Blogseminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Studium der geplatzten Träume

| 24 Lesermeinungen

In Mathe muss man rechnen, oder? Viele Studenten gehen mit falschen Erwartungen an ihre Fächer ins Studium. Das führt oft zu Frust und Enttäuschung. Zeit, mit den verbreitetsten Irrtümern aufzuräumen.

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Altmeister Seneca ist auch in dieser Frage zu gebrauchen, muss aber noch etwas aufgepeppt werden: Nicht nur, dass man in der Schule nicht fürs Leben, sondern für die Schule lernt, auch wird man dort nur bedingt auf die nächstfolgende, die Hochschule, vorbereitet. Zumindest, was die Erwartungen angeht. Studienfachberater sagen, dass viele Studenten mit dem Glauben an die Uni kommen, dass ihr gewähltes Studienfach im Prinzip so sei, wie dessen Pendant in der Schule. Diese Vorstellung führe nicht selten zur Enttäuschung. Aber es gibt noch manch anderen Irrglauben über Studiengänge, den man besser nicht erst nach dem x-ten Semester als solchen erkennt.

Mathematik: alles außer rechnen

Wer in der Schule gut in Mathe ist, wird beneidet, belächelt und bei Hausaufgaben auch immer gerne angesprochen. Im Mathe-Studium folgt dann aber die Überraschung: „In der Schule wird vor allem gerechnet, in der Uni aber bewiesen“, sagt Makan Rafiee, Studienberater für Mathematik an der Universität Göttingen. Es gehe dort vielmehr darum, Aussagen zu treffen – und sie dann zu beweisen. In der Schule hingegen läuft alles nach Schema F: Der Lehrer zeigt den Lösungsweg, die Schüler rechnen ihn mit anderen Zahlen nach. In der Uni dann, so Rafiee, bekomme man Beweistechniken an die Hand gegeben, die man bei anderen Beweisen nutzen könne. Statt zu rechnen, gehe es hier um Logik und Kombinatorik. „Es kommt häufig vor, dass die Studenten davon überrascht werden“, sagt Rafiee. Viele von denen fühlen sich wohler, wenn sie in Fächer wie Physik oder Volkswirtschaftslehre wechseln, welche Mathematik vor allem als Instrument benutzen.

© dpaUnd jetzt alle: Mathematik-Vorlesung an der Freien Universität Berlin

Aber etwas anderes überrascht vielleicht noch mehr: Das vermeintliche Fach der Einzelgänger stellt sich als Teamsport heraus. „Mathematik lebt davon, dass man über Probleme redet und versucht, sie zu lösen. Und das geht am besten in der Gruppe“, sagt Sebastian Heiler, der in Göttingen Mathematik studiert. In Lerngruppen säße man oft zusammen, um die wöchentlichen Hausaufgaben zu bearbeiten. Die wenigsten, nur die absoluten Überflieger, würden das alleine schaffen. Grundsätzlich wüssten viele angehende Studenten zwar schon, dass es im Studium schwieriger werde als in der Schule, „aber sie sind sich des Ausmaßes, um wie viel schwieriger, einfach nicht bewusst“, sagt Heiler.

Jura: kein Platz für Gerechtigkeit

Mitschreiben tut es auch: Jura-Studentin im Großen Hörsaal der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Auch unter Jura-Studenten soll es Idealisten geben. Das erfreut und betrübt zugleich, scheinen doch einige dieser aufrechten Recken am falschen Platz zu sein. „Bei Jura-Studenten gibt es häufig die Vorstellung, dass man für Gerechtigkeit kämpfen würde“, sagt Beate Lipps, Studienberaterin an der Uni Mainz. Vielmehr geht es aber darum, das geltende Recht anzuwenden, also nicht für Gerechtigkeit, sondern für Rechtmäßigkeit zu sorgen. Konkret sieht das dann etwa so aus, dass der Jurist dafür sorgt, dass sein Mandant alles bekommt, was ihm nach dem Gesetz zusteht. Ob Gesetze auch gerecht sind, ist dagegen vor allem die Sache der Politiker, die dafür zuständig sind, Gesetze zu gestalten. Juristen treffen auf die Frage nach Gerechtigkeit zwar in der Rechtsphilosophie, doch die ist im Jurastudium eher eine Randerscheinung.

