinge einfach anders laufen als in Stiftungen oder NGOs.

Dann gilt hier doch genau das, was man oft hört: Nach fünf Jahren Studium zählt nur der Abschluss. Was man in den fünf Jahren gelernt hat, spielt kaum eine Rolle.

Es gibt Bereiche wie die Fahrzeugkonstruktion oder Laborarbeit, wo Ingenieure beziehungsweise Chemiker nah an dem bleiben, was sie im Studium gelernt haben. Aber häufig, da haben Sie recht, geht es eher um, sagen wir, Metakompetenzen, die man an der Uni erworben hat. Und hier unterscheiden sich Geisteswissenschaftler in unseren Augen von Studenten anderer Fachrichtungen: Etwa in der Frage, wie sie Probleme strukturieren, oder allein schon, welche Probleme sie interessant finden. Oder wie sie zur Lösung kommen. Da kann ich aus eigener Erfahrung berichten, denn das einzige, was ich aus meinem Psychologiestudium heute noch nutze, ist eine bestimmte Denkweise, mit der Psychologen an Probleme herangehen, zum Beispiel durch Experimente. Es ist dann aber nicht Bertelsmann-spezifisch, seinen Niklas Luhmann-Schwerpunkt im Trainee-Programm nicht mehr anzuwenden, sondern einfach wirtschaftsspezifisch.

Verständlich, aber natürlich ernüchternd.

Jemand, der im Studium sehr viel mit Textproduktion, Textanalyse oder audiovisuellen Inhalten zu tun hatte, kann das bei uns schon unmittelbar anwenden. In unserem Trainee-Programm durchläuft man vier Stationen à fünf Monate. Wer dabei in geisteswissenschaftlich-nahen Bereichen eingesetzt werden will, etwa in der Hörfunkredaktion oder im Verlagslektorat, kann das tun. Je nach Wunsch ist umgekehrt aber auch der Einblick ins Controlling oder ins Sales-Geschäft möglich. Nur: Im Kern geht es um Führungspositionen. Und da ist man von den Inhalten per se distanziert, da geht es primär um Menschenführung – etwas, was ich zumindest nicht gelernt habe im Studium.

Ist denn nicht genau das ein Widerspruch? Dass man entscheidende Charaktereigenschaften nicht im Studium erlernt, sondern, wenn überhaupt, schon vorher hat?

Wenn man, was wir gemacht haben, das Führungspersonal der verschiedenen Bertelsmann-Unternehmen ansieht, stellt man womöglich überrascht fest: Viele weisen gar keinen klassischen BWL-Hintergrund auf. Zum Beispiel hat Julia Jäkel, die Gruner+Jahr leitet, unter anderem Politik studiert. Oder nehmen Sie den Geschäftsführer des Fernsehsenders VOX, der auf Lehramt Sport und Englisch studiert hat. Die Liste ließe sich fortsetzen. Mit diesen Kollegen haben wir darüber gesprochen, was ihnen bei jungen Talenten wichtig ist. Die Antwort, die immer kam: Die müssen brennen, die müssen Leidenschaft haben für gute Geschichten! Und als Antwort auf die Frage, wie sie auf ihrem Weg Erfolg hatten, fiel immer wieder das Stichwort der Intuition.

Wie muss man das verstehen?

5540067 (2259) Kundin vor Regal im Geschäft von Der Club BERTELSMANN im Europacenter in Berlin am 11.01.2005. Store of Club BERTELSMANN. | Verwendung weltweit© dpaWoher kommt der Riecher für Erfolgsbücher? Bertelsmann-Angebot im Berliner Europacenter

Im Verlagsgeschäft rettet nicht selten ein Buch-Bestseller das betriebswirtschaftliche Ergebnis, wenn man mit zehn, zwanzig anderen Werken kaum Geld verdient. Gleiches gilt fürs Fernsehen, wo eine besonders erfolgreiche Serie die Bilanz verschönert, wo andere Produktionen nicht so gut laufen. Was ich damit sagen will: Die Fähigkeit, zu erkennen, welcher Stoff, welche Geschichte, ein Hit werden könnte, hat wahnsinnig viel mit Bauchgefühl und damit zu tun, sich für eine Sache zu begeistern und sich auch mal gegen die Ratio für etwas zu entscheiden.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Der schon genannte VOX-Chef, Bernd Reichart, ist gleichzeitig auch Executive Producer der Serie „Club der roten Bänder“, die gerade in der zweiten Staffel läuft. Darin geht es um eine Kinderkrebsstation – eigentlich kein Thema, mit dem man vermuten würde, Massen vor die Bildschirme zu bekommen und den Grimme-Preis abzuräumen. Haben wir aber.

