Blogseminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Welche Kultur ist von gestern?

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Das Wintersemester hat begonnen, jetzt ist wieder Orientierung gefragt. Die Universität Witten/Herdecke lockte mit einem Schnupperkurs zur Frage „Bist Du Kultur?“. Wir haben mit dem Initiator Dirk Baecker über den Sinn des Ganzen gesprochen.

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Werbevideo der Univerität Witten/Herdecke

F.A.Z.: Herr Professor Baecker, vor ein paar Tagen luden Sie „kulturinteressierte Oberstufenschüler“ zu einem Orientierungstag an die Uni ein. Wie war der Zulauf?

Dirk Baecker: Wir hatten 17 Schüler zu Gast, die alle freiwillig kamen, auch von weiter her – manche sind auf unsere Werbung in den Schulen angesprungen, andere haben über Zeitung, Internetkanäle oder Freunde davon erfahren. Noch eine Woche vorher waren wir nicht sicher, ob überhaupt mehr als fünf oder sechs zu unserer erst zweiten Veranstaltung dieser Art kommen würden. Dass es dann 17 waren, ist wunderbar und es können beim nächsten Mal gerne auch 40 sein.

Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Verständlicherweise trotteten die meisten eher mit einem mulmigen Gefühl in eine Uni. Wie sie sich dann aber auf das Spiel eingelassen haben, hat uns positiv überrascht! Die Schüler konnten in Probeseminaren die Themen Bildwahrnehmung, Populismus und Digitalisierung diskutieren, belehrt werden sollte hier niemand. Das wurde schon unerwartet lebendig, die Präsentationen vor den anderen Gruppen und Professoren danach umso mehr. Selbst die am Anfang noch zurückhaltenden Schüler haben sich eingebracht und ihre Ergebnisse präsentiert – offen gestanden weiß ich nicht, ob ich das in dem Alter schon so hinbekommen hätte.

Ziel war es laut Prospekt, „die Schüler darin zu unterstützen, ihre Talente und Interessen zu entdecken, weiterzuentwickeln und in ihre beruflichen Planungen einzubeziehen“. Auch ich habe als Schüler manche Infoveranstaltung und Studienberatung besucht. Meine Talente und Interessen habe ich da allerdings nicht entdeckt, geschweige denn weiterentwickelt.

© Universität Witten/HerdeckeDirk Baecker

Ja, und genau aus dem Grund wollten wir bewusst keine Infoveranstaltung ausrichten nach dem Motto „Jetzt seid mal ganz brav, setzt Euch hin und wir erzählen Euch, wie eine Uni funktioniert!“ Die Moderation wurde von vier unserer Studierenden übernommen, die das Gespräch mit Fragen an die Schüler eröffnet haben: Wo kommt ihr her, was erwartet ihr von diesem Tag an der Universität? Wir Professoren kamen erst später ins Spiel, als es darum ging, unsere Probeseminare vorzustellen. So fühlten sich die Schüler trotz unklarem Interesse direkt angesprochen, und so ist es auch üblich bei uns in Witten/Herdecke. Als Uni, die Vorlesungen abgeschafft hat und jeder autoritären Geste skeptisch gegenübersteht, führen wir Auswahlgespräche mit dem Ziel, die Interessen an einem Studium bei uns wechselseitig zu klären.

Weiter heißt es: „Besonders für kulturell interessierte und talentierte Schüler ist es nicht immer leicht, einen Weg zu einer aussichtsreichen beruflichen Zukunft zu finden“. Ist es wichtig, schon so früh über Wege in den Beruf nachzudenken? Selbst Studenten in höheren Semestern wissen ja oft noch nicht, wohin die Reise gehen soll.

Wenn man tatsächlich keine Idee hat, hilft es ja interessanterweise bereits, sich genau das einzugestehen. Dann weiß man, woran man arbeiten muss. Selbst erste Ideen, die man wieder fallen lässt, sind besser als gar keine. Fatal wäre, wenn man der Universität vertraut und darauf wartet, dass die Professorinnen und Professoren es einem schon sagen werden, wohin es gehen kann. Wir haben aber ja schon unseren Beruf gefunden, wir arbeiten an der Universität. Die Studierenden jedoch müssen hinaus in die weite Welt. Das können sie nur auf der Grundlage eigener, nicht fremder Ideen.

