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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Studienstipendien: Es muss nicht immer Exzellenz sein

Wer einen Klassiker unter den Studienstipendien ergattern will, braucht meist gute Noten und einen angepassten Lebenslauf. Doch auch für Studierende, die durch dieses Raster fallen, gibt es Chancen auf Unterstützung.

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© dpaWas hängt am Haken?

Sei es die Förderung der Studienstiftung des deutschen Volkes, das Deutschland-Stipendium des Bundes und Sponsoren aus der Wirtschaft oder die Studienförderung des Cusanus-Werkes: Diese Stipendien zielen allesamt auf besonders begabte Studierende ab. Zwar ist Begabung nicht unbedingt gleichzusetzen mit exzellenten Noten, für die Vergabe der Gelder sind sie bei vielen Stiftungen und Begabtenförderwerken jedoch eine besonders wichtige Voraussetzung. Doch es gibt mittlerweile auch einige Institutionen und Unternehmen, die nur wenig oder ganz ausdrücklich keinen Wert auf exzellente Zensuren legen, sondern ihre Förderung an Studierende verteilen, die etwa Engagement, Talent und Innovationsgeist beweisen – beziehungsweise ganz spezielle Begabungen, Interessen oder Bedürfnisse haben.

Oft ist diese Förderung natürlich nicht ganz uneigennützig, da sie meist an Themen geknüpft ist, die dem Stifter wichtig sind. So vergibt beispielsweise ein bekanntes schwedisches Möbelhaus ein halbes Jahr lang monatlich 500 Euro an Studierende, die sich in einer Abschlussarbeit mit dem Thema „Wohnen“ befassen. Hinter manchem Stipendium steckt ein Unternehmen, das werbeträchtig soziales Engagement beweisen will. Jeder Bewerber sollte also für sich im Vorfeld klären, ob er sich mit der dahinter stehenden Fima identifizieren kann, da er ja indirekt zu einem Aushängeschild wird.

Exemplarisch stellen wir hier fünf Stipendien für Studierende vor, die nicht auf gute Zensuren schielen.

Das Spar-Stipendium

Eine Parade-Förderung für klamme Studierende, die sich am Ende jeden Monats nur noch von Nudeln mit Öl ernähren oder beim Bäcker das Brot vom Vortag kaufen, ist das Stipendium des Portals „sparheld.de“, einem 2009 gegründeten Berliner Verbraucherportal, das Gutscheine, Rabattcodes sowie Gratisproben für gut 2800 Online-Shops anbietet, die dann für ihre Platzierung zahlen. Es blickt erklärtermaßen nicht auf Studienleistungen, sondern auf Sparsamkeit. Wer in Form eines Essays oder einer kurzen Videobewerbung beweisen kann, dass er mit wenig Geld sein Studentenleben erfolgreich finanziert, hat wegen seiner hohen „Selbstdisziplin und Kreativität“, wie es in den Bewerbungsstatuten heißt, eine Chance auf Förderung. Die drei Gewinner erhalten zwölf Monate lang je 300 Euro monatlich und können auf Wunsch ein bezahltes Praktikum (Vergütung rund 3.000 Euro) bei der Online-Plattform absolvieren. Das beste Beispiel für das „Spar-Stipendium“, so der Stifter selbst, sei nach wie vor ein Student, der sich fast ausschließlich mit Gratisproben und Gutscheinen finanziert und dadurch nach eigenen Angaben gerade mal 100 Euro im Monat braucht.

Förderung von Waisen und Halbwaisen

Wer Vater oder Mutter oder sogar beide Elternteile verloren hat, muss nicht nur seelisch mit diesem Verlust zurechtkommen. Oft kommen durch den Ausfall des Einkommens auch finanzielle Schwierigkeiten hinzu. Denn Bafög sowie die Waisen- oder Halbwaisenrente reichen oft nicht aus, um die Ausbildung zu finanzieren. Das „Sebastian Bildungsstipendium“ ist deshalb für Schüler und Studierende zwischen 17 und 27 Jahren mit deutscher Staatsangehörigkeit gedacht. Wer sich bewerben will, muss ein klares Ziel vor Augen haben, beispielsweise die Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz oder die Erlangung eines akademischen Grades. Die Stiftung fördert dann über einen vorab festgelegten Zeitraum hinweg die Lebenshaltungskosten sowie Schulgeld und Studiengebühren. Auch für einmalige Bedürfnisse wie Lernmaterial, Nachhilfe, Sprachkurse oder Fahrten zu Bewerbungsgesprächen werden die Kosten übernommen. Auch finanziert die Stiftung psychische und physische Erholung oder Angebote, die sich dem Umgang mit Trauer widmen. Jeder Stipendiat erhält seitens der Stiftung einen Paten, der ihn persönlich berät und Ansprechpartner ist, zudem werden regelmäßig Stipendiaten-Treffen veranstaltet. Über den Verlauf der Ausbildung muss schriftlich berichtet werden, zum Ende der Förderung muss ein Resümee darüber gezogen werden, in wie weit diese zum Erfolg des Vorhabens beigetragen hat. Das Stipendium wird einmal jährlich vergeben, die Anzahl der Geförderten variiert.

