Blogseminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Schwanger während des Studiums – wie geht es jetzt weiter?

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Eine Schwangerschaft stellt meist das ganze Leben auf dem Kopf und wirft viele Fragen auf. Wie geht es weiter mit dem Studium? Muss ich meine Schwangerschaft der Uni melden? Wie sieht es mit Betreuungsmöglichkeiten aus? Drei Studierende berichten von ihren Erfahrungen.

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Keine Süßigkeiten mehr, nur noch ein bis zwei Tassen Kaffee am Tag sind erlaubt – und 20 Kilogramm zeigt die Waage mehr an als normalerweise. Laura ist in der 36. Woche schwanger und hat währenddessen eine Diabetes entwickelt. „Da darf man gefühlt nichts mehr essen, was irgendwie lecker ist“, sagt die werdende Mutter lachend. Laura studiert Sozialwissenschaften und Deutsch auf Lehramt für die Sekundarstufe I, befindet sich in der Endphase ihres Studiums. Heute ist ein guter Tag, Laura hat es trotz ihrer so empfundenen Elefantenfüße aus der Wohnung geschafft. „Es gibt gute und schlechte Tage in der Schwangerschaft und wenn du einen schlechten Tag hast, dann schläfst du einfach den ganzen Tag weil du nicht aufstehen kannst und gerade mal bis in die Küche kommst“, sagt die Studentin.

Bis Oktober schreibt sie noch ihre Masterarbeit, danach ist sie zunächst Vollzeit-Mama, und 2019 beginnt sie ihr Referendariat. Laura ist ehrgeizig und hat auf einmal für ihre Verhältnisse viel Zeit: „Ich sitze jetzt sehr viel zu Hause rum. Vorher hatte ich drei bis vier Jobs neben dem Studium.“ Ihr Mann ist älter als sie und arbeitet schon als Lehrer. Wenn Laura ins Referendariat geht, nimmt er Elternzeit. „Wir haben es genau so getimet, dass die Sommerferien anfangen, wenn er aus der Elternzeit wieder rausgeht.“  Danach arbeitet er in Teilzeit, damit sie in Vollzeit bleiben kann. Zusätzlich werden sie eine Tagesmutter engagieren.

Mutterschutzgesetz: Rechte und Pflichten

Das Mutterschutzgesetz gilt seit dem 1. Januar 2018 auch für Studierende und Auszubildende. Zu den Prüfungsämtern schien das jedoch gerade zur ersten Jahreshälfte noch nicht durchgedrungen zu sein. Da Laura keine Veranstaltungen besuchen muss, nimmt sie von der durch das Gesetz festgelegten Schutzzeit von sechs Wochen vor der Geburt keinen Gebrauch. „Das hat den Vorteil, dass ich die acht Wochen Mutterschutz jetzt noch mal hinten drauf bekomme, als Bonus sozusagen. Das funktioniert so aber auch bei ‚normalen‘ Härtefallregelungen, wenn du dir etwa ein Bein brichst und zwei Wochen im Krankenhaus liegst“, erklärt sie.

Dass sie eine Verlängerung der Frist für die Abgabe ihrer Masterarbeit bekommt, wurde ihr jedoch nicht sofort eingeräumt. „Man sagte mir, dass es eine derartige Regelung nicht in der Fachprüfungsordnung gebe – damit hat das jedoch nichts zu tun!“, so Laura. Seitens der Uni habe ihr vor allem die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte geholfen: „Sie ist einfach die Einzige, die überhaupt eine Ahnung davon hatte, dass es Mutterschutz für Studentinnen gibt.“ Sie habe sich dann für Laura mit dem Prüfungsausschuss und dem Prüfungsamt  auseinandergesetzt und die Verlängerung für sie erwirkt.

„Ich hätte die Schwangerschaft früher anzeigen müssen. Wenn man schwanger wird, muss man die eigentlich offiziell anmelden im Einschreibungswesen.“ In ihrem Fall habe die Unterlassung – abgesehen von den Probleme mit der Fristverlängerung – aber keine Konsequenzen gehabt. Neben den Schutzzeiten von sechs Wochen vor der Geburt und acht bis zwölf Wochen nach der Entbindung sowie Richtlinien zur Arbeitssicherheit enthält das Mutterschutzgesetz für Studierende eine Reihe weiterer besonderer Rechte. Zum einen hebt es die Anwesenheitspflicht bei Lehrveranstaltungen auf, zum anderen bietet es Studierenden alternative Prüfungsleistungen. Schwangere können etwa eine verschriftlichte Ausarbeitung abgeben statt ein Referat in einem Seminar zu halten. Darüber hinaus ist die Abmeldung von Prüfungen flexibler möglich und nicht an die sonst üblichen Fristen gebunden.