Nicht immer passt das gewählte Studium zum Grad der Intuition, den jemand mitbringt. Unzählige große Schriftsteller haben ja mit Jura ein wenig kreatives Studium betrieben.

Zu unserer Abgrenzung, wer überhaupt „dazugehört“: Mathematiker gehören streng genommen auch zu den Geisteswissenschaftlern. Beworben hat sich allerdings kaum einer. Juristen hätten wir in der Tat aufgenommen, da gab es aber nur wenige Bewerbungen. Nun zur Frage: Klar, man kann auch als Informatiker Begeisterung für Literatur entwickeln. Aber ich als Psychologe würde mit Wahrscheinlichkeiten argumentieren. Und das spricht eindeutig für Geisteswissenschaftler. Was mir ganz wichtig ist: Es gibt ja wahnsinnig viele Klischees über Geisteswissenschaftler. Darüber, was sie können oder, besser gesagt, nicht können; dass sie am Anfang wenig verdienen und noch unzählige Praktika machen müssen. Weil das unseres Erachtens Quatsch ist, haben wir dieses Angebot mit der Botschaft formuliert: Hier bei uns, liebe Geisteswissenschaftler, seid ihr genau richtig und nicht bloß Exoten. Wir brauchen die Geisteswissenschaftler wirklich und wenn nicht wir so ein Programm auflegen, wer dann?

Fußt denn dieser Entschluss auch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen? Oder vorwiegend ebenfalls auf geisteswissenschaftlicher Intuition?

Eine wissenschaftliche Untersuchung haben wir nicht in Auftrag gegeben, nein. Aber natürlich wissen wir, dass es bei uns im Bereich der Inhalteproduktion viele Geisteswissenschaftler gibt.

Haben die übrigen Geisteswissenschaftler bei Bertelsmann bis vor kurzem ihre Vergangenheit versteckt?

Das Wort "Creativity" steht am 10.09.2014 in Berlin während der Bertelsmann Party in der Hauptstadt-Repräsentanz Unter den Linden an einer Wand. Foto: Jens Kalaene/dpa | Verwendung weltweit© dpaDas zentrale Schlagwort auch auf Bertelsmann-Partys in der Hauptstadt-Repräsentanz des Unternehmens

Wir planten seit 2014 ein neues Trainee-Programm, das einzigartig am Markt sein sollte. Erst dabei sind wir durch systematische Recherche auf den fachlichen Hintergrund unserer Führungskräfte gekommen. Denn, ganz ehrlich, wer seit 20 Jahren im Unternehmen ist und verschiedene Trainings durchlaufen hat, ist vom Gestus oder Habitus nicht mehr automatisch als Geisteswissenschaftler zu identifizieren. Auch wenn man sich nachweislich als solcher durchsetzen konnte, wollen wir es den neuen, jungen Führungskräften leichter machen und ihnen etwas Starthilfe geben. Mit den Unternehmensrankings gab es aber auch noch einen zweiten, wirtschaftlichen Grund, das Programm ins Leben zu rufen. Bei BWLern ist der Wettbewerb extrem hoch, hier stehen häufig bekannte Consumer-Marken wie Audi, BMW und Google als Wunscharbeitgeber ganz vorn. Die Medienbranche als Ganzes hat hier in den vergangenen Jahren ein wenig an Attraktivität eingebüßt. Unter Geisteswissenschaftlern, die in vielen dieser Rankings erst seit gut zwei Jahren gesondert ausgewiesen werden, steht Bertelsmann hingegen hoch im Kurs. Wenn diese jungen Menschen also zu uns wollen, sagten wir uns, warum sie nicht auch gezielt als Führungsnachwuchs ausbilden? Warum immer ausschließlich an den Business Schools vorbeischauen?

Polemisch könnte man sagen: Jetzt, wo die BWLer nicht mehr kommen, muss sich Bertelsmann mit den Geisteswissenschaftlern abfinden.

Die Geisteswissenschaftler sind ja sowieso schon gekommen. Nun möchten wir ihnen bessere Chancen bieten – Chancen, die es früher womöglich nicht gab, weil man sich Managerpositionen schlichtweg nicht zutraute. Führungskräfte mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund haben uns gesagt, sie hätten sich trotz ihres Studiums durchgesetzt. Das soll sich in ein wegen ändern.

Also revolutionieren jetzt Geisteswissenschaftler den Laden?