Das Auslandsstipendium für Eltern

Studieren mit Kind ist oft kein Zuckerschlecken – vor allem aus finanzieller Sicht. Das hat Mawista, eine Krankenversicherung für Deutsche im Ausland und für Ausländer in Deutschland, Partner des Versicherungskonzerns Allianz, zum Anlass genommen, ein Jahr lang 500 Euro monatlich an einen Studierenden mit Kind, der ins Ausland gehen möchte oder an einen internationalen Studierenden mit Kind, der in Deutschland studieren möchte, auszuzahlen. Ausschlaggebend für den Erhalt der Förderung ist dabei nicht der Notenspiegel oder besonders anspruchsvolle Forschungsziele, sondern der Wille, trotz Familie in seine Bildung zu investieren und der Nachweis, den Spagat zwischen Studium und Kinderbetreuung durch außergewöhnliche Motivation und ein hohes Maß an Organisationstalent zu meistern. Die Krankenkasse behält sich vor, die jährlichen Statuten für das Stipendium zu ändern. So zielte das Mawista-Stipendium einmal auf „Exoten“, etwa Langzeitstudenten, Studienfachwechsler oder den Mathematik-Studenten mit einer Vier im Mathe-Abi ab. In den vergangenen vier Jahren wurde es aber ausschließlich an Studierende mit Kind vergeben.

Das Aufstiegsstipendium

Diese Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung richtet sich an „besonders motivierte Berufstätige“, so das BMBF auf der zugehörigen Website. Ins Auge gefasst sind also Studierende, die bereits eine Berufsausbildung absolviert haben und nun ein Erststudium an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Fachhochschule oder Universität anstreben. Eine weitere Voraussetzung: Die Bewerber müssen bereits mindestens zwei Jahre lang mindestens 19 Stunden pro Woche in ihrem Beruf gearbeitet haben. Stipendiaten im Vollzeitstudium erhalten monatlich 815 Euro, in einem berufsbegleitenden Studiengang sind es 2400 jährlich, also 200 Euro monatlich. Zugegeben, dieses Stipendium kann auch ergattern, wer seine duale Ausbildung mit mindestens einer 1,9, sprich exzellenter Note, abgeschlossen hat. Allerdings können sich Bewerber auch durch zwei weitere Voraussetzungen qualifizieren. Zum einen dadurch, dass sie ihren Abschluss bei einem sogenannten „überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb“ auf Landesebene einreichen, sich so dem Vergleich mit anderen Absolventen ihres Jahrgangs und ihrer Ausbildungsdisziplin stellen und unter die ersten Drei kommen – was in den meisten Fällen natürlich auch heißt, dass die Ausbildung mit besonders guten Noten abgeschlossen wurde. Die zweite Voraussetzung ist jedoch notenunabhängig, denn auch ein Empfehlungsschreiben vom Arbeitgeber erlaubt es Auszubildenden, sich auf das Stipendium zu bewerben. Und gerade in solchen Schreiben können besondere Talente, Begabungen, Interessen oder soziale Kompetenzen gewürdigt werden.

Das „Rundum-Sorglos-Paket“ für Abschlussarbeiten

Meist wird die Förderung von akademischen Arbeiten vor allem davon abhängig gemacht, zu welchem Thema sie verfasst werden. Für das Stipendium der Mentorium GmbH hingegen ist es egal, was der Bewerber studiert und zu welchem Thema er seine Bachelor-, Master-, Diplom- oder Doktorarbeit schreiben möchte. Normalerweise bezahlen Studierende das Berliner Unternehmen für die wissenschaftliche Betreuung ihrer Arbeit, für Formatierung, wissenschaftliches Lektorat sowie eine „Plagiatsprüfung“. Mit ihrem Stipendiumsprogramm für Abschlussarbeiten greift die Firma jedoch jedes Jahr 36 Studierenden mit einer Förderung selbst unter die Arme. In regelmäßigen Abständen sucht ein Gremium von Mitarbeitern unter den Bewerbern diejenigen aus, die ihm besonders förderungswürdig erscheinen, weil sie beispielsweise in ihrem Motivationsschreiben nachweisen, wie sehr sie für ihr Studium brennen, weil sie sich ehrenamtlich engagieren oder aus familiären Gründen eine besonders begrenzte Zeit haben. Pro Monat werden dann drei sogenannte „Rundum-Sorglos-Pakete“ vergeben. Die Förderung besteht dabei allerdings nicht in einem monatlichen Geldbetrag. Stattdessen werden die Abschlussarbeiten formatiert, lektoriert und auf Plagiate geprüft. Das spart den Studierenden Zeit, die sie in bare Münze umwandeln können.