Home
Blogseminar

Blogseminar

Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Kann man das noch Lesen nennen?

| 9 Lesermeinungen

Das Wort-für-Wort-Lesen ist von gestern, was in Klammern steht, ist unwichtig und akademische Texte sind größtenteils Geschwätz. Mit Aussagen wie diesen werben Schnell-Lese-Seminare. Wir haben eines ausprobiert.

***

A handout photo released by ?One green bena? photo of speed readers reading American author Dan Brown?s latest novel The Lost Symbol, which went on global sales this morning, in Sydney, Australia, 15 September 2009. A speed reading contest, coinciding with the international release, was held to find the fastest person to read the book and subsequently provide the first review. EPA/JAMES MORGAN / ONE GREEN BEAN / HO HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES +++(c) dpa - Report+++ |© dpaSpeed-Reader bei hingebungsvoller Bestseller-Lektüre

Schneller lesen. Klingt zuerst absurd – so wie: eleganter putzen, bewusster schlafen. Gibt es ja auch nicht. Lesen ist doch etwas Schönes, soll Spaß machen, bilden, politisieren. Wie eine aufregende Reise in unbekanntes Gebiet. Eine naive Vorstellung? „Du gewinnst zwei Monate Lernzeit pro Jahr bei doppeltem Lesetempo“, steht da knallhart auf einem Plakat – und auf einmal wird der Zwang, der ab und an (oder, je nach Studier- und Arbeitsbedingungen, sehr häufig) mit dem Lesen verbunden ist, ganz manifest und spürbar.

Die Firma „Improved Reading“, die beispielsweise mit dem „Career Center“ der Frankfurter Uni kooperiert, bezeichnet sich als den „Marktführer im Bereich des Erwachsenen-Lesetrainings für Business und Hochschulen“ und verspricht viel, vor allem Abhilfe. Das mag man als Tendenz zur Quantifizierung und Neurowissenschaftsgläubigkeit oder als neoliberale Selbstoptimierung und den Beweis der endgültigen Kapitulation auch der Geisteswissenschaften vor dem Primat der freien Wirtschaft beklagen – aber die Existenz und Verlockungskraft solcher Ansagen lässt sich nicht bestreiten.

Sie treiben Studierende in die Kurse, auch wenn ein zweitägiges Seminar 220 Euro Teilnahmegebühr kostet (für Uni-Mitarbeiter 290, für alle anderen 390): „Sie erhöhen Ihr Lesetempo deutlich (über 80% unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer steigern es auf mehr als das Doppelte). Auch Ihr Textverständnis steigt – oder lässt sich zumindest halten. Ihre ‚Effective Reading Rate‘ wird gemessen und die signifikante Verbesserung sichtbar.“

Kein Leerlauf wurde angekündigt

Schneller, mehr, und auch noch gründlicher lesen? Ich melde mich zu einem solchen Training an, auch wenn „Effective Reading Rate“ nach Business-Buben-Banker-Bullshit klingt. Aber: zwei Monate Lernzeit, wie es auf dem Plakat hieß? (Wenn man bedenkt, dass ich wahrscheinlich nur zwei Wochen wirklich „lerne“, würde mein Jahr fortan dreizehneinhalb Monate dauern.)

Ich teste meine Lesezeit zu Hause am Schreibtisch. Neutraler Vorher-Nachher-Vergleich. Zuerst: vorher. Ich beginne mit einem kurzen Artikel aus einer Lokalzeitung, zufällig mit „Google News“ gefunden: „Der Wildunger Stadtwald ist bunt, gesund und lukrativ“. 1.400 Zeichen oder 190 Wörter, ich brauche genau 40 Sekunden. Nun etwas Anspruchsvolleres: eine Rezension der neuen Netflix-Serie „Dirk Gentlys holistische Detektei“ – 700 Wörter, 160 Sekunden. Zum Abschluss Seminarlektüre, ein Kapitel aus Kafkas „Prozeß“, „Der Prügler“: 2300 Wörter, 420 Sekunden. Wie gleichförmig die Texte auf einmal erscheinen, wenn man sie nur mit Zahlen fasst!