Und die Probeseminare und Diskussionen auf dem Orientierungstag vermitteln tatsächlich ein authentisches Bild vom Studium?

Auch in einem Probeseminar kann man interessante Ideen aus einfachen Fragen entwickeln. Im Probeseminar über das Thema der Digitalisierung waren wir schnell bei Fragen des Zeitmanagements, des Menschenbildes, des Vergleichs mit anderen Medien wie Buchdruck oder Schrift. Selbst mit unserer Frage „Bist du Kultur?“ gelang schnell der Einstieg, gleichgültig, ob einem zunächst Kleidung und Essen oder Migration einfiel. Für ein authentisches Bild von der Uni fehlten nur die Textgrundlage und natürlich der Prüfungszusammenhang. Aber wie ein Seminar abläuft, jenseits der Belehrung und mitten im Gespräch über eigene Fragen, das wurde doch sehr schön deutlich.

© Universität Witten/HerdeckeKennenlernrunde beim Orientierungstag

Nun stehen einer Privatuni wie Witten/Herdecke natürlich Mittel zur Verfügung, die staatliche Hochschulen nicht haben. Wie setzen Sie die ein?

Selbstverständlich. Analog zum Orientierungstag bieten wir Abiturientinnen und Abiturienten ein Orientierungsstudium, das jeder bis zu zwei Semester lang, ohne Aufnahmeprüfung und frei von den normalen Studiengebühren, aufnehmen kann…

… ohne Obergrenze?

Nein, dieses Jahr haben wir 13, und maximal arbeiten wir am liebsten mit etwa 20 Studierenden pro Semester. Wir sind klein, aber können uns gerade deswegen Dinge leisten, die von persönlicher Nähe und einer Vertrauensbasis leben und die eine staatliche Uni so nicht bieten kann. Wie sollte ein solcher Orientierungstag in Bochum mit 400 Leuten ablaufen? Woher mal eben 30 Professoren nehmen ?

Der Titel Ihres Orientierungstags lautete „Bist Du Kultur?“. Wer ist das denn nicht? Muss man „Kultur“ studieren, um sie zu sein?

Wie „ist“ man Kultur? Das war unsere Frage. Die Schüler haben sofort gemerkt, dass man  diese Frage nur sehr persönlich und zugleich sehr allgemein beantworten kann. Wie passt das zusammen? Man wünscht sich eine kulturelle Identität und merkt sofort, dass man davon schon viel zu viel hat. Sehr merkwürdig! Wir haben uns für diesen Tag gewünscht, dass die Schüler merken, was es nicht nur mit Kultur, sondern mit Kulturreflexion auf sich hat. Das ist ja das, was wir zu bieten haben. Ob man das studieren muss oder will, ist eine andere Frage. Uns ist ja schon damit gedient, wenn man weiß, worum es sich handelt, und sich dann dafür oder dagegen entscheiden kann. Immerhin führen kulturelle Themen heute ins Zentrum der Frage, wie wir in Europa leben wollen und was wir für die von uns gewünschten Lebensformen tun können.

© Universität Witten/HerdeckeKreisförmig kulturelle Versammlung mit Schülern und Dozenten

Ein Zitat von Ihnen im Ankündigungstext der Veranstaltung lautet: „Kultur, wie wir sie kennen, ist von gestern“. Was soll das heißen?

Kultur ist von gestern, wenn man glaubt, man könne sich auf bestimmte Hochkulturen, Subkulturen oder Landeskulturen verlassen. Wir erleben heute die ganze Wucht eines Prozesses, der bereits im 18. Jahrhundert eingesetzt hatte, als man anfing, zunächst als eine Art intellektuelles Spiel, die Kulturen von Ländern, Städten und Dörfern untereinander zu vergleichen. Die Entstehung der Nation hat diesem Vergleichsinteresse erst einmal ein Ende gesetzt. Stattdessen fing man an, die Identität von Nationen zu suchen und zu beschwören. Das ist heute zwar immer noch nicht vorbei, man denke nur an unsere Debatte über „Leitkulturen“, aber zugleich ist klar, dass Kulturen sich aus dem Unterschied untereinander und nicht als Identitäten verstehen.