Auch eine zweite gängige Vorstellung vom Jura-Studium ist übrigens falsch: „Man muss in Jura keine Gesetze auswendig lernen“, sagt Philipp Hamann, Rechtsreferendar am Landgericht Wiesbaden. „Es ist nur so, dass man viele Gesetze so oft liest, dass man es irgendwann kann.“ Obgleich das kein Ersatz für den fehlenden Kampf um Gerechtigkeit sein mag, erfreulich ist die Nachricht allemal.

 

Philosophie: Deine Meinung interessiert keinen!

© dpaAristoteles am Eingang der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg

In der Schule gibt es in Mathe meist nur eine richtige Antwort, in Ethik dagegen, je nach Argumentation, scheinbar keine falschen. Dort kommt es beim Diskutieren oft darauf an, die eigene Haltung überzeugend zu begründen. Viele Philosophie-Studenten, die später das Studium abbrechen, hätten aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Schulfach Ethik die Herausforderungen des Studiums falsch eingeschätzt, sagt Sabine Reh, Studienfachberaterin für Philosophie an der Universität Frankfurt. „Mitunter haben die Studierenden die Vorstellung, dass in den philosophischen Veranstaltungen an der Uni vordringlich diskutiert werde und es darum gehe, die eigene Meinung zu artikulieren“, so Reh. Tatsächliche ginge es jedoch darum, schwierige theoretische Texte zu lesen und darauf antwortende zu verfassen. Was man selbst etwa von Platos Gedankengängen hält, ist eher zweitrangig.

 

Die Last, bis 14 Uhr schlafen zu können

Auf dem Campus angekommen, bemerkt der frisch gebackene Student bald, wie viel mehr Zeit er plötzlich hat als in der Schule. „Die Uni ist auch deshalb eine Herausforderung, weil man selbständiger und freier mit seiner Zeit umgehen muss“, sagt Dr. Barbara Wolbring, Privatdozentin in Neuerer Geschichte an der Universität Frankfurt. „Man hat hier wesentlich weniger Druck als in der Schule, aber man muss ein viel höheres Pensum erbringen.“

In der Schule werden die Leistungen noch kontinuierlich in Tests überprüft. Gelernt wird in kleinen Etappen. In der Uni muss man sich den Lernstoff des Semesters selbst einteilen. Die meiste Arbeit hat man nicht in den Vorlesungen und Seminaren, sondern bei deren Vor- und Nachbereitung. Der Druck, morgens nicht im Bett zu bleiben, sondern fleißig zu sein, muss daher schon von einem selber kommen. Zumindest die Vorstellung, dass Studenten oft bis in die Puppen schlafen können, wenigstens die ist also wahr.


24 Lesermeinungen

  1. "Der Lehrer zeigt den Lösungsweg" - ist das dem G8 geschuldet?
    Bei uns war das nicht so. Da ging es im Mathematikunterricht spätestens ab der Mittelstufe in großen Teilen darum, einen Beweis gemeinsam zu erarbeiten und Formeln selbst herzuleiten und zu verstehen.
    Kann es sein, daß der durch das G8 verursachte Zeitdruck so ein Vorgehen nötig macht?

  2. Als wenn Studenten heute noch lange schlafen könnten...
    Die Mär, dass Studenten lange schlafen können, wird natürlich mal wieder / noch immer schön befeuert – dabei hätte auch hier die Möglichkeit bestanden, diesen Unsinn endlich richtig zu stellen.
    Es mag in bestimmten Fächern bestimmte Semester geben, in denen Studenten etwas länger schlafen können.