DEUTSCHLAND, FRANKFURT, 11.10.2001, Computermaus mit Bücherstapel. Buchmesse 2001. | Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.Bücherstapel zum Weglesen

Da ich noch nie samstagmorgens auf dem Campus war (oder überhaupt irgendwo anders als im Bett), bin ich verblüfft und fasziniert von der Klarheit der Farben und Stimmen und der Leere, die durch Schwangere, Jogger, und schwangere Jogger keuchend unterbrochen wird. Weil ich vergessen habe, wo das Training im Hörsaalgebäude stattfindet, lalle ich dem Pförtner gedankenverloren entgegen: „In welchem Traum ist Lesen?“

Ich betrete einen Raum mit dreizehn großzügig plazierten anderen. Jeder hat ein rotes Arbeitsbuch zum Reinschreiben, ein blaues mit „Verständnistests“, einen äußerst spitzen Bleistift, ein das „Schneller lesen“-Buch bei Rowohlt bewerbende Lesezeichen, das Buch „Jack London Meistererzählungen“, einen Band mit den Werken „Zwei alte Frauen“ und „Das Vogelmädchen“ der in Alaska lebenden Autorin Velma Wallis, einen orangen Ergebnisbogen und ein beiderseitig beschriftbares Namensschild vor sich.

Vorne steht die Trainerin, dynamisch, aktiv. Ihre Postergirlqualitäten kamen schon in einem riesigen Werbebanner zur Geltung, das einen Teil des Hörsaalzentrum-Treppenhauses schmückt. Wir reden uns alle mit Vornamen an. Um sie herum stehen ein Flipchart, ein Stapel aus grauen Pappkisten mit einer großen Stoppuhr drauf, die Ziffern rot; großflächige Projektionsmöglichkeiten an den Wänden, ein Pult und ein Haufen Unterlagen. Schon geht es los, kein Quäntchen Konzentration darf verloren gehen. „Straffes Programm“ und „kein Leerlauf“ wurden angekündigt.

Wie ist deine Reads-per-Minute-Rate?

Das Versprechen wird eingelöst. Auch sprachlich strebt die Trainerin eine Atmosphäre von geschäftsmäßiger Effektivität an, spricht von „Commitment“ und „Keyfacts“ und kaut Kaugummi. Während der gesamten nun folgenden 15 Lesestunden lässt sie keinen einzigen Moment zu, in dem Zweifel daran entstehen könnten, dass sie nicht glaubt, was sie sagt.

Zuallererst das: Nicht nur „schneller-höher-weiter“ sei das Ziel des Kurses, sondern auch mehr Motivation für das Lesen zu entwickeln und dabei mehr zu verstehen. „Der Augenzug“, damit meint sie die Blickführung beim Lesen, auf die das Training zielt, „der Augenzug fährt voran“, sagt sie, „aber dadurch nimmt auch der Verständniszug immer mehr Fahrt auf“.

Erklärvideo von „Improved Reading“

Am Verständniszug hapert es bei vielen, wie sie in der Vorstellungsrunde sagen. Die meisten der 14 Teilnehmer studieren Wirtschaftswissenschaft, Jura oder technische Fächer; es gibt zwei Winzer und zwei Frauen, die Wiwis tragen Partnerlook. Statt von „Uni Frankfurt“ sprechen sie tatsächlich von „der Goethe“, das wollte ich immer schon einmal im Satz gesagt hören. Die einzigen genannten Autoren, für deren Lektüre das Training einmal dienen soll, sind Stieg Larsson und Ken Follett.

Außerdem  haben manche schon das Rowohlt-Buch gekauft (und, natürlich: gelesen), kennen gar ihre Lesegeschwindigkeit – in Wörtern pro Minute, abgekürzt „WpM“, der Einheit des Erfolges. Das klingt technisch, ein bisschen wie „BpM“, Beats per Minute. Wenn es davon zu viele werden, zum Beispiel bei Techno, drohen Herzinfarkte, wird kolportiert. Ob das auch bei den WpM droht? Für diesen Fall steht Stärkung bereit: Müsliriegel, Clementinen, übergelaufener Kaffee in Plastikbechern.