Was findet man denn schon, wenn man nach einer Identität fragt? Die Nibelungen, Lederhosen und eine Vorliebe für Bratkartoffeln? Kulturreflexion heißt unter anderem auch, eine Kultur zu historisieren. Sie findet sich, sie entwickelt sich und sie verschwindet möglicherweise auch wieder, ohne dass dies gleich der Untergang des Abendlandes sein muss. In Witten kommt noch hinzu, dass wir uns für Medienkulturen interessieren und dann feststellen, dass die Buchdruckkultur der Moderne mit ihrem starken Interesse an Vernunft anders funktioniert als die Computerkultur der Gegenwart mit ihrer Faszination an Komplexität, aber auch mit ihrer Anfälligkeit für Nervosität und Hysterie. Kulturen sind historisch plastisch, gottlob, denn andernfalls könnten wir ja jede Hoffnung darauf, sie auch ein klein wenig mitgestalten zu können, vergessen.

Diffus „was mit Kultur“ machen zu wollen kann aber kaum in Ihrem Sinne sein, oder?

Vollkommen richtig, ein diffuses Interesse wünschen wir uns nicht. Wir legen von Anfang an, also bereits im Bewerbungsgespräch, Wert auf eigene Projektideen, berufliche Vorstellungen. Die können und sollen sich ja ändern. Was heißt es, sich auf ein Studium an einer Universität einzulassen? Dazu gibt es ja Alternativen. Was heißt es, im kulturellen Feld zu arbeiten? Unter welchen Umständen könnte man sich ein berufliches Arbeiten auf dem Gebiet der Kulturwissenschaften vorstellen? Für uns ist die Universität kein Ort, der diese Fragen beantwortet, sondern ein Ort, wo jeder seine Antwort auf diese Fragen entwickeln kann. Idealerweise wird das schon an einem solchen Orientierungstag deutlich.

© Universität Witten/HerdeckeWas heißt es, sich auf ein Studium an einer Universität einzulassen? Schüler im Gespräch

Nur werden sich die Schüler doch spätestens da – zu Recht – gefragt haben: Was ist denn eigentlich diese „Kultur“, von der immer die Rede ist, aber kaum jemand allgemeingültig definiert?

Wir drehen die Frage um: Was beobachtet man als Kultur? Woran unterscheidet man sie von anderem? Und eine unserer Antworten in unseren Studiengängen lautet: Kultur ist eine Art und Weise, sich vergleichend und wertend zur eigenen Lebensform zu verhalten. Wir kultivieren das eine und vergessen das andere. Kultur ist eine Form der Reflexion, der Widerspiegelung des gesellschaftlichen Lebens, erstaunlicherweise und zuweilen auch gefährlicherweise oft unbewusst. Wir wollen das bewusst machen. Wir stützen uns dabei gerne auf die Künste, die in Fragen der Darstellung, Reflexion und Intervention oft subtiler arbeiten als die Wissenschaften. Wie kann man den Blick darauf lenken, dass einem viel zu viel zu selbstverständlich scheint, obwohl wir Anlässe genug haben, unsere Lebensform zu überdenken.

Und wie ließ sich das an einem Orientierungstag konkretisieren?

Nur ganz nah am Thema. Im Seminar über Populismus wurde nicht nur darüber diskutiert, ob und wie man den Populismus ablehnen muss, sondern auch, welche Werthaltungen im Populismus zum Ausdruck kommen, sei es seitens der Politiker, sei es seitens der Wähler. Wenn man dann zusätzlich fragt, welche Werthaltungen in der Ablehnung des Populismus zum Ausdruck kommen und mit welchen Auffassungen vom Miteinander in der Gesellschaft diese Werthaltungen auf beiden Seiten etwas zu tun haben, ist man schon ein Stück weiter. Man merkt, dass man mitten drin steckt, und das scheint uns wichtig,

Sie haben von Populismus und Digitalisierung gesprochen, zudem finden sich im Prospekt Stichworte wie „Globalisierung“ und „die ökologische Frage“ – muss eine Uni priorisieren, was in Politik und Medien gerade Modethemen sind?