Darüber können wir uns dann in zehn Jahren unterhalten. Wir haben es hier mit einem Pilotprojekt zu tun. Erst einmal müssen wir schauen, welche Art von Jobs die Leute im Anschluss an die 20 Monate bekommen. Wenn Sie mich persönlich fragen: Natürlich hoffe ich, dass die Leute jene Teile des Unternehmens umkrempeln, die umkremplungswürdig sind. Wir brauchen Menschen, die mit Leidenschaft an den Erfolg einer Geschichte glauben, die sich im Vorfeld scheinbar nicht rechnet.

Klingt wie ein Glaubenskampf zwischen Überzeugung und Zahlen.

Das ist etwas überhöht, ja, aber die Richtung stimmt. Die Kollegen von Gruner+Jahr haben im letzten Jahr mit dem Magazin Barbara, zugeschnitten auf die Person Barbara Schöneberger, ein Experiment gewagt, das es so bislang noch nicht gab in Deutschland. Wir sind also ein wirtschaftliches Risiko eingegangen, für das ein verantwortlicher Mitarbeiter ein Budget freigeben muss. Wenn dieser Chancen und Risiken zu quantifizieren versucht, muss er beispielsweise auf Marktforschung zurückgreifen – klassische Aufgabe des rechnenden BWLers. Doch weil man wegen fehlender Vergleichswerte nicht beweisen kann, dass sich ein solches Experiment rechnet, bleibt nur übrig, daran zu glauben – und natürlich auch dafür gerade zu stehen, wenn es schiefläuft.

Nachdem die Bewerbungsfrist nun seit ein paar Tagen abgelaufen ist – haben Sie bekommen, wen Sie wollten?

Wir haben knapp 700 Bewerbungen erhalten, das hat uns von der Zahl her – obwohl auch hier ein Vergleichswert fehlt – durchaus positiv überrascht. Denn wir haben die Latte in der Ausschreibung recht hoch gehängt. Die Bewerber sollten zu den Besten eines Jahrgangs gehören und praktische Erfahrungen im Wirtschaftsbereich nachweisen. Was sich bereits sagen lässt: Von der Münchener LMU und der HU Berlin kamen die meisten Bewerbungen. Inhaltlich war nichts dabei, was es nicht gibt. Einige Soziologen und auch ein paar, die auf Lehramt studiert haben, fanden sich darunter, vor allem aber natürlich viele Kommunikations- und Sprachwissenschaftler, einfach weil ein Medienkonzern deren natürliches Terrain ist.

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12 Lesermeinungen

  1. Affinität zum Job kann auch bei Führungskräften nicht verkehrt sein
    Im Grunde nur folgerichtig, dass man im Verlagswesen per Trainee-Programm eher aus dem Pool der Geisteswissenschaften (Germanisten, Kunstgeschichte …) Führungskräfte heranzubilden versucht. Absolventen der MINT-Fächer werden sich kaum in einem Verlagshaus verlieren.

  2. Titel eingeben
    Naja, als ein entschiedene Neuerung in der Personal- und Rekrutierungspolitik wirkt das Ganze ja nicht, wenn der primäre oder priorisierte Adressatenkreis nun ausgerechnet aus „KommunikationsWissenschaftlern“ besteht. Und ich wage zu bezweifeln, dass diese Konfliktmanager und Verkaufsoptimierer mit Kenntnis von Kommunikationsmechanismen von Philologen oder sonstigen Passionierten als ihresgleichen angesehen werden, die um der Fach-Begeisterung willen auf hochdotiertes Salär verzichten.

  3. In der Not frisst der Teufel Fliegen
    Die Paradigmen und Karrierenetzwerke in Bertelsmann Konzern werden sich durch solche Ankündigungen nicht fundamental geändert haben. Aus der nachvollziehbaren Sicht der Konzernstrategie geht es mit dieser Aktion ausschließlich darum, in Zeiten des fehlenden Management Nachwuchses ausreichend Ressourcen mit dem erforderlichen Potenzial für sich zu reservieren. Dass damit auch der eine oder andere Geisteswissenschaftler eine Chance haben wird, ist eher ein Kollateralschaden, als die im Flyer und durch smarte Medienleute verkaufte frohe Botschaft. Mit anderen Worten: gäbe es genug Fachleute, wäre diese Aktion sicher nicht ins Leben gerufen worden. Zusammengefasst ist das ganze kalter Kaffee und damit nicht der Rede wert.

  4. Einer zieht den anderen nach.
    Bauchentscheider stehen auf Bauchentscheider und mögen keine Menschen die der rationalen Vernunft folgen. Mal sehen wie weit man kommt. Könnte spannend werden.