Warum „Bibliothek“, wenn auch „Bi…“ reicht?

Zweihundert Wörter pro Minute lese ein durchschnittlicher Deutscher und verstehe dabei 55%, lernen wir. Moment mal: Wie stellt man fest, dass jemand 55 % eines Textes versteht? Spricht er danach zu 55% klug über das betreffende Thema? Entnimmt man seinen Äußerungen 55% Belesenheit? Aber sicher nicht 54% oder 62%?

Nein, das läuft hier über Multiple-Choice-Tests am Ende der Lektüre. Zu Beginn, am Ende und nach den verschiedenen Übungsabschnitten gibt es „Verständnistests“ zu zwei- bis dreiseitigen Texten. Lesen, auf die große Stoppuhr schauen, Geschwindigkeit messen, „WpM“-Quote errechnen, Fragen beantworten, Verständnisquote ermitteln. Daraus ergibt sich dann am Ende die alles entscheidende Masterzahl: die „Effective Reading Rate“. Ich steige mit 276 Wörtern pro Minute und 70% Verständnisgrad ein. Am Ende werde ich 791 Wörter pro Minute gelesen haben, bei 90% Verständnisgrad. Meine „Effective Reading Rate“ wird sich vervierfachen.

„Click, click, click: Wir wollen immer drei Blickstopps pro Zeile machen, wie eine Art Hürdenlauf“, sagt die Trainerin – Augenübungen. Weil man beim Lesen nicht nur bewusst manchmal zurückgehe und Passagen nochmal lese, sondern zumeist auch ständig unbewusst hin- und herzoome, sinke das Lesetempo. „Unbewusste Regression“ nennt das die Lesetrainerin: „Brauchen wir gar nicht!“ Das Gehirn sei nicht genug ausgelastet und langweile sich. Potentiell könnte der Mensch aber 800 oder 1000 Wörter in der Minute lesen. Zum Vergleich: Dieser Text hat etwa 2.200.

Stattdessen sollen wir lernen, Wörter wie Straßenschilder mit einem Blick zu erfassen und gar nicht weiter über sie nachzudenken, außerdem in „Sinngruppen“ aus mehreren Wörtern zu lesen, die innerhalb der menschlichen „Blickspanne“ von etwa dreieinhalb Zentimetern auf einmal kollektiv erfassbar seien. Über „peripheres Sehen“ soll man aus Fetzen wie „Bi…“ sogar noch ganze Wörter wie „Bibliothek“ antizipieren.

Alle werden schneller – und ich?

Wir lernen das Lesen neu – denn das „Wort-für-Wort“-Lesen aus der Grundschule sei angesichts der allgegenwärtigen „Informationsflut“ für das individuelle Zeit- und Leistungskonto nicht mehr tragbar. Wer vorankommen, „Entscheider“ werden wolle, müsse schneller lesen – und „Lesefehler“ vermeiden. Denn „intelligentes Lesen“ bestünde aus ständigen Entscheidungen des Weglassens:  Klammern, zum Beispiel. Da stünde sowieso nur Unwichtiges drin. Bei einer Aufzählung reiche ein einziger Punkt, Namen seien auch egal. Eine der Leitfragen stattdessen: „Ist das prüfungsrelevant?“ Klingt wie Kohl, der gut in Hölderlin gewesen sein wollte. „Achtzig Prozent ist Geschwätz“, sagt die Trainerin über akademische Texte noch. Man müsse nicht immer alles daraus verstehen.

„Reader C“, der schnelllesende Musterproband einer Studie, wird uns anhand seiner „Blickpunkte“ vorgestellt und lässt den öden „Reader A“ dumm dastehen, der etwa siebenmal so lange braucht wie „C“ und dessen Blick im Text zu kreisen scheint. Wer wird wohl befördert werden?