In einer Orientierungsveranstaltung muss man zeigen, dass auch eine Universität auf der Höhe der Zeit sein kann. Man will die Schüler ja dort abholen, wo sie gegenwärtig ihre Fragen haben, etwas wissen wollen. Wir können schlecht mit einer Veranstaltung werben, die den Satz des Protagoras in Erinnerung ruft. Aber natürlich markieren wir Modethemen auch als solche. Wir fragen, was sie ausblenden. Wir reden darüber, dass Universitäten ihre eigenen Fragen haben. Wir reden über ein akademisches Wissen, nicht weil es höher zu bewerten ist, sondern weil es Distanz zu den Aufregungen des Tages schafft.

© dpaBlick in die Private Universität Witten/Herdecke

Bleiben wir abschließend grundsätzlich: „Uni Witten/Herdecke steht für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung“, liest man bei Ihnen. Was darf man sich jenseits von Corporate-Responsibility-Floskeln darunter vorstellen?

Es ist interessant, dass diese Stichworte so schnell dazu neigen, zu Floskeln zu werden. Uns geht es zunächst darum, die Persönlichkeiten, die zu uns kommen, nicht zu verderben, etwa indem wir Fachwissen über alles andere stellen. Persönlichkeitsentwicklung heißt, den Studierenden einen Ort zu geben, an dem sie die Fähigkeit erwerben, Entscheidungen über ihr Leben selbst zu treffen und nicht anderen zu überlassen. Das geht nicht ohne Werte. Aber diese Werte vermitteln wir nicht, sondern wir lassen sie entstehen. Vielleicht ist das letztlich dasselbe, aber entscheidend ist auch hier, dass Studierende sich ihrer eigenen Werte bewusst werden, was natürlich einschließt, im Studium auf Werte zu stoßen, die als eigene verstanden werden können.

Wie kann man sich den Beitrag der Uni zur „Persönlichkeitsentwicklung“ genauer vorstellen? Was kann eine Uni hier überhaupt leisten?

Eine Universität vermittelt zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Das geschieht im Seminar. Dort werden eigene Fragen mit den Problemstellungen einer oder mehrerer Fachdisziplinen konfrontiert. Und „Konfrontation“ meine ich hier ganz wörtlich. Weder die eigenen Fragen noch die Problemstellungen verstehen sich von selbst. Man muss sie sich aneignen, man muss Distanz zu ihnen gewinnen, man muss sie weiterentwickeln. Das geschieht im Gespräch untereinander und mit den Dozenten. Persönlichkeitsentwicklung ist dabei so etwas wie ein Kollateralnutzen. Man kann sie nicht verhindern, wenn die eigene Subjektivität ernst genommen und zugleich gerahmt, in einen Kontext gestellt wird. Selbst wenn man in einem Seminar, was ja auch möglich ist, zunächst einmal nur zuhörend – oder auch, wie es in NRW ja mittlerweile erlaubt ist, durch Abwesenheit – teilnimmt, ist dies die einzigartige Chance des Seminars: Fragen zu entwickeln, denen man nicht aus dem Weg gehen möchte. So nimmt man sein Leben ein Stück weit selbst in die Hand.

 

Die Fragen stellte Niklas Záboji

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Dirk Baecker ist Soziologe und Professor für Kulturtheorie und Management an der Privatuniversität Witten/Herdecke, deren Fakultät für Kulturreflexion er als Dekan vorsteht. Hier und an den Fakultäten für Gesundheit und Wirtschaftswissenschaft studieren gegenwärtig rund 2.400 Studenten.