    Meine Realität sah in 8/10 Semestern anders aus: Jeden Morgen umspätestens 6:30 Uhr aufstehen, um 8:00 Uhr Vorlesung und dann eng getaktet bis nachmittags Vorlesungen, Übungen, Praktika. Dann gegen 16 / 17 Uhr zu Hause den Stoff nacharbeiten und lernen, wenn man das nicht mit der Lerngruppe bis abends an der Hochschule gemacht hat. An lernfreien Nachmittagen dafür der Nebenjob zur Studiumsfinanzierung, als Ersatz für den Zeitausfall dann lernen an den Wochenenden. So viel zum Thema freie Zeiteinteilung. Die hatte ich lediglich in Praxissemestern bzw. während Bachelor- und Masterthesis.

    Die Studenten, die heutzutage noch bis 14 Uhr schlafen und nicht in die Vorlesungen gehen, sind auch in der Regel diejenigen, die ihr Studium nicht oder nur unterdurchschnittlich schaffen.

    • das hängt massiv vom Fach ab
      In den meisten Studiengängen ohne Anwesenheitspflicht passt sich der Universitätsbesuch recht schnell dem Biorhythmus an. In der Klausurphase hat man dann eher 70-Stunden-Wochen, unter dem Semester hat man dafür meist so 20-Stunden-Wochen (ohne Nebenjob)

  3. Es geht um das Verstehen
    Im Schulfach Mathematik gibt der Lehrer fast ausschließlich Rechentechniken vor, die der Schüler dann anwendet. Im Studium der Mathematik geht es hauptsächlich um das Verstehen. In der reinen Mathematik spielen dann auch die Rechentechniken nur eine untergeordnete Rolle. Die Fähigkeit logisch denken zu können, ein hohes Abstraktions- und räumlivhes Vorstellungsvermögen sind wichtiger als diie Fähigkeit rechnen zu können. Daher ist eine gute Note im Schulfach Mathematik noch lange kein Indikator für ein erfolgreiches Studium. Aber auch in vielen anderen Studienfächern sind die Prüfungen im Bereich Mathematik die großen Stolpersteine im Studium. In Teilen der theoretischen Physik ist ebenfalls ein hohes Mathematikverständnis erforderlich, um den reinen Mathematikern folgen zu können. Mir graut vor irgendwelchen Ingenieuren, die Rechentechniken anwenden, die sie weder verstanden haben, noch deren Grenzen sie kennen. Das ist dann halt, wie im wahren Leben: Man kann sich allerlei zusammenrechnen und merkt dann hinterher, dass die Summe nicht aufgeht. Das wird dann teuer und/oder lebensgefährlich.

  4. Mathematik
    Als Masterstudent der Mathematik an einem renommierten deutschen Institut stelle ich mir in letzter Zeit immer wieder die Frage, was zur Hölle ich eigentlich mit meinem Leben mache, und ich scheine da auch in bester Gesellschaft zu sein.
    Was die Gleichheit des rechts- und linksneutralen Elements angeht, verbitte ich mir dennoch jeglichen Spott aus einer Richtung, in der man von reiner Mathematik sowieso keine Ahnung hat.

  5. Mathestudium
    @Capote: ihnen als Ingenieur mag das unnötig vorkommen, tatsächlich ist die von ihnen erwähnte Beweisführung aber für die Mathematik elementar. Auf der einen Seite, weil es eine Möglichkeit ist, eine wichtige Methode bei mathematischen Beweisen an einem recht einfachen Beispiel zu üben, auf der anderen Seite auch, weil es zeigt, dass Kommutativität erstens nicht selbstverständlich und zweitens auch nicht trivial ist. Es mag ihnen ja „klar“ sein, dass 0 x a = a x 0 = 0 gilt, das liegt aber daran, dass sie nur vom eindimensionalen reellen Zahlenraum ausgehen. Spätestens wenn sie in den Bereich der Matrizen-Multiplikation kommen (auch das ein Bereich, der für manche Ingenieure relevant ist), kommen sie in Teufels Küche, wenn sie Kommutativität per se voraussetzen.
    Ich dagegen fand es zum Beispiel ziemlich hirnrissig, in meinem Neben-Nebenfach Technische Mechanik (also etwas ingenieurwissenschaftlichem) den Schwerpunkt eines Kegels über sein Oberflächenintegral zu berechnen… was aus Sicht der Ingenieure dagegen wohl wieder Sinn ergibt.