Ein Werbevideo des Unternehmens auf Youtube

Der Weg, das Lesen neu zu lernen, führt uns über das Lernen, nicht zu lesen. (Paradox – könnte man eigentlich mal ein Buch drüber schreiben.) Die Blicke sollen hüpfen, möglichst schnell, über kurze und sinnlose Buchstabenketten, Zahlen, Wörter, „Synonyme“. Auch, um die „innere Stimme“ abzustellen, die bei vielen immer noch die Wörter geradezu vorlese und ihr Tempo bremse. Aber auch bei den Augenübungen „spielt Verständnis erstmal keine Rolle“. Schnelligkeit vor Gründlichkeit.

Leider höre ich sie, die innere Stimme, umso mehr, je weniger ich das will. Sie sagt: „Kauf‘ Geschenke“, „Waschmaschine!“, „Redest Du schon wieder mit mir selbst?“. Unter den in zunehmendem Maße euphorischen Ermutigungen der Trainerin werden dennoch alle schneller, auch ich. Steht ja auch drunter, unter den Übungsblättern: Mit jeder Wiederholung werde man besser (ein bisschen so wie Fitnesstraining). Da kann man gar nicht anders.

Resignation macht sich breit

Ein Versprechen, das sich selbst erfüllt. Wie bei einem Orakel, bei dem verfehlte Prophezeiungen ja auch nicht am Orakel, sondern an seinem Hörer liegen, der sich falsch verhalten hat, werden auch hier gleich zu Beginn klare Verantwortlichkeiten geschaffen: Es gebe verschiedene Lesetempi, jeder lese anders, jeder lese eigen. Daher könne Erfolg sich auch nur individuell entwickeln. Im Klartext: Wer’s nicht schafft, ist selber schuld. Aber wer würde schon bei einem 220-Euro-Seminar mit der Dauer von zwei vollen Wochenendtagen scheitern wollen? Beweise Dich, Baby.

„Mal ganz ehrlich: Hier hat doch noch nie jemand ein Buch fertiggelesen“, sagt mir ein Teilnehmer am nächsten Morgen. Immerhin kommt er nun in den Genuss von Velma Wallis und Jack London, dessen Erzählungen Titel tragen wie „Der Sohn des Wolfs“, „Das Feuer im Schnee“ und „Koolau, der Aussätzige“. Wiederkehrende Elemente scheinen Elchfleisch, Grützeis und Bonanza Creek zu sein. Doch vielleicht hat sich bei mir auch der „Karussell-Effekt“ eingestellt, vor dem die Trainerin gewarnt hat – er kommt vom Zuschnelllesen. Das Tempo bei den Büchern sollen wir nämlich mithilfe des „Rate Controllers“ kontrollieren, der Blicke zurück durch einen federbetriebenen blauen und blickdichten Plastikbalken verhindert. Mir empfiehlt sie bald Margen von 600 bis 900 Wörtern pro Minute.

Tatsächlich fliege ich über die Texte und brauche nur noch Minuten für Geschichten. Doch der „Verständniszug“ leidet (oder die Fähigkeit zur Einschätzung, ob es denn da überhaupt etwas zu „verstehen“ gibt). Da bringt auch die „Vorausschau“ nichts: Ab einem gewissen Punkt sollen wir vor jeder Textlektüre etwa fünf Sekunden lang mit den Augen über jede Seiten gehen. So wüssten wir vor der „richtigen“ Lektüre schon in etwa, wovon der Text handelt, zum Beispiel von Haifischen oder Autobahnen.

Ich will über die Worte noch nachdenken. Aber auf die „Improved Reading“-Weise läuft der Wahrnehmungsspeicher permanent über. Eine innere Zusammenfassung sollen die Teilnehmer am Ende jeder Seite machen: mir völlig unmöglich. So scheint es auch manchen anderen Teilnehmern zu gehen, deren Verständnisquote in den folgenden Tests bei zwanzig oder dreißig Prozent liegt. „Reading for meaning“? Resignation macht sich breit – oder ist es das Nachmittagstief? Zu viel Ambition?

Ein Drittel weniger für Kafka

Mein Leseverständnis wäre mit den Begriffen von „Improved Reading“ wohl eher ein „Spaß“- oder „Genusslesen“. Aber ist in einer Welt noch Platz für Gedanken, in der ein gedankenvolles, kritisches Lesen als verspaßter Luxus gilt? Wofür liest man sonst? Warum welcherlei Elchfleisch verspeist wird, wie schön die Sonne aufgeht und wer wen in Schweden umbringt, gut, dafür braucht man auch wirklich kaum Muße.