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Als Mara* 2016 schwanger wurde, hatte sie noch keinen Anspruch auf Mutterschutz. Sie studierte an einer kleinen evangelischen Hochschule „Soziale Arbeit“ und sah dem weiteren Verlauf ihres Studiums mit Familie hoffnungsvoll entgegen. „ An meiner Uni gibt es eine Beratungsstelle, da hatte ich Bescheid gesagt. Mein Professor, der mich im großen Praktikum während meiner Schwangerschaft betreut hat, war auch im Bild.“ Viele Informationen habe sie dort nicht erhalten, aber dafür viele positive Reaktionen.

Weiter studieren oder arbeiten gehen?

Die Geburt ihres Kindes und die Zeit danach stellte Mara dann vor große Herausforderungen. „Im Semester nach der Entbindung war an Uni gar nicht zu denken“, erzählt sie. Als sie sich wieder bereit zum Studieren fühlte, flatterte ein Brief von ihrer Uni herein. Sie wurde zu einer Zwangsberatung eingeladen.

Im Zuge der Beratung erfuhr die Studentin, dass an ihrer Hochschule Prüfungspflicht herrsche und da sie aufgrund der Entbindung den Praktikumsbericht nicht fertig geschrieben hatte, fehlte ihr nun die verpflichtende Prüfungsleistung für das Semester. Ihre Beraterin stellte in Frage, ob Mara das Studium mit Kind überhaupt schaffen könne und wollte zusammen mit ihr einen Plan erstellen, bei dem es nur darum ging, möglichst schnell fertig zu werden. „Das hat mich sehr ernüchtert – vor allem, weil es vorher hieß, dass Kinder kein Problem seien. Jetzt wurde klar, dass es mit Unterstützung während der Prüfungszeit oder einem Kindergartenplatz an der Uni wohl doch nicht so einfach ist“, so Mara.

Statt an ihren Interessen vorbei und nur nach Credit Points und der Vereinbarkeit mit Betreuungszeiten zu studieren, entschied sie sich dann zum Abbruch ihres Studiums. Dass es den Mutterschutz seit diesem Jahr auch für Studierende gibt, begrüßt sie daher vehement. „Ich finde es super, dass das endlich angekommen ist. Das hätte mir das Leben damals sehr erleichtert. Mittlerweile gibt es auch sehr viele Online-Portale, auf denen man sich Beratung holen kann – das gab es vor zwei Jahren noch nicht in der Form. Auch, was die finanzielle Unterstützung angeht, ist der Mutterschutz sinnvoll.“

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Eine Schwangerschaft stellt nicht nur die werdenden Mütter vor viele unerwartete Fragen und neue Aufgaben. Tom* studiert Germanistik und Kunstwissenschaft. Zurzeit schreibt er an seiner Bachelorarbeit und hofft, sie vor der Geburt seines ersten Kindes abgeben zu können. „Es ist sehr knapp. Wenn es zu früh kommt, dann werde ich verlängern müssen“, erzählt der Student. Die Schwangerschaft seiner Freundin erzeugt jedoch nicht nur einen zeitlichen Rahmen. Auch wurde die Frage, wie es denn nach dem Abschluss weitergeht, immer drängender: „Ich musste erstmal ausfeilen, wie es mit mir weitergeht – weil auch die Möglichkeit bestand, nach dem Bachelor das Studieren sein zu lassen und vielleicht irgendwo einzusteigen.“ Es habe sich jedoch für ihn gezeigt, dass ein Masterstudiengang die klügere Variante wäre.

Verlust des Nebenjobs wegen Schwangerschaft

„Gerade in dem Bereich Kunstwissenschaft komme ich mit dem Bachelor nicht soweit, weil ich bis jetzt auch noch nicht allzu viele Praktika gemacht habe. Und ich habe auch das Gefühl, für die Berufswelt noch wesentlich mehr können zu müssen“, so Tom. Außerdem trieb ihn auch die Angst um, durch einen Einstieg in die Berufswelt zum jetzigen Zeitpunkt nicht für das gemeinsame Kind und seine Partnerin da sein zu können, wenn sie ihn brauchen. „Von daher bin ich ganz froh, dass ich durch den Master den Sommer einfach zur Verfügung habe und da auch komplett mental in der Gegenwart sein kann.“

Sein universitäres Umfeld weiß über Toms Familienplanung Bescheid, das möchte er auch im Masterstudium so beibehalten. Ob diese Strategie bei seinem neuen Nebenjob auch sinnvoll ist – in dieser Frage ist sich der Student noch unsicher. Sein vorheriger Arbeitgeber hatte ihm eine Woche nach Bekanntgabe der Schwangerschaft fristlos gekündigt.