    @Wolfgang Klein: Ich bin ebenfalls Mathematiker, allerdings noch weit vom Vorruhestand entfernt und ich kann ihnen versichern, dass der beschriebene Irrtum durchaus oft vorkommt. Nach den ersten zwei bis drei Semestern meines Studiums waren rund die Hälfte der Kommilitonen, mit denen ich zusammen angefangen hatte, gegangen. Ein Teil davon hatte wohl den Schwierigkeitsgrad unterschätzt (ich auch, aber ich habe mich durchgekämpft bis zum Diplom), aber der größte Teil der frühen Abgänge war tatsächlich von Kommilitonen, die sich eingebildet hatten, ein Mathestudium sei eine Fortsetzung der Schul-Mathematik mit Rechnen nach „Rezept“. Ein Teil davon war sogar unfähig, ein Integral ohne grafikfähigen Taschenrechner aufzustellen. Soviel zu ihrer Annahme, ein Studium würden nur Leute beginnen, die eine gewisse Ahnung vom Fach haben.

    • @Silberdrache - Das war zu meiner Zeit ähnlich ...
      nur dass ich die Feststellung des Schwunds für damals auf das Vordiplom nach vier Semestern datieren würde (manche haben’s noch versucht). Nach Bologna gibt es kein Vordiplom mehr, dafür mehr Klausuren. Der Studierendenschwund scheint dem Gesetz des exponentiellen Zerfalls zu genügen (anfangs viel, dann zunehmend weniger). Im Fach Physik ist der Grund meistens die Mathematik, trotz Angeboten wie einer Mathematik-Nothilfezentrale, egal ob der Flavor „Theoretische Physik“ oder „Mathematik für Physiker“ heißt. Verglichen mit meinem Mathematik-Studium zwischen 1975 und 1980 an der Goethe-Universität, haben sich die theoretischen Physiker deutlich verbessert, obwohl die physikalische Mathematik immer noch der Newtonsche intuitive Geist umweht (Beispiel: Was ist ein Differential? Die Physiker beharren stur darauf, dass ihr schwammiger Umgang mit dem Thema mathematisch korrekt sei und nicht den Charakter einer Faustregel habe.) Die Mathematik ist auf dem Sprung, sich zu automatisieren. Vgl. Wladimir Wojewodski, Fieldpreisträger, leider im letzten Jahr verstorben. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Open Source Software Coq. Ich habe mir die mal installiert, weil ich mit Wolfram Mathematica an Abstraktionsgrenzen stoße. Leider ist das Einarbeiten sehr aufwändig und die Dokumentation ist mager. Von der Nutzung solcher Werkzeuge ist die Physik wegen ihrer intuitiven Denkweise noch Lichtjahre entfernt.

  6. gut
    Gute Darstellung des Wechsels.
    Bisher habe ich viel von Verschulung vieler Fächer gelesen. Von Anwesenheitspflicht.

  7. Mit der Monade zur realistischen Vorstellung
    Die Einschätzung bezüglich Philosophie kann ich bestätigen – von elf Mitstudierenden im ersten Semester waren wir nach dem dritten noch zwei. Und ich habe den ersten Schock auch nur recht fix überwunden, weil ich vor Beginn – bei einem ersten Besuch in der Bibliothek – in Leibniz‘ „Monadologie“ reingeschaut habe. Das war ein guter Zufallstreffer, denn der Abstraktionsgrad und die Komplexität der Gedankengänge gaben einen guten Einblick in das, was auf mich zukommen sollte. Und das hatte einfach nichts mit dem Ethik-Unterricht in der Schule zu tun.