Oder ist das nur genauso oberflächlich angelesene Bildungsarroganz? „Verstehen“ ist ja eh unmöglich, Sprache je einzeln zu interpretieren. Aber warum muss man dann Multiple-Choice-Fragen stellen? Dass man damit ein „Verständnis“ wirklich „messen“ kann, bezweifle ich stark. Aber die Ergebnisse scheinen für sich zu sprechen. Ergebnisse, die aus Setzungen der Firma „Improved Reading“, Eppstein, erwachsen. Die vollständig ihrer Kontrolle unterliegen: in Sachen Zugänglichkeit (Lizenzverträge!), Komplexitätsgrad (der, gefühlt, sinkt) und Überprüfbarkeit. Die sich der Vergleichbarkeit entziehen, weil es ja im echten Leben niemals einen solchen Test gibt nach der Zeitungs- oder Romanlektüre.

(Was gibt es im echten Leben nicht? [A] Zeitung; [B] Roman; [C] Antworten; [D] die Antwortmöglichkeiten A bis C.)

Wer ein solches Lesetraining mitmacht, lernt also neben „neuem“ Lesen auch, bestmöglich die Multiple-Choice-Fragen der Firma „Improved Reading“ zu beantworten, die kurioserweise manchmal mit Vorliebe Namen abfragen (weil man sie wohl doch am leichtesten behält?).

Als die Trainerin, einen Zeitungsartikel vorliest, aber nur den ersten und den letzten Absatz vollständig, dazwischen immer nur den ersten Satz des Abschnitts, habe ich tatsächlich ein „Aha“-Erlebnis: Wie viel man versteht, obwohl man nur ein Fünftel des Textes hört! Und auch, als wir am Ende unsere Plastik-„Rate Controller“ auf das Anfangstempo zurückstellen sollen, und es mir irrsinnig langsam vorkommt, schwinden meine Zweifel an der Methode. Auch zu Hause hält das neue Tempo an, beim Nachher-Test: Für den Wildunger Stadtwald (noch immer „bunt, gesund und lukrativ“) und „Dirk Gently“ brauche ich nur noch die Hälfte der Zeit, für Kafka etwa ein Drittel weniger. Alles ziemlich automatisch. Aber könnte das vielleicht daran liegen, dass ich sie schon mal gelesen habe? Und darf man Kafka messen?

Anders als empfohlen „bleibe“ ich danach nicht am Training „dran“, fülle den mitgegebenen Arbeitsplan nicht aus, mache keine Übungen, werde mit Sicherheit nicht zu den Nachtreffen gehen. Denn mein alter Rhythmus ist mir lieber, merke ich bald. Ich will Texte richtig lesen.

Effizient ist das nicht, sorry Leute. Klar muss man oft mal überfliegen, auslassen, Sätze in sich reinpumpen. Alles kann man nicht im Blick behalten. Richtiges Lesen braucht Zeit. Man liest nur einmal.

15

9 Lesermeinungen

  1. Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie
    als berater ist schnell-lesen auf jeden fall zu empfehlen. ich denke mir auch jeden tag: noch schneller, ich habe keine zeit.
    ich habe bestimmt über 1000 gespeicherte links, die ich irgendwann von A bis Z lesen möchte. ich würde mit meinem tempo viel zu lange brauchen. hab trotzdem keinen bock so viel geld für so’n seminar auszugeben.
    ich stelle mir gerade vor, wie die Trainerin „Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie“ von Einstein (über)liest :P

    auf jeden fall guter blog. jeder, der langsam bzw. normal liest, fühlt mit dir :)

  2. nichts neues
    früher, so vor 40 jahren, hieß das optimales lesen, autor erwin ott, glaube ich, dann gibt es speedreading von tony buzan. lässt sich alles zuhause trainieren, ich habe das vor 40 jahren (nach ott) gemacht und konnte wirklich schnell lesen…hatte vorteile, wenn man zum chef kam und einen schnellen blick über die schriftstücke schweifen ließ, gab doch einiges zum mitlesen.
    schnelllesen muss immer wieder geübt werden wie alles andere auch.
    während des studiums hat mir die schnelllesemethode sehr geholfen, schnell etwas zu finden. dient der text für eine arbeit usw., muss der text sicherlich noch einmal gründlich gelesen werden.