    • Titel eingeben
      Und „Vernünftige“ mögen offenbar keine Menschen, die wissen, dass es für die Umsetzung neuer Geschäftsideen oftmals Risikobereitschaft braucht – auch gegen nur bedingt aussagekräftige Marktanalysen

  5. Tunnelblicke
    Wenn Bertelsmann Sprache als seinen legitimen Objektbereich ansieht, dann ist es folgerichtig, seinen Fokus auf Geisteswissenschaftler zu richten.

    Wenn ich aber lese:

    „Und hier unterscheiden sich Geisteswissenschaftler in unseren Augen von Studenten anderer Fachrichtungen: Etwa in der Frage, wie sie Probleme strukturieren, oder allein schon, welche Probleme sie interessant finden. Oder wie sie zur Lösung kommen. Da kann ich aus eigener Erfahrung berichten, denn das einzige, was ich aus meinem Psychologiestudium heute noch nutze, ist eine bestimmte Denkweise, mit der Psychologen an Probleme herangehen, zum Beispiel durch Experimente.“

    dann ist das grober Unfug oder bestenfalls Ergebnis eines weiteren unzulässigen Tunnelblicks. Ein Informatiker in seiner Rolle als Systemanalytiker würde bei solchen Sätzen nur mitleidig lächeln.

    MfG

  6. Geisteswissenschaft
    Interessanter Sinneswandel. Vor 25 Jahren musste man als Geisteswissenschaftler mit Sonderantrag studieren, wenn man Kunstgeschichte im Hauptfach und BWL im Nebenfach hatte. “ Was wollen Sie damit machen“ war meistens die Frage.

  7. BWL eine Naturwissenschaft?
    Als BWL’er wundert man sich über diesen Artikel. In meinem Leben war die BWL schon immer eine Geisteswissenschaft, während die Mathematik natürlich eine Naturwissenschaft ist. Man kann das aber offensichtlich auch anders sehen.

    • Mathematik ist eine Hilfswissenschaft ...
      … Sie zählt nicht zu den Naturwissenschaften, weil ihr Untersuchungsgegenstand nicht die Natur ist. Man könnte sagen, sie ist ein Zwitter zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften.

  8. fooledbyrandomness
    Niemand kann erkennen, ob ein Bestseller ein Bestseller wird, auch ein Geisteswissenschaftler nicht.

    Man lasse daher aus dem Stapel der unverlangt eingesandten Manuskripte den Pförtner ein paar Exemplare ziehen und gebe sie in Druck.

  9. Führungskräfte mit Fachhintergrund sind wichtig
    Klar, Bertelsmann verkauft geisteswissenschaftliche Produkte. Daher halte ich es für richtig, wenn solche Leute ein darauf bezogenes Unternehmen führen. Denn diese können viel mehr eine Vision, eine Vorstellung von Neuem und wahrscheinlich auch öfter mal ein richtiges „Bauchgefühl“ haben.
    Genauso ist das bei Firmen, die technische Produkte verkaufen, hier müssen die Ingenieure führen. In der chemischen Industrie sind Chemiker gefragt. Nur sie haben im Zweifel das richtige Gefühl, die Einschätzung des Machbaren. Exakt so habe ich das auch gerade beruflich erlebt. Viel Überzeugungsarbeit war im Vorfeld zu leisten, um die fachfremden „Führungskräfte“ zu überzeugen. Völlig klar war nichts, viele Fragen waren ungeklärt, das brauchte ich zum Glück nicht alles davon preis zu geben. Ich hatte den Eindruck, dass es geht und es ist gegangen, sogar viel besser als gedacht. Jetzt sind alle überzeugt.
    Juristen waren im ganzen nur Sand im Getriebe, völlig überflüssig. BWLer hatten zwar lange vorher eine Entscheidung getroffen, das billigste zu nehmen, aber nicht gesehen, dass sie im Endeffekt das teuerste ausgewählt hatten. Dass es sich dann sogar zum weitaus besten Ergebnis bringen ließ, das ist unser Geheimnis, aber auch unser Erfolg – der Fachleute. Fachleute mit Führungskompetenz – das ist und bleibt das beste, was es für ein Unternehmen geben kann.

  10. Verlagsleute, eine Gattung sui generis
    In einem Medienunternehmen arbeiten i.d.R. vorwiegend „Exoten“ und mit denen kämen Naturwissenschaftler und Ingenieure etwa wie man sie aus der Flugzeugindustrie kennt kaum klar – würden dort auch kaum eine berufliche Erfüllung finden mit Ausnahme vielleicht im technischen Bereich (Beispiel: Druckerei).

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