*Name von der Redaktion geändert

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Bist du zurzeit schwanger oder erwartet deine Partnerin ein Kind? Jede Universität hat eine Gleichstellungsbeauftragte, sie kann deine erste Anlaufstelle bei der Suche nach Informationen rund um das Thema „Schwangerschaft im Studium“ und „Studieren mit Kind“ sein. Außerdem kann ein Besuch beim Studierendenwerk sinnvoll sein, denn dort werden auch Betreuungsangebote für Kinder bereitgestellt. Um mögliche Risiken während der Schwangerschaft zu vermeiden, und damit es später keine Probleme im Studium gibt, ist es wichtig, dass die Schwangerschaft der Universität bekannt ist – vor allem im Medizinstudium und in naturwissenschaftlichen Fächern, in denen praktisch gearbeitet wird und manchmal Gefahrenstoffe zum Einsatz kommen, ist das ein Muss.

Wem du es wann sagst, ist dir überlassen. Sinnvoll für Prüfungen und mögliche Nachteilsausgleiche ist es, wenn du eine gynäkologische Bescheinigung beim Einschreibebüro abgibst.

Wenn du dich weiter über das neue Mutterschutzgesetz informieren möchtest, findest du den Leitfaden dazu vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Im Netz gibt es außerdem viele Blogs von Studierenden mit Kind wie studieren-mit-kind.org und studierenplus.de, in denen man sich über die eigenen Erfahrungen austauschen und zum Beispiel über Probleme beim BAföG informieren kann.

 


1 Lesermeinung

  1. Leider nicht besonders gut recherchiert
    Liebe Frau Kaib,

    ich freue mich, dass Sie das wichtige Thema des Mutterschutzes für Studentinnen aufgreifen, das auch ein knappes Jahr nach Einführung noch viele Studierende und selbst einige Hochschulen verunsichert. Leider sind einige wesentliche Aspekte in ihrem Artikel unberücksichtigt geblieben. So verfügen die meisten Hochschulen nicht nur über Gleichstellungsbüros, die es tatsächlich an jeder Hochschule gibt, sondern auch über Familien-Servicebüros. Als Koordinator eines solchen möchte ich darauf hinweisen, dass in der Regel dort der sinnvollste Einstieg liegt, weil hier eine Überblicks- und Verweisberatung geboten wird, die speziell auf diese Zielgruppe zugeschnitten und im Optimalfall entsprechend vernetzt ist. Denn der Gesetzgeber bzw. die Aufsichtsbehörden haben die Hochschulen mit der komplexen Umsetzung hier weitgehend alleine gelassen, sodass der Prozess an jeder Hochschule unterschiedlich gestaltet und die Meldung an jeweils unterschiedlichen Stellen erfolgt.
    Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich außerdem betonen, dass Studentinnen* keineswegs gezwungen sind, ihre Schwangerschaft gegenüber der Universität zu melden. Nur wenn das geschieht, können Sie jedoch von den Mutterschutzrechten gebrauch machen. Ein ganz wichtiger Aspekt dabei sind die Nachteilsausgleiche, die mir hier nahezu komplett fehlen. Man bekommt den Eindruck, als wären Studentinnen* nach wie vor der gleichen Willkür ausgesetzt wie vor der Novellierung des Gesetzes. Die Chance einer Veröffentlichung liegt dabei für mich aber genau darin herauszustellen, dass das Gesetz eindeutig verlangt, dass Studentinnen* für Versäumnisse, die sich aus der Schwangerschaft ergeben, nicht pauschal schlechter gestellt und damit diskriminiert werden dürfen. Darin besteht – neben arbeitsschutzrechtlichen Aspekten, die aber auch vorher schon galten – meines Erachtens der wesentliche Mehrwert des Gesetzes. Eine Spur von Empowerment-Aussicht hätte dem Artikel und damit den nach Informationen und Sicherheit suchenden Leser*innen daher sicher gut getan. Wenn Sie Interesse haben, das zu vertiefen, besuchen Sie mich gerne im Familien-Service an der Goethe-Universität.

    Besten Gruß

    Benjamin Kirst

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