  3. Titel eingeben
    Schon deshalb ist’s widersinnig:
    Ich will Zeit sparen, deshalb opfere ich Zeit (& Geld) für solch‘ Quatsch.

  4. Fast Food - fast reading
    Ein solches Seminar habe ich schon einmal vor ca 20 Jahren mitgemacht. An den empfohlenen Techniken scheint sich nichts Wesentliches geändert zu haben. Schnell lesen kann man auch einfach nennen: einen Text überfliegen. Und dann kommt es nur auf text adäquates lesen an, die Lokalzeitung kann man schnell lesen, wenn man Kafka genauso liest, bringt man sich um das beste.
    Die empfohlenen Lesetechniken sind durchaus sinnvoll, aber dafür braucht man weder 300 € auszugeben noch am Samstag morgen früh aufzustehen.

  5. Kann man das noch lesen nennen...?
    Nein, kann man nicht. Sind eigentlich diese flotten Leser auch in der Lage, anschließend eine Abhandlung über ihren Leseinhalt zu schreiben, so mit Überschrift und Gliederung? Ich meine, eher nicht. Es bleibt nur wenig im Gedächtnis hängen. Wir wurden zu Schulzeiten noch zu unserer Muttersprache hingeführt, und nicht umgekehrt. Wir haben unsere Klassiker rauf und runter gelesen. Der Grieche Homer und der Römer Tacitus, seines Zeichens Rechtsanwalt, gehörten natürlich auch zu unserem Lesestoff. Das Auge ist dem übrigen Lesemechanismus immer ein wenig voraus. Nur so kann man Zusammenhänge, wie z. B. Betonungen und Bedeutungen fließend und sinngerecht erfassen. Es gäbe noch viel zu sagen zu diesem Thema, lassen wird es dabei….

  6. Ware es niecht viel effektiver, wenn Leute, die nur lesen weil sie muessen, ...
    … sich gar nicht erst auf Literatur etc. einlassen? 0 sekunden fuer 5.000 Seiten! Wozu braucht ein WiWi an der Goethe Kafka? Und im Lehrbuch fuer Oekonomie steht ohnehin nur ideologischer Unsinn drin,
    da mag jedes 10te Wort genuegen.

  7. Texte optimieren
    Gibt es einen Kurs zum Verfassen von Texten für Speedreader ? Da sollten schon einige Redundanzen drin sein sowie Großschreibung und Fettdruck um wichtige Stellen zu kennzeichnen. Am besten wiederholt man einige Passagen komplett und buchstabiert jede Feinheit aus. Die Texte werden dann länger, aber das stört nicht solange man sich auf den wpm-Schnitt konzentriert.

  8. Anschaulich beschrieben …
    … was so ein Seminar bietet und was im Kopf eines Teilnehmers passiert. Der Text liefert, was er verspricht: einen Erfahrungsbericht. Ich lese solche Blog-Artikel gerne. :-)

  9. Viel Meinung
    Etwas weniger emotionales Lamemtieren und dafür mehr faktenorientierte Beschreibung der Lesetechnik hätte dem Autor gut getan. Diese Lesetechnik ist z.B. ein sinnvolles Mittel, wenn ich in den ca. 30-60 Minuten, die ich jeden Tag fürs Zeitunglesen habe, möglichst viel von der Welt um mich herum erfassen möchte.
    Beim Lesen einer Powerpoint versagt die Technik dagegen leider bis jetzt und wenn ich „zum Genuss“ einen Roman lese, dann möchte ich mich auch von der schriftstellerischen Kunst des Autors einfangen lassen, so dass ich dort bei der traditionellen Lesetechnik bleibe (Schnelllesen ist außerdem auch anstrengend).

Kommentare sind deaktiviert.