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7 Lesermeinungen

  1. auch staatliche Hochschulen bieten Orientierungssemester
    An der Hochschule Pforzheim wird seit 1 Jahr ein Vorsemester, genannt „KATAPULT, angeboten als Orientierung innerhalb der Fakultäten Gestaltung und Technik. Fachübergreifend, aber auch jeweils spezifisch fachvertiefend. Die Studierenden erhalten einen Überblick über die Schnittstellen und gemeinsamen Themen der Fakultäten und Studiengänge. Studierende der designorientierten Vertiefung nutzen die Gelegenheit, sich für Technikkurse und Workshops anzumelden, Studierende aus der technikorientierten Vertiefung diskutierten das gestalterische Angebot. Damit wird bei KATAPULT der dem Strategieprozess der Hochschule entsprechende Perspektivenwechsel und interdisziplinäre Ansatz gelebt. Was die Studierenden und die Verantwortlichen des Vorstudiums gleichermaßen begeistert. So stehen in der Lehrveranstaltung „Kunst und Technik“ gemeinsame Fragestellungen aus den Fakultäten Gestaltung und Technik im Mittelpunkt (z.B. ‚Kunst und Maschinen‘, ‚Technische Bilder‘ und ‚Bionik‘). Im Kurs „Interkulturelle Kompetenz“ vermischen sich sozial-, kultur-, kommunikations- und geschichtswissenschaftliche Fragestellungen.
    Das Ganze ist kostenfrei für die Studierenden. Das Ministerium unterstützt dieses Pilotprojekt.
    https://www.hs-pforzheim.de/studium/vor_dem_studium/vorstudium_katapult/

  2. Schon der Veranstaltungstitel "bist Du Kultur" wirft ein Schlaglicht ...
    … auf den Zustand vieler Bildungseinrichtungen im Lande, ob staatlich oder privat. Und wenn der Rektor sagt, dass „auch eine Universität auf der Höhe der Zeit“ sein soll, heißt das wohl: dem Zeitgeist entsprechen. Und da passt man sich im Lande der Dichter und Denker auch bei der bei der Bildung „nach unten“ der Realität an. Ich finde das traurig.

  3. Freiheit des Geistes?
    Aus den Worten des Professors spricht keineswegs der Verzicht auf autoritäre Gesten. Vielmehr meint er die Studenten auf den Pfad der Politischen Korrektheit führen zu sollen.
    Den Kampfbegriff des Establishments gegen kritische Konkurrenz („Populismus“) übernimmt er unreflektiert. So als sei es seine Aufgabe, politische Parteien vor Kritik zu schützen.
    Eine Universität ist keine Partei-Kadetschmiede. Jedenfalls nicht in freiheitlichen Staaten.

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      Dass man an einer Uni den Populismus (wie jedes andere Thema auch) sachlich behandelt, sollte nicht ueberraschen. Die Haltung des Interviewten ist in dieser Hinsicht tadellos. Bitte genauer hinschauen: „Im Seminar über Populismus wurde nicht nur darüber diskutiert, **ob** und wie man den Populismus ablehnen muss, sondern auch, welche Werthaltungen im Populismus zum Ausdruck kommen, sei es seitens der Politiker, sei es seitens der Wähler. Wenn man dann zusätzlich fragt, welche Werthaltungen in der Ablehnung des Populismus zum Ausdruck kommen und mit welchen Auffassungen vom Miteinander in der Gesellschaft diese Werthaltungen **auf beiden Seiten** etwas zu tun haben, ist man schon ein Stück weiter.“ Uebrigens: im Deutschen heisst es „Kaderschmiede“, es sei denn, es geht um die Ausbildung junger Offiziere, dann heisst es „Kadettenschmiede“ oder, genauer gesagt, „Kadettenanstalt.“

  4. Klingt ein wenig nach Traum-Uni
    aber dann schleicht sich doch der Zweifel ein ob das nicht eine allzu elitäre Veranstaltung ist.

    Ein berufliches Projekt haben? Seine Richtung schon kennen? Ist das nicht Privilegierten-Nachwuchs vorbehalten. Als ich frisch vom Dorf an die (Massen-)Uni kam, wusste ich nichts davon, vermutlich hätte ich nur zu sagen vermocht dass ich etwas Intelligentes machen wollte. Für Herdecke hätte das wohl nicht gereicht.

    Ein Hoch auf die staatliche Uni, die sich so manches natürlich nicht erlauben (können).

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      Lesen zu koennen ist auch wohl eine Voraussetzung fuer die Massen-Uni, oder? „Wenn man tatsächlich keine Idee hat, hilft es ja interessanterweise bereits, sich genau das einzugestehen. Dann weiß man, woran man arbeiten muss. Selbst erste Ideen, die man wieder fallen lässt, sind besser als gar keine. Fatal wäre, wenn man der Universität vertraut und darauf wartet, dass die Professorinnen und Professoren es einem schon sagen werden, wohin es gehen kann.“

  5. Anrede
    „Herr Professor“ klingt devot. Muss nicht sein.

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