  8. Wenn Mathematik denn so wäre...
    Ich erinnere mich noch mit Schrecken an einen mit einer Mathevorlesung sinnlos vertrödelten Vormittag, wo es um die Ein-Eindeutigkeit der Null ging. Nach der Einführung gab es einen Nonsensbeweis, dass 0 x a = 0 ist und dann der „Beweis“, dass a X 0 = 0 auch gleich Null ist, worauf die spannende Frage abgehandelt wurde, was denn nun aus 0 X 0 = ? herauskommt. Dass nicht auch noch ein „Beweis“ dafür kam, dass die Null ein rundes Zeichen sein muss, war alles, was noch fehlte, um den Blödsinn komplett zu machen. Das Ganze erinnerte mich an die Jahrelange Rundfunksendung „Das Nonsensgespräch mit den Experten“, Gesprächsleitung Dieter Thoma. Dafür war der Herr Professor intellektuell nachweislich nicht in der Lage eine quadratische Gleichung zu lösen….

    Das, was ich gerne gelernt hätte, Multipolberechnung, Zylinder- und Kugelfunktionen, Variationsrechnung, gab es nicht, hätte ich mich neben dem Studium selber mit befassen müssen. In komplexer Rechnung war ich Dank einem abgeschlossene Ingenieurstudium der Eelktrotechnik sehr fit und mir sträubten sich die Nackenhaare, was in Mathematikvorlesungen zu dem Thema an Nonsens gebracht wurde.

    • Interessant - Variationsrechnung im ersten Semester?
      Dann sind Sie wohl Physiker oder Ingenieur oder haben sonst irgend etwas falsch verstanden. Zu der Geschichte mit der Null fehlt mir der Kontext. Dazu kann ich wenig sagen.

    • Titel eingeben
      Anscheinend haben Sie dann wohl die Vorlesung verwechselt. Das man sich nämlich in einer Algebra Vorlesung wohl kaum mit konkreten Funktionen beschäftigt sollte klar sein.

      Aber Ihr Beispiel spricht genau dass Missverständniss im Artikel an: Das was Ihr Prof Ihnen da erzählt hatte war kein „nonsense“. Er wird Ihnen gezeigt haben, dass das linksseitige neutrale Element identisch mit dem rechtsseitigen ist, sollten beide existieren. Es handelt sich hierbei um Abstraktionen, die durchaus später auch wieder nützlich sind.

      Davon abgesehen wird das Mathematik Studium in späteren Semestern sehr wohl praxisorientierter, z.B wenn man sich mit Optimierung oder DFGs beschäftigt.

  9. Nicht „Universität Frankfurt“ sondern „Goethe Universität“
    Verehrter Autor. Die Hochschule, von der Sie sprechen, hat einen offiziellen Namen. Nutzen sie diesen bitte auch: Goethe-Universität.

    • Das ist richtig absurd.
      Uni Frankfurt ist eindeutig und für jeden nachvollziehbar. Warum soll Goethe Universität verwendet werden ? Klingt ein bisschen nach querulatorischer Persönlichkeitsakzentuierung und sonst nichts zum Kritteln gefunden…

  10. Als Mathematiker ...
    und jetzt im Vorruhestand als (Senior-)Physikstudent, frage ich mich schon, von welchen Mathematik-Erstsemestern der Autor erfahren haben will, dass sie das Studium mit der Vorstellung angefangen haben, es werde dort hauptsächlich gerechnet. Das ist eher ein Vorurteil von Leuten, die vom Fach gar keine Ahnung haben, und solche fangen ein Mathematik-Studium typischerweise erst gar nicht an. Ich erlebe eher, dass Nebenfächler von der Mathematik überfordert sind, weil sie meinen, sie kämen in ihrem Fach ohne viel Mathematik aus, oder weil sie ihre Fähigkeiten überschätzen. Hierzu ist festzustellen: Die Zeiten, in denen man als Naturwissenschaftler, Informatiker oder Ingenieur ohne viel Mathematik auskam, sind endgültig vorbei. Jetzt geht’s zur Sache, auch wenn die Physiker immer noch ein sehr intuitives Verständnis von Mathematik mit sich umherschleppen.

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